Fortuna Köln – Wuppertaler SV 3-0

Ich hatte mir lange überlegt, ob ich einen Rückblick auf die letzten Saison schreiben sollte. Letztlich überzeugte mich der erste Chatauftritt des neuen Fortuna-Trainers Uwe Koschinat davon, es nicht zu tun. Denn das, was er dort erzählte, das versprach einen echten Neuanfang – und in diesem Chat wusste Koschinat noch nicht einmal, dass die Fortuna nur Stunden später von Franz-Josef Wernze den Aufstieg in die Regionalliga wie einen ausgelutschten Kaugummi vor die Füße gespuckt bekommen sollte: Germania Windeck verzichtete auf den Aufstieg, den sie sich sportlich deutlich verdient hatten. Und so spielt in dieser und der nächsten Saison nun also der SC Fortuna Köln in der Regionalliga West, und das, wie alle Teams, auch noch unabsteigbar, weil wegen der Regionalligareform in dieser Saison ein sportlicher Ausscheidungskampf ausfallen wird.

Was der Fortuna-Trainer versprochen hatte, war dies: Ein 4-3-3 mit drei echten Stürmern, ein auch körperlich dominantes Auftreten und eine Verlagerung des Spiels in die gegnerische Hälfte. Im ersten Saisonspiel bei der U23 des VfL Bochum war von all diesen Vorsätzen so gut wie nichts zu sehen gewesen, das schlussendliche 1-1 war zwar nicht unverdient, aber doch glücklich, weil Bochum die Entscheidung schon vor dem späten Ausgleich hätte herbeiführen können.

Für das erste Heimspiel im Südstadion war die Erwartung an die Fortuna also gleich hoch, zumal Koschinat auch noch angekündigt hatte, dass ihm trotz eines völlig neu zusammengestellten Kaders die Vorbereitung reichen werde, um die Mannschaft seinen Vorstellungen entsprechend einzustellen. Zu Gast waren der Aufstiegsfavorit Wuppertaler SV, nach langer Zeit auch mal wieder der WDR, der nun wieder regelmäßig von der Fortuna berichten wird (hier der Beitrag zum Spiel von gestern), und die Spürhundestaffel der Kölner Polizei, die Pyrotechnik erschnüffeln sollten.

Regionalliga: Das Fernsehen ist wieder zu Gast

Müder Sprengstoffspürhund

Vier Spieler der Oberligamannschaft hatten es noch in den gestrigen Kader geschafft: Paucken – Caspers, Haben, Schäfer, Bartsch – Pagano, Kühn, Laux (75. Yilmaz) – Nottbeck (79. Dahmani), Montabell, Moritz (59. Kessel).

Tatsächlich brachte Uwe Koschinat das angekündigte, astreine 4-3-3 auf den Rasen des Südstadions. Taktisch inszeniert Koschinat diese Grundformation allerdings nicht wie der FC Barcelona. Vielmehr hat er die Mannschaft mit groß gewachsenen, körperlich robusten Spielern bestückt, die technisch dennoch fähig sind.

Auflaufen der Mannschaften

Bei eigenem Ballbesitz versuchte die Fortuna oft, mit langen Bällen auf einen Spieler der vorderen Dreier-Reihe, teilweise direkt von Torwart Dieter Paucken oder von den Innenverteidigern geschlagen, das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Vorne soll der Ball dann möglichst schnell verarbeitet werden, um in eine Abschlussposition zu kommen. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler rücken genauso wie die Flügelstürmer oft nach innen, um sich als Anspielstationen anzubieten.

Maurice Kühn als Sechser ist also keineswegs zentraler Ballverteiler, tat sich bei dieser Aufgabe in Bochum auch nicht besonders hervor, wo er gegen den spielstärkeren Alex Ende ausgewechselt wurde. Defensiv allerdings ist Kühn mit Sicherheit die bessere Wahl als Ende, zumal er schon körperlich eher die Statur eines Innenverteidigers hat und in einem 4-3-3- der einzige Sechser zwangsläufig eher defensiv denken muss. Entsprechend tief lässt er sich bis unmittelbar vor die Viererkette fallen, wenn der Gegner angreift.

Bei gegnerischem Ballbesitz praktiziert die Fortuna zunächst ein breites Forechecking, alle Stürmer arbeiten aktiv gegen Ball und Gegner, die Verteidigung stand dann wenigstens gestern recht hoch, nur kurz hinter der Mittellinie. Falls der Gegner das Pressing überwindet, lassen sich die Fortunaspieler sehr tief fallen, die hinteren beiden Linien stehen innerhalb von vielleicht 15 Metern vor der eigenen Strafraumgrenze, vorne lauern noch ein, zwei Angreifer.

Unterm Strich sahen die Angriffe der Fortuna so fast immer aus wie Konter. Entweder, weil es nach Ballgewinn wirklich welche waren, oder weil der eigene Ball so direkt und schnell nach vorne gespielt wurde, dass auch dort der Gegner überrumpelt wurde.

Besonders erfreulich war, dass alle drei Tore dieser Einstellung der Mannschaft entsprangen. Beim 1-0 ersprintete Oliver Laux einen zu kurz geratenen Rückpass, natürlich auch ein Geschenk der Wuppertaler. Beim 2-0 kurz nach der Pause gelang Nottbeck der Ballgewinn in den gegnerischen Aufbau hinein, ein schneller Pass auf den Flügel zu Moitz, der passt flach in die Mitte zu Montabell: Alle drei Stürmer am Tor nach erfolgreichem Forechecking beteiligt! Beim 3-0 schließlich verlängert Moritz einen langen Ball von Paucken in den Lauf von Pagano, der direkt abschließt.

Jubel nach dem 3-0

Taktik voll aufgegangen, Aufstiegsfavoriten mit 3-0 geschlagen, mehr als 2.000 Zuschauer im Südstadion. Alles Sonnenschein? Nein, denn in der Defensive zeigte sich die Fortuna wie schon in Bochum anfällig, solange der WSV noch versuchte, mit seinen technisch sehr starken Spielern zum Torerfolg zu kommen. Auf den Flügeln konnten die Flanken regelmäßig nicht verhindert werden, und in der Mitte gelang es den Innenverteidigern zu selten, die ankommenden Bälle unmissverständlich zu klären. Lediglich Dieter Paucken zeigte eine tadellose Leistung und hielt, was auf seinen Kasten kam, ohne auch nur eine Unsicherheit erkennen zu lassen.

Erst nach dem 3-0 gab der WSV auf und brachte gar nichts mehr nach vorne, vor der Pause dagegen hätte sich die Fortuna über ein Gegtentor nicht beklagen können.

Am Ende ging der Kölner Sieg natürlich voll in Ordnung, und es beeindruckte auch das Verhalten der Mannschaft, die schon vor dem Spiel zu den Fans gekommen war, und die sich nach dem Spiel zunächst zu einem Kreis versammelte, um dann noch einmal dem Fanblock zu danken – auch wenn der sich selbst dieses Mal nicht so toll fand.

Ich bin gespannt darauf, wie sich diese neue Mannschaft zusammen mit dem Trainer entwickeln wird, und ob sich andere Gegner besser auf die neue Fortuna-Taktik einstellen können, als es dem WSV gelang. Das Spiel gestern machte jedenfalls Lust auf mehr!

Gästekurve

Suppa!

Choreo

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

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