Usability von Gasflaschen

In der virtuellen Welt, in der ich arbeite, ist die Benutzbarkeit von Produkten wichtig. Noch wichtiger ist sie aber natürlich dann, wenn man bei falscher Nutzung eines Produkts einen entscheidenden Fehler begehen kann. Ich finde, dass ein Druckminderer, den man auf eine unter 60 bar Druck stehende CO2-Flasche schraubt, um ihr kontrolliert Gas zu entnehmen, grundsätzlich ein solches Produkt ist.Ich habe jedenfalls vor Gasflaschen einen Heidenrespekt, selbst nachdem ich während des Studium ab und an mal die mannshohen Teile anschließen musste, die dir ein Loch in Boden und/oder Wand schlagen, wenn ihnen das Köpfchen abbricht, was immerhin selten passiert.

Wie man meinem Twitter-Stream entnehmen konnte, richte ich mir gerade ein Aquarium ein, so dass ich es heute zufällig mit exakt einer kleinen CO2-Flasche mit Druckminderer zu tun hatte. Man schraubt den Druckminderer auf die Flasche, und soll ihn dabei schließen, damit, wenn man dann die Flasche anschließend öffnet, sie durch den Druckminderer zunächst weiter verschlossen bleibt, bevor man ihn dann langsam öffnet, um die entnommene Menge Gas nach und nach zu erhöhen.

In welche Richtung aber soll man den Verschluss des Druckminderers nun drehen, um ihn zu schließen? Meiner Ansicht nach hat die Firma Dennerle, die das Produkt verkauft, gleich drei Benutzbarkeitprobleme eingebaut:

  1. Die pulsartigen Zacken vor dem Plus- bzw. Minus-Zeichen (siehe Foto unten) sollen Richtungspfeile sein. Mal im Ernst: Muss sich an so einem Pfeil unbedingt ein Designer selbst verwirklichen und ihn, den Pfeil, der Länge nach halbieren, auch noch jeweils anders, um ihn irgendwie cooler aber weniger eindeutig als Pfeil erkennbar zu machen? Ich musste jedenfalls ernsthaft überlegen, was das sein soll.
  2. Die Hinweise zur Richtung, in die man den Minderer zum Öffnen oder Schließen drehen muss, sind auf der Rückseite des Geräts angebracht, wie man daran erkennen kann, dass man auf dem Bild die Rückseiten der Manometer sieht. Wer kommt bitte auf so eine Idee? Den Regelknopf muss man immer wieder mal bedienen, um den CO2-Fluss anzupassen. Und dann druckt man die Hinweise auf die Rückseite?
  3. Das alles wird umso wichtiger, weil die Drehrichtung des Knopfes hiesigen Gepflogenheiten widerspricht: Normale, deutsche Gewinde dreht man nämlich rechtsherum (im Uhrzeigersinn) zu, und linksherum wieder auf. Jeder Wasserhahn, jede Schraube, jedes andere Gewinde funktioniert so. Hier ist es anders, warum auch immer, also wäre ein unmissverständlicher Hinweise nur umso angesagter. (Und der Druckminderer einer Kohlendioxid-Flasche fällt auch nicht unter die Ausnahmen, die die Wikipedia für Gewinderichtungen kennt.)

Das ganze Problem wird noch dadurch verschärft, dass Drehrichtungsanzeigen an Knöpfen ohnehin schnell missverstanden werden, wie dieser schöne Artikel (mit Umfrage) der Kollegen von uxzentrisch illustrierte: Verstehst du meine Kaffeemühle? Ein Usability-Quiz.

Mich hat diese Nachlässigkeit jedenfalls ganz schön schwitzen lassen. Denn auch wenn ich keine Sorge haben musste, dass mir die Flasche explodiert, wollte ich doch gerne vermeiden, dass mir bei der Inbetriebnahme erst mal ein Gasstoß durch’s Aquarium fegt.

Usability am Druckminderer

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Ein Gedanke zu “Usability von Gasflaschen

  1. Kann ich gut nachvollziehen! Und dabei gibt es doch für den Anwendungsfall von Drehknöpfen an Ventilen schon gute, gelernte Pattern wie das Heizungsventil…

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