Fortuna Köln – Bayer 04 Leverkusen II 2-2

Es hätte die Pointe des Nachmittags werden können – aber der Linienrichter hatte etwas dagegen, als Hamdi Dahmani unmittelbar vor dem Schlusspfiff noch das 3-2 für den SC Fortuna Köln erzielte. Dass der Abseitspfiff berechtigt war, halte ich nach Studium meines Fotobeweises (weiter unten) für zweifelhaft. Aber auch ohne diesen Schlusspunkt war es unter dem neuen Trainer Uwe Koschinat bereits das zweite sehenswerte Spiel der Mannschaft im Südstadion. Und trotz des eigentlich frustrierenden Endes, nachdem Fortuna die Führung erst kurz vor Schluss aus der Hand gegeben und den Sieg noch knapper verpasst hatte, feierten die Fans Mannschaft und Trainer.

Südstadion

Uwe Koschinat hatte das Team wieder im 4-3-3 aufgestellt: Paucken – Heinze, Haben, Schäfer, Caspers – Kühn, Nottbeck, Laux – Kessel, Montabell, Moritz.

Auflaufen der Mannschaften

Das Spiel lief allerdings etwas anders als vor zwei Wochen gegen Wuppertal. Zum einen stand Leverkusen bei Ballbesitz der Fortuna gut gestaffelt, so dass die langen Bälle in die Spitze, die die Fortuna spielte, wenig ergiebig waren. Und zum anderen bestimmten die Pillen zunächst selbst das Spiel, technisch stark, wie man es von U23-Mannschaften erwartet. Während der ersten halben Stunde kam die Fortuna zu keiner guten Chance, im Gegenteil: Ex-Fortune Abdelkader Maouel hatte die Führung auf dem Fuß, aber Dieter Paucken fischte seinen Distanzschuss noch aus dem Winkel.

Wenig später (24.) hatte Paucken dann weniger Glück: Bei einem weit geschlagenen Eckball faustete er den nassen Ball  in Richtung des eigenen Tores, wo ihn ein Leverkusener Spieler nur noch über die Linie bugsieren musste.

Unglücksrabe Paucken verschnupft

Bereits eine Minute später hätte Fabian Montabell fast den Ausgleich erzielt, doch Fabrice Vollborn, Sohn eines bekannten Vaters, kratzte den Ball reaktionsschnell noch von der Linie.

Die Fortuna war nun aber endlich aufgewacht, nahm das Spiel in die Hand und versuchte sich vor das Leverkusener Tor zu kombinieren. Das geschah allerdings nicht mit dem letzten Durchschlag, so dass ein Freistoß helfen musste: Nottbeck zielte exakt in den Knick, Vollborn kam noch dran, aber den doppelten Abpraller konnte Mitja Schäfer problemlos im Tor unterbringen (35.)

Mit dem Pausenstand von 1-1 konnte die Fortuna durchaus zufrieden sein, denn Leverkusen hatte mehr Spielanteile gehabt und war bei Kontern brandgefährlich, erzielte noch ein Abseitstor und hatte eine weitere, vom Linienrichter abgewunkene Großchance.

Verwaiste Südkurve

Nach der Pause sah das Spiel dann aber anders aus. Die Fortuna entwickelte endlich die Überlegenheit, die man von ihr von Beginn an erwartetet hatte, drängte Leverkusen in die Defensive, konnte aber weiterhin keine ganz großen Chancen herausarbeiten.

Die Führung gelang dann durch einen Bauerntrick, mit dem man vermutlich nur einen 19-jährigen Keeper überraschen kann: Bei einer Ecke war der kurze Pfosten ungedeckt, die Fortuna schlug den Eckball auf eben diesen Pfosten, wo der aufgerückte Stefan Haben nur den Fuß hinhielt und den Ball locker ins Tor log. Darf aus Leverkusener Sicht natürlich so nie fallen, dieser Treffer, war in dieser Phase aber verdienter Ausdruck der Kölner Überlegenheit.

Jubel über die Führung

Die Überlegenheit setzte sich fort, die Fortuna beherrschte das Geschehen, brachte aber keine letztinstanzlich gefährlichen Bälle auf das Leverkusener Tor, auch wenn ein paar Mal Kölner Spieler nur knapp verpassten.

Während des gesamten Spiels ließ sich die Fortuna wie üblich sehr tief fallen, wenn der Gegner in Ballbesitz war, machte das Spielfeld kurz vor dem eigenen Strafraum flach und spielte oder schlug gewonnene Bälle schnell in die Spitze. Dort konnten die ankommenden Bälle heute aber nicht behauptet werden, so dass er der Fortuna nicht gelang, mit einem dritten Treffer die wahrscheinliche Entscheidung  herbeizuführen.

Und so kam es zu dem schon angesprochenen Finale. Zunächst traf Leverkusen drei Minuten vor dem Ende zum Ausgleich. Ich war gerade vom Aushilfs-Capo abgelenkt, der auch meine Tribünenseite dazu bringen wollte, aufzustehen, sofern man für Fortuna sei, so dass ich nur noch den Ball zum 2-2 im Tor zappeln sah.

Sekunden vor dem Schlusspfiff dann noch ein Freistoß für die Fortuna, von links mit dem rechten Fuß geschlagen, der Ball wird mit dem Kopf quer gelegt, Hamdi Dahmani drückt ihn über die Linie – aber der Linienrichter hat die Fahne oben. Im Foto unten kann man es nur ahnen, aber es sieht so aus, als sei Dahmani (Nr. 20) bei der Ballabgabe nicht im Abseits. (Nachtrag: Auch auf einem Foto von Gert König kann man sehen, das es sehr wahrscheinlich kein Abseits war, der blaue Spieler scheint auf Höhe der Fünfmeterlinie zu sein, und dann gilt mindestens „im Zweifel für den Angreifer“.)

Kopfball vor dem abgepfiffenen 3-2

Den Freistoß nach dem Abseitspfiff ließ der Schiedsrichter gar nicht mehr ausführen, und die Spieler beider Mannschaften schienen mit dem Ergebnis nicht so recht etwas anfangen können. Man schüttelte sich etwas unschlüssig die Hände. Nur einer hatte eine klare Meinung zum Ergebnis: Uwe Koschinat. Der schickte zum einen die Mannschaft zu den Fans, die während der gesamten zweiten Halbzeit eine tolle Stimmung gemacht und sich auch vom Ausgleich nicht hatten zum Schweigen bringen lassen. Aber zum anderen stapfte Koschinat wie das Rumpelstielzchen über den Rasen, fluchte mit geballten Fäusten vor sich hin, und auch der vorbeigehende Pressesprecher Burkhard Mathiak bekam sein Fett weg.

Die Fans feierten die Mannschaft und mit „Uwe, Uwe“-Rufen auch explizit den Trainer. Und in der Tat: Uwe Koschinat hat mit dieser Mannschaft auch mir den Spaß an der Fortuna zurückgegeben. Es ist keineswegs eine allzu ausgefuchste Spielweise, die in der Südstadt gerade eine neue Begeisterung entfacht, auch wenn ich die taktischen Vorgaben von Koschinat erkenne. Es ist aber vielmehr die Leidenschaft, die der Trainer vorlebt und die Mannschaft auf dem Platz erkennen lässt. Da wird einfach gefightet, gerannt, draufgegangen, da wirft sich eienr für den anderen in die Bresche, und da wird vor allem gespielt, um zu gewinnen. Und das ist das alles auch noch relativ erfolgreich: Nach vier Spieltagen hat die Fortuna noch nicht verloren, wenn auch erst einmal gewonnen. Für einen Aufsteiger ist dsa in Ordnung. Heute hätte sie den Sieg verdient gehabt, in den zwei Auswärtsspielen profitierte sie aber auch zwei Mal von späten Ausgleichstreffern, so dass die Gesamtbilanz in Ordnung geht.

Schon am Dienstag geht es zu den Sportfreunden Lotte, die als Mitfavorit in die Saison gegangen waren, bislang aber mit vier Unentschieden in vier Spielen sogar eins mehr als die Fortuna zustande brachten. Und am nächsten Sonntag geht es gegen die Sportfreunde Trier. Ich freue mich drauf!

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

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