Darf die Allmende nutzen, wem die eigene Weide nur zu weit weg ist?

Die folgende Gewissensfrage sende ich jetzt an Dr. Dr. Rainer Erlinger, stelle sie aber auch der Beurteilung meiner geneigten Leser anheim.

Sehr geehrter Dr. Dr. Erlinger!

Meine Wohnungsvermieterin verpachtet auch einige Parkplätze im Hinterhof unseres Hauses. Ich würde gerne einen mieten, es sind aber bereits alle vergeben, so dass ich mir einen Parkplatz am Straßenrand suche, was in unserem Viertel oft schwierig ist. Eine der Parkplatzmieterinnen kommt nun oft zu günstigen Uhrzeiten nach Hause. Sie parkt ihren Wagen dann am Straßenrand vor der Tür und lässt ihren Hofparkplatz frei. Es ist ihr wohl zu mühsam, das Hoftor zu öffnen, hineinzufahren und das Tor wieder zu schließen. Ich ärgere mich über dieses Verhalten, weil ich denke, dass sie mir und anderen einen der knappen freien Parkplätze wegnimmt, obwohl sie doch einen sicheren Mietplatz hat. Ist mein Ärger berechtigt?

Genau genommen ärgere ich mich natürlich nicht nur, nein, wenn ich größer werdende Suchkreise durch die Neuehrenfelder Seitenstraßen ziehe, könnte ich jedes Mal, wenn ich an ihrem Auto vorbeikomme, nachgerade platzen.

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2 Gedanken zu “Darf die Allmende nutzen, wem die eigene Weide nur zu weit weg ist?

  1. vincent schreibt:

    hallo surfguard,

    zunaechst einmal: schoen, dass hier wieder was los ist!

    now my two cents: eine eigene weide zu besitzen, schlieszt einen normalerweise nicht davon aus, die allmende zu nutzen (oder?). allerdings haben allmenden gewoehnlich sowas wie einen fair-queueing-nutzungsplan. beim zeitlich unbegrenzten gratisparken am straszenrand wird das nutzrecht nach dem — zumindest in gegenden, in denen vorwiegend regelmaeszig die gleichen leute parken (anwohner etc.) ungerechten — kriterium ‚wer zuerst kommt parkt zuerst‘ verteilt. m.e. liegt hier der hase im pfeffer. deine nachbarin kommt frueher nach hause als Du und nimmt, wie jeder andere, immer wenn moeglich von diesem unfairen vorteil gebrauch. dass sie diese ungerechtigkeit — ihres parkplatzes im hinterhof eingedenk — unnoetigerweise billigt, macht ihr verhalten unter dem gesichtspunkt der naechstenliebe fragwuerdig. die tatsache, dass Dir oder jemand anderem dann die parkluecke nicht mehr zur verfuegung steht, liegt allerdings nicht in ihrer verantwortung, sondern „das system ist schuld“.

  2. „Nächstenliebe“ ist ein schöner Begriff in diesem zusammenhang. Ich seh’s eigentlich genauso wie du. Natürlich hat die Dame ein Recht auf den Straßenparkplatz, das sie sich nicht erschlichen hat. Aber wenn man einen Gedanken an seine Mitmenschen verschwenden würde, dann würde man denen zuliebe die Extraanstrengung auf sich nehmen und den Wagen auf dem Stellplatz parken.

    Wahrscheinlich sollte ich sie freundlich auf das Problem ansprechen. Aber zum einen fürchte ich dann eine Szene, die es in die nächste Staffel von „Curb Your Enthusiasm“ schaffen könnte. Und zum anderen würde sie den Platz ja nicht für mich freilassen, sondern wahrscheinlich bekäme ihn dann irgendein/e andere/r Frühnachhausekommer/in. Und für die muss ich mich doch nicht krumm legen ;-))

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