Die allwissende Amazonkugel

Immer wieder bekomme ich in Beratungsgesprächen zur Gestaltung von Websites zu hören: „Machen wir es doch einfach genauso wie <Marktführer X>, dann können wir nichts falsch machen.“ Wenn es um Kaufprozesse geht, dann ist Amazon der unanfechtbar gesetzte Maßstab. Gegenargumente: sinnlos.

Nun ist natürlich nichts falsch daran, sich am Marktführer zu orientieren. Aber die Annahme, dass dieser Marktführer in Sachen Benutzbarkeit, Zugänglichkeit oder Nutzerfreundlichkeit das Nonplusultra darstellt, ist nicht notwendigerweise richtig.

Man sieht das daran, dass es natürlich viele andere Faktoren gibt, die zum Erfolg eines Unternehmens beitragen: Vermarktung/Werbung, Angebotsbreite oder Alleinstellungsgrad, um nur ein paar zu nennen. Komischerweise hat mir nämlich, auch wenn wir keine Applikationen bauen, noch nie jemand Microsoft Office als Vorbild für die Gestaltung einer Oberfläche empfohlen. Denn dass Microsoft den letzten Platz bei Usability belegt, ist (inzwischen) ein genauso populärer Irrtum wie der, dass Amazon alles richtig macht.

Ein weiterer, offensichtlicher Beleg dafür, dass Amazon nicht alles richtig macht, ist die Beobachtung, dass die Amazon-Website laufend verändert wird, quasi im Wochentakt!

Und jetzt gibt es einen Insiderbericht, der sehr interessant beschreibt, wie wenig sich Jeff Bezos an handfesten Ergebnissen von Usability-Studien orientiert, sondern stattdessen seine privaten Vorstellungen davon umsetzen lässt, wie eine Ecommerce-Website auszusehen hat:

Jeff Bezos is an infamous micro-manager. He micro-manages every single pixel of Amazon’s retail site. He hired Larry Tesler, Apple’s Chief Scientist and probably the very most famous and respected human-computer interaction expert in the entire world, and then ignored every goddamn thing Larry said for three years until Larry finally — wisely — left the company. Larry would do these big usability studies and demonstrate beyond any shred of doubt that nobody can understand that frigging website, but Bezos just couldn’t let go of those pixels, all those millions of semantics-packed pixels on the landing page. They were like millions of his own precious children. So they’re all still there, and Larry is not.

Noch viel interessanter an diesem langen Post ist, dass es eigentlich gar nicht um Amazon geht, sondern darum, dass Google seit jeher Produkte baut, dadurch aber nie ein Verständnis für die Bedeutung von Plattformen entwickelt hat. Must read!

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