Fortuna Köln – FSV Mainz 05 II 3-1

Ein Spiel, das auch gut genau andersherum hätte ausgehen können, ohne dass sich ein Besucher gewundert hätte. Ein Spiel, das sehr deutlich aufzeigte, mit welchen Mitteln die Fortuna in dieser Saison ihre Punkte holen will und muss, und mit welchen nicht. Ein Spiel, das am Ende aber auch einfach begeisterte. Und wenn man sich als Fortuna-Fan vor dieser Saison eins gewünscht hatte, dann eben dies: Dass es wieder Spaß machen sollte, ins Südstadion zu gehen.

In den Jahren unter Mink hatte sich die Fortuna ein gepflegtes 4-2-3-1 angewöhnt, das, wenn es funktionierte, für spielerische Glanzlichter sorgen konnte. An den vielen Tagen, an denen es nicht optimal funktionierte oder auf einen guten Gegner traf, mussten sich die verbliebenen Besucher des Südstadion aber ein immergleiches, ermüdendes Ballgeschiebe van Gaalschen Vorbilds ansehen.

Das hat sich mit Uwe Koschinat grundlegend geändert. Sein System garantiert Spektakel, und das ist in dieser Saison, nach der keine Mannschaft absteigen muss, erst mal erfrischend. Ob das Konzept langfristig auch den angestrebten Erfolg bringen wird, das bleibt abzuwarten. Wenigstens in dieser ersten Koschinat-Saison sind die Bruchstellen doch noch recht eindeutig erkennbar, auch wenn die Fortuna in den absolvierten Partien schon zwei Siege und vier Punkte mehr sammeln konnte als die U23 von Bayer Leverkusen, die neue Mannschaft von Matthias Mink, die zudem noch ein Spiel mehr hinter sich hat.

Nach dem Spiel

Mit der taktischen Aufstellung wusste Uwe Koschinat jedenfalls zu überraschen: Wie schon bei Fortuna Düsseldorf II, im bislang letzten Spiel, ließ Koschinat wieder ein 3-5-2 spielen. Haben, Theißen und Kapitän Schäfer bildeten die Dreierkette, die bei gegnerischem Ballbesitz von den beiden Mittelfeldaußen Pagano und Caspers zur Fünferkette ergänzt wurde. Davor stand mit Laux, Ende und Yilmaz ein flexibel agierendes zentrales Mittelfeld, in dem Yilmaz logischerweise den offensivsten Part spielte. Im nominellen Sturm spielten Montabell und Moritz. Die Aufstellung also: Paucken – Haben, Theißen, Schäfer – Pagano (90. Dahmani), Yilmaz, Laux, Ende (90. Habl), Caspers – Moritz (72. Kessel), Montabell.

Auflaufen der Mannschaften

Die Aufstellung könnte zum Teil auch den Ausfällen geschuldet sein, insbesondere der defensivstarke Stammsechser Maurice Kühn stand nach der 5. gelben Karte nicht zur Verfügung. Gegen die spielerisch sehr starken Amateure mit einer Fünferkette und zwei oder bei Bedarf sogar drei Sechsern das Zentrum zu verstärken, erscheint im Rückblick auf die Partie aber auch sonst wie eine gute Idee.

Denn von Anfang an nahm Mainz das Heft in die Hand, ließ den Ball laufen und war vor allem durch die Mitte brandgefährlich. Immer wieder versuchten die Mainzer, den Ball kurz durch das Zentrum der sehr tief stehenden Fortuna-Abwehr zu stecken, was ein paar Mal auch gelang und gute Chancen ergab, die allerdings ungenutzt blieben.

In der 21. Minute leitete dann der beste Spieler auf dem Platz den Führungstreffer ein: Ozan Yilmaz stahl dem Gegner an der Mittellinie den Ball, sprintete den Flügel herunter, flankte präzise und weich auf den mitgelaufenen Fabian Montabell, der überlegt ins lange Eck zurückköpfte.

Jubel über das 1-0

Die Führung war nicht direkt unverdient, aber glücklich, denn Mainz hatte mehr und bessere Chancen gehabt. Die Fortuna konnte allerdings ihre erste Topchance auch gleich nutzen.

Mit dem 1-0 ging es in die Pause, und es schien, als wollten sich die Rotweißen den Spielstand im Nachhinein verdienen, denn in den ersten 20 Minuten nach der Unterbrechung arbeiteten sie drei, vier sehr gute Chancen heraus, konnten die aber nun ihrerseits nicht in Treffer ummünzen.

Mitten in diese Phase fiel der Treffer für Mainz, gleich mehrfach unglücklich. Denn nicht nur, dass Fortuna schon höher hätte führen müssen. Mainz hatte sich in der zweiten Halbzeit offensichtlich auch vorgenommen, das Flügelspiel zu forcieren, nachdem es vor der Paus e durch die Mitte nicht geklappt hatte. Das Tor in der 64. fiel aber dann doch wieder nach einer Aktion durch die Mitte: Ein Mainzer Angreifer war in den Strafraum eingedrungen, spürte die leichte Berührung eines Kölners und ließ sich fallen. Und während ich auf den Pfiff des Schiedsrichters und die gelbe Karte für die Schwalbe wartete, zappelte der Ball auf einmal im Netz. Wie er dorthin gekommen war? Ich bin mir nicht sicher, dass das jeder Kölner Spieler mitbekommen hatte, jedenfalls war das Tor nicht Ergebnis einer der vorher durchaus gezeigten Traumkombinationen der Mainzer.

Ausgleich für Mainz

Der weitere Verlauf dieses Spiel wäre noch in der letzten Saison typischerweise der gewesen, dass sich beide Mannschaften nun wieder abtasten und am Ende Mainz mit seiner spielerischen Klasse den Siegtreffer erzielt. Nicht so in dieser Saison!

Nach einem in der eigenen Hälfte abgefangenen Mainzer Angriff, nur zwei Minuten nach dem Ausgleich, spielte Oliver Laux den langen Pass auf den durchgestarteten Silvio Pagano. Der nahm den Ball in absoluter Weltklassemanier im ungebremsten Lauf mit der Brust mit, spurtete seinen Gegenspielern davon, und seinen etwas unplatzierten, aber harten Abschluss konnte der Keeper zwar noch berühren, jedoch nicht mehr entscheidend abfälschen.

Mit diesem Treffer schien den Mainzern der Zahn gezogen zu sein. Wirklich spannend wurde es nicht mehr, auch wenn die Fortuna es verpasste, das beruhigende 3-1 früher zu schießen.

Das gelang nämlich erst in der Nachspielzeit dem aus taktischen Gründen Sekunden zuvor eingewechselten Hamdi Dahmani: Für das Zulaufen auf den Torwart, dessen seelenruhiges Austanzen und das Einschieben am verbliebenen Verteidiger und dem noch einmal zurückhechtenden Torwart brauchte er mehr Zeit, als er davor überhaupt auf dem Platz verbracht hatte. Ich glaube nicht, dass die Fortuna einen Spieler hat, der aus 1:1-Situationen gegen den Torwart souveräner und sicherer Tore macht als Hamdi Dahmani.

Hamdi auf dem Weg zum 3-1

Hamdi auf dem Weg zum 3-1

Hamdi auf dem Weg zum 3-1

Jubel über das 3-1

Am Ende stand also ein Erfolg, der lange gefährdet war. Hätte Mainz in der ersten Halbzeit seine Möglichkeiten genutzt, dann hätte die Fortuna gegen diese technisch herausragende Mannschaft wohl kaum noch einmal zurückkommen können. Auf der Website von Mainz 05 ist von „biederen fußballerischen Mitteln“ die Rede, mit denen die Fortuna Mainz geschlagen hätte. Da ist, bis auf den schnöselig-beleidigten Unterton, einiges dran. Aber es ist nichts weniger als legitim, seine Stärken in die Waagschale zu werfen, seine Chancenauswertung dem Gegner selbst zu überlassen und eigene Möglichkeiten zu nutzen, wenn sie sich bieten.

Zwei merkliche Schwächen hat die Fortuna in ihrem Spiel aber seit Saisonbeginn, die auch gestern wieder deutlich wurden. Spielerisch geht nach vorne wenig. Gestern Ozan Yilmaz und sonst oft Michael Kessel sind die einzigen Spieler, die mal einen Gegner auszuspielen versuchen, um so eine gefährliche Situation zu schaffen. Auf die (grundsätzlich wünschenswerten) Diagonalbälle von Alex Ende kann sich ein Gegner hingegen leicht einstellen, von Maurice Kühn kommen normalerweise nicht einmal die, so dass die Fortuna sehr stark auf das Konterspiel angewiesen ist.

Das wäre ja noch in Ordnung, wenn denn die Defensive besser stünde. Tatsächlich steht die letzte Linie in der Regel an der Strafraumgrenze, die zweite Linie nur kurz davor, aber man lässt den Gegnern trotzdem viel zu viel Platz, um in der roten Zone vor dem Strafraum den Ball anzunehmen, zu führen und abzuspielen. So kam gestern Mainz ein ums andere Mal zu guten Chancen.

Defensiv müssen meiner Ansicht nach die Raumverengung und das Spiel gegen den Mann besser werden. Offensiv sollten Spielertypen wie Yilmaz, der nach der herausragenden Leistung gestern seine Chance auch in Zukunft bekommen sollte, Kessel oder auch Tibor Heber das Spiel der Fortuna unberechenbarer machen.

Was aber ungeachtet all dessen gilt, das ist, dass die Taktik von Uwe Koschinat für attraktive Begegnungen mit vielen Aktionen sorgt, bei denen es einfach Spaß macht, zuzusehen. Ich muss lange zurückdenken, dass ich mich Torerfolge der Fortuna so buchstäblich vom Hocker gerissen haben, wie das gestern nicht zum ersten Mal der Fall war. Mit diesem Team lebt man einfach gerne mit.

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel

Salto Pauckale

Stimmungsvoller Abschluss

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3 Gedanken zu “Fortuna Köln – FSV Mainz 05 II 3-1

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