Kurz reingeschaut: „100 Prozent Köln“ im Schauspielhaus Köln

Es gibt einen hysterisch lustigen Cartoon von Bernd Pfarr: „Ist das noch Fußball?“ Ein bisschen ging es mir gestern im Theater wie beim Betrachten dieses Cartoons. Es gab seltsam gut passende Unzusammenhänglichkeiten zu sehen, von denen man doch nicht die Augen wenden kann, und am Ende fragt man sich: Ist das noch Theater?

100 Prozent Köln“ bringt 100 echte Kölner auf die Bühne, Laien, die sich selbst darstellen, wobei man manchmal auch den Eindruck hat, dass sie die Personen darstellen, die sie gerne wären. Die 100 Personen auf der Bühne stehen für Köln, sie sind nach Geschlechtern, Jahrgängen, Nationalitäten, Stadtbezirken und Haushaltsgrößen repräsentativ ausgewählt. Jeder Protagonist steht für 10.000 Köln Bürger.

Diese 100 Kölner stellen Statistiken dar, in dem sie sich zur Beantwortung von Fragen auf der Bühne verteilen: Für jedes Jahrzehnt, das jeder in Köln wohnt, geht er aus einem Kreis einen Schritt in Richtung Bühnenmitte. Wer eine Kuh besitzt, geht auf die eine Seite der Bühne, wer nicht, auf die andere. Wer glaubt, in 10, 20, 30 oder 70 Jahren noch zu leben, stellt sich vor das jeweilige Schild.  Wer schon einmal im Knast war, stellt sich in die Mitte der Empore. So entstehen lebendige Diagramme, die manchmal überraschend, manchmal unterhaltsam, manchmal empörend, manchmal banal sind.

Wirklich berührend sind aber nur die kurzen Momente, in denen einzelne Personen aus ihrem Leben erzählen. Dann bekommt die Statistik ein Gesicht, und dann wird anschließend nachvollziehbar, warum sich Darsteller auf die eine oder andere Seite der Statistik stellen.

Am Ende hat man einen bunten Reigen gesehen, hat sich zwei Stunden lang gut unterhalten. Mitnehmen tut man aber die einprägsamsten Geschichten, die bewegendsten Schicksale. Das ist es dann eben doch, was gutes Theater ausmacht: Eine Geschichte, ein Schicksal, eine menschliche Erkenntnis. Und so gesehen war die „Kölner Affäre“ dann doch das überzeugendere Konzept.

„100 Prozent Köln“ lief erst mal nur noch heute Abend, möglicherweise soll es im Januar noch ein paar Aufführungen geben.

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