Fortuna Köln – SV Elversberg 1-1

Das war ein Spiel für wahre Fußballfans: Man konnte die frische Luft genießen, die letzten Strahlen der Herbstsonne, die Stadionwurst (auch wenn ich ausdrücklich um eine nicht-verbrannte bitten musste), und zur Untermalung konnte man 22 Menschen zusehen, die sich auf dem Rasen bemühten, die entspannte Stimmung nicht zu stören. (Von Fortuna-Trainer Uwe Koschinat mal abgesehen, dessen Rufe immer wieder quer über den Platz schallten.)

Südstadion im Herbst

Natürlich war das fußballerisch ziemlich unterirdisch, und mehr als ein Mal vergruben die Tribünenbesucher geschlossen ihre Gesichter in den Händen. Aber ganz im Ernst: DAS ist Fußball, nicht ein euphorisches 4-0 in irgendeiner Bundesliga-„Arena“. So sieht es eben aus, wenn die eine Mannschaft nicht kann und die andere sich nicht traut.

Jedes Wochenende will ich so ein Trauerspiel natürlich auch nicht erleben, aber um die, typisch kölsch, schon wieder blühenden Aufstiegsfantasien mancher Fortuna-Fans zu dämpfen, kam die Partie vielleicht gerade recht.

Uwe Koschinat hatte wieder ein 4-3-3 aufgeboten, sein vor der Saison angekündigtea Standardsystem: Paucken – Haben, Schäfer, Laux, Caspers – Ende, Kühn, Nottbeck – Pagano, Montabell,  Moritz.

Auflaufen der Mannschaften

Oliver Laux half also wieder in der Innenverteidigung aus, Alex Ende begann im Mittelfeld. Gegen einen defensiv erwarteten Gegner eine sinnvolle Maßnahme, denn die Diagonalbälle von Ende sind ein geeignetes Mittel, um eine Abwehr in Bewegung zu bringen.

Wenn das die Absicht war, dann hatte sie allerdings so wenig Erfolg wie die meisten anderen Maßgaben, mit denen Uwe Koschinat die Fortuna ins Rennen geschickt hatte. Besonders Kühn und Ende produzierten von Beginn an einen Fehlpass nach dem anderen, fielen in einer schwachen Mannschaft aber auch nicht besonders negativ auf.

Uwe Koschinat reagierte schon nach 20 Minuten, schickte Ende auf die rechte Außenverteidiger-Position, Stefan Haben rückte für ihn in die Mitte, Oliver Laux dann doch ins Mittelfeld.

Ändern tat sich allerdings nichts: Ein schwaches Spiel beider Mannschaften mit nur sehr wenigen Torchancen. Dennoch gelang der Fortuna mit dem Pausenpfiff die Führung durch Steffen Moritz. Von dem Treffer bekam ich nicht viel mit, weil ich gerade die ersten Twitter-Nachrichten über den Suizidversuch von Babak Rafati verarbeiten musste.

Ich will lieber davon schweigen, wie die Rafati-Nachricht von einigen Südstadion-Besuchern kommentiert wurde. Und ich rede nicht von Gehässigkeiten oder unangebrachten Witzeleien, sondern von blankem, buchstäblich mitleidlosem Unverständnis. Es ist noch ein weiter Weg.

Zurück zum Spiel: Wer gedacht hatte, dass es für die Fortuna nun einfacher werden würde, der sah sich getäuscht. Elversberg gab seine defensive Grundhaltung nicht auf, Fortuna wollte auch nachlegen. Aber die Versuche, den zweiten Treffer zu erzielen, waren noch untauglicher als in der ersten Halbzeit. Schon im Aufbauspiel gingen die Bälle in Serie verloren, und die Konter der Elversberger wurden zusehends gefährlicher. Dass Kühn nach 65 Minuten raus musste, kam mindestens 20 Minuten zu spät, denn bis dahin hatte er auch in den vielversprechendsten Situation regelmäßig das Tempo verschleppt. Andererseits konnte man von seinem Ersatz Andy Habl auch nicht erwarten, dass er das Spiel nach vorne beleben würde, was dann auch nicht geschah. Vielleicht hätte die EInwechslung von Hamdi Dahmani schon zu diesem Zeitpunkt das Spiel der Fortuna beleben können? Er kam erst später für Steffen Moritz.

Die Spielzüge der Elversberger kamen meist über die rechte Seite der Fortuna, so auch beim Ausgleich eine Viertelstunde vor Schluss: Ein Saarländer kann sich durchsetzen, behält die Ruhe, sucht scheinbar schon zu lange den Mitspieler, anstatt selbst den möglichen Abschluss zu versuchen, findet am Ende aber doch den heranrauschenden Krasniqi, der den Ball unhaltbar aus rund elf Metern unter die Latte zimmert.

Schlussendlich musste die Fortuna dann sogar froh sein, dieses Spiel nicht noch verloren zu haben, denn eine Chancen zum Sieg erarbeitete sie sich erst in der Schlussminute, als zwei Spieler eine Hereingabe verpassten. Mehr als das Unentschieden wäre aber auch ungerecht gewesen, mit dem Punkt kann sich die Mannschaft glücklich schätzen.

Nach den bisherigen Saisonspielen gehe ich von einem einmaligen Ausrutscher aus. Der Trainer hatte schon unter der Woche im Chat bemängelt, dass ihm selbst im Fanforum viel zu wenig Anspannung auf das Spiel zu spüren sei. Und genau so plätscherte diese Partie vor sich hin: Der Fortuna fehlte die Dynamik und der letzte Einsatz, den Elversbergern fehlte der Mut, massiver nach vorne zu spielen.

Schwamm drüber, nächste Woche beim Tabellenletzten in Koblenz muss eine Reaktion kommen. Immerhin bleibt die Fortuna seit nunmehr sieben Ligaspielen ungeschlagen, ist auf Platz 8 der mit Abstand beste Aufsteiger und hat den neuen Klub von Ex-Trainer Mink zurzeit drei Plätze und fünf Punkte hinter sich.

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel

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