Der Druck auf Babak Rafati

Babak Rafati hat seinen Anwalt erklären lassen:

Im persönlichen Empfinden von Herrn Rafati wurde vor allem ein wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, zu einer immer größeren Belastung.

Wann empfindet man eigentlich Druck? Druck empfindet man dann, wenn die Anforderungen, die an einen gestellt werden, wirklich oder gefühlt an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit gehen oder sogar darüber hinaus. Außerdem wird der Druck größer, je mehr von der Erfüllung dieser Anforderungen abhängt.

Wenn das so ist, dann verstehe ich sehr gut, dass Babak Rafati Druck empfunden hat. Dass solcher Druck zu einer Depression führt, hat zudem möglicherweise noch mit einer persönlichen, eventuell auch pathologischen Prädisposition des Betroffenen zu tun. Aber eins muss mal deutlich gesagt werden: Der Druck auf Babak Rafati war real, und verantwortlich für die Ausübung dieses Drucks ist nicht alleine die jetzt am Pranger stehende Öffentlichkeit – sondern der DFB.

Babak Rafati wurde von den Bundesliga-Spielern viermal zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt, und zwar zu Recht. Wenn vor einem Bayern-Spiel bekannt wurde, dass Rafati pfeifen würde, ging ein kollektives Aufstöhnen durch die Streams meiner Twitter-Kontakte. Babak Rafati war den fachlichen Anforderungen nicht vollkommen gewachsen, die in der Bundesliga an Schiedsrichter gestellt werden.

Das darf man auch nach seinem Selbsttötungsversuch sagen, man muss es sogar. Denn der DFB hat die erkennbare Überforderung von Babak Rafati nicht zum Anlass genommen, ihn herabzustufen und so die Anforderungen an seine Leistung zu senken. Er hat ihn vielmehr in trotziger Verkennung der Wirklichkeit auch noch als FIFA-Schiedsrichter nominiert.

Alle Welt konnte sehen, dass Babak Rafati unter Druck steht. Und sein Arbeitgeber hat den Druck nicht gesenkt, sondern erhöht. Ich bin gespannt, wann wir Dr. Theo Zwanziger das in einer Pressekonferenz sagen hören.

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Ein Gedanke zu “Der Druck auf Babak Rafati

  1. patchen schreibt:

    In einem Punkt muss ich dich berichtigen: Rafati wurde vom DFB zum 01.01.2012 von der internationalen Liste gestrichen. Sein letzter internationale Einsatz liegt knapp zwei Jahre zurück. In dieser BuLi-Saison wurde er erst vier mal eingesetzt (1. und 2.Liga; letzte Saison 9 Einsätze). Mir liegt es fern, den DFB zu verteidigen, aber er hat (zu spät?) auf die dürftigen Leistungen reagiert. Die Schlussfolgerung ist dann natürlich auch eine andere. Der selbst auferlegte Druck, wieder das alte Standing erreichen zu wollen, gepaart mit einer möglichen Prädisposition der Depression, könnten mögliche Ursachen sein. Aber auch hier wäre der DFB gefordert, die Kommunikation mit seinen Schiedsrichtern zu verbessern. Derzeit ist es so, dass Schiris keine Informationen erhalten, warum sie von Listen gestrichen, oder nur unregelmäßig eingesetzt werden. Eine offenere Kommunikation wäre ein Baustein, um potenziellen Leistungsdruck abzufedern und in gesündere Bahnen zu lenken.

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