Fortuna Köln – SC Verl 1-0

Schmutziges, nassdunkles Novemberwetter. Ein, mit Verlaub, wenig attraktiver Gegner aus der Nähe von Bielefeld (und das gibt’s ja nicht mal). Zweiter Adventssamstag, also Einkaufstag. Und halb parallel fanden in der Bundesliga zwei Spitzenspiele statt. Unterm Strich konnte man nicht mehr als die 550 Zuschauer erwarten, die sich offiziell ins Südstadion verirrten. Immerhin sollte denen nicht langweilig werden, denn trotz des knappen Ergebnisses war es ein ereignisreiches, wenn auch nicht aufregendes Spiel.

Südstadion

Uwe Koschinat hatte mal wieder Formation und Taktik gewechselt. Gestern kam Marco Gietzen auf der linken Außenverteidigerposition zu seinem ersten Saisoneinsatz über 90 Minuten, dem zweiten überhaupt. Im Mittelfeld hatte Koschinat gestern vier Spieler platziert: Alex Ende und Maurice Kühn auf den den zentralen Defensivrollen, wobei etwas überraschend Kühn sogar mehr Zug nach vorne hatte als Ende. Auf den Flügeln spielten Pagano, gewohnt rechts, und links zum ersten Mal Ozan Yilmaz. In der Spitze teilten sich Fabian Montabell und Hamdi Dahmani den Raum. Ein klassisches, flaches 4-4-2 also in folgender Aufstellung: Paucken – Heinze, Laux, Schäfer, Gietzen – Pagano, Ende, Kühn, Yilmaz – Montabell, Dahmani.

Fortuna Köln - SC Verl

Der Einsatz von Marco Gietzen sollte sich schon nach 13 Minuten gelohnt haben: Er machte über seine Seite ordentlich Betrieb nach vorne, behielt bei einem Angriff ruhigen Kopf, flankte überlegt auf den langen Pfosten, wo Silvio Pagano den Ball technisch sauber, flach und präzise zum 1-0 einschob.

Fortuna Köln - SC Verl

Fortuna Köln - SC Verl

Der SC Verl fand in dieser Phase kaum statt, an Torchancen kann ich mich nicht erinnern. Fortuna zauberte sich zwar nicht gerade durch die gegnerischen Reihen, hätte aber schon vor der Pause unbedingt höher führen müssen, doch sowohl Montabell als auch Dahmani konnten Eins-zu-eins-Situationen gegen den Verler Torwart nicht in ein Tor ummünzen. Einen Elfmeter hätte es kurz nach der Führung auch noch geben können, aber die insgesamt souverän leitende FIFA-Schiedsrichterin Riem Hussein pfiff nicht.

Gegen Ende der Halbzeit spielte die Fortuna dann aber auf das Halten des Ergebnisses, zu erkennen auch im Video unten, als Dieter Paucken kurz vor der Pause den Ball bekommt und das Abspiel möglichst lange verzögert. Klar will man eine knappe Führung mit in die Halbzeit nehmen und muss nicht mehr bedingungslos nach vorne spielen. Aber so offensichtliches Zeitspiel finde ich unwürdig, wenn man ein Heimspiel gewinnen will.

Nach der Pause dominierte die Fortuna weiter das Spielgeschehen, Verl konnte nun aber durchaus mithalten. In der 72. Minute gelang dann Ozan Yilmaz, der sich auf der linken Seite nie so in Szene setzen konnte wie zuletzt im Zentrum, das Kunststück, den Ball am leeren Tor vorbeizuschieben, nachdem er den Torwart bereits umkurvt hatte. Millsche Dimensionen hatte dieser Lapsus zwar nicht, aber natürlich musste der Ball da ins Tor.

So musste die Fortuna am Ende völlig unnötig um den Sieg zittern, als Verl noch einmal aufkam, fuhr die Punkte letztlich aber doch ein. Die Leistung war zwar nicht berauschend, aber mit einer minimal besseren Chancenverwertung hätte es gegen diesen sehr schlagbaren Gegner locker zu einem deutlicheren Erfolg reichen müssen.

Die Einzelwertung:

  • Dieter Paucken: Selten gefordert, war aber reaktionsschnell zur Stelle, wenn es verlangt war. Note 2.
  • Timo Heinze: Ließ wenig zu, wurde aber, da die Verler hauptsächlich durch die Mitte kamen, auch nicht stark gefordert. Note 3.
  • Oliver Laux: Hat sich als Innenverteider inzwischen etabliert, mit weniger auffälligen Aktionen als Schäfer, steht aber solide. Note 3.
  • Mitja  Schäfer: Der Turm in der Abwehr, seit Wochen bester Spieler der Mannschaft, auch gestern machte er schon durch seine Körpersprache klar, dass an ihm kein Vorbeikommen sein würde. Note 1.
  • Marco Gietzen: Defensiv ebenso wenig gefordert wie sein Pendant auf der rechten Seite. Hatte aber insbesondere in der Anfangsphase guten Zug nach vorne und legte das Tor auf. Note 2.
  • Silvio  Pagano: Fleißig, gestern ohne die groben Fehlpässe, die ihn zuletzt in die Kritik rückten, erzielte das entscheidende Tor mit Ruhe und Präzision. Note 2.
  • Alex  Ende: Fand nie richtig ins Spiel, leistete sich Abspielfehler und war bei den Standards zu unpräzise. Note 4.
  • Maurice  Kühn: Kurz vor Schluss, als er mit drei kurzen Schritten mitsamt Ball durch zwei Gegner tanzte, sah man, was er kann. Zeigte das ansonsten aber nicht, spielte zu langsam und wurde seiner Aufgabe, das Spiel von hinten nach vorne zu tragen, nicht gerecht. Note 5.
  • Ozan Yilmaz: Konnte sich auf links nie in Szene setzen und vergab eine 110%ige Torchance. Note 4.
  • Fabian Montabell: Unglaublich laufstark wie immer, aber glücklos und ineffizient wie zuletzt auch immer. Handelte sich zudem eine alberne gelbe Karte ein, als er stolperte und sich dann mit ausgestrecktem Arm den Ball angelte. Erkämpfte aber den Ball, der dann zum Tor führte und gab noch eine gute Vorlage. Note 3. [EDIT: Nach Ansicht des Spielvideos den letzten Satz ergänzt und die Note von 4 auf 3 erhöht.]
  • Hamdi  Dahmani: Zog ein paar gute Sprints an und spielte ein paar sehr schöne Pässe steil auf den rechten Flügel, hätte aber ein Tor erzielen müssen. Hatte nur Luft für 70 Minuten und hätte früher ausgewechselt werden müssen. Note 3.
  • Andy Habl: In der 77. Minute eingewechselt, fiel nicht mehr auf. Ohne Wertung.
  • Tibor Heber: In der 80. Minute eingewechselt, was eigentlich keine Wertung rechtfertigt. Wirkte aber in jeder Szene zu langsam und zu durchsetzungsschwach für die Liga. Ohne Wertung.
  • Steffen Moritz: In der 84. Minute eingewechselt, ohne Wertung.

Fortuna Köln - SC Verl

Uwe Koschinat hatte wieder eine neue Taktik und eine neue Startelf aufgeboten, und so langsam frage ich mich, ob das noch Findungsphase ist, oder ob es die Mannschaft inzwischen auch verwirrt? Auffällig jedenfalls die sehr späten Wechsel, obwohl sich einige Spieler für Auswechslungen schon viel früher aufdrängten, insbesondere der irgendwann käferartig pumpende Hamdi und der das Spiel hemmende Maurice Kühn.

Tabellarisch steht die Fortuna nun aber sehr gut da: Ein 6. Platz als Aufsteiger, mit sogar einem Spiel weniger als der punktgleiche Tabellenfünfte, kann sich nach 16 Spielen wahrlich sehen lassen. Und beim Blick auf Platz 17 der aktuellen Tabelle kann ich mir ein gehässiges Grinsen dann doch nicht verkneifen.

Trotz ein paar Kritikpunkten ist die Saison für mich absolut im Soll!

Ausgelassener Vorstandsvorsitzender

Nach dem Schlusspfiff

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s