Fortuna Köln – Rot-Weiss Essen 4-2 (3-0)

(10-minütiger Videospielbericht von Rot-Weiss-TV am Ende dieses Artikels!)

Zum Schluss also noch mal richtiges Spektakel! Und nachdem die Hinrunde für einen Aufsteiger unterm Strich ein großer Erfolg war, kann man sagen, dass sich gestern abend ein Kreis schloss: Im ersten und im letzten Heimspiel der Saison gelang es der Mannschaft, die Zuschauer mitzureißen. Zwischendurch war oft solider, mal mehr mal weniger erfolgreicher Fußball, auch ein paar sehr ärgerliche Niederlagen. Aber eine Bilanz von 7-6-5 und ein daraus resultierender 4. Platz in einer leicht verzerrten Tabelle (besonders Dortmund II hat zwei Punkte, aber auch zwei Spiele weniger) kann sich wahrlich sehen lassen, zumal die Fortuna im Sommer erst vom Aufstieg erfuhr, als der Trainer just am Abend zuvor die Kaderplanung für abgeschlossen erklärt hatte.

Südstadion

Leider hatte die Polizei dieses viel versprechende Traditionsduell auf einen Freitag Abend und so bewusst auch parallel zu einem Spiel des Effzeh gelegt: damit nämlich nicht so viele Essener Zuschauer den Weg machen und sich dann auch nicht mit den Effzeh-Fans würden schlagen können. So waren es „nur“ rund 1.500 Zuschauer, und das fies feuchte Novemberwetter hatte bestimmt auch noch seinen Teil daheim gehalten.

Uwe Koschinat hatte die Mannschaft wieder im 4-4-2 aufgestellt, wieder mit Hamdi Dahmani in der Spitze. Neben ihm stand gestern Steffen Moritz, zumal sich Fabian Montabell letzte Woche eine Gelbsperre eingehandelt hatte. Seine Pause hatten sich viele Beobachter allerdings schon länger gewünscht: Mit drei Toren in 17 Spielen war er klar unter den Erwartungen geblieben. Und auch, wenn er immer für die Mannschaft rackerte und schon bewiesen hat, dass er es besser kann, machte er das Offensivspiel mit seinen Stockfehlern zuletzt sehr unruhig. Gegenüber dem letzten Heimspiel ersetzte zudem Heinze den damals überzeugenden Gietzen und Theißen den verletzten Kapitän Schäfer. Die Aufstellung: Paucken – Heinze, Theißen, Laux, Caspers – Pagano, Ende, Kühn, Yilmaz – Dahmani, Moritz.

Auflaufen der Mannschaften

Das Spiel begann wie schon die letzten drei: mit einem frühen Tor von Silvio Pagano. Yilmaz hatte den Ball kurz in die Spitze auf Moritz gespielt, der legte quer, Dahmani und ein Verteidiger verpassten und Pagano musste nur noch einschieben.

Fortuna-Jubel

Im Gegensatz zu den letzten Partien ließ die Fortuna nun aber die Zügel nicht schleifen, sondern spielte weiter konzentriert und vor allem präzise nach vorne. Da waren auf einmal Kurzpass-Kombinationen zu sehen, auf die ich schon die ganze Saison lang warte, und zusammen mit einer hohen Ballsicherheit ließ die Fortuna den Essenern keinen Zugang zum Spiel.

Nach 20 Minuten tauchte Dahmani dann frei auf halblinks vor dem Tor auf – und schoss so trocken wie schlicht in die kurze Ecke. Eigentlich muss der Keeper den Ball haben, genauso wie das 3-0, als Dirk Caspers einen Freistoß halbwegs platziert, aber doch recht locker über die Mauer chippte (s. folgendes Video).

So war die Führung, die die Fortuna dann auch mit in die Pause nahm, zwar verdient, denn Essen blieb völlig ungefährlich, aber zu hoch. Aus vier Schüssen hatte Köln drei Tore gemacht. Aber auch mal schön zu erleben!

Nach der Pause stellte ich mich dann auf ein ruhiges Spiel ein. Klarer Fall von denkste, denn diese Mannschaft versteht es, auch die deutlichste Führung noch zu einem Zitterspiel zu machen. Es dauerte nämlich nur rund 30 Sekunden, bis der gerade eingewechselte Leon Enzmann den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drücken konnte. Wenn man einen schon toten Gegner noch mal wiederbeleben will, dann geht das genau so.

Plötzlich hatte das Spiel eine komplett andere Dynamik, auf einmal spielte nur noch Essen und hatte mehrere gute Gelegenheiten, zum Anschlusstreffer zu kommen. Die Fortuna dagegen zeigte wieder die Schwächen in der Defensive, die vor allem schon Mainz II aufgedeckt hatte: Das gegnerische Kombinationsspiel wird bis zur eigenen Strafraumgrenze zugelassen, von wo aus dann gefährliche Kurzpässe möglich sind. Nur mit Glück gelang es Köln, die Führung aufrecht zu erhalten.

Erst in der 77. dann die vermeintliche Entscheidung: Hamdi Dahmani nimmt bei einem Konter an der Außenlinie den Ball von Moritz auf, zieht nach innen, schaut seelenruhig nach einem mitgelaufenen Kollegen und findet Ozan Yilmaz, der nur noch den Fuß hinhalten muss.

Jubel nach dem 4-1

Die Entscheidung? Von wegen, denn wieder nur drei Minuten später erlaubte es die Abwehr erst einem Essener an der Strafraumgrenze ungestört den Ball zu führen, bis ihm endlich ein Kölner von hinten in die Beine lief. Klarer Elfer, locker verwandelt, und Essen war wieder in Schlagdistanz.

In der Schlussphase ging es dann zwar noch lebhaft hin und her, und auch nun hätte Essen noch einmal verkürzen können, es blieb aber am Ende doch beim 4-2.

Die Zuschauer hatten ein tolles Fußballspiel gesehen, allerdings nur deshalb, weil die Fortuna eine Führung anscheinend nicht verwalten kann. Bei der Spielweise, die Uwe Koschinat verlangt, ist das auch kein Wunder, denn lange Ballstaffetten gehören nicht zu seinen wichtigsten Stilmitteln, vielmehr das schnelle, oft auch lange Spiel in die Spitze.

Am Ende der Hinrunde steht dennoch ein stolzer 4. Platz, im Pokal hat die Fortuna ihre bisher unterklassigen Gegner auch geschlagen. Auf den Aufstiegsplatz muss aber niemand schielen, und zwar auch nicht, wenn Lotte tatsächlich, wie gemunkelt wird, zurückziehen sollte. Die Mannschaft ist einfach noch zu instabil, und auf ein paar Positionen fehlt auch noch die letzte Klasse, die man in der Regionalliga brauchen würde, um ganz, ganz oben anzugreifen. Man muss aber auch festhalten, dass trotz zahlreicher Wechsel während der Saison, ob aus Leistungs- oder Verletzungsgründen, kein Spieler drastisch abfiel, der nicht nur für ein paar Minuten eingesetzt wurde.

Meine Top-Formation, wie ich sie am Ende der Hinrunde aufstellen würde: Paucken – Bartsch, Haben, Schäfer, Caspers – Pagano, Kühn, Yilmaz, Kessel – Dahmani, Moritz.

Die größte Problemzone ist aus meiner Sicht das defensive Mittelfeld. Gestern spielte Maurice Kühn eine gute Partie, aber über die Hinrunde hinweg konnten er und Alex Ende nicht genug Druck von der eigenen Abwehr fernhalten, und nach vorne war ihr Spiel einfach zu ungenau und zu behäbig. Vorne kommt mir zurzeit die Doppelspitze mit Dahmani und Moritz als die bessere Alternative zu Fabian Montabell vor. Allerdings weiß man bei einem Torjäger seiner Klasse, dass er mit einem Lauf alleine für 15 Tore gut ist. Die drei nominellen Stürmer im Kader haben sich mit neun Treffern ingesamt noch nicht mit Ruhm bekleckert.

Unterm Strich bin ich mit dieser Hinrunde aber sehr zufrieden. Insbesondere bin ich glücklich, dass die Fortuna nun einen Trainer hat, der klare Aussagen trifft und sie begründen kann. Wenn an den Schwächen des Spiels gearbeitet wird, wenn eine bessere Chancenverwertung hinzukommt, dann kann es der Fortuna tatsächlich gelingen, in zwei Jahren am Aufstieg zu kratzen. Dass dazu in der Regionalliga aber auch viel Glück gehört, zumal die Konkurrenz sehr stark ist, weiß man aber auch.

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Und hier der komplette Spielbericht von Rot-Weiss-TV

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