Die Pein der Twentysomethings

Gestern, während ich meine samstägliche Besorgungsrunde drehte, unterhielt sich auf Koelncampus, den Kölner Uniradio, eine Moderatorin mit einer Mitarbeiterin einer Konzertagentur. Aufgrund der Stimmen, der im Web auffindbaren  Bilder und der Tatsache, dass es sich eben um ein Uniradio handelt, nehme ich einfach mal an, dass beide Gesprächspartnerinnen um die 25 Jahre alt waren.

In der Sendung wünscht sich der jeweilige Gast seine fünf Songs des vergangenen Jahres. Der letzte Track dieser Runde war von Wugazi, die in der Aussprache der Moderatorin, das nur nebenbei, penetrant mit den musikalisch weit entfernten Fugazi zusammen fielen.

Ein Hip-Hop-Song also. Und plötzlich, ich hatte mich kurz auf die Straße konzentrieren müssen, ging es um die Mütter der beiden Gesprächspartnerinnen. Die eine meinte, dass Wugazi ja sogar ihrer Mutter gefallen könne, schließlich sei die eine „alte Hip-Hop-Schnalle“ (oder irgendein vergleichbar schnodderiges Wesen). Die andere ergänzte, ihre Mutter ginge auf Rammstein-Konzerte. Einvernehmliches, leicht kopfschüttelndes Kichern, mit einem Anstrich von Mama-du-bist-so-peinlich.

Da war er also, einer der ersten Momente meines Lebens, in dem ich dachte: Moment mal, die Damen! Ich könnte euer Vater sein! Knapp zwar vielleicht nur, aber eben doch.

Und dann fiel mir auf, wie schwierig es für die Twentysomethings von heute sein muss, sich musikalisch von ihren Eltern zu distanzieren. Denn eure Generation, liebe Geborene der späten 80er und frühen 90er Jahre, hat einfach noch keinen eigenen Musikstil hervorgebracht. Ihr entwickelt immer noch die Stile weiter, die eben die Generation eurer Eltern in den 80ern und 90ern erfand: Hip Hop, und dann noch Techno und Jungle. Ihr könnt das ja gerne Halfstep nennen, wie es der Gast der nächsten Take-Five-Runde dann tat, aber es bleibt doch Jungle.

Meine Generation suchte Distanz zum Rhythm & Blues, zum Rock & Roll, den unsere Eltern-Generation aus dem Blues adaptiert hatte, auch wenn diese Stile natürlich zusätzlich weiterlebten. (Bei Grunge waren es höchstens die Klamotten und die Slacker-Attitüde, die zur Differenzierung taugten.) Also gab es Sprechgesang und die Techno-Reduktion auf Rhythmus und Sound.

Ich gebe zu, dass damit schon ein paar Stilmittel verbraucht sind und mir auch nicht einfallen würde, wo man denn heute noch seine Stilnische finden könnte. Emo ist es jedenfalls nicht, denn Shoegazing haben ja auch wir schon vor 25 Jahren erfunden.

Am Ende bleiben jedenfalls Eltern, die die gleiche Musik hören, wie ihre Kinder. Es muss so peinlich sein.

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