Fortuna Köln – VfL Bochum II 1-4 (1-1)

Satz mit X.

Man könnte hier Schluss machen, den Rückrundenauftakt als verpatzt abtun und auf eine Reaktion der Mannschaft im nächsten Spiel hoffen. Und natürlich ist das erste Spiel nach der Winterpause immer schwer, zumal wenn es zuhause gegen eine spielstarke Zweitmannschaft geht. Aber über diese Niederlage muss gesprochen werden, denn es gab zu viele unnötige Punkte, die zu ihr beigetragen haben.

Der Abend begann schon mal schlecht: Es regnete einen fiesen, dichten Schleier, und ich hatte meine Kamera vergessen. In die Aufstellung hatte Uwe Koschinat kleinere Überraschungen eingebaut: Er ließ Fabian Montabell auf der Bank, der in der Hinrunde trotz markanter Ladehemmung noch einen Stammplatz gehabt hatte. In der Innenverteidigung lief wieder Oliver Laux auf, der sich dort von der Notlösung zur Festbesetzung etabliert zu haben scheint. Der vor der Winterpause gesetzte und von Koschinat für seine Entwicklung gelobte Hamdi Dahmani musste auf die Bank, statt seiner lief Neuzugang Michael Lejan auf dem linken Flügel auf. Lukas Nottbeck kehrte zurück ins Team.

Taktisch war das ein System zwischen 4-5-1 und 4-3-3: Die nominellen Mittelfeldspieler waren alle zentral orientiert, Kühn auf der 6er-Position, Nottbeck und Yilmaz davor. Die Außen standen bei eigenem Ballbesitz sehr hoch und ließen sich dann zurückfallen, wenn der Gegner am Zug war. Die Aufstellung: Paucken – Caspers, Schäfer, Laux, Heinze – Yilmaz, Kühn, Nottbeck – Lejan, Moritz, Pagano.

In der ersten Halbzeit entwickelte sich ein seltsames Spiel ohne erkennbare Struktur. Keine Mannschaft konnte eine Druckphase entwickeln oder dem Spiel erkennbar ihren Stempel aufdrücken. Das 1-0 für Fortuna fiel so auch eher aus dem Nichts: Ozan Yilmaz zog von halblinks auf den Strafraum zu, schoss einfach mal – und der keineswegs granatenmäßig scharfe, aber recht platzierte Ball schlug neben dem rechten Pfosten ein.

Die Freude dauerte jedoch nur ein paar Minuten, dann erreichte ein Steilpass den am Ende dreifachen Torschützen Laurenz Wassinger, der alleine vor Paucken die Nerven behielt und ebenfalls platziert einschob.

Nach dem Ausgleich kam die beste Viertelstunde der Fortuna, die in zwei Situationen noch einmal die Führung hätte erzielen können: Zunächst wurde Ozan Yilmaz bei einem gefährlichen Sprint vor dem Bochumer Strafraum nur mit einem Foul gestoppt, das ihn zudem noch so verletzte, dass er kurz darauf ausgwechselt werden musste. Tragisch für den Jungen, den das Schicksal anscheinend nicht richtig in Schwung kommen lassen will. Etwas später legte Silvio Pagano bei einem guten Konter quer auf Steffen Moritz: Der Pass war nicht ganz präzise und hoppelte vor dem hineingrätschenden Moritz noch mal kurz über eine Unebenheit im Spielfeld. Allerdings hätte Pagano in dieser Situation durchaus noch ein paar Meter gehen und möglicherweise auch selbst abschließen müssen.

Über die restliche Stunde des Spiel bleibt wenig Gutes zu berichten. Die Fortuna hatte Glück, nicht noch vor der Pause in Rückstand zu geraten, als ein Bochumer wiederum frei vor Paucken stand – und den Ball quer auf seinen Freund Harvey legte: Da war niemand mitgelaufen, den die übrigen Stadionbesucher in anspielbarer Position gesehen hätten.

Bochum spielte seine technische Überlegenheit voll aus, und es entwickelte sich ein Spiel, wie man es gegen Zweitmannschaften im Südstadion oft sehen musste: Die Fortuna tut sich schwer, selbst das Spiel zu machen, und lässt den Gegner bei dessen Ballbesitz viel zu nah an den eigenen Strafraum kommen, weil das defensive Mittelfeld zu locker steht und zu zweikampfschwach agiert.

Nur kurz nach der Pause schien die Fortuna noch einmal die Initiative an sich reißen zu wollen, das Strohfeuer erlosch aber recht bald wieder. Am Ende wurde man klassisch ausgekontert: Das 1-2 darf so nicht fallen, denn obwohl wiederum Wassinger alleine vor Paucken stand, darf ein Flachschuss aufs kurze Eck nicht den Weg ins Tor finden. Beim 1-3 und 1-4, nachdem die Fortuna geöffnet hatte, konnte Paucken gegen mehrere Gegner dann nichts mehr machen. Und sogar das 1-5 hätte noch fallen können, als nur das Toreck aushalf. Zwei Abseitstore der Fortuna lindern die Schmach nicht ausreichend.

Wie kam dieses Debakel zustande? Zunächst bleibt festzuhalten, was schon in der Hinrunde galt: Der Gegner darf zu nah am Kölner Tor noch unbedrängt kombinieren, und das nutzen Mannschaften wie Bochum aus. Im Mittelfeld der Fortuna agiert eben nur ein defensiv orientierter Spieler, Maurice Kühn auf der 6, und der bleibt obendrein ein Unsicherheitsfaktor, hat einfach zu viele Fehlpässe im Spielaufbau und sieht dabei auch noch lässig bis überheblich aus.

Die beiden Neuen, mit viel Vorschusslorbeeren gekommen, konnten gestern nicht überzeugen. Michael Lejan konnte sich kaum einmal durchsetzen, und seine Standards waren katastrophal: Ein Eckball nach dem anderen segelte viel zu flach in die Beine des erstbesten Verteidigers. Seine Auswechslung in der 64. Minute kam zu spät. Christian Pospischil, der nach Ozan Yilmaz‘ Verletzung eingewechselt wurde, wirkte wie ein offensiver Kühn, stakste hinter den Spitzen über den Platz und konnte dem ungebrieften Zuschauer nie vermitteln, was eigentlich seine Aufgabe im Team sein sollte. Sowohl Pospischil als auch Lejan wirkten wenig antrittststark, um nicht langsam zu sagen.

Nun will ich keineswegs nach einem Spiel den Stab über zwei neue Spieler brechen. Aber wenn der Trainer sie anderen Spielern gegenüber bevorzugt, die vor der Winterpause eine gute Rolle spielten (Dahmani, Kessel), dann muss man schon fragen, ob sie die Mannschaft verstärken konnten? Konnten sie nicht, so dass ich diese Maßnahme von Uwe Koschinat genauso wenig verstehe wie die Tatsache, dass in der Winterpause nur zwei Testspiele absolviert wurden – das letzte davon fast zwei Wochen vor dem Spiel gestern. Gerade für die Neuen gab es also auch wenig Gelegenheit, sich in die Mannschaft zu finden. Heute wurde übrigens bekannt, dass für Montag spontan ein weiteres Testspiel angesetzt wurde (gegen den Ligakonkurrenten FC II, auch etwas unüblich). Zu späte Einsicht?

Nächste Woche geht es nach Wuppertal, die sich gegen Ende der Hinrunde gefangen und immerhin eine 4-0-2-Serie hingelegt hatten. Das wird also wieder ein echter Prüfstein. Die in der Winterpause von manchen Fans gehegten Aufstiegsträume sind jedenfalls erst mal geplatzt. Wenn es dumm läuft, steht die Fortuna nach diesem Spieltag auf Platz 9.

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