Lob der Aquaristik

Ohne besonderen Anlass möchte ich heute mein nach langer Zeit wiedergewonnenes Hobby preisen: Die Aquaristik.

Zwergfadenfisch-Männchen

Mein erstes und bis letztes Jahr einziges Aquarium bekam ich von meinen Eltern zur Konfirmation geschenkt: Ein 200-Liter-Becken (100 x 40 x 50 cm), mit Stabheizer, Außenfilter und einer Abdeckung mit integrierter Beleuchtung ausgestattet. Ich weiß nicht, wie sie auf die Idee gekommen waren, jedenfalls war ein Aquarium nicht mein sehnlichster Wunsch gewesen. Das von meinen Großeltern geschenkte Fahrrad stand da schon weiter oben auf der Liste. Aber ihr Gefühl hatte meine Eltern nicht getrogen: Von Anfang an war ich begeisterter Aquarianer, pflegte Mollys, Platys, Neons, Zebrafische, Antennenwelse und Fadenfische, gab mein Taschengeld für neue Fische und Zubehör aus, grub mich mit Leidenschaft durch Fachbücher und genoss die Nachmittage und Abende, während derer ich im gemütlichen Lesesessel vor dem Aquarium saß, schmökerte und mich immer wieder im grün-bunten Getümmel verlor.

Als ich zum Studium umzog, konnte das Aquarium nicht mitkommen, dafür war die Studentenbude viel zu klein. Und in meinen Kölner Wohnungen nach dem Studium wäre zwar ganz grundsätzlich Platz für ein Aquarium gewesen, aber so ein Becken will und kann ja nicht irgendwo stehen.

Jetzt, Jahrzehnte nach der unfreiwilligen Aufgabe des ersten Beckens, habe ich, in der gemeinsamen Wohnung mit meiner Freundin, endlich wieder ein Aquarium. Und ich weiß genau, warum mich dieses Hobby schon damals so begeisterte, wie es das heute noch tut.

Rotblaue Kolumbianer und Keilfleckbarben

Vor allem nämlich ist die Aquaristik ungemein vielfältig. Wenn man das Ganze ernst nimmt, dann beschäftigt man sich, jeweils bis zu einem gewissen Grad, mit Zoologie und Tierpflege, mit Botanik und Gärtnerei, dabei auch mit Design, außerdem mit Chemie, Biologie und mit Technik. Ein schönes und funktionierendes Aquarium ist eben mehr als ein Glassarg mit Fischen drin, sondern es versucht, soweit in dem Maßstab überhaupt möglich, ein stabiles Ökosystem zu sein, in dem Pflanzen, Tiere und Technik zusammenpassen und das außerdem noch den Raum schmückt.

Das ist, nach eingehender Beschäftigung mit dem Thema, im Großen gar nicht so schwierig, im Kleinen aber schon. Nimm einen normalen Bodengrund und handelsüblichen Filter in einem nicht zu kleinen Aquarium, viele schnellwachsende und robuste Pflanzen und eher wenige, einfach zu haltende Fische: Fertig ist das biologische Gleichgewicht. Es stellen sich also halbwegs schnell Erfolgerlebnisse ein.

Im Detail wird’s dann aber knifflig und herausfordernd: Manche Pflanzen vertragen keine Temperaturen auch nur ein Grad über 25°. Manche Pflanzen kümmern, wenn der Nitratwert nicht betont niedrig ist, manche wollen viel, andere wenig Licht. Manche Fische wollen Schwimmpflanzen und dichte Bepflanzung, andere freien Schwimmraum. Nicht alle Fische sollten sich in der selben Wasserschicht drängen. Und wie halte ich die Algen so in Schach, dass für die Algenfresser noch genug da ist, sich die Blasenschnecken aber nicht über die Maßen vermehren?

So hat ein Aquarium letztlich dieselben Qualitäten wie ein gutes Spiel: Es ist leicht zu lernen, aber schwierig zu meistern.

Amano im Schlaraffenland

Man kann ein eingefahrenes Aquarium über Wochen einfach laufen lassen. Aber man kann sich auch auf Tagesbasis damit beschäftigen, nach der neuen, perfekteren Mittelgrundbepflanzung suchen, das Verhalten der Fische beobachten und sich überlegen, ob der Fadenfischharem noch ein weiteres Weibchen braucht, ob die Garnelen genügend Versteckmöglichkeiten haben, oder ob und wie man auf eine stärkere Beleuchtung umrüsten könnte, so dass die Pflanzen in der Problemecke nicht ihre unteren Blätter abwerfen (und ob das überhaupt der Grund ist).

Ein Aquarium verlangt selten nach Aufmerksamkeit, aber es bietet sich täglich dafür an.

Sieamesische Rüsselbarbe

Wer aber definitiv noch gesucht wird, das ist der Nathan Myhrvold der Aquaristik. Die aquaristische Literatur, so wissenschaftlich sie sich auch manchmal gibt, ist letztlich immer noch extrem anekdotisch und unsystematisch. Jeder Autor beschreibt ausführlich, wie es ihm gelungen ist, das perfekte Aquarium einzurichten. Dummerweise unterscheiden sich die Methoden oft dramatisch: Die einen erreichen mit einem wöchentlichen 80%igen Wasserwechsel tolle Resultate, die anderen wechseln das Wasser ein halbes Jahr lang gar nicht. Die einen schwören auf Phosphatkiller zur Algenbekämpfung, die anderen auf Garnelen. Für die einen ist ein hoher CO2-Gehalt entscheidend für das Wachstum einer Pflanze, für die anderen eine gute Beleuchtung. Was dringend benötigt wird ist ein Autor, der die zahllosen Parameter, die ein Aquarium hat, so systematisch variiert, wie Myhrvold es für die Kochkunst getan hat, um endlich Klarheit zu schaffen. Andererseits macht es die Sache spannender, wenn man nicht dem perfekten Rezept folgen kann, um das eigene Aquarium aufzubauen.

Doch ungeachtet all dieser Aspekte ist eins das wichtigste: Ich kann mich jetzt wieder abends in den Sessel oder auf die Couch setzen, ab und an einen Blick zum Aquarium werfen und mich an dem schönen Licht und an dem gemütlichen Treiben freuen.

Und wer Aquarianer für spießige Nerds hält, dem kann ich nur sagen: Jeder, der sich mit einem Hobby ernsthaft beschäftigt, ist ein spießiger Nerd. Aber es gibt Hobbys, die Ergebnisse haben, an denen sich weniger Gäste erfreuen können als an einem schönen Aquarium.

Gesamtansicht

Gesamtansicht nach der Umgestaltung (und vor dem Wachstum)

Und für die Fachleute hier jetzt noch eine kleine Bestandsliste meines Aquariums:

Technik:

  • Becken: Giesemann Contura 250 Liter
  • Beleuchtung: 2×39 Watt T5, Dennerle „Midday“ (demnächst aber was pflanzenoptimierteres)
  • Außenfilter: Eheim professionel 3e 600T (Ja, überdimensioniert, ich weiß. Mit dem Gerät hat der Aquarienhändler seinen Schnitt gemacht. Dafür ist die Standzeit aber auch wirklich gut: 6 Monate ohne Reinigung. Dennoch: Eine Nummer kleiner hätte locker gereicht.)
  • CO2-Düngung: Dennerle 300 Quantum
  • Bodengrund: Elos Terra (Ich bin von dem Produkt wirklich voll überzeugt: Die Pflanzen wachsen wie blöde und Mulm existiert nicht.)
  • Bodenfluter: Dennerle 25 Watt

Pflanzen:

  • ca. 8 Valisneria americana
  • 3 Limnophila aquatica
  • ca. 10 Ludwigia repens „rubin“
  • 1 Crinum natans
  • 1 Echinodorus x barthii
  • 3 Cryptocoryne wendtii „green“
  • 2 Cryptocoryne wendtii „mi oya“
  • 4 Cryptocoryne undulata „broad leaves“
  • 4 Cryptocoryne parva
  • 1 Cryptocoryne x willisii
  • 2 Pogostemon helferi
  • 1 Anubias barteri var nana
  • 1 Microsorum pteropus
  • Javamoos

Düngung: Täglich und bei jedem Wasserwechsel mit Ferrdrakon.

Tiere:

  • 14 (RIP) 13 Keilfleckbarben (Rasbora heteromorpha)
  • 8 Rotblaue Kolumbianer (Hyphessobrycon columbianus)
  • 4 Zwergfadenfische (Colisa lalia: 1 Männchen, 3 Weibchen, davon eins in der blauen Zuchtform)
  • 4 Siamesische Rüsselbarben (Crossocheilus siamensis)
  • 10 Amano-Garnelen (Caridina japonica (multidentata))
  • 3 Algenrennschnecken (Neritina puligera)
  • 2 Zebraschnecken (Neritina natalensis)
  • viele kleine Blasen- und Posthornschnecken

Fütterung: Verschiedene Flockenfutter, ab und an rote Mückenlarven, manchmal Garnelenfutter.

Wasserwerte:

  • Temperatur: 25° C
  • pH: 6,8
  • KH: 5
  • GH: 7
  • Fe: 0,05 (Ja, trotz täglicher Eisendüngung. Vermutlich oxidieren entweder der große Filter oder der aktive Bodengrund ’ne Menge weg.)
  • Nitrat: 20
  • Nitrit: <0,01

Gelegentliche Beigaben von Bananenblättern und Catappa-Blättern und -Rinde.

Neue, blaue Zwergfadenfischfrau

Rennschnecke

Keilfleckbarben

Schaumnest des Zwergfadenfischs

Rotblauer Kolumbianer

Transparente Blasenschnecke

Aquarium

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