Kurz reingeschaut: „Ödipus / Bêt Noir“ im Schauspielhaus Köln

Ich kann mit Tanztheater wohl einfach nichts anfangen. Ich kann die Geschicklichkeit und Athletik der Tänzer bewundern. Ich kann auch toll choreographierte Szenen genießen, wenn sich auf der Bühne spektakuläre Bilder ergeben. Aber am Ende fehlt mir ein Decoder im Kopf, der aus dem, was auf der Bühne passiert, irgendeine Handlung macht, der mich irgendeine Geste, die nicht schmerzhaft platt und offensichtlich wäre, verstehen lässt. Ich mag Geschichten, und im Tanztheater erkenne ich sie nicht.

Also sitze ich da, habe eine Viertelstunde lang wirklich Spaß, vielleicht noch 30 Minuen lang, aber dann beginne ich auf die Uhr zu sehen und hoffe, dass der Vorhang fällt, das Licht angeht und ich den Tänzern applaudieren kann. So ging es mir also auch am Dienstag, als im Kölner Theater Ödipus vorgeturnt wurde.

Das Bühnenbild war wirklich beeindruckend: In einer Ecke steht eine gut sechs Meter hohe, geneigte Scheibe, bespannt mit einem Drahtnetz, abgedeckt mit zahllosen Stoffetzen. Auf diese Scheibe kriecht gleich zu Beginn eine Tänzerin, kauert sich embryonal in die Mitte, bis plötzlich um die Ränder der Scheibe die anderen Tänzer kriechen, sich ihr wie Insekten nähern und schließlich um sie herum ins Netz krallen. Ein sehr, sehr starkes Bild, kunstvoll primitiv, weil es Urängste und -sehnsüchte anspricht, ohne eindeutig zu sein.

Auch während der weiteren Dauer des Abends bringen die Tänzer von Ultima Vez immer wieder beeindruckende Muster auf die Bühne. Ich kann das genießen, aber ich frage mich, bis auf das erste Bild, was das alles mit der Geschichte des Ödipus zu tun hat? Und entweder, Regisseur und Hauptdarsteller Wim Vandekeybus stellt sich dieselbe Frage, oder es ist sein Zugeständnis an das Schauspielhaus, dass der Tanz immer wieder von Sprechszenen unterbrochen wird.

Leider ist Vandekeybus der schwächste Darsteller: SeinTanz wirkt schwerfällig, manchmal regelrecht plump. Und wenn er spricht, dann erschwert sein flämischer Akzent das Verständnis des Textes sehr, wirkt manchmal auch unfreiwillig komisch.

Die anderen Tänzer und auch die Schauspieler des Hauses aber sind in ihren Rollen zuhause, beeindrucken mit Präzision und vollem Einsatz. Vandekeybus‘ Choroeografien sind originell, kraftvoll, irgendwie sogar wütend.

Und doch bleibt vieles episodenhaft, für mich unentschlüsselbar und ohne Bezug zur Handlung. So freue mich nach 115 Minuten, dass endlich Schluss ist, und klatsche mir doch gerne die Finger für die Beteiligten wund.

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