Fortuna Köln – SC Wiedenbrück 2000 3-1

Der Besucher neben mir hatte viel zu reden während dieses Spiels: „Away attack. Home save. Home attack. Away save. Away attack. Home save. Home attack. Home danger. Home shot wide. Away goal kick. Standby. Taken. Away attack.“ So ging es die ganze Zeit: Der junge Mann gab die aktuellen Spielsituationen an Bwin durch (mehr dazu in einem eigenen Blogpost), und davon gab es in diesem abwechslungsreichen, unterhaltsamen Spiel eine Menge zu erzählen.

Die Winterpause ist in Köln mit diesem Spiel wohl endgültig vorbei: Eine weitgehend trockene Woche war vergangen, 12° am Spieltag und ein seit Wochen nicht mehr benutzter Rasen: Beste Fußballbedingungen im Südstadion.

Südstadion

Doch so groß die Freude auf Fußball war, so groß waren auch die Fragezeichen, wie Fortuna-Trainer Uwe Koschinat mit der kleinen Verletztenmisere umgehen würde: Kevin Kruth (Kreuzbandriss), Dirk Caspers (Fersenbeinstauchung), Alexander Ende (Syndesmosesbandriss), Timo Heinze (muskuläre Probleme), Fabian Montabell und Tibor Heber (beide Trainingsrückstand) fehlten. Da waren ein paar Lücken zu füllen, und Uwe Koschinat fand durchaus originelle Lösungen. Als Außenverteidiger stellte er zwei nominelle Offensivkräfte auf: Michael Lejan verteidigte links außen, Ozan Yilmaz rechts. Neben Maurice Kühn stand wieder Lukas Nottbeck im defensiven Mittelfeld. Und das Fehlen des notorischen Mittelstürmers Montabell kompensierte Koschinat… …irgendwie gar nicht. Jedenfalls nicht 1:1. Silvio Pagano besetzte wie gewohnt die rechte Außenbahn, aber Hamdi Dahmani, Christian Pospischil und Steffen Moritz spielten auf den Angriffspositionen links und in der Mitte ein fröhliches Bäumchenwechseldich. Jeder tauchte bald auf dem einen, bald auf dem anderen Planquadrat auf, so dass das System mehr ein 4-2-4 war, vielleicht noch ein sehr fluides 4-3-3 mit Doppelsechs und Zehner.

Die Variabilität tat dem Offensivspiel der Fortuna merklich gut. Gegenüber den letzten Auftritten, bei denen Fabian Montabell die Bälle angezogen und dann zu oft verloren hatte, waren die Kombinationen heute viel flüssiger und das Spiel weniger ausrechenbar. Und, man höre und staune: Es wurde kombiniert! Ob das eine endgültige Abkehr vom Koschinatschen Kicken hoher Bälle in die Spitze war, das die Fortuna zuletzt doch sehr eindimensional gemacht hatte? Im Ergebnis war das schnelle Passspiel, das die Fortuna heute nach vorne brachte, jedenfalls wirklich gut anzusehen, und es brachte zählbare Ergebnisse.

Die Aufstellung: Paucken – Yilmaz, Laux, Schäfer, Lejan – Kühn, Nottbeck – Pagano, Pospischil, Dahmani, Moritz.

Auflaufen der Mannschaften

Von Beginn der Partie an versteckte sich keine der beiden Mannschaften. Wiedenbrück war das Selbstvertrauen anzumerken, das die Mannschaft in zahllosen siegreichen Testspielen gesammelt hatte. Die Fortuna hatte ihrerseits vom schmählich mit 1-4 gegen Bochum II verlorenen letzten Heimspiel etwas gutzumachen, und so entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, in dem die Wiedenbrücker durchaus mittelgute Chancen hatten, um in Führung zu gehen; gerade über die Flügel ging gegen die neu besetzte Außenverteidigung der Fortuna etwas.

Die größte Chance hatte aber nach 20 Minuten Christian Pospischil, der die präzise Flanke des wieder hervorragenden Hamdi Dahmani aus kurzer Distanz gegen den Wiedenbrücker Torwart köpfte, anstatt den Ball nach unten zu drücken.

Gut 10 Minuten später war es dann so weit: Ich hatte nicht gesehen, wie Silvio Pagano an den Ball gekommen war, weil ich gerade ein paar Bilder der Stadionverbotler am Nordportal knipste. Was ich aber sah, das war der Strahl, den Pagano von der rechten Strafraumkante in den linken Knick des Wiedenbrücker Tors nietete. Ein absolutes Traumtor und zum bereits fünften Mal (?) der Führungstreffer durch Pagano – mit all der Souveränität erzielt, die er sich nach dem schwierigen Beginn in Köln inzwischen erarbeitet und erspielt hat.

Dass Pagano nach seinem Tor ein Trikot des zum x-ten Mal verletzten Kevin Kruth hoch hielt, das ihm Lukas Nottbeck reichte, war obendrein eine schöne Geste der Mannschaft. Kopf hoch, Kevin!

Pagano grüßt den verletzten Kevin Kruth

Pagano grüßt den verletzten Kevin Kruth

Die Fortuna bekam das Spiel nun besser in den Griff, die gegnerischen Angriffe konnten relativ frühzeitig abgefangen werden, und ihrerseits hatten die Fortunaspieler die gegnerische 17 schon kurz vor der Halbzeit so entnervt, dass der gelb-rot-gefährdet ausgewechselt werden musste. Ein besonderes Lob gilt dabei heute dem sonst oft gescholtenen Maurice Kühn, der defensiv sicher stand und sich im Spiel nach vorne keine Ballverluste leistete.

Drohender Platzverweis = Auswechslung vor der Pause

Nach der Pause ging es so weiter wie davor, und nach einer Ecke kam Oliver Laux schon in der 50. Minute so frei und mit so viel Druck zum Kopfball, dass der nur noch reingehen konnte: 2-0.

Jubel nach Oliver Laux' 2-0

Jubel nach Oliver Laux' 2-0

Um so ärgerlicher war, dass sich die Mannschaft nach diesem Paukenschlag mal wieder selbst in Schwierigkeiten brachte, denn so frei, wie gleich mehrere Wiedenbrücker Angreifer beim Anschlusstreffer wenige Minuten später standen, war das fast nur durch nachlassende Entschlossenheit zu erklären.

Anschlusstreffer für Wiedenbrück

Im Gegensatz zu anderen Spielen gab es heute aber keinen Bruch im Spiel, kein Zittern, sondern die Fortuna spielte einfach weiter so schnell nach vorne, dass die Wiedenbrücker schon 5 Minuten später Glück hatten, als ihr Torwart den Ball nur um Haaresbreite vor Silvio Pagano wegköpfte.

Fast!

In der 67. Minute dann eine Premiere: Die ersten Saisonminuten für Alassane Ouedraogo. Unter Matthias Mink hatte der Außenstürmer noch zur Stammformation gehört, Uwe Koschinat hatte aber bereits vor der Saison angekündigt, dass er nicht auf den Mann aus Burkina Faso bauen würde. Dribbler gehören nicht zu Koschinats bevorzugten Spielertypen, umso überraschender war es, dass außer Ouedraogo heute auch noch Michael Kessel eingewechselt wurde, wenngleich nur ganz kurz vor Schluss. Allerdings muss man festhalten, dass sich beide Spieler in der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, nicht aufdrängen konnten. Kessel hatte noch eine gute Szene, als er alleine auf den Torwart zulief, versägte aber, nachdem ihm der Abpraller sogar wieder vor die Füße gefallen war, die fällige Flanke komplett. Ouedraogo konnte keine Akzente setzen.

Das gelang in der 73. Minute allerdings dem Wiedenbrücker Sven Höveler, der auf dem Flügel dem mit Höchstgeschwindigkeit durchstartenden Michael Lejan so entgegengrätschte, dass der sichere Schiedsrichter glatt Rot zog. Eine korrekte Entscheidung.

Rote Karte,

Aufregung nach der roten Karte

Der Platzverweis und wahrscheinlich auch die schwindende Zeit rüttelten die Wiedenbrücker allerdings noch einmal auf, die in der Folge ernsthaft versuchten, den Ausgleich zu erzielen. Klare Torchancen sprangen dabei zwar nicht heraus, aber der Druck auf das Kölner Tor nahm zu, bis fünf Minuten vor Schluss wiederum Silvio Pagano einen Konter zur endgültigen Entscheidung ummünzen konnte, übrigens nach schönem, kurzen Pass von Christian Pospischil, als der Ball schon fast vertändelt schien.

Jubel nach dem 3-1

Am Ende waren die Kölner Zuschauer hoch zufrieden mit ihrer Mannschaft. Ein souveränes Spiel, in dem die Mannschaft nicht nur ihre körperlichen, sondern endlich auch einmal ihre spielerischen Mittel eingesetzt hatte, endete mit einem verdienten Sieg. Ein Gegner, der in der Offensive schneller kombinieren kann, hätte die Partie vermutlich spannender gestalten können. Aber gegen einen Tabellennachbarn muss man sich erst einmal so sicher durchsetzen.

In der Liga springt die Fortuna nun wieder auf Platz 6, die zahlreichen Nachholspiele werden aber erst Ende März eine Aussage erlauben, ob die Mannschaft auch bis zum Saisonende um einen ehrenvollen Platz im oberen Tabellendrittel wird spielen können, was für einen Aufsteiger hoch respektabel wäre.

(Alle Fotos von heute auf Flickr.)

Nach dem Schlusspfiff

Schmunzelmonster

Alassane nach den ersten Saisonminuten

"Uwe Koschinat"

Nach dem Schlusspfiff

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