Fortuna Köln – 1. FC Kaiserslautern II 3-4 (2-1)

Sieben Tore, vier Führungswechsel, das entscheidende Tor erst kurz vor Schluss: Als neutraler Fan konnte man seinen Spaß haben. Und irgendwie ist man auch als Fortuna-Fan in dieser Regionalligasaison ein bisschen neutral, denn es geht schließlich um nichts. Eigentlich hatte ich vorgehabt, schon etwa vor dem Abpfiff zu gehen, um mehr vom CL-Spiel der Bayern gegen Basel mitzubekommen. Ich blieb aber bis zum Schlusspfiff im Südstadion, obwohl beide Halbzeiten (von Bundesligaschiri Markus Wingenbach) mit je fünf Minuten Verspätung angepfiffen wurden. Das spricht für den Unterhaltungswert des Spiels.

Südstadion

Sportlich aber bekam die Fortuna ihre Grenzen gestern mehr als deutlich aufgezeigt, das Ergebnis schmeichelte der Heimmannschaft – obwohl die eine Minute vor dem 3-4 selbst die Monsterchance zur Führung gehabt hatte.

Fortuna-Trainer Uwe Koschinat hatte gewechselt: Marco Gietzen ersetzte Aushilfslinksverteidiger Michael Lejan. Fabian Montabell rückte wieder in den Sturm, Christian Pospischil ging für ihn als Achter ins Mittelfeld, Maurice Kühn musste dort etwas überraschend weichen, der zuletzt gute Spiele gemacht hatte: Paucken – Yilmaz, Laux, Schäfer, Gietzen – Pospischil, Nottbeck – Pagano, Dahmani, Moritz – Montabell.

Auflaufen der Mannschaften

Das Spiel begann katastrophal. Ozan Yilmaz muss schon seit einigen Partien hinten rechts aushelfen. Und gestern fragte man sich einmal mehr, was Daniel Bartsch eigentlich ausgefressen haben muss, dass Uwe Koschinat statt seiner lieber einen offensiven Mittelfeldspieler aufstellt? Yilmaz wurde von den Lauterern in der Anfangsphase aber sowas von rund gespielt. Das war einfach zu schnell für ihn, er stand falsch, ermöglichte dem Gegner mehrere gute Gelegenheiten, und der nutzte zum Glück nur eine, in der 4. Minute, um ein Tor zu erzielen. Dabei sah allerdings auch noch die Kölner Innenverteidigung schlecht aus, als der Ball von links nach rechts gepasst wurde, dann zurück in die Mitte und der Torschütze dort sekundenlang Zeit hatte, den Ball sogar noch anzunehmen, bevor er ihn ins leere Tor schob.

In der Folge dominierte Lautern das Spiel eindeutig. Die Fortuna kam mit dem Forechecking des Gegners gar nicht zurecht, verlor regelmäßig schon im Spielaufbau die Bälle, und wenn man sie mal behauptete, dann spielte man unpräzise Pässe. Der Betze hätte schon mindestens ein Tor höher führen müssen, als er in der 35. Minute beschloss, der Fortuna die Führung zu schenken: Zunächst köpfte ein Abwehrspieler bei einer Strafraumszene genau auf den Kopf von Steffen Moritz, dessen Ball der Keeper angeblich erst hinter der Linie erwischte. Nur Sekunden später spritzte der emsige Fabian Montabell in einen völlig verbaselten Rückpass und netzte staubtrocken zur Führung ein. Die kam wirklich völlig überraschend, lediglich Christian Pospischil hatte bis dahin mit wuchtigen Fernschüssen für Gefahr gesorgt.

Jubel über das 2-1

Pause

Nach der Pause sorgte sich dann Marco Gietzen beflissen darum, dass die Lauterer nicht zu lange zurückliegen mussten: Erst sprang er am Ball vorbei, Sekunden später aber nicht am Gegner, den erwischte er sauber von hinten in den Kniekehlen. Berechtigter Elfmeter, Ausgleich.

Wiederum nur Minuten später die nächste alberne Situation: Ein Abschlag von Paucken fällt hinter der Mittellinie an den Gegner, der spielt einen einfachen, hohen Ball auf den durchstartenden Wooten, Mitja Schäfer schaltet viel zu spät und Wooten trifft, alleine gegen Paucken, sicher zur erneuten Lauterer Führung. So einfach darf man es dem Gegner wirklich nicht machen, dass der nach einem Kölner Abschlag auf einmal 40 Meter freies Spielfeld vor sich hat.

Immerhin zeigte die Fortuna jetzt eine Reaktion, spielte mit Wut, Willen und Können gegen die Niederlage an. Angriff auf Angriff rollte gegen das Lauterer Tor, bis sich schließlich Christian Pospischil für seine gute Leistung belohnte und einen traumhaften Angriff sicher abschloss, bei dem sich die Fortuna aus einem Einwurf mit Kurzpässen bis vor das Tor kombinierte.

Die Schlussphase hatte dann alles: Zunächst gelang es Silvio Pagano, einen Abpraller über das fast schon leere Tor zu schießen. Gerade ihm! Gerade ihm muss man es allerdings auch verzeihen, mal eine Chance nicht zu verwerten, der in den letzten Spielen so regelmäßig getroffen hatte. Pagano kniete gefühlt noch von seinem Fehlschuss enttäuscht vor dem Lauterer Tor, als die Pfälzer auf der anderen Seite ein Tor machten, das nicht hätte zählen dürfen, weil Ozan Yilmaz‘ Befreiungsschlag vom Gegner mit den Stollen voraus geblockt wurde.

Es war eine klare Fehlentscheidung von Markus Wingenbach, hier weiterlaufen zu lassen, allerdings hatte Lautern den Sieg unter dem Strich deutlich verdient, denn sie hatten das Spiel bis auf 15 Minuten rund um das 3-3 jederzeit im Griff, waren nach vorne enorm torgefährlich und auch die zweikampfstärkere Mannschaft.

Die Torgefahr der Lauterer wurde auch begünstigt vom teilweise hanebüchenen Abwehrverhalten der Fortuna, das Trainer Koschinat nach dem Spiel im DFC-Interview anprangerte. So kann man gegen eine spielstarke Amateurmannschaft einfach nichts holen.

Erwiesen sollte nach diesem Spiel aber sein: Yilmaz ist kein Außenverteidiger, Pospischil ist inzwischen eine echte Verstärkung für das Team, Fabian Montabell kann noch treffen, Mitja Schäfer kann auch mal einen schlechten Tag haben, und die Fortuna kann ihre Tore erspielen, nicht nur körperlich erzwingen.

Am Samstag geht es gegen Schalke II.

"Unsere Fortuna-Herzen bluten! Was ist mit euren?"

Fortuna Köln - 1. FC Kaiserslautern II

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s