Kurz reingeschaut: „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ im Schauspielhaus Köln

Jeder DJ weiß es, jeder klassische Komponist ohnehin und sogar der Fahrgeschäftmeister auf der Kirmes, wenn er ruft „Die nächste Fahrt rückwärts!“ Nur Herbert Fritsch weiß es nicht: Dramaturgie braucht Abwechslung, besser noch Pausen.

Nun ist Fritsch ein berühmter Theater-Regisseur mit einem beeindruckend langen Wikipedia-Eintrag, und man würde also vermuten dass er sich mit der Kunst der Inszenierung wohl doch auskennen müsste. Für die Kölner Aufführung von Brechts „Herr Puntila“ muss er das alles verdrängt haben, denn hier wird Gas gegeben, dann ein bisschen mehr Gas, dann ein bisschen weniger, aber nie unter Richtgeschwindigkeit 130, immer auf der linken Spur und immer mit blinkender Lichthupe.

Das ermüdet den Zuschauer schnell, was schade ist, denn Fritschs Inszenierung hat durchaus Potenzial. Der betrunkene Puntila wird ständig umschwirrt von einem unisono sprechenden Chor von Claqueren und Kommentatoren, die Bühne wird umgrenzt von einer Riesenrutsche, und die drei Hauptfiguren sind so grotesk überzeichnet, dass sie gerade dadurch Fallhöhe haben. Nur fallen sie leider nie, außer manchmal buchstäblich ins Parkett.

Erst ganz am Ende, wenn Matti seinen Herrn verlässt und plötzlich Ruhe ist, wird klar, was für starke Momente diese Aufführung hätte haben können. Doch Fritsch setzt zuvor über zwei Stunden lang auf das Manische, lässt das Depressive des Stücks nicht zu.

Und selbst den durchweg guten Darstellern gönnt er am Ende den Lohn nicht, wenn er sie zwingt, noch eine geschlagene Viertelstunde lang in ihren Rollen zu verharren und den hochverdienten Applaus des Publikums beispielsweise nicht als Charly Hübner oder als Angelika Richter entgegennehmen zu können, sondern als eine Art Zombieversionen von Puntila und Eva.

Am Ende fragt man sich, warum niemand dem Regisseur gesagt hat, dass dieser Abend mit nur kleinen Änderungen so einem spektakulären Theaterfest hätte werden können. So ist man am Ende erschöpft und froh, wenn es vorbei ist, und nimmt nichts mit nach Hause.

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