Fortuna Köln – TuS Koblenz 3-1 (1-0)

Im Nachhinein weiß man: Dieses Spiel dauerte gut zwei Minuten. Dann Freistoß Lejan, Steffen Moritz köpft Stefan Haben an, von dessen Kopf beschreibt der Ball eine Bogenlampe über den nicht sehr groß gewachsenen Koblenzer Torwart Yalcin hinweg: Tor. Im Anschluss an das 1-0, das laut Fortuna TV nach 124 Sekunden fiel, passierte nicht mehr viel. Drei weitere Tore noch, aber nichts, was den Sieg von Fortuna hätte gefährden können.

Nach der Niederlage in Elversberg hatte Trainer Koschinat noch gewütet und einigen Spielern Charakterlosigkeit, mindestens aber fehlendes Berufsethos attestiert. Gemessen daran gab es vor der Partie gegen den Tabellenletzten wenige personelle Wechsel in der Aufstellung: Paucken – Bartsch, Theißen, Laux, Caspers – Pagano, Nottbeck, Kühn, Lejan – Montabell, Moritz.

Auflaufen der Mannschaften

Dahmani, Heinze, Gietzen und Schäfer fehlten wegen Verletzungen. Deswegen rückte Sven Theißen in die Innenverteidigung. Auf der rechten Außenverteidigerposition entschied sich Uwe Koschinat nach langem mal wieder für Daniel Bartsch. Dass Ozan Yilmaz nur auf der Bank Platz nehmen durfte, lag daran, dass ihm auf links Michael Lejan vorgezogen wurde und es einen klassischen 10er nicht gab.

Taktisch nämlich hatte Koschinat doch etwas umgestellt: Moritz und Montabell stürmten in einem 4-4-2, das allerdings bei Ballbesitz meist zum 3-2-4-1 wurde: Die Außenverteidiger rückten weit nach vorne, Maurice Kühn ließ sich zwischen die beiden sehr breit stehenden Innenverteidiger fallen, während Lukas Nottbeck zu den Offensivspielern aufschloss und Fabian Montabell als vorderste Spitze agierte. So sah das dann meist aus: Ein riesengroßes Lock im Mittelfeld, nur besetzt von ein paar Koblenzern, die geduldig den Raum deckten und sich nicht damit belasten wollten, Druck auf den ballführenden Spieler zu machen.

Fortuna Köln - TuS Koblenz

In der hintersten Kölner Reihe wurde der Ball dann in aller Ruhe hin und her gekickt, bis entweder direkt lang nach vorne gespielt wurde, oder der Ball auf die Flügel gepasst wurde. Nur selten ließ sich Nottbeck fallen, um sich doch noch als Anspielstation im Zentrum anzubieten, meist aber bekam er den Ball dann nicht einmal.

Und immerhin, die Taktik ging auf! Denn das 2-0 fiel auf schlichteste Art und Weise: Ein langer Ball von Oliver Laux den linken Flügel hinunter, auf den Silvio Pagano kurzfristig gewechselt war. Pagano ließ seinen Gegenspieler an der Grundlinie aussteigen, flankte zurück an die Strafraumgrenze, wo Fabian Montabell der Ball wie üblich tot stoppte, wo ihm die Koblenzer Abwehr aber die rund sieben Meter Raum ließ, die Montabell brauchte, um seinen eigenen Abpraller volley zu nehmen und einzuschießen.

Jubel nach dem 2-0

Nach dem 2-0 endlich öffnete Koblenz ein bisschen, und lief folgerichtig in den Fangschuss: Ein Ballgewinn von Nottbeck landete eigentlich bei einem Koblenzer, der den Ball als guter Gast aber postwendend wieder zu Nottbeck zurück kickte. Der ließ sich dann nich dreimal bitten, passte präzise und gut getimed in den Lauf von Montabell, der aufs Tor zulaufen und recht problemlos geradeaus einschießen konnte, weil Torwart Yalcin wohl beim Rauslaufen vergessen hatte, wo genau seine Bude noch mal stand.

Jubel nach dem 3-0

So war dann auch klar, warum Koblenz Tabellenletzter ist: Wer die Tore so einfach herschenkt, der wundert sich wahrscheinlich nicht mal mehr.

Dass nach vorne gegen die traditionell anfällige Fortuna-Abwehr mehr gegangen wäre, stellte Koblenz anschließend doch noch fest. Der Ehrentreffer war schön und locker herausgespielt, und kurz vor Schluss musste Dieter Paucken noch zwei Mal gute Koblenzer Chancen zunichte machen. Das hätte noch einmal spannend werden können, am Ende blieb aber der Eindruck von vorgezogenem Sommerfußball haften, bei dem Koblenz so kampf- und körperlos spielte, dass sie nicht einmal eine gelbe Karte kassierten.

Ebenso lustlos präsentierte sich auch in der zweiten Halbzeit der zu Beginn noch durchaus einsatzfreudige Koblenzer Fanblock. Wo beim Auflaufen der Mannschaft noch Bengalofeuer brannten und vom Capo angefeuert skandiert wurde, lümmelten sich nach der Unterbrechung ein paar Sonnenanbeter auf den Stufen, während der Rest der Truppe selbst einen kleinen Kick veranstaltete (bis sie den Ball auf’s Spielfeld geschossen hatten und nicht mehr zurück bekamen). Eine Viertelstunde vor Schluss sammelte man dann auch die Zaunfahnen ein und trollte sich. Komisches Verhalten von Fans, die ja doch ein paar Kilometer gereist waren, von ihrer Mannschaft wohl kaum mehr zu erwarten gehabt hatten und die auch das Wetter wohl kaum vergraulte. Sollte das ein Protest sein?

Vorher:

Bengalo im Gästeblock

Auswärtsmob

Nachher:

Keine Hoffnung mehr im früh geleerten Gästeblock

Koblenz packt ein

Ein Heimspiel bleibt der Fortuna noch, in dem sie vielleicht Borussia Mönchengladbach II die letzten Aufstiegsträume vermasseln kann. Den Saisonabschluss gibt es dann am Tag des Champions-League-Finals, und das wie schon letzte Saison bei Rot-Weiß Essen.

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