Fortuna Köln – Borussia Mönchengladbach II 1-0 (und ein Saisonrückblick)

Am Freitag Abend stieg also das letzte Heimspiel von Fortuna Köln in der Regionalliga-Saison 2011/12; Gegner waren die kleinen Fohlen (Sind Fohlen nicht eh schon klein?), die U23 von Borussia Mönchengladbach. Am Ende stand ein 1-0 in einem mittelmäßigen Spiel, über das ich mangels größerer Erwähnenswürdigkeit nur kurz berichten möchte, um mich anschließend einem kleinen Saisonrückblick zu widmen.

Die Mannschaften

Die Startelf war mal wieder ziemlich überarbeitet, teils aufgrund von Verletzungen. Es begannen, zur Abwechslung mal wieder im 4-4-2: Sela – Bartsch, Theißen, Laux, Caspers – Pagano, Nottbeck, Yilmaz, Lejan – Montabell, Moritz. Ozan Yilmaz besetzte also den offensiveren Part der Doppelsechs und Daniel Bartsch rückte mal wieder in der Startelf.

Es entwickelte sich eine relativ offene Partie mit ausgeglichenen Spielanteilen, allerdings mit nur wenig Struktur und je zwei guten Torchancen auf beiden Seiten. Immerhin stand Fortuna dieses Mal gegen eine Zweitvertretung defensiv nicht ganz so tief wie die letzten Male, Gladbach ließ aber auch die Kombinations- und Spielfreude vermissen, mit der die U-Mannschaften der Liga ansonsten meist aufwarten.

Zum Ende der ersten Halbzeit entschied Silvio Pagano, wer sonst, die Partie mit dem einzigen Treffer, der alleine aber schon das Geld wert war: Erst legte er einen langen Pass von Yilmaz in einer Kontersituation volley kurz an seinem Gegenspieler vorbei, um den Ball dann mit dem Außenrist von halbrechts um den Torwart herum neben den linken Pfosten ins Tor zu lügen.

Das war natürlich spektakulär gemacht, allerdings auch aufgrund der Tatsache notwendig, dass Pagano so was von überhaupt keinen linken Fuß hat. Hätte er den, würde er aber auch nicht mehr in der Regionalliga bei Fortuna spielen, sondern eine oder zwei Klassen höher.

In der zweiten Hälfte verdiente sich die Fortuna die zuvor doch etwas glückliche Führung, hatte die etwas besseren Torchancen in einer insgesamt zu plätschrigen Partie. Man merkte, dass es für beide Mannschaften um nichts mehr ging, der letzte Einsatz fehlte.

Kurz vor Schluss hätte es trotzdem fast noch eine schöne Schlusspointe gegeben, als der eingewechselte Heber den Ball dem ebenfalls eingewechselten Dahmani auf den Kopf chippte, der Gladbacher Torwart den Ball aber noch so gerade über die Latte lenkte. Es wäre ein netter Abschluss für zwei Spieler gewesen, die den Verein verlassen werden.

Am Ende blieb es beim 1-0, womit die Fortuna die drittbeste Heimmannschaft der Liga ist. Dass sie zuhause aber mehr als doppelt so viele Punkte wie auswärts gewonnen haben wird, selbst falls sie in der abschließenden Partie beim RWE noch siegen sollte, lässt sich fast nur mit der Einstellung erklären: Die viertmeisten Gegentore und die zweitwenigsten eigenen Tore auswärts sprechen Bände.

Womit wir auch schon beim Saisonrückblick wären.

Die Mannschaft
…war vor der Saison zu großen Teilen neu zusammengestellt worden, allerdings noch im Glauben, dass man in der Oberliga um den Aufstieg spielen würde. Am Tag nach der Vorstellung der Spieler durch den neuen Trainer, kam die Nachricht, dass Windeck auf den Regionalliga-Aufstieg verzichtet und die Fortuna nachrückt. Während der Saison ergab die Mannschaft selten das Bild einer Einheit, was auch an zahlreichen Wechseln lag, die Uwe Koschinat von Spiel zu Spiel vornahm.

Die Taktik…
…änderte sich immer wieder mal. Vor der Saison war ein 4-3-3 angekündigt worden, das Uwe Koschinat in den ersten Spielen auch aufstellte. Während der Saison wechselte er dann aber zu einem 4-2-3-1, ab und an auch zu einem 4-4-2. Gleichbleibend war die Idee, dem Gegner körperlich überlegen zu sein, und deshalb aus der Defensive heraus schnell nach vorne zu spielen und bei eigenem Ballbesitz mit langen Bällen zu agieren. Das ist nicht der ästhetischste Fußball, aber wenn er gelingt, ist er wegen seiner Dynamik durchaus attraktiv. An einem schlechten Tag bleibt allerdings nur planlos wirkendes Gekicke übrig, so wie in vielen Auswärtsspielen.

Der Trainer…
…machte von Anfang an sehr klare Ansagen, denen aber nicht immer auch Taten folgten. Beispielsweise wurde das 4-3-3- schnell aufgegeben, und nach den letzten Auswärtsspielen, als Koschinat der Mannschaft Charakterlosigkeit vorwarf, liefen doch wieder größtenteils dieselben Spieler auf. Die Wintereinkäufe brachten ebenfalls keine Verstärkung. Nicht jeder Spieler kommt mit Koschinats teilweise cholerischer Art klar, und bereits vor seinem Wechsel hörte man aus Koblenz, dass wer aus Koschinats Gnade gefallen ist, keine Chance mehr bekommt. Mir ist unterm Strich allerdings ein Trainer mit klaren Ansagen lieber als einer, der alles relativiert. Diese Saison, die auch seine erste als Cheftrainer war, bekommt Koschinat von mir als Übungssaison zugestanden. Nächste Saison, wenn der Aufstieg wohl auch erklärtes Saisonziel werden wird, will ich allerdings auch sehen, dass die Fehler dieser Saison nicht mehr gemacht werden.

Die Spieler in der Einzelkritik

Tor

33 Dieter Paucken: Ein ordentlicher, reaktionsschneller Rückhalt, allerdings mit ein paar Schwächen bei hohen Bällen, was für Fortuna-Keeper eine Einstellungsvoraussetzung zu sein scheint.

1 Jonas Sela: Einen besseren zweiten Torwart kann man sich für die Regionalliga nicht wünschen. Kam selten zum Einsatz, brachte dann aber seine Leistung. Schade, dass er geht, aber auch sehr verständlich.

Verteidigung

17 Daniel Bartsch: Machte nur die ersten Spiele, wurde dann von Koschinat ignoriert. Im Spiel am Freitag sah man aber auch, warum, als er sich von den Gladbacher Stürmern zu oft und zu einfach düpieren ließ.

3 Dirk Caspers: Offensiv auffälliger als defensiv, seine Flanken sehen aber oft gefährlicher aus, als sie es am Ende sind.

13 Andy Habl: Wurde hauptsächlich zur Ergebnissicherung eingewechselt. Unauffällig.

7 Marco Gietzen: Hätte ich gerne häufiger gesehen, technisch stark.

8 Timo Heinze: Hatte nur wenige Einsätze, fiel nicht negativ auf.

27 Mitja Schäfer: Unumstrittener Kapitän, sichere Spieleröffnung, steht wie ein Turm in der Abwehr, ist allerdings auch genauso schnell und wurde ein paar Mal locker überlaufen. Dennoch ein unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft und einer der echten Kölschen im Team, wenn auch von der falschen Rheinseite.

5 Sven Theißen: Zu Beginn selten eingesetzt, brachte in der Schlussphase der Saison aber sehr solide Leistungen in der Innenverteidigung.

Mittelfeld

20 Hamdi Dahmani: Nach anfänglichen Schwierigkeiten einer von Koschinats erklärten Lieblingsspielern, der aber dennoch keine regelmäßigen Einsätze bekam. Brachte immer, wenn er auf dem Feld stand, viel Zug nach vorne. Aus meiner Sicht einer der besten Spieler der Saison, dessen Abschied sehr schmerzt.

4 Alexander Ende: Leider lange verletzt, ist zwar weiterhin defensiv nicht der Stärkste, hätte dem Spiel nach vorne aber mehr und dringend benötigte spielerische Impulse geben können.

10 Tibor Heber: Ich mag Tibor sehr, aber die Regionalliga ist nach meiner Einschätzung eine Spielklasse zu hoch für ihn. Bekam nur sehr, sehr wenig Spielzeit, konnte in den paar Minuten aber auch nicht zeigen, dass er der Mannschaft hätte helfen können.

11 Michael Kessel: Wie Koschinat einmal sagte, ist Michael Kessels Pech, dass er ein zu guter Einwechselspieler ist, quasi der Marin der Fortuna. Mischte müde Gegner gut auf, ließ aber auch die letzte Durchschlagskraft vermissen.

28 Maurice Kühn: Aus meiner Sicht auf der Sechs falsch eingesetzt. Defensiv ist Kühn stark und klebt hartnäckig an seinen Gegnern, hat auch das nötige Körpermaß, um sich in der Luft zu behaupte, allerdings liefert er die gewonnen Bälle zu oft sofort wieder beim Gegner ab, was besonders dann für Ärger sorgt ist, wenn es auch noch mit dem Außenrist passiert. Sollte in der Innenverteidigung oder als Vorstopper spielen und einen Spieler haben, dem er den gewonnenen Ball sofort mit dem Innenrist abliefern muss.

14 Oliver Laux: Immer verlässlich, sowohl auf der Sechs als auch anschließend in der Innenverteidigung. Sehr solide Saison.

25 Michael Lejan: Konnte mir nie klar machen, warum er in der Winterpause geholt wurde. Seine Standards sind manchmal gut, Fernschüsse kann er auch, aber er ist mir zu langsam und brachte das Spiel der Fortuna insgesamt nicht nach vorne.

31 Lukas Nottbeck: Immer solide, immer dynamisch, nimmer müde. Ein Spieler, wie ihn jede Mannschaft gut gebrauchen kann!

15 Alassane Ouedraogu: Spielte in zwei Spielen insgesamt 25 Minuten. Ohne Wertung.

30 Silvio Pagano: Natürlich DER Spieler dieser Saison. Insbesondere beeindruckend, wie er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten, als sich die Fans wegen seiner nachläsigen Art schon auf ihn einschossen, fing, endlich das Kämpfen begann und am Ende mit 16 Toren als Außenstürmer eine sensationelle Quote hinlegte. Technisch der Beste im Team, schnell, guter ANtritt, abschlussstark und auch noch mit dem Auge für den Mitspieler. Herausragend!

6 Christian Pospischil: Kein Schlechter, aber auch keine Granate. Mit ist unklar, welche Lücke er eigentlich schließen sollte, als er in der Winterpause zur Fortuna kam. Auf der Doppelsechs wurde er selten eingesetzt, auf der 10 war die Mannschaft mit Yilmaz und Dahmani bereits gut besetzt, auf den Flügeln hätte er eh nichts zu suchen. Ich verstehe die Verpflichtung nicht, auch wenn er nicht negativ auffiel.

19 Ozan Yilmaz: Es hätte seine Saison werden können, aber durch Verletzungen wurde er immer wieder zurückgeworfen und musste dann als Außenverteidiger aushelfen. Ich baue darauf, dass er nächste Saison den Durchbruch schafft und das fehlende kreative Element im Spiel der Fortuna wird.

Sturm

24 Massimo Cannizzaro: Wurde verletzt geholt und hat noch kein Spiel gemacht. Ich erwarte nächste Saison Sagenhaftes von ihm, wenn er von der sportlichen Leitung der Fortuna soviel Vertrauensvorschuss bekommt.

9 Kevin Kruth: Kam an Montabell und Moritz leider nie vorbei, obwohl ich gerne mal gesehen hätte, wie das Spiel der Fortuna funktioniert, wenn Kevin in der Mitte knipst. Zum Saisonende dann böse verletzt. Danke für all die Jahre, Kevin!!!

16 Fabian Montabell: Fand nie zu seiner Form, schoss viel zu wenige Tore und vertändelte viel zu viele Bälle. Muss dringend an seiner Ballannahme arbeiten. Eigentlich kann er es ja, wenigstens auf Oberliganiveau. Die nächste Saison muss zeigen, ob es wirklich nur ein schlechtes Jahr war, wie es einem Stürmer mal passieren kann, oder ob die Regionalliga zu hoch für ihn ist.

18 Steffen Moritz: Verlässliche Kampfsau, zwar nur mit neun Toren, wurde aber auch immer auch wieder mal hinten links eingesetzt.

Das Fazit…
…fällt gemischt aus: Zu Hause hui, auswärts pfui. Nächste Saison gilt es wirklich, und dann wird Koschinat zeigen müssen, ob er die richtigen Schlüsse aus dieser Spielzeit gezogen hat.

Danke, Hamdi!

Nach dem Schlusspfiff

Uwe Koschinat

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