D.F.B.: „Die frechsten Begründungen“

Eins vorweg: Ich mag weder Hertha noch Lotte. Hertha ist noch vor Wolfsburg und Hoffenheim und ohne weitere Begründung mein unerreichter Hassverein der Bundesliga, spätestens seit Dieter Hoeneß dort Manager war. Und die Sportfreunde Lotte sind ein Osnabrücker-Vorort-Verein, der es nur mit dem Geld eines prolligen Mäzens dahin gebracht hat, dass er in der Wikipedia als zweites Aushängeschild von Lotte genannt wird – gleich nach dem Autobahnkreuz.

Doch wenn bei mir eine persönliche Eigenschaft stärker ausgeprägt ist als der Wille, auf andere Fußballvereine herabzublicken, dann ist das mein Gerechtigkeitsempfinden. Und da empört es mich wirklich zutiefst, wie gerade der Hertha und auch den Sportfreunden mitgespielt wird.

Über die Hertha wurde genug gespottet, und es wurden genug historische Platzstürme ins Feld geführt, die aber irrelevant sind, wenn nicht der sportliche Gegner um eine realistische Chance gebracht wurde, die Hertha unbestreitbar hatte.

Wenn aber ein DFB-Gericht damit argumentiert, dass der Düsseldorfer Platzsturm positiv besetzt war, dann ist das zwar eine passende Antwort auf angebliche Todesängste der Berliner Arschlöcher Spieler. Doch das Gericht ignoriert einfach die offensichtliche Tatsache, dass hier einer Mannschaft der Schwung genommen wurde, mit dem sie in 90 Minuten wahrscheinlicher ein Tor geschossen hätte als nach 20 Minuten Spielunterbrechung. Hätte Manchester United das zweite Tor oder Drogba das eine auch noch geschossen, wenn Bayernfans kurz vorher mit einem Platzsturm eine lange Spielunterbrechung erzwungen häten?

Noch frecher ist allerdings die Begründung, mit der das Sportgericht des DFB nun den Antrag der SF Lotte zurückgewiesen hat, auch als Regionalliga-Zweiter in die 3. Liga aufsteigen zu dürfen.

Wir erinnern uns: Lotte wurde in der abgelaufenen RL-Saison Zweiter, landete nur einen Punkt hinter der U23 des BVB. Drei ihrer insgesamt 77 Punkte erhielt die BVB-Jugend für den 4:0-Sieg bei Rot-Weiß Essen am 05. Mai. Am 18. Mai wurde bekannt, dass drei Essener Spieler bei diesem Spiel Wetten auf die Niederlage ihrer eigenen Mannschaft abgeschlossen hatten. Drei Tage später stellte Lotte den Antrag, ebenfalls aufsteigen zu dürfen.

Das DFB-Sportgericht wies diesen Antrag als unzulässig zurück, denn, festhalten: Lotte hätte seinen Einspruch bis zum 07. Mai einlegen müssen, zwei Tage nach dem Essener Spiel also. Zu diesem Zeitpunkt war aber ja noch gar nicht bekannt, dass die Essener Spieler gegen ihren eigenen Sieg gewettet hatten!

Außerdem meint das Sportgericht, dass Lotte auch deswegen keine Einspruchsberechtigung habe, weil sie ja nicht am Spiel beteiligt waren.

Wir halten fest: Wer einen Sportbetrug länger als zwei Tage geheim halten kann und ihn zudem in einem Spiel begeht, bei dem ein Dritter benachteiligt wird, der aber nicht direkt beteiligt ist – der darf den durch Betrug erlangten (oder auch nur begünstigten) sportlichen Erfolg behalten und der Betrogene darf nicht mal Einspruch erheben.

Dass zu guter Letzt das Sportgericht meint, dass eine Manipulation nicht erwiesen sei, das passt in die Linie der Hertha-Begründung, die eine Schwächung durch den Platzsturm nicht nachweisen konnten.

Ich halte es für mindestens skandalös, wie der DFB die Ergebnisse von Spielen fixieren will, selbst wenn Beeinflussungen vollkommen offensichtlich sind und selbst wenn es klar erkennbare Geschädigte gibt. Wie soll jemals irgendeine Mannschaft eine Schädigung nachweisen, wenn es in diesen beiden Fällen nicht gelang? Das Sportgericht blendet einfach aus, was für jeden Fußballbeobachter auf der Hand liegt: Herthas letzte kleine Chance auf den Klassenerhalt wurde gemindert, und Lottes Aufstieg wurde erschwert, weil der des letztendlichen Aufsteigers erleichtert wurde.

Aber was will man von Richtern erwarten, die von einer Organisation eingesetzt werden und abhängig sind, die wiederum eigene Interessen in den Prozess einbringt? Sportgerichte sind politische Gerichte, und das sieht man ihren Urteilen an. Sie sind selbstherrlich, sie sind oberflächlich, sie sind formalistisch und sie sind aus meiner Sicht oft genug einfach nur verachtenswert unfair.

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