Fortuna Köln – VfL Bochum II 1-0

Zahlreiche neue Spieler sind im Sommer zur Fortuna gekommen, sechs von ihnen standen in der Startformation. Auch das System scheint neu zu sein: Ein lupenreines 4-4-2 mit Doppelsechs hatte Uwe Koschinat aufgeboten. Und am Ende war doch einiges wie zuletzt: Eine mittelmäßige Partie einer spielerisch limitierten aber kampfstarken Fortuna. Und Silvio Pagano schießt die Tore.

Die Aufstellung: Poggenborg – Sievers, Laux, Flottmann, Schaaf – Pagano, Zinke, Nottbeck, Yilmaz – Kraus, Montabell. Mannschaftskapitän Mitja Schäfer saß sogar nur auf der Tribüne, hatte nicht mal einen Platz im Kader gefunden.

Auflaufen der Mannschaften

Der Beginn war von beiden Seiten zerfahren. Bei zunächst strahlendem Sonnenschein und einem schnell anschließenden Regenschauer schien es, als würden sich beide Teams positiv formuliert die Gelegenheit geben, sich an die neue Saison zu gewöhnen. Negativ formuliert: Das war Sommerfußball.

Nach zwanzig Minuten aber gewann die Fortuna die Oberhand und erspielte sich Torchance um Torchance: Montabell, Yilmaz und Schaaf scheiterten jeweils mit gezwirbelten Bällen nur knapp am Tordach oder an den Fingerspitzen des Bochumer Torwarts. Eine tolle Direktabnahme von Pagano parierte der Keeper, und Montabell setzte den Ball in einer 1:1-Situation aus spitzem Winkel nur ans Außennetz.

Nottbeck nimmt ihn direkt

Bochum konnte sich keine nennenswerte Gelegenheit erarbeiten, was im Vergleich zu den Aufeinandertreffen der letzten Saison (1-1, 1-4) schon mal ein gutes Zeichen war.

Nach der Pause aber gleich ein Paukenschlag: Oliver Laux unterschätzte als letzter Mann einen Ball, der geplante Rückpass mit dem Kopf misslang ihm völlig, so dass er sich gezwungen sah, den alleine auf’s Tor zulaufenden Bochumer am Arm zu halten. Der kam zu Fall: Klare rote Karte in der 48. Minute. Also fast eine Halbzeit in Unterzahl gegen eine spielstarke U-Mannschaft. Wie sollte das gut gehen?

Oliver Laux verlässt nach Rot den Platz

Koschinat wechselte zunächst nicht aus. Sebastian Zinke ging von der Sechs in die Innenverteidigung, Yilmaz schloss die Lücke im Zentrum, Kraus rückte auf links und ließ Montabell als nun einzige Spitze vorne.

In der Folge stand die Fortuna defensiv weiterhin relativ sicher. Ein paar kleinere Wackler gab es zwar während des gesamten Spiels immer wieder, bei denen es sich aber hauptsächlich um individuelle Fehler handelte. Die Mannschaftsleistung in der Verteidigung war gestern wirklich sehr gut und macht Hoffnung, dass die Mannschaft tatsächlich so weit oben mitspielen wird können, wie sie es sich zum Ziel gesetzt hat.

Der Höhepunkt des Spiels dann in der 72. Minute: Ein Freistoß für Köln aus 30 Metern Torentfernung, nahe der linken Außenlinie. Der Bochumer Torwart steht schon vor der Ausführung sehr weit vor seinem Tor, um die Flanke abzufangen. Doch Pagano zirkelt mit rechts einen Ball, der wie eine Flanke aussieht, der sich aber auf halbem Weg als direkter Torschuss entpuppt und nicht einmal sehr nah am kurzen Pfosten über den verzweifelt hechtenden Torwart hinweg einschlägt. Gigantisch!

Jubel nach dem 1-0

Nur ein paar Minuten später hätte Thomas Kraus schon alles klar müssen: Frei auf den Torwart zulaufend, zögerte er zu lange, schien auf die ihm nacheilenden Verteidiger regelrecht zu warten und vertändelte den Ball beim Versuch, einen Haken zu schlagen. Ein platzierter, jedenfalls beherzter Schuss wäre die bessere Entscheidung gewesen.

So musste Fortuna nämlich noch zittern und hätte zwei Mal den Ausgleich kassieren können. Einen Freistoß setzte der Bochumer Schütze aus 25 Metern nur gegen den Pfosten, und ein Eigentor (von Zinke?) pfiff der Schiedsrichter ab, weil der Bochumer Stürmer ihm vorher zu sehr mit den Armen gearbeitet hatte. Damit machte der Schiri einige Entscheidungen wett, bei denen er sich vorher etwas tendenziös gegen die Fortuna entschieden hatte.

Freistoß an den Pfosten

Eigentor? Zum Glück abgepfiffen!

Am Ende stand ein nach Torchancen über 90 Minuten verdienter, nach dem Spielverlauf der Schlussphase glücklicher Sieg der Fortuna, den sie sich aufgrund der kämpferischen Leistung aber redlich erarbeitet hatte.

Eine kurze Einzelkritik der Kölner Spieler:

  • Andre Poggenborg: Endlich, endlich mal ein Torwart mit souveräner Strafraumbeherrschung! Dafür muss er aber noch an seinen Abschlägen arbeiten, die waren doch ein paar Mal zu unpräzise. Hatte ansonsten keine schwierigen Aufgaben zu meistern. Note: 3.
  • Jan-Andre Sievers: Defensiv gut und eine klare Verbesserung gegenüber der Vorsaison, offensiv noch verbesserungsfähig. Note: 3
  • Eric Schaaf: siehe Sievers. Note: 3
  • Oliver Laux: Stand solide, solange er spielte. Nach einem solchen Fehler und einer solch frühen roten Karte kann es aber nur eine Note geben: 5.
  • Daniel Flottmann: Fiel mir nicht besonders auf, was für einen Innenverteidiger nichts schlechtes sein muss. Kann ich leider nicht bewerten.
  • Silvio Pagano:Konnte sich vor seinem Tor nur ein paar Mal so durchsetzen, wie man das von ihm aus der letzten Saison gewöhnt war. Dennoch immer ein Aktivposten und das Tor selbst dann mit großer Klasse erzielt. Note: 2.
  • Sebastian Zinke: War auf der 6er-Position eine sichtabre Verbesserung im Vergleich zu Sebastian Kühn. Große Ruhe, klare Pässe, sehr seriöses Spiel. In Halbzeit 2 dann auch auf der Innenverteidigerposition sicher. Note: 2.
  • Lukas Nottbeck: Rackerte vorbildlich wie immer, wenn er auch keine Akzente setzen konnte. Ein schöner Volleyschuss blieb leider hängen. Note: 3.
  • Ozan Yilmaz: Technisch sicher, beweglich, kombinationsfreudig, allerdings auf dem linken Flügel noch ohne die letzte Durchschlagskraft. Musste in der zweiten Hälfte auf der 6 aushelfen und machte das ordentlich. Es bleibt zu hoffen, dass er ohne Verletzung die Saison durchspielen und seine Qualitäten zeigen kann. Note: 2,5.
  • Fabian Montabell: Monti eifrig und agil wie man ihn kennt, aber auch mit den bekannten technischen Schwächen. Hatte zwei, drei Chancen, konnte aber kein Tor machen. Note: 3.
  • Thomas Kraus: Ich weiß nicht, ob Probleme bei der Ballannahme zum Anforderungsprofil für Fortuna-Stürmer gehören? Soll in der Vorbereitung einen guten Eindruck gemacht haben, blieb gestern aber wirkungslos und unauffällig, vergab zudem eine 100%ige. Note: 4.

[UPDATE] Spielberichtsvideo von FortunaTV

[UPDATE] Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

Alle meine Fotos vom Spiel: http://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-posted/2012/08/05/?view=md

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Südstadion, renoviert

10 Gedanken zu “Fortuna Köln – VfL Bochum II 1-0

  1. Burkhard schreibt:

    Vielleicht hat Laux das Spiel für uns gewonnen. Hätte er nicht die Notbremse gezogen, wäre wahrscheinlich das 1:0 für Bochum gefallen. Und ob wir dann die drei Punkte gemacht hätten ? Also Note 3 !!!
    Burkhard Senior

  2. Man kann vielleicht noch darüber streiten, ob es in der 48. Minute bei einem Unentschieden das Opfer wert ist, ein mutmaßliches Tor zu verhindern und dafür Rot zu kassieren. Dass ich dem Spieler aber noch dankbar sein soll, wenn er den Fehler selbst begangen hat, den er nur mit einer Notbremse ausbügeln konnte, erschließt sich mir nicht.

  3. Clemens Reiter schreibt:

    Das war wirklich ein treffender Bericht, lediglich bei der Benotung sind meiner Meinung unsere Spieler etwas zu schlecht weggekommen. Flottmann fiel sehr wohl auf, er stand immer schon da, wo die Gegner hinwollten, war sicher im Spielaufbau und organisierte seine Abwehr; er hätte wohl die Note 2 verdient.
    Montabell sah ich auch einen Tick besser, von „bekannten technischen Schwächen“ habe ich da nicht viel gesehen.
    Kraus kam für mich viel zu schlecht weg, Probleme bei der Ballabnahme habe ich nicht gesehen, eher Stärken bei direktem Passspiel und bei Kopfballzweikämpfen in der Luft, die er allesamt für sich entschieden hat. Vorne unterband er das Aufbauspiel der Bochumer mit hervorragendem Pressing und riss immer wieder Löcher in die Abwehr, lief dahin, wo es wehtat und ging ständig lange Wege; er stand auch zweimal in aussichtsreicher Position, wo seine Mitspieler es vorzogen, selbst zu (ver-)schießen. Wirkungslos und unauffällig ist für mich etwas anderes; eine 100%ige Torchance war das auch nicht unbedingt gewesen, obwohl ich auch der Meinung bin, er hätte vielleicht aus diesem spitzen Winkel schießen sollen; ihm hätte ich eine mindestens eine 3 gegeben.
    Poggenborg war in jeder Situation Herr seines Strafraumes und war bei Flanken sehr sicher; seine Kurzpässe kamen auch alle an und dass lange Bällen, die manchmal nötig werden (weil kein Mitspieler frei ist), meist von der gegnerischen Abwehr abgefangen werden, liegt in der Natur des Fußballspiels; ich hätte ihn daher auch eine halbe Note besser gegeben.
    Yilmaz habe ich so stark wie Pagano gesehen, er war sogar der Agilere und stellte die Bochumer immer wieder vor große Probleme und brachte Schwung in das ansonsten etwas schleppende Angriffsspiel unserer Mannschaft, er hätte vielleicht auch eine 2 verdient.
    Das mit dem Notengeben ist sowieso so eine Sache. Die Spieler sollten nach Regionalligaverhältnissen und nach ihrer vom Trainer gestellten Aufgabenbewältigung beurteilt werden. Daher bin ich der Meinung, dass man vielleicht die Benotung weglassen sollte, weil man als Außenstehender ja nie wirklich weiß, was der Trainer den Spielern konkret für Anweisungen vor dem Spiel gegeben hat und ihnen dann sehr viel Unrecht bei einer Benotung antun könnte.

  4. Marcus schreibt:

    Die Kopfballrückgabe vor der roten Karte kam nicht von Laux, wie in deinem Bericht steht, sondern Flottmann hat über Laux hinweg geköpft. daher mußte Laux sich erst mal drehen, dadurch hatte der Bochumer auch den besseren Antritt auf den ersten Metern…

  5. „Die Kopfballrückgabe vor der roten Karte kam nicht von Laux, wie in deinem Bericht steht, sondern Flottmann hat über Laux hinweg geköpft.“

    Es ist richtig, dass Flottmann den Ball zurückgespielt hat. Laux hat dann aber noch versucht, den Ball zum Torwart weiterzuköpfen, was ihm misslang. Wäre er stattdessen einfach hinter dem Ball hergelaufen, hätte er ihn gefahrlos zurückpassen oder ins Aus schlagen können.

  6. Marcus schreibt:

    puh… den Versuch, irgendwie an die „ungünstige“ Rückgabe von Flottmann zu kommen, als Laux Fehler einzustufen, würde ich nicht ganz teilen. Vor allem, wenn man von diesem Ball deutlich überrascht wird und der Ball von Flottmann „präziese“ 5 cm zu hoch ist, als dass er dran kommen könnte.
    Aber sei es drum. Ich kann nachvollziehen, was du meinst, auch wenn ich es anders bewerten würde…

    Bis dann Marcus

  7. Marcus schreibt:

    ach ja… „Wäre er stattdessen einfach hinter dem Ball hergelaufen, hätte er ihn gefahrlos zurückpassen oder ins Aus schlagen können.“

    Guck mal beim Video des Stadtanzeiger. Ich glaube Flottmann hat Laux völlig auf dem falschen Fuß erwischt….

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