Wuppertaler SV – Fortuna Köln 1-2

Es gibt sie also doch, die ausgleichende Ungerechtigkeit, wenigstens im Fußball. Am Ende war es ein gerechter Sieg der Fortuna, aber zwei der drei Tore dieses Spiels fielen, als man nicht damit rechnen konnte.

Nach dem Heimsieg gegen Bochum hatte Uwe Koschinat die Mannschaft taktisch auf ein 4-2-3-1 und auf vier Positionen personell umgestellt, eine davon natürlich durch die Rotsperre von Oliver Laux bedingt: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Ndjeng, Zinke – Kühn, Nottbeck – Pagano, Pospischil, Lejan – Kraus. Insbesondere die Aufstellung von Lejan für Yilmaz überraschte mich, schien mir nur mit den 128 Spielen erklärbar, die Lejan bis 2009 für den WSV gemacht hatte.

Das Spiel begann, im Gegensatz zu dem am Wochenende, ohne Abtasten. Schon in der ersten Viertelstunde hatten Wuppertal und Köln jeweils zwei sehr gute Tormöglichkeiten. Danach bekam die Fortuna das Spiel in den Griff, war deutlich feldüberlegen und erarbeitete sich Möglichkeiten, wenn auch bis zur 41. Minute keine ganz großen mehr. Dann aber passte Dominique Ndjeng schön in den Lauf von Lejan, der passte mit guter Übersicht quer auf (natürlich) Silvio Pagano, der ohne Mühe einschieben konnte. Also doch ales richtig gemacht mit der Aufstellung, Trainer.

Die Führung für die Fortuna war hochverdient, und doch kassierte sie schon drei Minuten später den Ausgleich, nach einer kurzen Folge von Ecken konnte ein Wuppertaler am langen Pfosten einnetzen. Das Tor entsprach kein bisschen dem Spielverlauf, und so wäre es nur gerecht gewesen, wenn die Fortuna noch vor der Halbzeit wieder in Führung gegangen wäre, doch der Schiedsrichter hatte den Eindruck, dass Pagano und Kraus den letzten Wuppertaler Mann unfair bedrängt hatten, als sie ihm gemeinsam den Ball abjagten und Pagano volley einschoss. Es war nicht die einzige seltsame Entscheidung des in der Zweikampfbewertung unsicheren Bundesliga-Schiedsrichters Guido Winkmann. Dass er mehr Fehlentscheidungen gegen die Kölner Mannschaft traf, kam mir spätestens dann wie Zufall vor, als er eine klar erkennbare Schwalbe von Pagano an der Außenlinie mit Freistoß belohnte. Schwache Leistung.

In der Halbzeit hatte Uwe Koschinat dann offensichtlich die richtigen Worte gefunden. Nicht. Denn die Fortuna kam wie verwandelt aus der Kabine: Auf einmal ging nichts mehr, Fehlpass reihte sich an Missverständnis, so dass auf einmal der WSV ein klares Übergewicht bei den Spielanteilen bekam. Dass dabei dennoch keine klaren Chancen heraussprangen, sprach nicht unbedingt für die Kölner Defensive, die einige Male doch ziemlich improvisieren musste, sondern mehr für die Unfähigkeit der Heimmannschaft, den letzten Pass präzise genug zu spielen.

Und so war es eine erneute Überraschung, als in der 77. Minute auf einmal Thomas Kraus frei vor dem Wuppertaler Tor auftauchte, die Nerven behielt und kühl einlochte. Nach einer bis dahin wirklich schlimmen Halbzeit war damit nicht zu rechnen gewesen.

Und so konnte es nur der Schiri noch einmal spannend machen, als er wenig später eine harte Entscheidung traf, und eine gelbe Karte gegen Jan-Andre Sievers gab, die nach seinen vorherigen Entscheidungen nicht zwingend schien. Für Sievers war es die zweite Verwarnung, er musste vom Platz.

Dennoch konnte Wuppertal keine gute Gelegenheit mehr herausspielen, und so blieb es beim Kölner Sieg, der nach Torchancen hoch verdient war. Die Fortuna hat damit den zweiten Sieg im zweiten Spiel gegen stark eingeschätzte Gegner gesammelt. Aufstiegskandidat Wuppertal dagegen hat den Start genauso verpatzt wie letztes Jahr.

Ein paar Einzelbeobachtungen:

  • Dominique Ndjeng macht eine sehr gute Partie, überzeugte mit gutem Stellungs- und sicherem Passpiel.
  • Andre Poggenborg sollte dringend Abschläge mit dem Fuß üben. Mindestens fünf Bälle missrieten ihm völlig und landeten im Aus, einer in gegnerischen Mittelfeldfüßen.
  • Warum brachte Uwe Koschinat in einem Spiel, in dem offensichtlich nicht viel zusammenlief, nicht früher frische Spieler? Erst in der 77. Minute wechselte er zum ersten Mal aus.
  • Wie üblich in fremden Stadion bot die lokale Gastronomie auch in Wuppertal die Auswahl zwischen verschiedenen Fleischsnacks: Bratwurst, eine andere Wurst und Frikadellen. Kann bitte mal jemand dem Südstadion-Caterer sagen, dass es offensichtlich organisatorisch gelingen kann, nicht nur eine einzige Wurstsorte anzubieten?

[UPDATE] Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

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4 Gedanken zu “Wuppertaler SV – Fortuna Köln 1-2

  1. Thomas schreibt:

    Geb dir recht mit den Abstößen, aber sonst wieder ne ganz starke Leistung von ihm. Seit langem mal wieder ein TW wo ich keine Angst hab wenn ne Flanke reinfliegt

  2. Clemens Reiter schreibt:

    Meinetwegen kann der Poggenborg in jedem Spiel fünf Abschläge versemmeln, wenn er weiterhin so hält wie bisher.

  3. Ich will mich wirklich nicht auf Poggenborg einschießen. Bislang wäre meine Zusammenfassung seiner Leistung: Er musste noch keine große Parade zeigen, ist sehr gut in der Strafraumbeherrschung und macht Fehler bei Abschlägen.

  4. Clemens Reiter schreibt:

    surfguard,
    da hast du das Spiel gegen Worms nicht gesehen. In diesem Spiel hat der Poggenborg nicht nur eine (Weltklasse-)Parade gezeigt. Und zu seinen „mißglückten“ Abschlägen sei erwähnt, dass du damit vermutlich die Abstöße meinst. Seine Abschläge waren nämlich ebenfalls gut. Bezüglich der „mißglückten“ Abstöße der Torhüter möchte ich als früherer Torhüter (mit guter Ausbildung) auch noch etwas sagen. Hier hat ein Torhüter zum einen die Möglichkeit, einen nahestehenden Mitspieler genau und flach anzuspielen. Das beherrscht Poggenborg hervorragend. Seine weiten Abstöße (die du offensichtlich meintest) fanden oft nicht den Mitspieler oder gingen ins Seitenaus. Hierzu sei gesagt, dass man als Torhüter (so blöd wie es jetzt klingt) die sichere Variante (wenn kein Mitspieler frei ist) bei langen Abstößen wählt. Das bedeutet: die Abstöße werden in etwa kurz hinter die Mittellinie geschlagen und zwar ziemlich nahe an der Außenlinie. Kommt ein Mitspieler ran, ist es gut. Kommt ein Gegenspieler an den Ball, so ist er noch sehr weit vom eigenen Tor weg und kann sofort attackiert werden. Geht dieser risikoreiche Ball ins Seitenaus, dann ist er eben im Aus. Wichtig ist, dass man keinen Fehlpass im torgefährlichen Bereich spielt oder den Ball in die Mitte spielt, wo es bei Ballgewinn des Gegners sofort gefährlich wird. Sei also nicht zu streng mit Poggenborg.

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