Sportfreunde Siegen – Fortuna Köln 1-0

Eine Niederlage für den SC Fortuna, die so vermeidbar wie verdient war, denn die bessere Mannschaft brachte ihre Fähigkeiten nicht auf den Platz, während die fußballerisch schwächere Mannschaft einen klaren Plan entschlossen und mit Einsatz verfolgte und so verdient die Punkte einfuhr. Dass Siegen sich selbst als unterlegen betrachtete, sah man spätestens in einer Szene rund um die 75. Minute: Es stand noch 0-0, ein Kölner Angriffsball geriet zu weit – und der Siegener Torwart wartete, den Ball vor den Füßen, bis ein Kölner Stürmer herangeeilt war, um den Ball erst dann in die Hand zu nehmen. Siegen wäre also mit einem Unentschieden zufrieden gewesen.

Auflaufen der Mannschaften

Schlussendlich war es für die Fortuna aber vor allem ein Dämpfer zur hoffentlich rechten Zeit: Auch als selbst- und fremdernannte Spitzenmannschaft muss man in jedem Spiel alles geben, muss den Gegner mit Nachdruck bekämpfen, um Punkte mitnehmen zu können.
Für die Partie hatte Uwe Koschinat wieder ein bisschen rotiert. Lukas Nottbeck war ins Team gerückt, dafür spielte Sebastian Zinke wieder Linksverteidiger. Jan-Andre Sievers kam nach abgesessener Gelbrot-Sperre zurück auf die rechte Verteidigerposition. Lejan war nicht mehr im Team, dafür vertraute Koschinat nun auch auswärts dem Sturmduo Montabell/Kraus, mit dem in der zweiten Hälfte gegen Lotte der Sieg erzungen worden war. Also ein 4-4-2 in folgender Besetzung: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Ndjeng, Zinke – Kühn, Nottbeck – Pagano, Yilmaz  – Kraus, Montabell.

Gruß in die Kurve

Bei Temperaturen locker über 30 Grad und praller Sonne ließen es beide Mannschaften zwar recht engagiert angehen, dennoch entwickelte sich in der ersten Hälfte kein schönes Spiel. Die Teams neutralisierten sich weitgehend und spielten zu wenig präzise. Siegen versuchte, wie von Koschinat angekündigt, mit Kontern über seine schnellen Außenstürmer zum Erfolg zu kommen. Die Steilpässe konnten jedoch von der aufmerksamen Kölner Defensive regelmäßig abgelaufen werden.

Die Fortuna versuchte hingegen, das Spielfeld breit zu machen, und über die Flügel vor das Tor zu kommen. Das gelang aber nicht. Nur ein Mal hätte Gefahr aufkommen können, als Fabian Montabell einen zu kurz geratenen Rückpass fast noch ersprinten konnte, der Ball dann aber ins Toraus sprang.

Unterm Strich war das 0-0 ein gerechter Pausenstand, keine Mannschaft hätte eine Führung verdient gehabt.

Pause

In der Halbzeit stellte Koschinat dann mal wieder um: Pospischil kam für Montabell, so dass nun eine 4-2-3-1 Formation das Siegener Tor angriff. Außerdem wechselten Yilmaz und Pagano die Seiten, Yilmaz nun rechts, Pagano ungewohnt auf links.

Die Umstellung fruchtete insofern, als die Fortuna das Spiel nun deutlich besser in den Griff bekam, mit hohem Ballbesitz dominierte und grundsätzlich auch häufiger vor das Siegener Tor kam. Der Flankenwechsel nach links bekam Pagano nicht gut: Er konnte seine Geschwindigkeit schlechter ausspielen, und sein einziger Torschuss geriet mit links zu läppsch. Generell fehlte meist der letzte Pass, und so gut Christian Pospischil auch die Angriffe einleitete, so schlecht brachten er selbst und seine Mannschaftskameraden sie zu Ende. Dennoch war die beste Chance der Fortuna im Spiel eben Pospischil zu verdanken, der einen unfreiwilligen Querschäger von der Strafraumgrenze an den Außenpfosten schlenzte. Wäre hier, so etwa in der 80. Minute, das Tor für die Fortuna gefallen, der Keks wäre möglicherweise gekrümelt gewesen.

SF Siegen - Fortuna Köln

Letztlich aber siegte die Mannschaft, die mehr in das Spiel investiert hatte und die ihrem Matchplan konsequenter gefolgt war. Denn in der Schlussphase kam Siegen immer wieder zu guten Konterchancen, von denen eine erst der beherzt rauslaufende Poggenborg zunichte machen konnte. Ironischerweise fiel der Siegtreffer für die Sportfreunde dann nicht aus einem Konter heraus, sondern bei einem eigentlich zu schlichten Angriff in der 88. Minute: Ein langer Ball aus dem Mittelfeld an die Strafraumgrenze, wo ein Siegener Spieler den hohen Ball mit dem Rücken zum Tor annimmt, behauptet und auf einen Mitspieler querlegt, der völlig völlig frei auf Poggenborg zulaufen und einschieben kann. Grenzenloser Jubel.

Siegener Jubel über die Führung

Siegener Jubel über die Führung

Siegener Jubel über die Führung

Kurz darauf, nach ein paar untauglichen Bemühungen der Fortuna, doch noch den Ausgleich zu erzielen, kam der Schlusspfiff. Siegen hatte das konsequentere Spiel gezeigt und verdient gewonnen.

Fortuna vertraute zu sehr auf die eigene Überlegenheit, glaubte, dass das Tor irgendwann schon fallen wird, ließ dabei den Nachdruck und letzten Einsatz vermissen, für eine Weile das Tempo merklich anzuziehen oder den Ball zur Not auch mal schmutzig ins Tor zu würgen. Außerdem fanden weder Lukas Nottbeck noch die beiden Außen Yilmaz und Pagano richtig ins Spiel. Die Stürmer bekamen so keine Bälle. Pospischil brachte auf der 10 etwas mehr Zusammenhang ins Kölner Spiel, aber ihm fehlte die Präzision, die gegen defensiv gute Siegener nötig gewesen wäre.

Am nächsten Wochenende kommt der RWE ins Südstadion. Dann wird die Hütte brennen, zumal man damit rechnen muss, dass die Gäste mehr Zuschauer mitbringen werden als die Heimmannschaft. Aber vor einer voraussichtlich stimmungsvollen Kulisse muss die Fortuna dann zeigen, dass der gute Saisonstart und die gute Bilanz der letzten Spielzeit als drittbeste Heimmannschaft kein Zufall waren. Man darf auch gespannt sein, wen Uwe Koschinat auf den Platz schicken wird, nachdem er über die Darbietung gestern doch sehr sauer war und in dieser Saison definitiv die Breite im Kader hat, schwache Leistungen mit Bankplätzen zu bestrafen.

P.S.: Kleine Bemerkung für den Südstadion-Caterer: Auch in Siegen sieht man sich in der Lage, eine Auswahl zwischen zwei Wurstsorten anzubieten.

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Dank an die Fans

Koschinat spricht

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

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