Fortuna Köln – Rot-Weiss Essen 3-1

Es sind so Spiele wie gestern, die mich weiter hoffen lassen, dass es eine sehr, sehr schöne Saison für den SC Fortuna Köln werden könnte. Denn schon zum vierten Mal gelang der Mannschaft gegen einen starken Gegner ein Sieg in einem Spiel, das auch andersherum hätte ausgehen können. Es sind genau diese Partien, die man gewinnen muss, wenn man oben stehen will, und die das Team von Uwe Koschinat anscheinend auch gewinnen kann. (Andererseits darf man dann gegen schwächere Gegner auch keine Punkte verschenken.)

Südstadion

Wie inzwischen üblich hatte Uwe Koschinat zahlreiche Änderungen der Aufstellung von letzter Woche vorgenommen. Nach der Niederlage in Siegen waren die vermutlich nicht nur taktisch bedingt, sondern teilweise auch durch die von Koschinat letzte Woche hart kritisierten Leistungen. Vorneweg bekam Fabian Montabell eine Denkpause, für ihn trat zum ersten Mal Massimo Cannizzaro in einem Pflichtspiel für Fortuna an (wenn wir die eine Minute aus Siegen mal vernachlässigen). Für Sievers spielte wieder mal Yilmaz Rechtsverteidiger, statt Kühn lief der letzte Woche als Zehner so spielerisch gute wie im Abschluss unpräzise Pospischil neben Nottbeck auf der Sechs auf, und Lejan war mal wieder der Linksaußen.

Die Aufstellung im 4-4-2: Poggenborg – Zinke, Ndjeng, Flottmann, Yilmaz – Nottbeck, Pospischil – Pagano, Lejan – Cannizzaro , Kraus

Vor dem Anpfiff

Das Spiel begann flott und abwechslungsreich. Beide Mannschaften zeigten Zug nach vorne. Die Fortuna hatte die Feldüberlegenheit, Essen gute Gegenstöße, die nach kurzer Anlaufzeit besonders über Yilmaz‘ Seite brandgefährlich waren.

Die Führung für die Fortuna fiel dann zu einem Zeitpunkt, als Essen bereits hätte vorne liegen können: Insbesondere eine Flanke von links hatte Pogenborg schon überwunden, als Michael Lejan den freien Kopfball ins Tor nur mit viel Einsatz am Rande eines Fouls noch verhindern konnte.

Dann aber ein klassischer Koschinat-Spielzug: Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte bis in den gegnerischen Strafraum, Thomas Kraus behauptet sich, legt gut zurück auf Pospischil und der schießt nicht hart sondern platziert von der Strafraumgrenze ein. Tolles Tor, einfach und abgeklärt herausgespielt!

Jubel über das 1-0

Die Schuld für den Ausgleich muss ich dann auf mich nehmen, denn ich beging einen folgenschweren Fehler: Ich lobte im laufenden Spiel Dominique Ndjeng, sagte meinem Tribünennachbarn, wie souverän er in den letzten Spielen agiert und in jeder Situation einfach immer das richtige getan hatte. Drei Minuten später läuft Ndjeng einen Steilpass der Essener in zentraler Position vor der Straraumgrenze ab, spielt ihn aber nicht, was locker möglich gewesen wäre, zurück zum Torwart, sondern kickt ihn mit dem Absatz einfach blind hinter sich. Dort steht natürlich ein Essener, Benedikt Koep, der zieht in den Strafraum, wird knapp vor der Linie von Zinke gelegt, aber der Schiedsrichter gibt dennoch Elfmeter. Es war nicht die einzige fragwürdige Entscheidung des insbesondere in der Zweikampfbewertung sehr kleinlichen Schiedsrichters Stefan Glasmacher, der wohl auch nicht ohne Grund seit der letzten Saison keine Spieler der 3. Bundesliga mehr pfeift. Gestern zeigte er sich auch mit einem Regionalligaspiel überfordert.

Rudelbildung

Ein Mann greift durch

Doch bis zum Elfer-Pfiff wäre es ohne die Leichtsinnsaktion von Ndjeng nie gekommen. Koep selbst verwandelte in der 36. Minute jedenfalls sicher zum Ausgleich.

Anschließend war die Fortuna völlig von der Rolle. Es gelang nichts mehr, und auch die Pause brachte keine Besserung. Uwe Koschinat verzichtete dieses Mal auf Umstellungen. In der 62. Minute kam Eric Schaaf positionsgleich für Sebastian Zinke, was weder an der Taktik noch am Spiel der Fortuna etwas änderte. Diese Auswechslung konnte Uwe Koschinat übrigens schon von Stehplatz Mitte aus beobachten: Er hatte sich anscheinend vom Besuch des Ex-Übungsleiters der Fortuna im Südstadion inspirieren lassen, doch auch mal den Mink zu machen und sich mit dem Schiriassi anzulegen.

Koschinat auf Stehplatz Mitte

Essen hätte nach der Pause gut in Führung gehen können, insbesondere in einer Situation war Poggenborg schon umspielt, doch der Schuss des Esseners aus sehr spitzem Winkel rollte parallel zur Torauslinie auch am langen Pfosten vorbei. Nur Glück!

Die erneute Fortuna-Führung in der 67. Minute wurde über die rechte Seite eingeleitet: Foul an Silvio Pagano, der ansonsten wieder viel arbeitete, sich aber zu selten durchsetzen konnte. Den Freistoß tritt Michael Lejan mit dem linken Fuß, Thomas Kraus verlängert den flachen Ball und am langen Pfosten lauert Cannizzaro, der im klassischen Goalgetter-Stil nur noch den Fuß hinhalten muss.

Freistoß zum 2-1

Freistoß zum 2-1

Jubel über das 2-1

Auch dieses Tor bedeutete einen Bruch im Spiel: Nun war die Fortuna wieder die gefährlichere Mannschaft, selbst wenn Essen weiter mehr vom Ball hatte. Schon Silvio Pagano hätte rund um die 75. Minute die Entscheidung herbeiführen müssen, aber sein linker Fuß ließ ihn frei vor dem Essener Torwart im Stich.

Pagano nach der vergebenen Riesenchance zum 3-1

So durfte wiederum Christian Pospischil zeigen, wie gut seine Fernschüsse sind: Einen kurz gespielten Freistoß von der Mittellinie nimmt er mit dem Rücken zum Tor an, findet im Umkreis von zehn Metern keinen Gegenspieler, läuft also noch ein paar Schritte, zieht aus 30 Metern einfach mal ab, und der Ball dreht sich zwischen dem rechten Pfosten und dem chancenlosen Torwart ins Netz.

Jubel über das 3-1

Jubel über das 3-1

Das Spiel war damit gewonnen, allerdings nicht von der besseren Mannschaft, sondern von derjenigen, die ihre Chancen besser verwertet hatte. Und genau das ist eine Qualität, mit der man es in einer Saison sehr, sehr weit bringen kann.

Ich bin also optimistisch, allerdings wird sich nächste Woche in der Velberter Sonneblume zeigen müssen, ob die Mannschaft aus den Fehlern von Siegen lernen und gegen einen voraussichtlich schwächeren Gegner nicht nur spielerisch dominieren, sondern auch kämpfen, steil spielen und Tore schießen kann. Ich gehe davon aus, dass das gelingt und werde mich voraussichtlich wieder vor Ort davon überzeugen.

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Nach dem Abpfiff

Nach dem Abpfiff

Nach dem Abpfiff

Nach dem Abpfiff

2 Gedanken zu “Fortuna Köln – Rot-Weiss Essen 3-1

  1. Dietmar Broicher schreibt:

    hi, auch hier eine Frage – ich kanns leider nicht erkennen: wer hat den Freistoß zu Pospischils 3:1 ausgeführt?

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