SSVg Velbert – Fortuna Köln 0-2

Dann, in der allerletzten Minute, kulminiert das Spiel und zeigt die Saison vielleicht, was sie mit Fortuna Köln vor hat: Velbert wirft noch einmal alles nach vorne, eine Flanke segelt durch den Strafraum, ein Weißer köpft Richtung Kölner Tor, an Poggenborg vorbei, der am Ball vorbeihechtet. Doch Ozan Yilmaz klärt auf der Linie, der Ball kommt zu Silvio Pagano, der startet fast aus der Mitte der eigenen Hälfte zum Velberter Tor, schüttelt alle Gegenspieler ab und schiebt ein: 2-0 für Fortuna statt Ausgleich für die SSVg.

Pagano jubelt über sein 2-0

Um es kurz zu machen: Wer solche Spiele gewinnt, der kann auch aufsteigen! 75 Minuten lang spielte die Fortuna eine absolute Grützenpartie: Pässe mit der Präzision von Schrotflinten, Ballbehandlung wie Garagentore und das Stellungsspiel von Kartoffeln. Velbert war zum Glück schlecht genug, diese Unfähigkeit nicht zu bestrafen, und als sie sich endlich aufrafften, waren Ozan Yilmaz und Silvio Pagano zur Stelle.

Uwe Koschinat hatte zum ersten Mal in dieser Saison keine Wechsel in der Anfangsformation vorgenommen und schickte das selbe 4-4-2 wie gegen Essen auf den schlechten Velberter Rasen: Poggenborg – Yilmaz, Flottmann, Ndjeng, Zinke – Pagano, Pospischil, Nottbeck, Lejan – Kraus, Cannizzaro.

Die Mannschaften kommen

(Übrigens hätte man sich durchaus vorstellen können, dass sich mehr Velberter für ein Heimspiel der Regionalliga gegen Fortuna Köln interessieren.)

Fortuna-Bus an der Sonnenblume

Der Beginn war dann noch vielversprechend: Die Fortuna war dem Aufsteiger hoch überlegen und schien ihr Spiel durchsetzen zu können. Torchancen kamen dabei keine nennenswerten heraus, bis auf eine nach einer halben Stunde: Ecke von rechts, in der Mitte kommt Zinke zum Kopfball, der auf’s Tor zu gehen scheint – bis Thomas Kraus ihn, fast auf der Torlinie stehend, doch noch über die Latte klärt. Unfassbar.

SSVg Velbert - Fortuna Köln

Und dann doch noch, unmittelbar vor der Pause, hätte der Ball zur Kölner Führung ins Tor gehen können. Ich habe die Szene nicht mehr im Kopf, aber es schien zur Leistung zu passen, dass kein Tor gelang.

Uwe Koschinat konnte nicht zufrieden sein und war es auch nicht. In die Kabine ging er gemessenen Schritts eine Minute nach dem Team.

Gang in die Kabine

Anpfiff zur zweiten Halbzeit

Wechsel gab es in der Pause allerdings nicht, ein besseres Spiel anschließend auch nicht. Insbesondere, wie weit fast allen Kölner Spielern die Bälle vom Fuß sprangen, konnte nicht nur mit dem wirklich bescheidenen Spielfeld erklärt werden. An Pospischil und Nottbeck im Zentrum lief das Spiel fast komplett vorbei, sie konnten keine Akzente setzen. Lediglich auf den Außenbahnen entstand ab und an eine Ahnung von Intensität, ohne aber die letzte Gefahr erzeugen zu können.

Doch in der 75. Minute machte es die Fortuna so, wie es eine Spitzenmannschaft machen muss: Wenn sonst nichts geht, dann muss der Ball eben mit einem Standard ins Tor. Also Freistoß Pospischil, Kopfball Ndjeng am kurzen Pfosten, Tor! Einfach gespielt, schwer zu verteidigen, und vor allem erfolgreich.

Kopfballtor durch Dominique Ndjeng

Jubel nach dem 0-1

Nun versuchte die Fortuna, das Ergebnis über die Zeit zu retten. Das gelang auch ganz gut – bis zur nämlichen 90. Minute mit ihrem glücklichen Ausgang.

Danke an Ozan Yilmaz, der das Tor erst möglich machte

Jubel über das 0-2

Eine Einzelkritik der Spieler verbietet sich heute, denn außer der halbwegs sicher stehenden Defensive gelang nach vorne niemandem etwas. Massimo Cannizzaro war vollkommen abgemeldet und hätte früher durch Montabell ersetzt werden müssen. (Bei der Auswechslung schien es übrigens, als wolle Montabell durch angelegentliche Beschäftigung mit einem Grashalm das Abklatschen mit Cannizzaro vermeiden. Mögen sich da zwei nicht, oder täuscht der Eindruck?)

Lediglich für Schiedsrichter Felix Schmitz muss eine Spezialkritik möglich sein: Ich habe selten eine kleinlichere Zweikampfbewertung erlebt, nahezu jeder Körperkontakt wurde abgepfiffen. Das war nicht reif für die Regionalliga.

Nach dem Schlusspfiff bildete die Mannschaft der Fortuna den seit dieser Saison üblichen Kreis, in dessen Mitte Uwe Koschinat eine Ansprache hielt. Und so lautstark er seine Spieler während der Partie oft anpfiffen hatte, so locker schien wenigstens das Ende dieses Palavers zu sein, als alle Spiele und Koschinat lachend auseinander gingen.

Der Witz scheint gut gewesen zu sein

Und in der Tat war auch ich selten zufriedener mit einem Spiel als heute. Denn die Fortuna hat zum wiederholten Mal, und heute auf die Spitze getrieben, die Qualität gezeigt, die man haben muss, wenn man aufsteigen will: Spiele gewinnen, in denen man nicht gut spielt. Die anderen gewinnt man sowieso, wenn man die nötige Qualität in der Mannschaft hat. Aber es sind Punkte wie die von heute, die am Ende über den Meistertitel entscheiden werden!

Dank an die Fans

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

2 Gedanken zu “SSVg Velbert – Fortuna Köln 0-2

  1. Clemens Reiter schreibt:

    Ein wirklich zutreffender Bericht mit zwei kleinen Fehlern:

    1.) „schickte das selbe 4-4-2 wie gegen Essen auf den schlechten Velberter Rasen“. Der Rasen war in einem top Zustand.

    2.) „Ecke von rechts, in der Mitte kommt Zinke zum Kopfball, der auf’s Tor zu gehen scheint – bis Thomas Kraus ihn, fast auf der Torlinie stehend, doch noch über die Latte klärt. Unfassbar.“

    Zinkes Kopfball wäre ganz klar am Tor vorbei gegangen. Kraus, der schon zu weit vor dem Ball stand, brachte reflexartig nur noch das Bein an den hohen Ball und so flog der Ball übers Tor.

    Ansonsten wieder mal eine klasse und zutreffende Spielzusammenfassung.

  2. Das mit dem Rasen sehe ich ganz anders. Man konnte sehen, wie schlecht er an manchen Stellen war. Und es gab eine Szene, wo ein Flachpass einfach mal in die Luft sprang. Das kann natürlich immer mal passieren, wenn durch eine Grätsche ein Hügel entstanden ist. Aber mir kam der Rasen schlecht vor.

    Dass der Kopfball vorbei gegangen wäre, kann tatsächlich sein. Es sah für mich anders aus, aber vielleicht klärt das Spielvideo auf. (P.S.: Tut es nicht, nur ein bisschen. Kann aber tatsächlich sein, dass Kraus da ran musste, weil der Ball sonst vorbei gegangen wäre.)

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