Fortuna Köln – Fortuna Düsseldorf U23 0-1

Mannmannmann, das wächst sich aber so langsam zu einer echten Scheiß-Serie aus: ein Sieg, ein Unentschieden und zwei Niederlagen aus den letzten vier Spielen. Die beiden Niederlagen gab es jetzt auch noch in Folge, und alle Punktverluste folgten demselben Schema: Die Fortuna spielt überlegen, aber zu wenig druckvoll und verwertet die Chancen nicht, die sie dennoch bekommt. Zwischen den Enttäuschungen lag das berauschende Spiel bei der U23 des Effzeh, wo die Mannschaft zeigte, dass sie es eigentlich kann. Aber möglicherweise fehlt gegen schwache Mannschaften (Verl, RWO, Düsseldorf II) einfach die Motivation, die vollen 100% zu geben – und dann reicht es eben nicht, zumal sich diese Gegner gegen Fortuna inzwischen in der Defensive gemütlich einrichten und wissen, dass ihnen niemand verübeln wird, gegen ein Spitzenteam auf Konter gesetzt zu haben. Die drei Saisonniederlagen der Fortuna entstanden in Siegen, Oberhausen und gestern gegen Düsseldorf genau gegen diese Taktik.

Südstadion

Gegen Oberhausen hatte ich mich noch zurückgehalten und lieber keinen Kommentar geschrieben, zumal ich brutal enttäuscht war und sich ohnehin jeder selbst ein Bild im Fernsehen machen konnte.

Gestern aber verstärkte sich mein Eindruck, dass es nicht nur Pech und der Erfolg verurteilungswürdiger gegnerischer Mauertaktik ist, wenn die Fortuna gegen defensive Mannschaften verliert: Es fehlen derzeit auch die Mittel, solche Teams zu knacken.

Der grundlegende Spielansatz der Fortuna besteht anscheinend daraus, entweder schon aus dem Abwehrzentrum oder aber von den Sechserpositionen Bälle in die Spitze zu spielen, insbesondere auf die Flügel. (Die langen Bälle ins Sturmzentrum sind zum Glück seltener geworden.) An der Außenlinie sollen sich dann die beiden Flügelspieler durchsetzen, in den Rücken der Abwehrspieler gelangen, nach innen ziehen und auf die eingerückten Kollegen von der anderen Flanke, auf die nachgerückten Mittelfeldspieler oder (gar nicht mal so oft) auf die Stürmer passen.

Das klappt auch ganz gut, wenn die gegnerische Abwehr nicht allzu dicht steht. Gegen tief stehende und gut organisierte Defensiven zeigen sich aber zwei Probleme: Zum einen rücken die Mittelfeldspieler oder Stürmer viel zu selten nach außen, um dort eine Überzahlsituation herzustellen und die Möglichkeit zu erhöhen, dass man sich durchkombinieren kann. Meistens sind Flügelstürmer und Außenverteidiger auf sich alleine gestellt. Trotzdem geht die Taktik auf rechts noch oft auf, weil Pagano so pfeilschnell ist wie Yilmaz spielstark und ballsicher. Außerdem können auch die beiden Secher und Stürmer, wenn sie mal aushelfen, als Rechtsfüße zurückgelegte Bälle gut die Linie herunterspielen.

Auf links hingegen sind Zinke und Lejan einfach weder so schnell noch so kombinationssicher oder schlagen so gute Flanken. Und mit dem rechten Fuß legt ihnen ein aus dem Zentrum ausgerückter Spieler den Ball nie so perfekt den linken Flügel herunter wie auf der anderen Seite.

Hinzu kommt, dass Kraus in der Spitze zwar enorm viel arbeitet, aber kein Goalgetter ist. Und auch Fabian Montabell steht selten da, wo der Ball hinkommt, um ihn einfach mal spaßfrei reinzumachen. Daher verstehe ich schon, warum Koschinat vor dessen Verletzung auf Cannizzaro setzte.

Es entstehen am Ende im Angriff einfach zu wenige gefährliche Situationen, und wenn, dann werden sie nicht in Tore umgemünzt.

Schlussendlich baut Dominique Ndjeng nach meinem fetten Lob vor ein paar Wochen zunehmend Unsicherheiten in sein Spiel ein: Gegen RWO stand er kurz vor einem Platzverweis, gegen den Effzeh überlupfte er spektakulär (und zum Glück „erfolglos“) seinen eigenen Torwart, und gestern spielte er unbedrängt den Fehlpass, aus dem Düsseldorf 5 Sekunden später das Tor erzielte.

Auch gegen die U23 von Fortuna Düsseldorf hätte der SC Fortuna das Spiel natürlich gewinnen können. Und möglicherweise hätte man die Partie dann als gewonnenes Schweinespiel abgehakt. Inzwischen aber hat die Mannschaft das dritte Schweinespiel in Folge nicht gewonnen, so dass man sich doch Gedanken machen muss.

In den ersten Spielen der Saison mischte Uwe Koschinat die Aufstellung nach jedem Spiel gründlich durch, brachte neue Spieler und begründete das immer damit, dass es auf die eine oder andere Art in seinen Matchplan passte. In den letzten vier Partien gab es keine Wechsel, was ich insbesondere gegen RWO nicht verstand – denn drei Tage nach dem sehr kräfteraubenden Spiel beim Effzeh und nachdem RWO am gleichen Tag gespielt hatte, wären frische Spieler möglicherweise den entscheidenden Tick spritziger als der Gegner gewesen.

Ich würde gerne mal folgende Aufstellung im 4-2-3-1 sehen: Poggenborg im Tor, Laux und Flottmann in der Innenverteidigung, Sievers und Kraus auf den Außenverteidigerposten. Auf die Sechserpositionen würde ich Nottbeck und Zinke stellen wollen, der mir im ersten Saisonspiel vor Laux‘ roter Karte dort sehr gut gefallen hatte. Yilmaz und Pagano bespielen die Außenpositionen, und Pospischil steht auf der 10 hinter der Spitze Cannizzaro. Im Spielverlauf hat man dann die Optionen, Yilmaz auf die 10 zu rücken und Kessel oder Lejan auf links zu bringen. Außerdem könnte Kraus ohne Spielerwechsel in die Spitze aufrücken. Ich sehe insgesamt gegen tief stehende Mannschaften den Bedarf, die Kombinationsmöglichkeiten im vorderen Spieldrittel zu erhöhen.

Jedenfalls muss jetzt etwas passieren, denn nächste Woche geht es zum SV Bergisch Gladbach 09, der als Aufstieger und aktueller Tabellenvierzehnter der Fortuna bestimmt nicht den Gefallen tun wird, das Spiel offensiv anzugehen.

In der Tabelle muss die Fortuna wirklich aufpassen, nicht entscheidend an Boden zu verlieren: Sie ist zwar noch Dritter, aber Siegen und Schalke haben ein Spiel weniger und könnten mit drei Punkten vorbeiziehen, Lotte könnte mit einem Sieg bis auf einen Punkt herankommen. Selbst Bochum II steht bei zwei Spielen weniger nur fünf Punkte hinter Köln. Die Spitze der Liga ist unglaublich dicht, und selbst wenn auch die anderen Mannschaften noch Punkte lassen werden, sollte man sich darauf nicht verlassen.

Die nächsten vier Gegner stehen alle im Tabellenkeller, 12 Punkte müssen das Ziel sein.

Schluck aus der Pulle

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Abgang Koschinat

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

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