US-Wahl: Das angebliche Rennen, oder wie spannend ist ein Start-Ziel-Sieg?

Ich weiß leider nicht mehr, wo ich einen ausführlichen Blogpost darüber gelesen habe, wie bemüht die Medien waren, die US-Wahl als spannendes Rennen darzustellen, obwohl mit hoher Wahrscheinlichkeit klar war, dass Obama gewinnen würde.

Im Blog zur Datenvisualisierungs-Software JMP der Firma SAS wird diese Tatsache noch einmal sehr deutlich dargestellt, indem dort nämlich der zeitliche Verlauf der Wahlmännerstimmen über den Wahlabend dargestellt wird.

Es wurden die Stimmen der einzelnen Bundesstaaten ausgezählt und, wenn die Entscheidung im jeweiligen Staat klar war, die Wahlmänner entweder Romney oder Obama zugeschlagen. Die Gesamtzahl der Wahlmänner zu jedem Zeitpunkt sah wie folgt aus:

Zeitlicher Verlauf der Zuordnung der Wahlmännerstimmen während des Abends der US-Wahl 2012 (Grafik: JMP-Blog von SAS)

Sieht spannend aus. Das liegt aber nur daran, dass Romney zahlreiche kleine Staaten mit großem Vorsprung gewann. Diese Staaten waren schnell ausgezählt und konnten ihm schnell zugeschlagen werden, während Obama große Staaten mit vielen Wahlmännern gewann, die entsprechend länger bis zum endgültigen Zuschlag benötigten.

SAS zeichnet dann dieselbe Grafik noch einmal, schlägt allerdings auf Grund der Prognosen von vornherein diejenigen Staaten jedem Kandidaten zu, die er mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% gewinnen würde. Und dann sieht der Verlauf so aus:

Zeitlicher Verlauf der Zuordnung der Wahlmännerstimmen während des Abends der US-Wahl 2012, wobei die „sicheren“ Staaten jedem Kandidaten vorab zugerechnet wurden (Grafik: JMP-Blog von SAS)

Und so wird klar: Es gab nie einen echtes Rennen. Die US-Wahl war so spannend wie jedes Formel-1-Rennen, bei dem ein Fahrer den überlegenen Wagen hat, auf der Pole Position landet, einen sicheren Start-Ziel-Sieg einfährt und nur beim Boxenstopp für ein paar Runden die Verfolger in seine Nähe kommen lässt.

In dem Maße, in dem Medien die Wirklichkeit zunehmend stark verzerren, um sie spannender oder sensationeller wirken zu lassen, als sie wirklich ist, bin ich dankbarer für das Internet, das es auch unabhängigen Publizisten ermöglicht, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

P.S.: Noch einmal der Hinweis auf den interessanten Blogpost bei SAS, wo es außer den hier zitierten noch mehr Grafiken gibt.

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