Der Videobeweis ist da! Warum nicht auf dem Platz?

War das Verfahren des DFB schon immer so wie jetzt im Fall von Wolfgang Stark? Der räumte nach dem Spiel ein, dass entgegen seiner Wahrnehmung im Spiel Marcel Schmelzer nicht Hand gespielt hatte, dass die rote Karte und der Elfmeter also unberechtigt waren. Der DFB veröffentlichte daraufhin noch gestern die folgende Meldung:

DFB-Mediendirektor Ralf Köttker teilte mit, Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) habe „einen Fehler eingeräumt“. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes werde deshalb „am Montag die Einstellung des Verfahrens gegen Marcel Schmelzer beantragen“.

Dass er einen Fehler begangen hatte, konnte Wolfgang Stark natürlich nur erkennen, weil er die Fernsehbilder gesehen hatte. Im Volksmund heißt das: Videobeweis. Fast. Der Videobeweis ist dieses Ding, das die FIFA und auf ihre Anweisung auch der DFB seit Jahrzehnten zu Teufelszeug erklären. Der einzige Unterschied zwischen dem Verfahren im Fall Stark/Schmelzer und dem echten Videobeweis ist der Zeitpunkt: Stark durfte sich die Fernsehbilder erst nach dem Spiel ansehen, aber nicht währenddessen, wie es beim Videobeweis in der NFL oder DEL oder anderswo üblich ist.

Sprich: Der DFB akzeptiert, dass ein Spiel entscheidend beeinflusst wird (Elfmeter, rote Karte). Nach den 90 Minuten bleibt es dann dem Schiedsrichter überlassen, ob seine Entscheidung bestehen bleibt oder nicht. Hätte Stark nicht eingestanden, einen Fehler gemacht zu haben, würde Marcel Schmelzer vom DFB-Kontrollausschuss angeklagt und wenigstens zur Mindestsperre von einem Spiel verurteilt werden.

Genau dieses Vorgehen würde ich nun aber lieber auf dem Platz sehen: Der Schiedsrichter schaut sich die Bilder an. Und entweder er erkennt und gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben, den er dann noch korrigieren kann. Oder eben nicht, und die Entscheidung steht – und zwar auch nach dem Spiel. Es ist reine Albernheit, dieses bereits jetzt praktizierte Vorgehen erst nach dem Abpfiff zu exerzieren.

P.S.: Insbesondere das oft angeführte (und wegen der nicht immer vorhandenen Linienrichter sowieso schon falsche) Argument, der Fußball solle in allen Ligen gleich sein, kann jetzt wohl endlich aus der Diskussion gestrichen werden. In der Regionalliga, in der es von den Vereinen sogar oft Videobilder der Spiele gibt, würde nicht so vorgegangen wie gestern bei Marcel Schmelzer.

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