FC Hennef 05 – Fortuna Köln 3-4 (2-4)

Was soll man nach so einem Spiel sagen? Mund abputzen, Hauptsache weiter? Es war ja schließlich das Halbfinale des Mittelrhein-Pokals, Gegner war immerhin der Titelverteidiger auf seinem heimischen Platz. Aber es war auch ein klassentieferer Gegner, die Fortuna führte drei Mal mit zwei Toren Vorsprung und hatte unterm Strich dennoch Glück, weitergekommen zu sein.

Uwe Koschinat redete, wie es seine Art ist, nicht um den heißen Brei herum, sondern gestand in der Pressekonferenz unumwunden ein, dass nicht die bessere Mannschaft dieses Spiel gewonnen hatte. Tatsächlich kam das effektivere Team weiter, denn Hennef hatte die deutliche Überzahl an Großchancen, verwertete davon aber zu wenige.

Auflaufen der Mannschaften

Schon kurz vor der Kölner Führung in der 12. Minute hatte ein Hennefer den Ball aus zehn Metern freistehend über das Tor gedroschen. Im weiteren Verlauf der ersten Häfte fielen die Tore dann im Minutentakt, und das 4-2 für die Fortuna war zur Pause nicht unverdient, weil sie ihre Chancen fast vollständig verwertet hatte. Lediglich Kialka hätte noch ein Tor mehr machen müssen, stand völlig frei 7 Meter vor dem Tor, verlor aber die Balance und setzte den Ball im Fallen am Pfosten vorbei.

Nach der Pause jedoch begann ein Debakel, das normalerweise mit einer deutlichen Niederlage hätte bestraft werden müssen. Sekunden nach dem Wiederanpfiff machte Hennef den Anschlusstreffer und hätte in den folgenden zehn Minuten aus seinen drei 100%igen mindestens noch ein oder zwei Tore machen müssen. Die Fortuna hingegen fand zu keiner Zeit mehr die richtige Einstellung zum Spiel. Kein Spieler wusste, wie er sich verhalten musste, lediglich Thomas Kraus riss wie üblich seine Kilometer ab, wusste aber mit unpräzisen Zuspielen und mit viel Aufwand erlaufenen Bällen dann nichts anzufangen.

Eine Vollkatastrophe war über das gesamte Spiel hinweg das Defensivverhalten des Teams, das noch vor einer Woche in Essen 70 Minuten Abwehrschlacht souverän überstanden hatte. Jeder Spieler stand schlecht zum Ball, spielte dem Gegner in den Fuß oder konnte nicht entscheidend klären.

Der nach der Ligazugehörigkeit unerwartete, von pokalgebeutelten Fortunafans dennoch unkend prognostizierte Spielverlauf lag aber nicht nur an den Schwächen der Fortuna. Nein, Hennef machte ein richtig gutes Spiel und hätte die Fortuna fast mit ihren eigenen Mitteln geschlagen: Mit großer körperlicher Robustheit und einem schnellen, schnörkellosen Spiel in die Spitze kämpfte und spielte sich der Verbandsligist seine Möglichkeiten heraus. Es war schnell klar, dass dieses Team den Pokal letzte Saison nicht mit Glück gewonnen hatte, sondern Qualitäten besitzt, die gerade in KO-Spielen den Erfolg bringen können.

Torchance

Am Ende siegte die Fortuna unverdient. Und scheiße kalt war’s außerdem. Im Pokal fragt danach keiner mehr, wenn es am Mittwoch vor Fronleichnam in Bonn ins Finale geht. Aber ich habe in den letzten drei Spielen, in Essen, Düsseldorf und Hennef insgesamt nur vielleicht 45 Minuten gesehen, in denen die Fortuna Torgefahr ausstrahlte. Das ist zu wenig. Und wenn dann noch, wie gegen Düsseldorf und Hennef, kapitale Abspielfehler und Unsicherheiten dazu kommen, kann man eigentlich kein Spiel gewinnen.

Bergisch Gladbach am Samstag wird solche Schwächen auszunutzen wissen. Nicht zuletzt Ex-Fortune und Bald-Siegener Abdelkader Maouel würde sich freuen, den Ball gegen eine unsortierte Abwehr am Fuß führen zu dürfen.

Jubel über das 1-2

Bibbern auf der Bank

Beste Sicht

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3 Gedanken zu “FC Hennef 05 – Fortuna Köln 3-4 (2-4)

  1. Marcus Nohl schreibt:

    Ich lese deine Berichte sehr gerne und bin auch meist der gleichen Meinung. Dieser Bericht trifft dies am Anfang auch.

    Wenn ich aber hinterher wieder Sätze (sowas lies man auch immer wieder im Forum) lese wie :

    Aber ich habe in den letzten drei Spielen, in Essen, Düsseldorf und Hennef insgesamt nur vielleicht 45 Minuten gesehen, in denen die Fortuna Torgefahr ausstrahlte. Das ist zu wenig. Und wenn dann noch, wie gegen Düsseldorf und Hennef, kapitale Abspielfehler und Unsicherheiten dazu kommen, kann man eigentlich kein Spiel gewinnen.

    Hat man das Gefühl, wir kämpfen um den Klassenerhalt. Man kann einer Mannschaft das Selbstvertrauen auch ausreden…

    Naja, ich hoffe die Mannschaft gibt zukünftig wieder Anlass zu positiveren Kritiken.

  2. Ich bin ja nicht als Motivator des Teams angestellt, deswegen denke ich auch nicht, dass ich ihr das Selbstvertrauen ausreden kann oder mir Kritik verkneifen muss, weil ich sonst die Spieler verunsichere. Ich habe in den letzten Spielen große Schwächen im Spiel nach vorne gesehen. Es kann sein, dass das einfach nur ein paar Mal mal doof gelaufen ist, aber ich fand es frappierend. Kann sein, dass gegen Bergisch Gladbach wieder alles prima läuft. Kann aber auch sein, dass der Ausfall von Yilmaz und Pagano doch schwerer wiegt, als gehofft. Die linke Seite war in dieser Saison ja nicht unbedingt die stärkere.

    Und wenn du hier regelmäßig liest, dann weißt du ja auch, dass ich keineswegs alles schlecht schreibe, sondern mich auch sehr freue, wenn ich loben kann.

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