Fortuna Köln – Rot-Weiß Oberhausen 2-0 (0-0)

Ich hatte vor dem Spiel gesagt, dass mir jeder Sieg recht ist, auch ein schmutziger. An diesem Maßstab gemessen bin ich heute sogar höchst zufrieden, aber auch mit alltäglichen Ansprüchen war das heute ein sehr ordentliches Spiel der Fortuna.

Angst vor einer Niederlage musste man nur eine Minute lang haben, als nämlich in der 40. Minute ein RWO-Stürmer den Ball nach einer Hereingabe auf das Kölner Tor schoss und nur ein angelegentlich herumstehender Fortunen-Körper den Ball am Überqueren der Torlinie hinderte. Der wieder einsatzberechtigte Poggenborg wäre jedenfalls geschlagen gewesen.

Für die Fortuna war die Szene aber wohl der Weckruf, denn von diesem Moment an dominierte sie die Partie, die sie vorher zu lässig angegangen war. Da fehlte der letzte Biss, vor allem fehlten Klarheit und Druck im Spiel. Nach vorne äußerte sich das in zu wenigen Torszenen, nach hinten in wieder einmal gefährlichen Ballverlusten.

Doch ab der 40. Minute kamen Druck und Klarheit, und prompt ergaben sich schon vor der Pause drei gute Gelegenheiten, noch ohne Tor. Nach der Pause ging es dann recht schnell. Fortuna übte weiter Druck aus, irgendwann war Montabell auf halbrechts durch, wartete klug auf den heranrauschenden Kraus, passte scharf und flach in dessen Lauf, und Kraus grätschte den Ball im Fallen aus einem Meter unter’s Tordach. Das 1-0 war verdient, und auch in der Folge ließ die Fortuna nicht nach. Oberhausen bekam zwar gelegentlich Ballbesitz, aber keine allzu klaren Torchancen.

In der 79. Minute dann die Entscheidung: Fink hatte sich auf dem linken Flügel bei einem Konter durchgesetzt, zog in die Mitte, verzögerte, fast meinte man schon zu lang, aber dann kam doch noch der kurze Pass auf Kialka, der aus 14 Metern souverän einschoss.

Die beiden Winterneuzugänge im Zusammenspiel also. Deren Kauf hat sich nach den bisherigen Eindrücken mehr als gelohnt, sie sind eine große Verstärkung der Mannschaft, Kialka die lang ersehnte Tormaschine im Zentrum, Fink ein bärenstarker Linksverteidiger.

Heute aber funktionierte in der 2. Halbzeit die gesamte Mannschaft, die Uwe Koschinat in einer etwas überraschenden Aufstellung auf‘s Feld geschickt hatte: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Laux, Fink – Zinke, Nottbeck, Schaaf – Kraus, Kialka, Montabell. An das 4-3-3 hat man sich in den letzten Wochen schon gewöhnt, seit dem Ausfall von Pagano (vermutlich noch drei Wochen Ausfall, meinte er auf der Tribüne, die Gelenkschiene noch am Bein). Dass aber Montabell den Linkssaußen gibt und Schaaf einen Achter, das hatte man noch nicht gesehen. Schaaf überzeugte mich hauptsächlich kämpferisch, spielerisch war da Luft nach oben. Und Montabell rackerte wie immer, bereitete ein Tor vor: Einsatz voll gerechtfertigt.

Am Ende zählen erst einmal die sehr, sehr wichtigen drei Punkte im Nachholspiel. Jetzt ist Lotte noch sechs Punkte weg und hat ein Spiel mehr. Und wenn die Mannschaft sich nach den wechselhaften letzten Spielen auf dem Niveau der zweiten Hälfte stabilisieren kann, dann bin ich auch wieder zuversichtlich, dass wir bis zum Schluss oben dran bleiben werden.

Am Samstag geht es nach Hüls, die heute RWE mit 5-0 schlagen konnten. Die Anspannung wird also hoch bleiben.

[UPDATE] Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

P.S.: Angeblich waren über 1.000 Zuschauer im Stadion. Hat sich nicht so angefühlt.

6 Gedanken zu “Fortuna Köln – Rot-Weiß Oberhausen 2-0 (0-0)

  1. Norbert Vogt schreibt:

    Es ist schon erstaunlich, dass Kraus, der von „surfguard“ von Anfang an mehrfach als „Chancentod“, „kein Goalgetter“ usw. tituliert wurde und als Attribute solche u. ä. wie „peinlich vergeben“ erhielt, plötzlich die Torjägerliste der Fortuna anführt. Gar nicht auszudenken, wo wir jetzt stehen würden, wenn er jedes Mal als Stürmer eingesetzt worden wäre, da er aus dieser Position heraus alle seine Tore erzielt hat. Viel zu oft musste er unverständlicherweise auf den Außenpositionen und sogar als Verteidiger spielen und somit als Lückenbüßer herhalten. Lassen wir ihn von 5 Chancen doch 3 vergeben, dann hat er immer noch eines mehr geschossen als ein den Vorstellungen vieler „Fußballexperten“ eiskalter Vollstrecker, der sich im Spiel aber auch nur zwei Torchancen erläuft und mit einer 50%-igen Ausbeute letztendlich nur 1 Tor erzielt. Soll dieser Spieler ruhig der Goalgetter sein, solange Kraus insgesamt erfolgreicher ist.

  2. Ich glaube, ich war nicht der einzige, der zu Beginn der Saison die Chancenverwertung von Thomas Kraus kritisierte. Ich meine sogar, mich erinnern zu können, dass Uwe Koschinat in einem Interview mal davon sprach, dass man sich für solche Situationen (1:1 gegen den Torwart) Automatismen erarbeiten muss. Und ich habe den Eindruck, dass Kraus genau das getan hat: Im Training an seiner Schwäche gearbeitet und sie erfolgreich abgestellt.

    Mit dieser positiven Entwicklung jetzt im Rückblick meine Kritik als ungerechtfertigt oder zu scharf hinzustellen, halte ich für falsch. Kraus hat zu Saisonbeginn zu viele Chancen vergeben, und ich habe ihn dafür kritisiert. Jetzt tut er das nicht mehr, und ich kritisiere ihn nicht mehr dafür. Wo ist das Problem?

  3. P.S.: Und ich halte es nicht für erstrebenswert, viele Chancen zu vergeben, wenn man sich nur genügend davon erarbeitet. Das kostet nämlich auch Kraft. Effizienz ist immer gut.

  4. Norbert Vogt schreibt:

    Deine Kritik war bestimmt nicht ungerechtfertigt oder scharf, aber manchmal ist der Blick auf die Dinge nicht so, wie es sich zunächst offensichtlich darstellt.

    Ich habe mir die Mühe gemacht, sämtliche Spiele unserer Fortuna zu analysieren und bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass von unserer Elf nicht mehr Chancen vergeben wurden als von anderen Mannschaften (sogar von Mannschaften in der Bundesliga!). Man bildet sich das einfach nur ein, weil es eben „die eigene Mannschaft“ ist. Und bei den „vergebenen“ Chancen von Kraus waren viele dabei, in deren Situation andere Spieler erst gar nicht gekommen wären, weil sie eben nicht dorthin laufen. Und bei den wenigen (es waren ja nicht viele) 1:1-Situationen, die nicht zu einem Tor führten, war der Torwart bereits in einer viel besseren Position und wäre es eigentlich auch für einen anderen Spieler nicht mehr möglich gewesen, den Ball ins Tor zu befördern. Aber es schaut halt immer komisch aus, wenn der Stürmer den Ball am Fuß hat und vor dem Torhüter allein auftaucht. Von Chancen kann man allemal sprechen, von vergebenen jedoch nicht zwingend.

    Aber wo du falsch liegst, ist deine Bemerkung über die Effizienz. Wichtiger als die Effizienz ist nämlich die Effektivität (sozusagen die Zielerreichung, in diesem Fall also möglichst viele Tore zu schießen), auch im Fußball.

    Bei der Verpflichtung von Fußballern stellen alle Trainer der Welt die Frage nach der Effektivität eines Spielers, die Effizienz ist nebensächlich.

    Das bedeutet in diesem Fall, dass der Spieler Kraus weiß, warum er viele Tore schießt: nämlich indem er viel läuft, auch wenn er dadurch notgedrungen oft ausgelaugt und unkonzentriert vor dem Tor einige Chancen vergibt. Aber schießen tut er sie letztendlich doch. Und zwar mehr als die effizienten (man kann vielleicht auch sagen lauffaulen) Spieler.

    Diese effizienten Spieler wären nur dann auch so gut für die Mannschaft, wenn sie durch wenig Aufwand ebenso viele Tore geschossen hätten wie Kraus. Haben sie aber nicht.

    Also ist mir ein Spieler, der viel läuft und viele Tore schieß lieber als einer, der weniger läuft und weniger Tore schießt, auch wenn er effizienter ist.

  5. Danke für die Klarstellung, und in vielen Punkten kann ich dir zustimmen. In einem aber nicht: Dass Trainer nämlich auf die Effektivität schauen, und nicht auf die Effizienz. Das ist heutzutage aus meiner Sicht nicht mehr so, sonst würde Mario Gomez nämlich noch spielen: Effektivität spricht ihm nämlich keiner ab, Effizienz aber sehr wohl. Gomez macht verlässlich seine Tore, aber es viel von seinem restlichen Aufwand verpufft in Fehlpässen oder verlorenen Bällen.

    Deswegen ist es auch richtig, dass bei uns Kraus spielt und nicht Canizzaro, arbeitender Stürmer statt Goalgetter. Und bei alledem ist Effizienz eben doch immer noch erstrebenswert. Wenn man die erste Chance mit hoher Wahrscheinlichkeit reinmacht, und sich nciht darauf verlässt, dass man ja die dritte und vierte auch noch bekommt, dann kann das nicht schlecht sein.

    Man kann es auch so sehen. Wer als Fußballer seine Effektivität verbessert, der steigert auch automatisch seine Effizienz.

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