Fortuna Köln im Schlusspurt der Regionalliga

Noch drei Spiele. Und noch vier Punkte auf Lotte, sowie das um acht Treffer schlechtere Torverhältnis. Die Meisterschaft ist noch drin für Fortuna Köln, auch wenn die Chance klein ist. Dass man das überhaupt sagen kann, ist Rot-Weiß Oberhausen zu danken, die Lotte gestern in der 90. Minute noch ein Tor einschenkten und so dem zuletzt am 11. Spieltag von Viktoria Köln geschlagenen Spitzenreiter mal wieder eine Niederlage beifügten.

In den Wochen zuvor hatte Fortuna die damals noch reale Chance, sich für die Aufstiegsrelegation zu qualifizieren, fast schon vergeigt: Zwei Niederlagen gegen Bayer Leverkusen II und in Kray, Mannschaften aus dem Tabellenkeller also, hatten dafür gesorgt, dass selbst Trainer Koschinat die verbleibenden Spiele als Bewährungschance für Stipe Batarilo sah, einen hoffnungsvollen Nachwuchsspieler, der während der Saison noch nie zur Startformation gehört hatte.

Gegen Schalke II am Freitag Abend lief außerdem Kapitän Lukas Nottbeck auf, dessen Wechsel nach der Saison zu Erzfeind Viktoria kurz zuvor bekannt geworden war. Quasi zur Erklärung schrieb der Stadtanzeiger letzte Woche darüber, dass sich Michael Schwetje, der stille Geldgeber der ersten Herrenmannschaft der Fortuna, nach der Saison zurückziehen oder jedenfalls deutlich weniger engagieren werde. Nun war endlich klar, warum die Fortuna bislang noch keine Gespräche mit ihren Leistungsträgern geführt hatte, deren Verträge fast alle am Saisonende auslaufen: Eventuell werden die Brötchen nächste Saison viel kleiner.

Im Fanforum gab es trotz dieser Situation, in der Profifußballer Nottbeck im Mai sein Einkommen ab Juli sichern musste und von der Fortuna kein Angebot vorliegen hatte, böse Anfeindungen gegen ihn. Und auch während des Schalke-Spiels schallten einmal „Lukas, du Verräter!“-Sprechchöre aus der Südkurve.

Nottbeck aber zeigte, wie sich ein Profi verhält: Er gibt alles für den Verein, bei dem er unter Vertrag steht. Gegen die brandgefährlichen Schalker, immerhin Tabellendritter, war Nottbeck überall auf dem Platz zu finden, rannte und rackerte, wie man es von ihm schon während der gesamten Saison gewohnt war, und schoß den wichtigen Ausgleich Sekunden nach der Schalker Führung, sein siebtes Saisontor.

Trainer Koschinat hatte gegen die schnellen Schalker U-Spieler eine Formation aufgeboten, die offensiv ein 4-2-3-1 bildete, sich defensiv aber zu einem 4-1-4-1 komprimierte. Zinke stand dann als Staubsauger zwischen zwei Viererketten, und nur Thomas Kraus durfte vor dem Ball bleiben, investierte seine Ausdauer aber wie üblich in engagiertes Forechecking gegen die Schalker Verteidiger.

Dass Kraus dann noch die Ruhe und auch Klasse hatte, in der 75. Minute ein Duell gegen den Torwart eiskalt abzuschließen, spricht für seine tolle Entwicklung über die Saison. Zu Beginn war er noch der Chancentod, der viel und schnell lief, aber den Ball nicht am Keeper vorbei brachte. Gegen Schalke zeigte er, was er gelernt hatte, sprintete durch die hoch stehende Schalker Verteidigung in einen toll getimeten Steilpass von Maurice Kühn, behielt die Ruhe, trabte fast auf den Torwart zu und schloss so locker wie sicher mit einem Flachschuss neben den linken Pfosten ab. Ich erinnere mich, dass Uwe Koschinat nach ähnlichen, aber vergebenen Situationen von Kraus zu Saisonbeginn einmal sagte, dass man sich die Abschlussicherheit im Training erarbeiten kann. Das scheint perfekt gelungen zu sein.

Trotzdem fehlt Timo-Jerome Kialka der Mannschaft, denn er war der Knipser im Zentrum, der auch aus halben Chancen Tore machte. Seine oberdämliche Tätlichkeit im Spiel gegen Leverkusen ist mit vier Spielen Sperre kein bisschen zu streng geahndet worden.

Damit muss er gegen Viktoria Köln am Samstag noch einmal zusehen, doch zum Glück zeigte die Mannschaft am Dienstag in Wiedenbrück, dass sie auch ohne Kialka effektiv spielen kann. Ich war nicht vor Ort, aber nach allen Berichten war es der Sieg einer Spitzenmannschaft: Scheiße gespielt, unter Druck gewesen, aber die zwei eigenen Chancen reingemacht und als Sieger vom Platz gegangen. Und das ohne den gelbgesperrten Nottbeck, ohne Kialka, ohne Yilmaz und ohne Silvio Pagano, der wohl noch nicht fit für 90 Minuten ist.

Jetzt sind es also die erwähnten vier Punkte auf Lotte, bevor am Samstag Viktoria Köln ins Südstadion kommt. Das wird ein heißes Duell, auf das ich mich sehr freue, nicht nur wegen der ohnehin scharfen Rivalität der verschiedenen Rheinufer und unterschiedlichen Investmentkonzepte (still und zurückhaltend hier, protzig und proletig da), sondern auch weil Viktoria der Fortuna die Meisterschaft mit Sicherheit endgültig versauen möchte, und weil die Fortuna um die letzte Chance darauf spielt.

Wie es am Ende dieser Saison aussieht, ist ja wieder spannend. Denn falls Fortuna gewinnt, dann stehen für Lotte noch die Spiele in Siegen (am Sonntag), gegen RWE und in Velbert aus. Siegen ist immerhin Tabellenvierter und in Form. RWE ist Fünfter, zuletzt mit sehr wechselhaften Leistungen. Nur für Velbert wird es um nichts mehr gehen. Fünf Punkte kann Lotte also realistisch schon noch verlieren, wobei das Schlüsselspiel das in Siegen sein dürfte.

Für die Fortuna ist die Situation in gewisser Hinsicht sogar schwieriger, weil die Spieler wissen, dass die Spielbetriebsgesellschaft nur dann nächste Saison Geld vom Investor bekommt, wenn der Aufstieg gelingen sollte. Da man als Profi aber nicht bis zum letzten Tag warten kann, bevor man sich nach einem neuen Verein umsieht, könnte es sein, dass viele Spieler auf dem Platz stehen, die vom Aufstieg nichts hätten. Andererseits will ein echter Fußballer normalerweise jedes Spiel gewinnen und jeden Erfolg mitnehmen.

Aber nach all dem Hin und Her in dieser Saison, sollte ich mich mit Prognosen lieber zurückhalten. Ich lasse mich überraschen und freue mich bis dahin auf ein hoffentlich stimmungsvolles und glorreiches Derby am Samstag im Südstadion.

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