Fortuna Köln – SC Verl 4-1 (2-1)

Ich muss an dieser Stelle mal die Regionalligatrainer loben, auch wenn sie mir den Blogjob schwer machen: Aber was die nach den Spielen in den Pressekonferenzen regelmäßig an Analysen abliefern, das lässt mir kaum noch neue Erkenntnisse für meine Artikel übrig.

So auch nach diesem Spiel: Fortuna gewinnt nicht, weil sie die bessere Mannschaft war, sondern weil sie nahezu alle ihre Chancen in Treffer ummünzte. Und wenn mal kein Kölner Kopf zur Stelle war, dann half der Gegner freundlicherweise gleich selbst aus und vollendete ins eigene Tor. Klingt blöd, dass ein 4-1 auch genau andersherum hätte anders ausgehen können, war aber in diesem Fall so. Der Spielverlauf, die Verler Abschlusschwäche, die Kölner Abschlussträke und der Monsterlauf von Ercan Aydogmus schoben Fortuna Köln auf die Siegesstraße.

Das Spiel begann erst mal – gar nicht. Am Ende sollten es ohnehin nur magere siebenhundertnochwas Zuschauer werden. Aber als ich 30 Minuten vor Anpfiff, und obwohl der große Parkplatz wegen des Oktoberfestaufbaus gesperrt war, noch locker einen Parkplatz am Straßenrand fand, war eigentlich schon klar, dass etwas nicht stimmte: Verl steckte nämlich im Stau, so dass der Anpfiff um eine Stunde verschoben werden musste.Die Tribüne erinnerte zu diesem Zeitpunkt an selige Verbandsligazeiten, später sollte es nur unwesentlich besser werden.

Leere Reihen - der Gegner steht im Stau

Als es endlich losging, hatte diese Startelf das Vertrauen von Uwe Koschinat: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Laux, Kwame –  Hörnig, Andersen – Kessel, Yilmaz, Batarilo – Kraus. Kialka also weiter auf der Bank, Kwame ersetzte den weiter verletzten Fink, Yilmaz auf der 10, Batarilo hat wohl endgültig und äußerst erfreulich den Sprung vom Spielbogenvervollständiger aus der eigenen Jugend zur vollwertigen Einsatzoption geschafft.

Schließlich kam Kristoffer Andersen zu seinem ersten Einsatz, die große Hoffnung für das zentrale Mittelfeld. Uwe Koschinat betonte in der Pressekonferenz, dass Andersen seine Vorgaben genau erfüllt habe und die Vorarbeit zum 1-1 geleistet habe. Mag sein, aber ich sah einen Spieler, der sich erkennbar bemühte, der teilweise energisch dirigierte, dem mir aber noch etwas die Bindung zu seinen Mitspielern zu fehlen schien. Den großen Druck nach vorne konnte auch er nie erzeugen, das Steile und Direkte ist im Spiel der Fortuna noch nicht auf dem Niveau der Vorsaison. Aber das kann noch kommen. Mal schauen, wie Andersen in ein paar Wochen spielt. Seine Klasse ist unzweifelhaft erkennbar, seine Kondition wohl noch nicht so (Auswechslung in der 61. Minute).

Andersen dirigiert schon mal

Ebenfalls zum ersten Mal im Spiel sah ich Kusi Kwame als Außenverteidiger, der defensiv eine solide Vertretung für den natürlich kaum übertreffbaren Tobias Fink war. In der Offensive dagegen fehlte ihm nahezu jede Durchschlagskraft. Aber mir ist es ehrlich gesagt lieber, wenn ein Verteidiger seine Stärken in der Rückwärtsbewegung hat, als wenn er sich vorne als Fummler versucht und hinten die Tür auflässt.

Zum Spiel. Die Fortuna war feldüberlegen, konnte sich aber zunächst keine Chancen herausarbeiten. Insbesondere viele einfache, kurze Pässe im Mittelfeld wurden zu unpräzise gespielt, wodurch den Angriffen sofort der Druck genommen wurde. Da müssen die Bälle einfach besser in den Lauf und in den Fuß kommen, um die gegnerische Abwehr stärker unter Druck zu setzen und die eigenen Angreifer zu ermutigen, auch mal einen Sprint anzuziehen.

Verl sah sich das Treiben der Kölner recht entspannt an, verteidigte konsequent und spielte selbst dann sehr gefährlich nach vorne. Da hätte es schon vor der Führung scheppern können, die dann aber nach einer Standardsituation fiel – und zwar seltsamerweise nach dem am wenigsten druckvoll getretenen Freistoß von allen. Ansonsten waren die Standards von Verl, Freistöße und Ecken, nämlich regelmäßig brandgefährlich, flach und recht scharf getreten.

Dass da nicht mehr passierte als dieses eine Tor, war nicht nur dem Können der Fortuna-Verteidigung zu verdanken – das nämlich heute ohnehin nur selten zu sehen war. Oft wirkte die Defensive komplett unkoordiniert. Prototypisch war eine Situation in der zweiten Halbzeit, als der gegnerische Mittelstürmer drei oder vier Kölner im Sechzehner locker austanzte, bis erst Andre Poggenborg den Treffer in letzter Instanz verhinderte.

Wie man dem gegnerischen Torwart im 1:1 keine Chance lässt, das hatte unmittelbar nach der Verler Führung hingegen Michael Kessel gezeigt. Als endlich mal ein druckvoller Angriff auf das Verler Tor rollte, spielte Andersen von halbrechts einen schönen, schnellen Pass auf den linken Flügel, wo die Verler Verteidiger nicht rechtzeitig hinschieben konnten, so dass Kessel frei vor dem Keeper überlegt ins lange Eck schoss.

Jubel über Kessels Ausgleich

Die Kölner Führung erledigte Verl dann selbst nach einem weiten Freistoß von Ozan Yilmaz, als ein Verteidiger am höchsten stieg und den Ball neben den Pfosten ins eigene Netz köpfte.

Nach der Pause kam endlich der Moment, auf den alle gewartet hatten: Ercan Aydogmus wurde eingewechselt. Und Uwe Koschinat hätte ihn wahrscheinlich nicht mal so anfeuern müssen, wie er das tat, denn was dieser Mann für einen Lauf hat, ist unbeschreiblich.

Einwechslung Aydogmus

„And now goal“ teilen die Kölner ihren Gegenspielern inzwischen mit, wenn Aydogmus auf den Platz stürmt. Und ich kann mir gut vorstellen, wie Verteidigerknie weich werden, wenn dieser Bulle mit großen Schritten auf sie zustürmt. Gestern aber hatten sie dazu kaum Zeit, denn es schlug ein, nachdem Aydogmus Sekundenbruchteiloe vorher seinen ersten Ballkontakt gehabt hatte: Ball von rechts in den gut gefüllten Strafraum, Aydogmus zielt mit dem linken Innenrist und viel Köpfchen auf das linke untere Toreck, trifft genau  – und alles ist Jubel.

Jubel über Aydogmus' 3-1

Auf der Tribüne griff man sich nur noch lachend an den Kopf. Vielleicht könnte die Liga uns einfach demnächst ein Tor am Grünen Tisch zusprechen, wenn wir auf eine Einwechslung verzichten, nämlich die von Aydogmus? Könnte ergebnistechnisch auf’s selbe rauskommen, würde aber die Knochen des alten Mannes und die Nerven der Gegner schonen: Alle gewinnen!

Auch beim 4-1 war Aydogmus dann wieder beteiligt, indem er einen tollen Pass an den linken Strafraumrand spielte, Kessel passte überlegt zurück auf Yilmaz, der den Ball aus 16 Metern vollständig souverän in den Winkel legte.

Am Ende war der Sieg also auf der gnadenlosen Chancenauswertung der Fortuna zu danken, die ihrerseits aber keineswegs auf Glück fußte, sondern, bis auf das Eigentor, auf großem individuellem und mannschaftlichem Können.

Wenn jetzt noch Kristoffer Andersen einschlägt und die Fortuna das Spiel zielstrebiger an den gegnerischen Strafraum tragen kann, dann sehe ich gute Chancen, wirklich bis zum Ende der Saison ganz oben dabei zu bleiben.

Matchwinner unter sich

Verler Spieler mit ihrem Auswärtsmob

Nach dem Schlusspfiff

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s