Fortuna Köln – Bayer Leverkusen II 3-2 (2-2)

Wenn es ein Spiel gab, das den Charakter der Fortuna-Mannschaft 2013/14 ausdrückt, dann wohl dieses: Zwei Mal zurück gelegen, fußballerisch schlechter gewesen als der Gegner – und am Ende gewonnen, weil die drei Fehler, die der Gegner machte, sofort genutzt wurden.

Ausgleich zum 2-2

Das 1-1: Ein Leverkusener kommt mit dem Kopf an eine Fortuna-Flanke, produziert aber eine Kerze, die Aydogmus, natürlich Aydogmus, im Herunterfallen nicht perfekt, aber gut genug trifft und ins Tor schießt.

Das 2-2: Ein Freistoß wird von der Leverkusener Verteidigung zu kurz abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Sievers schießen, Sievers schießt, und trifft aus 16 Metern.

Das 3-2, die Mutter aller Fortuna-Tore: Offensiver Ballgewinn von Sievers durch robusten Körpereinsatz auf dem Flügel in Höhe der gegnerischen Strafraumgrenze, harter Querpass zu Aydogmus, der den Ball halb verstolpert, halb am ebenfalls strauchelnden Gegenspieler vorbeimogelt, dann freie Schussbahn mit links hat und sicher verwandelt.

Jubel über den Siegtreffer

Wenn der Gegner führt, wird diese Mannschaft ruhig, kneift quasi die Augen ein bisschen zusammen und wirft alles in die Waagschale, was sie hat. Vor dem Leverkusener Führungstreffer kickte man den Ball ein bisschen Larifari durch die Gegend, einige lange Bälle, ein paar Schönspielversuche, aber nichts Zwingendes. Danach allerdings gab es Druck nach vorne, gab es Willen zum Sieg.

Was es aber auch gab, das waren grobe Abwehrfehler. Prototypisch das 1-2: Ein Ball rollt im Mittelfeld langsam über die Außenlinie. Ein Fortune (Zinke? Pazurek?), könnte ihn locker im Spiel halten, verzichtet aber darauf. Der Schiri gibt jedoch Einwurf für Bayer. Die Fortunen reklamieren lieber, ein Jungleverkusener sprintet den Flügel herunter, schiebt den Ball Hörnig durch die Beine, passt vor dem heraus stürzenden Poggenborg klug zurück, wo ein anderer Leverkusener nur noch einzuschieben braucht.

Nach dem 1-2

Schlimm anzusehen. Doch am Ende jubelt dann eben oft die Fortuna, und wenn das Mal um Mal gelingt, dann kann man nicht mehr von Glück sprechen, sondern dann sind das die Qualitäten, die den Unterschied ausmachen: Die gnadenlose Effektivität, die Ruhe, der Wille.

Für Matthias Mink war das Anschauungsunterricht in der ersten Reihe. Der heutige Assistenztrainer von Bayer II hatte taktisch immer eine Menge drauf, aber seine Fortuna-Teams kickten blutleer, sobald sie Gegenwehr bekamen und das eigene Spiel nicht leicht durchbringen konnten. Uwe Koschinat hingegen schafft es, dass die Fortuna sich durchboxt, auch wenn es mal schlecht läuft.

Ex-Trainer

Den Anteil, den Ercan Aydogmus an diesen Qualitäten hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Er wirkt unbeholfen, kommt trotzdem mit dem selben, plump aussehenden Haken immer wieder an seinen Gegnern vorbei, und wenn er mal vor dem Tor frei ist, dann rappelt es. Man stelle sich vor, wo die Fortuna in der Liga stünde, wenn er auch seine zwei Großchancen gegen Lotte genutzt hätte? Das waren in meiner Erinnerung fast schon die einzigen beiden klaren Torgelegenheiten, die Aydogmus in dieser Saison nicht verwandeln konnte. Das Ergebnis sind 14 Treffer aus 16 Spielen, in denen er gerade zu Beginn der Saison oft sogar nur wenige Minuten Spielzeit bekommen hatte.

Ein anderer Kicker, der gestern wie mit dem Brennglas aufzeigte, wie Fortuna spielt, war Kushtrim Lushtaku – leider im Negativbild: Pomadige Schönspielerei, locker gekickte Fehlpässe über wenige Meter, lasche Körpersprache. Wäre er nicht in der ersten Häfte für den verletzten Kessel eingewechselt worden, er hätte wahrscheinlich schon früher als in der 86. Minute wieder das Feld räumen müssen.

Der eingewechselte Lushtaku muss wieder raus

Wenn Laux und Fink wieder ins Team zurückkommen, steht hoffentlich die Verteidigung wieder etwas besser, auch wenn es unterm Strich immer noch für die viertwenigsten Gegentore der Liga reicht. Ein Gegentor pro Spiel ist so ein schlechter Schnitt gar nicht, den erreichen auch höherklassig nur die besten Teams. Sieht trotzdem oft ungelenk aus.

In Düsseldorf (zweitbester Sturm der Liga) und in Aachen (gerade in Schwung gekommen, sieben Punkte aus drei Spielen) wird es wieder nur mit vollem Einsatz gehen. Aber das kennt diese Mannschaft eh nicht anders.

Ich war selten so stolz, Fortuna-Fan zu sein, wie in diesen Tagen.

Nach dem Schlusspfiff

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