Fortuna Köln – Schalke 04 U23 3-1

Viel muss man gar nicht mehr sagen zu dieser Mannschaft, die nach einer Minikrise zu ihrer Form gefunden zu haben scheint: Wieder ein Sieg, bei dem man nicht besser war als der Gegner, aber entschlossener, kaltschnäuziger – und vor allem effektiver in der Chancenverwertung. 57 Tore hat die Fortuna jetzt schon geschossen, kein Ligakonkurrent hat mehr als 42 (teilweise allerdings mit einem Spiel weniger). Das ist schon sagenhaft.

Vor dem Anpfiff

Gegen die kleinen Knappen stellte Uwe Koschinat die Mannschaft in der Offensive etwas um: um den Kräfteverschleiß aus dem Nachholspiel unter der Woche zu kompensieren, vielleicht aber auch aus taktischen Gründen. Steffen und Kialka durften für Dahmani und Aydogmus ran, obwohl die gegen Uerdingen durchaus überzeugt hatten. Ansonsten blieb es bei der inzwischen bewährten Aufstellung: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Hörnig, Fink – Zinke, Andersen, Streit – Kraus, Steffen, Kialka. Die taktische Formation der Mannschaft ändert sich allerdings regelmäßig und an die Spielsituation angepasst: Aus dem Mittelfeld stoßen sowohl Andersen als auch Streit regelmäßig mit in die Spitze vor. Gerade bei gegnerischem Ballbesitz steht Andersen oft erstaunlich hoch. Defensiv dagegen gab es gegen Schalke ab und an eine Sechserkette zu bestaunen, wenn Kraus und Steffen ihren Gegenspielern bis auf Höhe der eigenen Verteidungslinie den Weg versperrten.

Die ersten drei Tore fielen jeweils nach schweren Fehlern der verteidigenden Mannschaft. Beim 1-0 wusste wohl auch der Schalker Verteidiger nicht, warum er da jetzt zum Ball ging, und wenn schon, warum er ihn nicht aus dem Strafraum drosch, anstatt ihn völlig unbedrängt ins eigene Tor abzufälschen.

Das 1-1 war maximal ärgerlich, denn ausgerechnet der sonst so sichere Andersen verlor den frisch gewonnen Ball in der Mitte der eigenen Hälfte gleich wieder, so dass Schalke endlich mal den Raum hatte, den Fortuna ihnen sonst selten ließ.

Beim 2-1 durch Kialka dann die Revanche: Kraus fing einen katastrophalen Pass der blauen Verteidigung ab und bediente den durchstartenden Kialka, der sich durch dieses Tor in die Statistik eintragen konnte, die ihn sonst wohl übersehen hätte. Zweikämpfe konnte er bis dahin jedenfalls nicht gewinnen, war zwar bemüht, aber erfolglos, so dass die „Ercan, Ercan“-Rufe des Publikums nachvollziehbar waren.

Beim 3-1 kann man sich je nach Zuneigung zu der einen oder anderen Farbe entscheiden, ob man Tobias Fink den tollen Tunnel zurechnen oder ihn dem Schalker Verteidiger ankreiden will. Jedenfalls fand Fink den gut eingelaufenen Kraus, der das Ding klar machte.

Jubel über das 3-1

Ein bisschen Einzelkritik:

  • Thomas Kraus müsste der Spieler mit der höchsten Laufleistung in allen deutschen Ligen sein. Unfassbar, wie er nach seinem ständigen Pendeln zwischen allen Linien in der 72. noch die Kraft hat, kurz vor dem gegnerischen Tor präsent zu sein und den Fuß hinhalten zu können.
  • Tobias Steffen geht mir inzwischen wirklich tierisch auf den Keks. Kann dem Jungen mal jemand sagen, dass man in dieser Liga auch mal den eigenen Körper einsetzen darf? Dass man auch mal Druck hinter die eigenen Aktionen bringen darf? Nur der beste Techniker hinter Albert Streit zu sein, reicht mir nicht. Da sind einfach zu viele Ballverluste dabei, in denen Steffen den Ball locker duchstecken möchte, anstatt den Gegner zu blocken und einen klaren Pass zu spielen. Außerdem muss er die fünfte gelbe Karte von Andersen auf seine Kappe nehmen, denn unmittelbar bevor Andersen das taktische Foul beging, hatte Steffen die Möglichkeit, das ebenfalls zu tun und vielleicht sogar den Ball zu gewinnen. Er aber hielt nur alibimäßig die Fußspitze rein, um sich ja nicht zu verletzen. Mann!
  • Hamdi Dahmani zeigt sich als die Granate, als die ich in Erinnerung hatte. Alle Unkenrufe, die Regionalliga sei zu hoch für ihn, erweisen sich als falsch. Körperlich robust, schnell, technisch stark. Ein ganz wichtiger Spieler!
  • Tobias Fink ist, seit er zur Fortuna kam, mein persönlicher MVP. Defensiv souveränst, offensiv brandgefährlich.
  • Kusi Kwame überzeugte mich nach seiner Einwechslung auch auf der (für mich) ungewohnten Sechserposition. Toll, so einen auf der Bank zu haben. Und fast würde ich gerne mal ein Spiel sehen, in dem Tobias Fink als Außenstürmer vor ihm aufläuft.
  • Wenn Gerald Asamoah in die Regionalligamannschaft gesteckt wurde, um den Jungs zu zeigen, dass man auf dem Platz auch mal ein Arschloch sein muss, dann macht er einen großartigen Job.

Weiter geht’s, Fortuna! Immer weiter!

Nach dem Schlusspfiff

Ein Gedanke zu “Fortuna Köln – Schalke 04 U23 3-1

  1. […] Ich kann meine Bayern-Timeline bei Twitter natürlich in gewisser Hinsicht verstehen: Von einem so späten und entscheidenden Tor kann man nur geschockt sein, gerade als Fan dieses Vereins. Das war 1999 und 2010 all over again. (Aus Fortuna-Sicht war es eher Hamburg 2001.) Aber nachdem ich das Hinspiel im Südstadion mit eigenen Augen sah, hinterher die Pressekonferenz und Interviews mit Bayern-Spielern, nachdem ich das Rückspiel auf FCB.tv sah und den Kommentator hörte, kann ich eines ganz sicher sagen: Keiner von denen hat mein Blog gelesen ;-) Hätten sie nämlich, dann wären sie gewarnt gewesen, dass diese Fortuna eine herausragende Qualität hat: Spiele zu gewinnen, in denen sie die vermeintlich schlechtere Mannschaft war. Zuletzt im März beim 3-1 gegen Schalke II. […]

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s