Fortuna Köln – SC Wiedenbrück 2-2

„Eigentlich konnte es nur so kommen: Ausgerechnet, nämlich. Ausgerechnet Ercan Aydogmus, vor der Saison als Chancentod von Viktoria gekommen, als Held der Hinrunde von den Fortuna-Fans geliebt, seit einigen Spielen im Formtief, der letzten Samstag in Höhenberg mehrfach die Meisterschaft für Fortuna hätte klar machen können. Ausgerechnet Ercan Aydogmus also machte den Siegtreffer für die Fortuna, als er einen Steilpass nach missglücktem Abschlag des Wiedenbrücker Torwarts an dem vorbei ins Tor kullerte: 2-1, das waren die entscheidenden Punkte zur Meisterschaft. Nicht verdient in diesem Spiel, aber hoch verdient über eine lange Saison, gerade für Aydogmus. Grenzenloser Jubel nach dem Treffer!“

Leider sind die Anführungszeichen oben wichtig. Denn so schön die Geschichte ist, so halbwahr ist sie auch. Vier Minuten nach der Führung hackte nämlich Wassey für Wiedenbrück aus 25 Metern den Ball ins Tor. Poggenborg flog, konnte den Ball aber nicht mehr erreichen, und für die fest eingeplante Meisterschaft muss nun noch ein weiterer Punkt her. (Oder ein Punktverlust von Lotte.)

Am Ende war es sogar ein glückliches Unentschieden, denn Wiedenbrück hatte die Mehrzahl an guten Torchancen, spielte nach vorne jederzeit gefährlich und gar nicht wie ein Absteiger. Vielmehr sah das genau so aus, wie man es von Zweitvertretungen gewohnt ist: Schnelles und direktes Passpiel vor dem Strafraum, bis dann der kurze Steilpass auf den durch die Viererkette startenden Stürmer gesteckt wird.

Und vielleicht hatte die Fortuna ihr Glück auch schon vor der Pause aufgebraucht, als Thomas Kraus quasi mit dem Pausenpfiff die Führung erzielte, mit der man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr rechnen konnte. Das Tor war zwar traumhaft gemacht, weil Kraus erst zwei Abwehrspieler austanzte und dann überlegt ins lange Ecke schlenzte. Aber eigentlich war Fortuna in diesem Spiel nur die ersten 15 Minuten lang die bessere Mannschaft: Da spielte man mit Druck nach vorne und brachte die Wiedenbrücker Abwehr schnell in Verlegenheit.

Anschließend war es dann eher umgekehrt. Der Ausgleich für Wiedenbrück in der 68. Minute war schon verdient. Und auch wenn Tobias Steffen zwei gute Chancen in der zweiten Halbzeit nicht ummünzen konnte, so hatte doch Wiedenbrück die besseren Möglichkeiten.

Woran es lag? Irgendwie am fehlenden Nachdruck. Einzelnen konnte man heute nicht so viel vorwerfen. Nur Kusi Kwame hatte einen gebrauchten Tag erwischt, alle anderen spielten nicht auffällig schlecht. Hamdi wirbelte in einer Art Freigeist-Achter-Rolle durch die gesamte gegnerische Hälfte, Andersen gewann einige Bälle und ließ Gegner mit schnellen Rechts-links-Kombinationen aussteigen, Kraus riss seine üblichen Kilometer ab, die Defensive stand gewohnt mittelsicher gegen schnelle Angreiferfüße, auch wenn besonders im Aufbauspiel Flottmann schmerzlich fehlte.

Aber insgesamt war das zu oft zu nachlässig gespielt, gerne mal mit dem Außenrist, aber viel zu selten steil, viel zu selten mit Druck auf die Schnittstellen der Wiedenbrücker Defensive. Eigentlich spielten heute alle ein bisschen wie Tobias Steffen immer.

Uwe Koschinat fragte sich in der Pressekonferenz, ob es der Kräfteverschließ nach der langen Saison sein könnte? Nerven wollte er jedenfalls nicht gelten lassen. Ich vermute eher, dass die Mannschaft dachte, gegen den Tabellen-Siebzehnten werde es schon irgendwann irgendwie hinhauen. Und fast hätte sie ja auch recht gehabt…

Mir geht jetzt ehrlich gesagt ein bisschen die Düse, denn nun geht es zunächst nach Leverkusen zur U21, die seit zwölf Spielen nicht verloren hat und deren Spieler sich noch für neue Clubs empfehlen wollen. Zweitvertretungen liegen uns auch generell nicht so. Und am letzten Spieltag kommt die U23 von F95 ins Südstadion, gegen die wir in den letzten Jahren regelmäßig ganz schlecht aussahen.

Aber irgendwo wird der Punkt her kommen. Müssen.

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