Fortuna Köln – Mainz 05 U23 2-2 (1-1)

Die erste Entscheidung gab es schon vor dem Anpfiff, und es war eine mit den Füßen: Nur 1.650 Zuschauer zum Saisonauftakt im Südstadion, nicht viel für das erste Spiel nach dem Aufstieg, und die weitaus meisten entschieden sich trotz Gewitterwarnung für die günstigeren, unüberdachten Stehplätze in der prallen Sonne. Eine Viertelstunde vor Anpfiff standen noch lange Schlangen vor dem Stehplatz-Einlass, während die Kassen am Haupteingang nahezu verwaist waren – dort gab es wohl nämlich keine Stehplatzkarten mehr.

25 Euro für einen Sitzplatz ist auch wirklich ein Wort. Zusammen mit den 4 Euro für den Schotterparkplatz ergibt sich ein Tarif, zu dem man sich zu zweit im Cinedom einen Film ansehen, überdacht (für 2 € übrigens) parken und sich noch mit Popcorn ausrüsten kann. Kurzentschlossene, die sich vielleicht auch mal ein Drittligaspiel ansehen wollen, kommen da sowieso ins Grübeln. Und auch ich, eigentlich Tribünendauergast, denke darüber nach, ob ich auf den Stehplatz ausweiche.

Eintrittskarte Tribüne im Wert von sagenhaften 25 €

Ob der gestrige Publikumszuspruch repräsentativ für die Saison sein wird, lässt sich allerdings schwer einschätzen: Badewetter in den Schulferien, zu Gast eine miese Zweitvertretung. Da wird mancher lieber an den See gefahren sein oder auf die Gastspiele der Kickers, des MSV, von Preußen, Arminia oder Dynamo warten.

Die nächsten Entscheidungen traf dann Uwe Koschinat schon vor dem Spiel: „Wolverine“ Sievers und Sebastian Hörnig rotierten auf die Bank, nachdem sie den Trainer in Großaspach enttäuscht hatten, dafür kamen Kwame rechts hinten und Neuzugang Uaferro als linker Innenverteidiger. Außerdem nahm Hamdienich Dahmani auf der Tribüne Platz: Er sollte Kräfte für die kommende Woche sammeln, ist nach durchgespielter Rückrunde und kurzer Sommerpause wohl noch nicht bei 100%. Für ihn lief Ercan Aydogmus auf, der mit Rahn zusammen die Doppelspitze gab: Poggenborg – Kwame, Laux, Uaferro, Fink – Kraus, Marquet, Andersen, Kessel – Rahn, Aydogmus.

Fortunas Startelf

Defensiv war das ein glasklares 4-4-2 mit zwei schnurgeraden Viererreihen hinter den engagiert forecheckenden Aydogmus und Rahn, gelegentlich von den Außen unterstützt. Offensiv übernahm Marquet den etwas offensiveren Part im Zentrum.

Schlimmerweise musste Marquet schon gegen Ende der ersten Hälfte ausgewechselt werden, nachdem er bei einem Foul wohl einen Bänderriss erlitten hatte. Und nachdem Andersen wegen wieder aufgebrochener Adduktorenprobleme nach 70 Minuten runter musste und sein Einsatz in den kommenden Spielen fraglich ist, ist die Fortuna nun ihres kreativen Zentrums beraubt.

Das könnte sehr, sehr schwer wiegen, denn selbst mit den beiden war das gestern keine überragende Leistung und das Unentschieden leistungsgerecht.

In der ersten Halbzeit fand die Fortuna keinen rechten Zugriff auf das Spiel. Meistens war man einen halben Schritt zu spät oder ließ den Ball bei der Annahme den einen Tacken zu weit vom Fuß wegspringen, der in der Regionalliga vielleicht noch nicht bestraft wird, mit dem man in der 3. Liga aber schnell Probleme bekommt. Und wohlgemerkt: Die ersten Gegner waren die beiden Mitaufsteiger, so dass man von „Lehrgeld“ wohl nicht reden kann. Die schweren Gegner kommen erst noch, und zwar spätestens am Sonntag mit dem aktuellen Tabellenführer Chemnitz, der Halle am ersten Spieltag fast chirurgisch ausgekontert hatten.

Dass das Spiel gestern Unentschieden endete, war immerhin den gewohnten Stärken der Mannschaft zu verdanken, nämlich erstens dem einfachen, aber effektiven Spiel: Weiter Einwurf von Andersen, Kopfball Aydogmus, drin das Ding. Und zweitens dem guten Pressing: Kessel stand bereit, als einem Mainzer Innenverteidiger ein Querpass im Spielaufbau zwei Meter zu weit vom Fuß sprang. Er versenkte den Ball nach kurzem Schlenker von der Strafraumgrenze.

Jubel über das 1-0

Jubel über Kessels 2-1

Soweit war das also akzeptabel. Aber Uwe Koschinat hat natürlich recht, wenn er in der Pressekonferenz sagt: Wer in zwei Spielen drei Mal führt, der muss mehr als einen Punkt mitnehmen. Muss.

Dass die Fortuna nicht konnte, was sie musste, deutet auf die Schwachstelle hin: Die Abwehr. Zur Entschuldigung kann nur angeführt werden, dass mit Sebastian Zinke der Sechser fehlt, der normalerweise viel Druck von der letzten Reihe fern hält. Aber beide Mainzer Tore (und auch schon letzte Woche der Siegtreffer von Großaspach) entstanden aus Situationen, in denen die Fortuna am und im Strafraum nicht sauber in den Zweikampf kam. Und bei beiden Toren gestern spielte Kusi Kwame, den ich schon oft lobte, eine schlechte Rolle.

Kusi Kwame

Beim 1-1 verlor er einen Zweikampf, weil er viel zu halbherzig mit dem Kopf in einen brusthohen Ball ging, ihn verfehlte, und der Gegner dann über seine frei gewordene Seite zum Abschluss kam. Beim 2-2 verpasste erst Hörnig die Klärung zentral vor dem Strafraum, die ihm mit mehr Entschlossenheit auch gelingen kann, und dann ließ Kwame seinen Gegenspieler im Rücken weglaufen, kam bei der Klärung zu spät und hackte Ball und Gegner gleichzeitig weg. Ich hatte auch im Stadion gute Sicht auf das Geschehen: ein glasklarer Elfmeter, den Mainz sicher verwandelte.

Der Schiri zeigt auf das Corpus Delicti

Elfmeter für Mainz zum 2-2

Ansonsten hielten sich die Topchancen in etwa die Waage, so dass beide Mannschaften mit einem Punkt gerecht bedient waren.

Ich habe nach dem Spiel Sorge, bin nur beruhigt, dass Uwe Koschinat diese Sorge teilt: So reicht das kaum für die Liga, nicht nur punketechnisch, sondern auch der Leistung nach. Die Mannschaft kann es besser, sie muss es allerdings auch regelmäßig besser abrufen, um die Klasse zu halten. Die rechte Außenverteidigerposition kristallisiert sich als Schwachstelle heraus, für die hoffentlich nicht Thomas Kraus die letzte Lösung ist. Und je nach Verletzungsstand bei Andersen, Marquet, Zinke und immer noch Yilmaz, ist das Zentrum zu schwach besetzt. Und selbst Andre Poggenborg, auf der Linie bestimmt gut genug für die Liga, darf seine Abschläge und auch die Punts nach Rückpässen gerne noch mal üben: Die Bälle dürfen gerne höher und weniger zentral geraten.

P.P.S.: Hier gibt’s die Spielzusammenfassung vom SWR. Und hier alle meine Fotos von gestern.

Nach dem Schlusspfiff

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