Fortuna Köln – Chemnitzer FC 1-2 (0-0)

Kaum zu glauben, dass die Fortuna dieses Spiel nicht gewann. Nach der ersten Halbzeit hätte schon alles klar sein müssen, doch in der Viertelstunde nach der Pause gab die Fortuna das Spiel aus der Hand – leider wieder durch Fehler, die nicht passieren mussten.

Auflaufen der Mannschaften

Uwe Koschinat vertraute der Elf, die in Halle unter der Woche den ersten Saisonsieg geholt hatte – inklusive zu Beginn wieder einem Spezialeinsatz für Nullnull Kwame: Der tanzte in den ersten 20 Minuten mit Lais, der Chemnitzer Nummer 6, den Paso Doble, machte dann einen Partnertausch und blieb fortan bei Mauersberger, bevor er schon vor der Pause auf die mannungebundene 6er-Rolle wechselte. Mauersberger blieb ohnehin in der Kabine, so dass Kwame mit Hörnig die Doppelsechs bilden konnte. Durch die Manndeckung der gegnerischen 6 wurde Kwame zuvor zwangsläufig oft auf die 10er-Position gezogen, Dahmani stand dann tiefer.

Kusi Kwame mit seinem Bewachungsobjekt

Der Schreckmoment der ersten Halbzeit kam gleich zu Beginn, als Uaferro (?) einen Ball auf’s eigene Tor köpfte, den Poggenborg jedoch noch fischen konnte. Anschließend spielte 45 Minuten lang fast nur noch die Fortuna. Chemnitz ließ zwar erkennen, mit welchem Spiel sie die Ligaspitze erobert hatten, aber die Steilpässe auf die schnellen Spitzen kamen nicht an oder wurden oft gut verteidigt.

Die Fortuna hingegen zeigte endlich das Spiel, mit dem sie letztes Jahr die Regionalliga dominiert hatte: Klares, geradliniges Spiel in die Spitze, oft mit Kopfballverlängerungen den rechten Flügel hinunter. Zwei Großchancen spielte sich die Mannschaft neben einigen kleineren heraus: Michael Kessel konnte einen guten, im Strafraum von einem Mitspieler noch durchgelassenen Querpass nicht scharf und oder platziert genug auf’s Tor bringen, so dass der Chemnitzer Torwart noch halten konnte. Und Johannes Rahn zeigte nicht nur in der folgenden Szene seine großen fußballerischen Qualitäten: Alleine tanzte er vier Chemnitzer aus, zielte auf die lange Ecke und scheiterte nur am Pfosten.

Die Führung hätte fallen müssen, denn die Fortuna hatte dieses Spiel komplett im Griff, war die klar bessere Mannschaft.

Fortuna Köln - Chemnitzer FC

Doch nach der Pause zeigte dann Chemnitz, wie man es macht: Zunächst durfte Michael Kessel sich ansehen, wie man einen Querpass aus nahezu identischer Position platziert einschießt: 1-0 für Chemnitz, nachdem zuvor, wie schon letzte Woche, Hörnig einen defensiven Zweikampf vor dem eigenen Strafraum verloren und den Pass auf halbrechts nicht hatte verhindern können.

Gästejubel nach dem 0-1

Nur neun Minuten später dann der spielentscheidende Aussetzer von Bone Uaferro: Einen eigentlich abgefangenen Ball ließ er zu hoch vom Kopf (nicht vom Fuß, wie ich es aus der Distanz zunächst gesehen hatte) springen, so dass ein gegnerischer Stürmer ihn erobern konnte, nur um sich gleich wieder von Uaferro elfmeterreif legen zu lassen: 2-0 für den CFC.

Uaferro nach seinem Foul zum Elfmeter

Elfmeter für Chemnitz zum 0-2

Sofort im Anschluss bekam die Fortuna das Spiel wieder in den Griff, drängte nach vorne, kam aber nur noch zum Anschluss durch den eingewechselten Aydogmus, der den Fuß in einen Bender-Freistoß aus dem Halbfeld bekam.

Aydogmus trifft zum 1-2

In der Schlussminuten konnte der Chemnitzer Keeper dann noch einen Kopfball aus kurzer Distanz halten. Das Unentschieden wäre nach Spielanteilen und Torchancen hoch verdient gewesen, aber am Ende gewann die Mannschaft, die ihre Chancen nutzte. Nach einer sehr guten Leistung über 75 Minuten bitter für die Fortuna, aber auf diese Leistung kann man aufbauen und würde, falls sie sich stabilisieren lässt, mit dem Abstieg wohl nichts zu tun haben.

Eine Einzelkritik:

  • Poggenborg: Auf der Linie und auch bei Flanken/Ecken gewohnt sicher. Aber sein Spiel mit dem Fuß muss bitte möglichst schnell um einiges besser werden. Was er sich in diesem Spiel an schlechten langen Bällen leistete, war wirklich erschreckend. Sowas kann man bitte einfach mal üben.
  • Sievers: Keine gute Leistung, war wiederholt viel zu langsam gegen den allerdings auch pfeilschnellen Ofosu. Die rechte Außenverteidigerposition kristallisiert sich langsam als eine der größten Schwachstellen der Mannschaft heraus.
  • Laux: Solide Leistung, im Zentrum brannte nicht viel an.
  • Bender: Wurde aus mir unklaren Gründen für Laux (verletzt?) eingewechselt, machte einen unsicheren Eindruck im Spielaufbau und spielte einen haarsträubenden Fehlpass in des Gegners Fuß, der zum Glück kein Tor zur Folge hatte. Schlug aber auch den Freistoß zum Tor von Aydogmus.
  • Uaferro: Machte mit seinem Aussetzer zum Elfmeter eine sehr gute ersten Halbzeit zunichte, in der er besonders in der Luft viele Bälle verteidigte.
  • Fink: Machte den Flügel meist ordentlich zu, allerdings fiel das 0-1 über seine Seite. Kam offensiv aber nicht so zur Geltung wie sonst oft.
  • Hörnig: Verlorener Zweikampf vor dem 0-1, fiel ansonsten nicht besonders auf, von ihm kommt nach vorne zu wenig.
  • Kwame: Gute Leistung, leistete sich kaum Fehler, aber auch zu schwach in der Spieleröffnung, immerhin mit soliden kurzen Pässen.
  • Kessel: Ständiger Unruheherd, konnte sich aber nicht entscheidend durchsetzen. Schnelles Passpiel scheint für ihn in dieser Liga angebrachter zu sein als Dribblings, die doch regelmäßig in Ballverlusten enden. Musste laut Stadionsprecher verletzt ausgewechselt werden, hoffentlich nichts Schlimmes.
  • Dahmani: Konnte sich nach vorne zu selten durchsetzen, spielte einmal einen guten Ball auf Rahn, in dessen Schuss der Gegner gerade noch einen Fuß halten konnte.
  • Aydogmus: Bringt weiterhin viel Power, machte sein Tor und hätte fast mit einem Rechtsschuss auf’s kurze Eck ein weiteres erzielt.
  • Rahn: Der Fortuna-Spieler des Tages, war in der Offensive fast allgegenwärtig, über seinen rechten Flügel ging viel, und auch seine Dribblings gelangen meistens. Das Dribbling mit anschließendem Pfostenschuss hätte fast sogar mehr als ein Tor verdient gehabt, erntete aber keines. Dennoch eine absolute Top-Leistung!
  • Kraus: Das weiß man, was man hat.
  • Kialka: Kam spät für Kessel, konnte sich auf links noch ein, zweimal gut durchsetzen.

P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel unter https://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2014/08/10/

Regen im Südstadion

Nach dem Schlusspfiff

Chemnitz feiert

"Fußball muss bezahlbar sein"

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