Mindestlohn für die SZ-Zeitungszusteller?

Vor sechs Wochen hatte ich beschrieben, wie mein Zeitungszusteller mir berichtete, dass sein Arbeitgeber kein Personal mehr findet, weil er ab 01.01.2015 keinen Mindestlohn zahlt: „Wie der Mindestlohn tatsächlich die Pressefreiheit gefährdet“.

Nachdem mein Exemplar der Süddeutschen Zeitung auch im Anschluss an dieses Gespräch wiederholt nicht kam, schrieb ich an den Kundenservice des Süddeutschen Verlags: „Sehr geehrte Damen und Herren…“ Vermutlich, weil ich auch auf meinen Blogpost und die Aufmerksamkeit verwies, die der bekommen hatte, rief mich drei Tage später Herr K. persönlich an an, der Teamleiter des SZ-Aboservices.

Er war sehr freundlich und fragte, ob mein SZ-Exemplar jetzt wieder pünktlich käme? Das war damals so (seither war die Zeitung noch ein Mal nicht um 7 Uhr im Kasten), und er bot mir an, mich demnächst persönlich an ihn zu wenden, falls es weiter Probleme geben sollte. Ich sagte ihm, dass ich persönlich jetzt zufrieden sei, aber auch hoffe, dass er das Problem nicht nur ein paar Straßen weiter geschoben habe. Lachen am anderen Ende der Leitung.

Ich fragte Herrn K. dann noch, ob der Süddeutsche Verlag (SV) seinen Zustellern denn den Mindestlohn zahle oder das beabsichtige? Er antwortete darauf ausweichend, dass das im Münchener Stadtgebiet durchaus oft der Fall sei, zumal es dort gute Touren gebe, wo die Zusteller pro Hochhaus 30 oder 40 Zeitungen auf einmal los werden. Das war nicht meine Frage, obwohl es sie indirekt auch beantwortet: nämlich mit nein. Der SV zahlt pro Zeitung oder Tour, und es ist das Problem des Zustellers, an eine gute Tour und damit an einen ordentlichen Stundenlohn zu kommen.

Da ich in Bergisch Gladbach wohne und die SZ hier nur Huckepack von Zustellern mitgenommen wird, die im Wesentlichen die lokale Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers tragen, hat der SV hier keinen direkten Einfluss, jedenfalls keinen großen. Auf meine Nachfrage, welche Position der SV denn in der Diskussion um die Ausnahme der Zeitungszusteller vom Mindestlohn eingenommen hatte, ging er nicht ein, weil er nicht für den Verlag sprechen wollte.

Nun, zumindesten einige Münchener Zeitungszusteller haben dazu eine klare Meinung – und sie ist nicht schmeichelhaft für den SV: „Mindestlohn – kein Thema für die SZ“. In der Marginalspalte wird die Situation dort so dargestellt:

Ausgangspunkt des Konflikts ist die Absicht der Süddeutschen Zeitung, die Zustellkosten massiv zu senken. Insbesondere die sog. „Alt-Verträge“ sollen in der Summe um rund 30 Prozent abgesenkt werden. (Und das, obwohl die Vergütungen bereits seit 15 Jahren stagnieren!) Mit einer ausgesprochenen Eskalations-Strategie versucht ein nobler Zeitungsverlag seither, lästige Betriebsräte aus dem Weg zu schaffen und mit allen Mitteln – einschließlich der Kündigung ganzer Belegschaften – ihr Dumpinglohn-Prinzip durchzusetzen.

Es lohnt sich, in dem Blog mal ein paar Artikel zu lesen. Ich kann deren Wahrheitsgehalt nicht überprüfen, eins ist aber sicher: Zusteller der SZ sind nicht glücklich darüber, wie mit ihnen umgegangen wird. Und ich interpretiere das Ausweichen von Herrn K. mir gegenüber so, dass der Süddeutsche Verlag keineswegs vorhat, ab 01.01. den Mindestlohn zu zahlen.

Die einzige Alternative, außer der Kündigung des Abos, wäre nun für mich, auf den Einzelverkauf umzusteigen. Obwohl ich ahne, dass die Lieferanten, die die Zeitungspakete vor dem Büdchen abladen, auch nicht mit Geld zugeschüttet werden.

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