Fortuna Köln – Jahn Regensburg 1-0 (1-0)

Wenn die Fortuna ein Pferd ist, dann war sie gestern wohl ein gutes. Andererseits weiß man beim Springreiten immer schon vorher, wie hoch die Latte liegt, im Fußball dagegen erst nach dem Spiel. Es wäre spannend gewesen, zu sehen, ob die Fortuna noch mal den Vorwärtsgang gefunden hätte, wenn Regensburg der höchstverdiente Ausgleich gelungen wäre? So mussten wir auf diese Spannung verzichten, es gab ja auch so genug. Denn was die Fortuna gestern ablieferte, das war ein kollektives Hinrundenabschlusszittern. Einfach mal den Gegner kommen lassen und zuschauen, ob er das Ding reinmacht.

Nee, das war gar nix, und außer dem Ergebnis gab es nur wenig Positives zu berichten. Aber fangen wir damit mal an: Dennis Engelmann brachte gestern eine gute Leistung. Nicht sehr gut, aber gut. Ich hatte ihn bisher erst einmal live gesehn, und da ging gar nichts. Gestern stand er defensiv recht sicher, wenn auch nach vorne noch Luft war. Hinten waren außerdem Bone Uaferro und Florian Hörnig die Garanten des Siegs. Denn so viel das defensive Mittelfeld dem Gegner auch gestattete, Uaferro und Hörnig bügelten das meiste wieder aus.

Ganz schwach dagegen gestern die erste Halbzeit von Tobias Fink. Sonst regelmäßig einer der besten, ließ er gestern gleich den ersten Angriff über seinen Flügel durchbrechen und konnte sich nur noch mit einem Foul behelfen, für das er zurecht Gelb sah. Auch im Weiteren stand er oft falsch, klärte nicht deutlich genug oder lief hinterher. Ganz schlimm. Die zweite Halbzeit lief dann etwas besser.

Und Johannes Rahn hatte gestern wohl versehentlich Holzpantinen statt Fußballschuhe angezogen, so weit sprang ihm der Ball bei nahezu jeder Annahme vom Fuß. Einmal fand er den richtigen Touch, spritzte in einen Querpass der Regensburger Verteidigung, legte den Ball perfekt am Verteidiger vorbei – aber die nächste Balberührung war dann gleich wieder zu unbeholfen, der Ball sprang weit weg und der Keeper kam noch dran.

Dem defensiven Mittelfeld gelang es gestern in keiner Phase des Spiels, den Gegner daran zu hindern, sich relativ locker bis zum Strafraum durchzukombinieren.

Und nach vorne fehlte Kristoffer Andersen an allen Ecken und Enden. Es kam einfach keine Klarheit ins Aufbauspiel, keine Struktur, kein Druck.

Regensburg war, das muss man so sagen, über 90 Minuten die spielerisch bessere Mannschaft. Andererseits sah man überdeutlich, warum das Team am Tabellenende steht: Denn wenn einem der Gegner schon die Kehle bietet, dann muss man wenigstens selber zubeißen können. Das gelang dem Jahn aber nicht, beste Torchancen ließ er aus. Besonders dramatisch in der ersten Hälfte, als es einem Regenburger gelang, den Ball aus zwei Metern Torentfernung, knapp vom rechten Pfosten aus, noch links am Tor vorbei zu köpfen. (Entgegen anders lautenden Meldungen, musste der Sportfreund da aber schon noch hingehen, denn obwohl Poggenborg bereits geschlagen war, stand auf der Linie am Pfosten noch ein Kölner, der den Ball ansonsten abgefangen hätte.)

Da eine B-Note gestern aber nicht vergeben wurde, nahm alles Zählbare die Fortuna mit – und letztlich ist der ganze Rest auch scheißegal. Denn mit diesem Sieg hat die Fortuna acht Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Aus den letzten elf Spielen holte die Mannschaft sagenhafte 21 Punkte, wie Uwe Koschinat in der Pressekonferenz erwähnte. Hätte sie diesen Schnitt in der gesamten Hinrunde erzielt, stünde sie mit 36 Punkten an der Tabellenspitze. Unglaublich.

Natürlich ist die Fortuna in Wirklichkeit weit entfernt davon, eine Spitzenmannschaft zu sein. Aber es ist nun klar, dass sie in dieser Liga mithalten kann. Und ebenso ist nach gestern klar: nur dann, wenn sie alles in die Waagschale wirft, aber auch wirklich alles, was sie hat.

Ich sehe leider niemanden, der Kristoffer Andersen ersetzen kann – also wird das der Trainer tun müssen: Indem er Spieler besser macht, die jetzt noch nicht Andersens Format haben. Aber vor allem, indem er das Spielsystem so anpasst, dass Andersens Fehlen nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Unterm Strich war das eine sehr gute Hinrunde, für das sich das Team einmal kräftig auf die Schulter kopfen kann. Aber wirklich nur ganz kurz, denn schon am Samstag kommt der Sonnenhof nach Zollstock, und dann geht es sofort wieder darum, einen Abstiegskonkurrenten auf Abstand zu halten.

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