Warum ich Skeptiker und gegen GMOs bin

Ich bin Skeptiker, schon immer gewesen, zum Leidwesen vieler Mitmenschen. Ich hinterfrage die meisten Dinge, bis ich sie selbst verstanden habe, akzeptiere wenig zum Nennwert. Das hat mich in ein Physikstudium getrieben, kann aber auch nerven. (Bloggen war für mich übrigens immer ein Weg, dieses Hinterfragen zu kanalisieren.)

Skeptiker zu sein ist in letzter Zeit ein Ding geworden. Es gibt eine regelrechte Skeptiker-Bewegung, die sich bewusst gegen alte und neue Esoterik stellt, von Astrologie über Homöpathie bis Verschwörungstheorien. Das deutsche Zentralorgan ist der „Skeptiker“, die Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die aber auch ohne Mitgliedschaft abonniert werden kann. Der digitale Attraktor vieler Skeptiker ist Der goldene Aluhut, vor einigen Monaten im Rahmen einer ZDF-Doku über Verschwörungstheoretiker zu etwas größerer Bekanntheit gekommen.

Skeptiker zu sein heißt nicht nur, die namensgebende Geisteshaltung zu haben und spekulative oder esoterische Erklärungsmuster für Phänomene aller Art erst einmal abzulehnen, sondern eben auch, sich von wissenschaftlich belegbaren Fakten dann doch überzeugen zu lassen.

Entsprechend sind viele Skeptiker für oder wenigstens nicht gegen die Herstellung, den Einsatz und den Verzehr von genetisch modifizierten Organismen (GMOs), schließlich ist sich die Wissenschaft ziemlich einig, dass der Verzehr von GMOs völlig ungefährlich ist.

Das glaube ich auch. Und dennoch bin ich entschieden dagegen, dass GMOs für Konsumzwecke hergestellt werden – und zwar weil es keinen Grund gibt, der ihre Herstellung rechtfertigt. Und in so einer Situation, ist grundsätzlich auch ein kleines Risiko nicht akzeptabel, vor allem dann, wenn die Risiken des Einsatzes von GMOs nicht sicher abgeschätzt werden können.

Ich glaube nicht, dass der Verzehr eines Schokoriegels mit genetisch modifiziertem Mais mir schadet. Aber warum zur Hölle sollte irgendjemand Mais genetisch modifizieren müssen, um einen dämlichen, leckeren Schokoriegel herzustellen?

Die Natur ist ein komplexes, oft sogar chaotisches System. In solchen Systemen lehrt das Cynefin-Modell, dass man die Konsequenzen von Handlungen nicht sicher vorhersagen kann. Man muss stattdessen etwas probieren oder einfach mal was machen, schauen was passiert und dann ggf. auf das Verhalten des Systems reagieren.

Ich denke auf dieser Grundlage, dass man das Risiko nicht eingehen muss, genmodifizierten Mais in die Landschaft zu pflanzen. Die Konsequenzen sind nicht sicher vorhersehbar. Es kann alles gut gehen oder eben auch nicht. Und wenn nicht, dann kann es ein katastrophales Ereignis geben. Das ist vielleicht nicht sehr wahrscheinlich. Aber der Erwartungswert einer Katastrophe mit geringer Wahrscheinlichkeit ist eine endliche, nicht-verschwindende Zahl.

Wir brauchen GMOs jedenfalls nicht, um die Welt zu ernähren. Diese Legende wird seit 20 oder 30 Jahren erzählt, und sie hätte sich längst bewahrheiten müssen. Der Hunger in der Welt müsste Geschichte sein. Stattdessen werden GMOs eingesetzt, um Landwirte in der Dritten Welt abhängig vom Hersteller zu machen. Jedenfalls braucht es keine Gentechnik, um die Welt zu ernähren, sondern „lediglich“ den politischen Willen, die wirtschaftliche Ausbeutung der Schwellen- und Entwicklungsländer durch uns zu beenden.

Wir brauchen GMOs natürlich auch nicht, um unser eigenes Essen bezahlbar zu machen. Niemand braucht Schweine mit mehr Rippen oder mehr Muskeln oder noich ertragreicheres Getreide. Nahrung ist in den Industrieländern viel zu billig.

Der einzige Zweck, für den ich GMOs sinnvoll finde, ist die Bekämpfung von Krankheiten, die bislang nicht geheilt werden können. Dann werden GMOs in kontrollierten Umgebungen (Laboratorien, Pharmafabriken) erzeugt und in kontrollierten Szenarien (ärztliche Behandlung) eingesetzt.

Aus all diesen Gründen kann ich mich mit der Anti-Anti-GMO-Bewegung innerhalb der Skeptiker nicht gemein machen. Es stimmt, dass viele GMO-Gegner GMOs aus den falschen, aus unwissenschaftlichen und irrationalen Gründen ablehnen. Aber es bleibt eine rationale, prinzipielle und meiner Ansicht nach auch ethische Betrachtung übrig, die gegen GMOs spricht: Wenn es keinen extrem guten Grund gibt, in die Natur einzugreifen, sollte man es einfach lassen.

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