Kurz reingeschaut: „Stirb, bevor du stirbst“ im Schauspielhaus Köln

„Stirb, bevor du stirbst“, eine Auftragsarbeit von Autor Ibrahim Amir für das Kölner Theater, läuft bereits seit zwei Monaten und war am vergangenen Donnerstag ausverkauft. Das könnte ein positives Indiz für die Qualität des Stücks sein. Oder ein negatives für den Anspruch des Kölner Publikums.

„Stirb, bevor du stirbst“ ist eine Komödie, in der aktuelle Themen rund um den Islam verhandelt werden: Integration und Akzeptanz islamischer Deutscher „mit Migrationshintergrund“, das Frauenbild religiöser Muslime und die Verführungskraft islamistischer Terrororganisationen für Jugendliche in der Selbstfindungsphase.

Leider bleibt das Stück viel zu sehr an der Oberfläche. Die Dramaturgie wirkt aus altbewährten Bausteinen der Komödie schnell zusammengesteckt, die Figuren sind Stereotypen, und auch die Schauspieler geben dem schwachen Text keine Tiefe. Meist kann man in Köln ja wenigstens das Ensemble loben, aber hier fühlte ich mich zwischenzeitlich wie im Millowitsch-Theater.

Einzig die Inszenierung und das Bühnenbild scheinen sich anzustrengen, und so kommt am Ende doch noch ein einzelner, schöner, ergreifender Moment zustande, wenn nach der vermeintlichen Schluss-„Pointe“ alle Figuren wie in einem Zeitäther driften, der die ganze Handlung wieder auf Null stellt. Blöderweise ist die zweite Version der Story, die dann anreißt, wie es auch hätte sein können, so platt wie man eine Moral mit dem Holzhammer nur kloppen kann.

Für ein Volkstheater wäre das eine mutige Inszenierung, im Kölner Schauspielhaus erwarte ich mehr Tiefgang.

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