Die Fremden von der anderen Waldseite

Ein kleines bisschen stolz bin ich ja auf mich:

Ich hatte gestern schon das Gefühl, dass mir die ganze „Flüchtling soll vor Lageso gestorben sein“-Geschichte viel zu sehr nach „Arabische Flüchtlinge sollen deutsches Baby entführt und aufgegessen haben“ klingt. Oder nach dieser urbanen Legende:

Also eben nach „soll“. Nach ungeprüfte Tatsachen. Gerüchten. Und wie die aussehen, wissen wir ja.

Bild von A. Paul Weber: Das Gerücht

Aber seit ich diesen Post heute morgen zu schreiben begann, hat Stefan Niggemeier alles zu dem Thema gesagt: Erfundener Tod eines Flüchtlings – Aber alle haben es sich doch vorstellen können!

Also kann ich mich auf einen anderen Aspekt der großen Flüchtlingsdiskussion fokussieren: Wann ist ein Fremder eigentlich fremd? Und wann muss ich meinen Besitzstand vor ihm verteidigen? Im Moment wird ja von mehr oder weniger weit rechts der Eindruck erweckt, der deutsche Volkskörper müsse nur eine geschlossene Front gegen den Araber und Nordafrikaner bilden, dann sei das Abendland verteidigt. Tatsächlich aber wird der Fremde, wenn er nicht aus Übersee kommt, dann eben im Nachbarland gesucht. Oder im nächsten Bundesland. Im Nachbardorf. Oder auf der anderen Seite des Waldes.

Ich wohne in Bergisch Gladbach und pendele zur Arbeit nach Köln. Dazu fahre ich morgens mit dem Auto aus zwei Gründen nach Köln Thielenbruch:

  1. Weil das mit öffentlichen Verkehrsmitteln ca. 50 Minuten (ein bis drei Mal umsteigen) dauern würde, mit dem Auto hingegen 15.
  2. Weil Thielenbruch zum Kölner Stadtgebiet gehört, was die Monatsmarke um über  20 € günstiger macht, als wenn ich von Bergisch Gladbach aus fahre.

Köln Thielenbruch und Bergisch Gladbach Hebborn und Gierath werden durch ein kleines Wäldchen getrennt, den Thielenbrucher Forst. In 10 Minuten hat man den locker durchwandert, mit dem Auto auf der Straße ist es eine. Und auf was kommen die Thielenbrucher Bürger als erstes, wenn sie gefragt werden, wie die Parkplatznot rund um den Bahnhof gelindert werden könnte? Na klar: Die Fremden müssen weg! Die Bergisch Gladbacher, die von der anderen Seite des Waldes! Die Fremden benutzen unsere Parkplätze!

„Bei uns beschweren sich immer wieder Bewohner der Siedlung Thielenbruch und Anlieger der Gemarkenstraße“, sagt der Vorsitzende, Engelbert Hock. Autos mit Bergisch Gladbacher Kennzeichen würden nicht nur 90 Prozent aller Fahrzeuge auf dem Parkdeck und den öffentlichen Parkplätzen ausmachen. Mittlerweile seien auch alle Seitenstraßen zugeparkt.

http://www.ksta.de/muelheim/verkehr-in-koeln-das-grosse-parkplatz-chaos-in-thielenbruch,15187568,29341048.html

Mal abgesehen davon, dass die Situation, wie sie im Artikel geschildert wird, gnadenlos übertrieben ist (um 5:45 Uhr hört man in Thielenbruch die Vögelchen zwitschern, die Parkplätze sind ab 07:30 Uhr belegt, dann kann man aber noch sehr locker am Straßenrand parken und muss dazu nicht fünf Mal hin und her fahren, die Seitenstraßen werden bestenfalls ab 9 von ein paar Nachzüglern zum Parken genutzt), wird doch eins klar: Es wird immer jemanden geben, der einem was wegnehmen will. Und wenn man in Thielenbruch wohnt, in einem sehr wohlhabenden, fast schon Villenviertel übrigens, dann sind es eben die Bergisch Gladbacher Vandalen.

Das macht mir wenig Hoffnung.

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