Medien im Januar 2016

Film/DVD

You’re the worst, Season 1

Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen, haben einen One-Night-Stand, zu dessen Beginn beide betonen, dass es eben nur genau das bleiben soll: Schneller, unverbindlicher Spaß, keinesfalls eine Beziehung. Natürlich verlieben sie sich dann nolens volens ineinander. Die Serie fing schön pubertär an, will dann aber die Kurve zur romantischen Komödie kriegen, verliert dabei die Spur und ihre bis dahin klar erkennbare Tonlage. Irgendwann ist es dann eine ganz normale Comedy-Serie, und gegen Ende wurde es sogar recht klischeehaft (Treffen der ein Leben lang belogenen Eltern mit einem Ausbruch von Ehrlichkeit, dass man den anderen ja gerade so liebt, wie er ist, unvollkommen nämlich). War eine Staffel lang unterhaltsam, ich sehe aber keinen Grund für eine Fortsetzung. (Staffel 2 lief Ende 2015, Staffel 3 ist vom Sender gebucht.)

Ash vs. Evil Dead, Season 1

Eine ungewöhnliche Splatter-Comedy-Serie: Ash Williams ist ein alternder Geisterjäger, der im Kampf gegen das Böse bereits eine Hand verloren hat, die er wahlweise mit einer normalen Prothese oder mit einer Kettensäge ersetzt. Als es zu einem erneuten Ausbruch von Gestalten aus der Unterwelt kommt, macht Ash sich mit den Geisterjäger-Newbies Pablo und Kelly daran, die Pforten der Hölle wieder zu schließen. Dabei müssen zahlreiche Menschen und teilweise recht originelle Kreaturen sterben. Wichtig ist immer eins: Dass Blut fließt, und zwar kübelweise. Hier wird wirklich gesplattert, was das Zeug hält, wofür schon Sam Raimi (Evil Dead) als einer der Serienschöpfer bürgt. Dabei nimmt sich die Serie aber nie ernst, so dass am Ende eine ziemlich unterhaltsame Mischung entsteht. Leider ist die übergreifende Story nicht besonders tragfähig, so dass die Serie doch ziemlich im epsiodenhaften bleibt. Und auf Dauer ist auch ein wöchentliches Gorefest wie ein tägliches Schnitzel etwas ermüdend. Ich werde aber bei der schon bestätigten 2. Staffel dabei bleiben. Good, bloody fun.

Die Brücke, Staffel 1

Ich habe mir die schwedisch-dänische Originalserie angesehen, nicht das amerikanische Remake mit Diane Kruger, und es hat sich gelohnt. Letztlich ist Die Brücke ein klassischer Krimi: Ermittlerduo sucht Serienmörder. Das ist aber zum einen einfach handwerklich sehr gut gemacht. Und zum anderen ist das Ermitterlduo interessant und originell, hier sind nämlich mal klassische Geschlechterklischees vertauscht. Es ist Martin, der Mann, der einfühlsam und menschlich ist, während Saga, die Frau, Asperger hat, auch wenn das nie explizit gesagt wird, und die deshalb rein auf die Sache fokussiert ist und für die zwischenmenschlichen Seiten der Welt keinerlei Draht hat. Das führt zu ulkigen Situationen und spielt schönerweise in der dramatischen Schlussszene eine entscheidende Rolle für die Handlung, wenn eine Verhaltensweise, die Saga über alle Folgen hinweg mühsam von Martin beigebracht bekommen hat, plötzlich über Leben und Tod entscheidet.

Lost in translation ist verständlicher- aber auch bedauerlicherweise ein Aspekt, der in der Originalsprache bestimmt wichtiger ist: Martin ist Däne, Saga ist Schwedin. Da die erste Leiche auf der Öresundbrücke exakt auf der Landesgrenze gefunden wird, sind Ermittler aus beiden Ländern zuständig. Federführend ist die schwedische Kriminalpolizei, so dass Martin sich oft in Malmö befindet. Die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern und die nuschelige Aussprache von Martin, die wohl für das Dänische typisch ist, aber nicht für Schwedisch, wird öfter thematisiert.

Ich habe mich unterm Strich sehr gut unterhalten und bin gespannt dabei geblieben, nur eine größere Wende der Handlung kurz vor Schluss fand ich etwas gewollt.

P.S.: Ach, und ein sehr toller Song, der unter dem Vorspann liegt, auch wenn ich lange gebraucht habe, um zu merken, dass da Englisch gesungen wird.

American Crime, Season 2 (bislang)

Die zweite Staffel einer meiner Topserien des letzten Jahres, die vielleicht ein bisschen unterging. In Staffel 2 sind viele Darsteller aus Staffel 1 (Felicity Huffman, Timothy Hutton, Regina King, Elvis Nolasco) wieder dabei – aber in völlig anderen Rollen in einer völlig anderen Geschichte. Das wirkt zunächst unwirklich, fast wie eine alternative Wirklichkeit.

Es geht um eine möglicherweise nur behauptete, möglicherweise wirkliche Vergewaltigung – und zwar die eines jungen, männlichen Studenten durch seine Kommilitonen auf einer Party. Jedenfalls wurde der junge Mann auf der Party in völlig intoxiniertem Zustand mit heruntergelassenen Hosen fotografiert und in sozialen Medien bloßgestellt. Seine Mutter treibt die Vergewaltigungsvorwürfe, er selbst würde lieber alles vergessen.  Die Schule versucht mit den Vorwürfen umzugehen und doch einen Skandal zu vermeiden.

Das ist wieder großartig gespielt (herausragend: Lili Taylor als Mutter des Opfers) und bleibt in jeder Situation weit weg von allen Klischees, besser noch: die Klischees, besonders auch rassistische, sind den Figuren sehr bewusst und sie wissen, dass sie sie vermeiden sollten. Das ist großes Fernsehen, das ernste Themen glaubhaft verhandelt.

Trainer!

Sehr gute Dokumentation von Aljoscha Pause über das Geschäft von Fußballtrainern im Profibereich. Man erfährt nicht wahnsinnig viel Neues, aber man bekommt durch die Intensität und zweistündige Dauer des Films einen viel besseren Eindruck von seiner Härte. Pause hat namhafte Vertreter der Branche vor die Kamera gebracht: Es kommentieren Größen wie Jürgen Klopp, Armin Veh oder Mirko Slomka. Ein Jahr lang begleitet hat der Film Frank Schmidt (immer noch Trainer von Heidenheim), Stephan Schmidt (damals Trainer von Paderborn, heute Schalke U16) und André Schubert (damals bei St. Pauli). Zwei der drei Trainer werden während der Dreharbeiten entlassen, Frank Schmidt hat eine Ewigkeitsgarantie von seinem Präsidenten bekommen. Der Film stellt eindringlich dar, wie fordern und auszehrend es ist, jeden Tag in der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen, jeden Spieltag beurteilt zu werden und bei einer Niederlagenserie entlassen werden zu können. Er macht den Wandel des Trainerberufs deutlich, der in den letzten 20 Jahren stattgefunden hat, von Motivatoren hin zu Taktikern. Und er gibt einfach einen sehr guten Einblick in den Alltag des Geschäfts. Das alles ist handwerklich sehr gut gemacht und lohnt unbedingt, gesehen zu werden!

Whiplash

Ich mochte das Trommeln. Ich mochte nicht die völlig eindimensionale Dramaturgie, die vom ersten Moments an ausgelutscht und völlig vorhersehbar ist: junges Talent wird von sadistischem Ausbilder am Ende zu Spitzenleistung und Anerkennung gepeitscht. Man merkt dem Film an, dass er auf einem Kurzfilm beruht. Für 18 Minuten mag die unterkomplexe Story vielleicht noch genügt haben, für 107 Minuten tut sie es definitiv nicht. Enttäuschend.

Und dass sowas letztes Jahr als „Best Motion Picture of the Year“ und vor allem als „Best Writing, Adapted Screenplay“ für Oscars nominiert war, wären zwei weitere Gründe, die Veranstaltung zu boykottieren.

Bücher

James Lee Burke: Regengötter

Das Leben in Texas ist ein langes, ruhiges Töten. Ich bin kein Krimi-Experte, aber dieser hat mir gefallen. Geschildert wird die Jagd von Sheriff Hackberry Holland nach dem Mörder von neun Frauen und Mädchen. Die wurden hinter einer Kirche mit einer Maschinenpistole niedergemäht und mit einem Bulldozer verscharrt. Ob sie auch Zwangsprostiuierte oder „nur“ Drogenkuriere waren, ist für die Handlung nicht wichtig, wie überhaupt die großen Dinge in diesem Krimi recht nebensächlich sind. Es sterben viele Menschen, aber das sind nicht die dramaturgischen Höhepunkte der Geschichte. Wer sterben muss, stirbt. Hauptsächlich geht es um die Konfrontation von Sheriff Holland und Jack „Preacher“ Collins, dem Mörder der neun. Die Hauptfiguren begegnen sich nur zwei Mal im Roman persönlich, aber doch trägt ihre Auseinandersetzung die Geschichte auf den meisten Seiten. Hier wird keine Detektivgeschichte erzählt, sondern der Clash von zwei Biographien und zwei Lebenseinstellungen: Holland ist der Ex-Säufer, Ex-Hurenbock und Ex-Kriegsgefangene, der nun dem Bösen den Garaus machen will. Collins ist der kaltblütige Mörder, der sein Handeln esoterisch verquast, um sich nicht der jugendlichen Entstehensgeschichte seiner kaputten Persönlichkeit stellen zu müssen. Das ist zwar manchmal etwas klischeehaft, aber immer unprätentiös und flüssig geschrieben. Kein direkter Pageturner, aber ein Buch, bei dem man sich keine Seite langweilt und nicht merkt, wie es am Ende über 600 geworden sind (allerdings etwas frech groß gedruckt). Und am Ende hat man das Gefühl, ein bisschen was über das Leben gelernt zu haben.

Joachim Gies: Abgetankt

Ein schöner Fotoband, nach den Regeln der Düsseldorfer Schule hergestellt: Thematisch eng eingegrenzte Motive, jedes in seiner Gesamtheit und formatfüllend im immergleichen Licht aufgenommen. Nur die Perspektive variiert hier von Bild zu Bild. Joachim Gies hat stillgelegte Tankstellen in Ruhrgebiet, Sauerland, Bergischem Land und Rheinland fotografiert. Die Fotos hat er in der Dämmerung gemacht, die Beleuchtung der Ex-Tanken ist eingeschaltet.

Originell, teilweise witzig, interessant, fotografisch gut.

Ein paar Bildbeispiele findet man auf Gies‘ Website, außerdem kann man den Band dort auch bestellen: www.abgetankt.de. Im Buchhandel kann man das Werk leider nicht kaufen, weil es im Selbstverlag erschienen ist.

Christoph Buckstegen und Christoph Biermann: Flutlichter

Guter Bildband mit Fotos der Umgebung von Stadien, in deren Flutlicht getaucht. Die Flutlichter, die Masten und die Stadien selbst werden sorgsam ausgespart und eben gerade nicht gezeigt. Das ist im Ergebnis viel mehr eine Milieu- als eine Sportstudie, sie zeigt die Umgebung von Stadien, die Anmarschwege, die Wohngebiete. Die Fotos sind durch das Kunstlicht und die Schatten fast unwirklich ausgeleuchtet und haben eine sehr spezielle Ästhetik, leicht verwischte Schatten von Ästen liegen auf Häuserwänden. Nur etwas für echte Fans, die aber werden den Band zu schätzen wissen.

Musik

David Bowie : Blackstar

Blackstar ist tatsächlich das schon oft besungene Meisterwerk. Eine der ganz wenigen Platten, deren Harmonien, deren manchmal fast schon garbareksche Saxophonpassagen ich nicht unbedingt liebe, und die sich mir doch ins Hirn schweißen und die ich bewundere. Ganz groß!

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen!

Irgendwas fehlt mir an dieser Platte der Gentlemen. Sie will mir nicht so schnell ins Ohr wie die alten von Superpunk und die ersten beiden der Gentlemen. Vielleicht muss ich ihr noch ein paar Runden auf dem Plattenteller geben. Lieblingsstück und -refrain bisher: „You are great but people are shit“.

Battles: EP C / B EP

Ich bin erst spät auf Battles gestoßen, was ich als großer Tortoise-Fan sehr bereut habe. Umso schöner ist es, diese großartige Postrock-Band jetzt nach und nach entdecken zu können. Die Doppel-CD enthält das Frühwerk von Battles, zwei EPs von 2004. Battles sind hier noch näher an Tortoise als auf den aktuelleren Platten, hier ist alles noch etwas verhallter und verdubbter. Aber schon zeigt sich die Kraft des Schlagzeugspiels, das den Sound von Battles prägt. Etwas für echte Postrock-Freunde.

 

Beim Saturn in Bergisch Gladbach gab es eine 3-für-2-Aktion, bei der ich ein Trio von Billig-CDs eingekauft habe.

Bob Marley: Gold 1967-1972

Der frühe Marley, der auf dem Weg zum Reggae hier teilweise noch nicht mal beim Rocksteady vorbei gekommen war, sondern noch ganz nah am Ska ist. Teilweise ist aber auch schon der „klassische“ Marley zu hören. Schöne Doppel-CD!

Led Zeppelin: BBC Sessions

Macht mir Lust, mal wieder Dread Zeppelin zu hören.

Mark Ronson: Uptown Special

Hatte ich mir viel von versprochen und gedacht, für 5,99 € kann man keinen Fehler machen. Kann man doch. Das ist mir alles viel zu poppig und dabei oft zu flach. Leider ein Fehlkauf.

2 Gedanken zu “Medien im Januar 2016

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