Medien im Februar 2016

Film/DVD/Serie/TV

Inland Empire

Ich weiß nicht, ob ich eine DVD schon mal so früh ausgemacht habe. Ich konnte das Kunstwerk, als das viele Rezensenten den Film beschreiben, nicht erkennen. Für mich war das eine studentische Abschlussarbeit, mit billiger Kamera teilweise unscharf gefilmt und (wenigstens in der deutschen Synchronisierung) mit unterirdischen, völlig übertrieben dramatischen schauspielerischen Leistungen. Wahrscheinlich bin ich ein Ignorant und habe keine Ahnung von Kunst, aber nach 15 Minuten konnte ich die Grütze nicht mehr ertragen und habe lieber ein uninteressantes Fußballspiel geguckt.

Kitchen Impossible

Eine sehr unterhaltsame neue Kochsendung auf Vox mit nur einer Schwäche. Das Konzept: Tim Mälzer tritt in jeder Sendung gegen einen anderen Koch an. Die Kontrahenten stellen sich gegenseitig je zwei Aufgaben: Der andere fährt irgendwohin in der Welt, bekommt ein (evtl. mehrgängiges) Gericht serviert, das er essen darf und anschließend vor Ort nachkochen muss – aber ohne das Rezept, nur aufgrund der eigenen Analyse des Gerichts und seinem Können als Koch. Also muss man erst mal die Zutaten erkennen, dann die Zutaten finden und einkaufen und sie anschließend so zubereiten, dass die Jury möglichst wenige Unterschiede zum Original erkennt. Die Jury besteht jeweils aus Gästen und Freunden des Orginalkochs des Gerichts.

Das ist wirklich ein sehr schönes Format, das mir nur ab und an zu sehr ausbreitet, dass Köche mächtig fluchen können. Das wirkt manchmal überzogen. Die nachzukochenden Gerichte variieren von französischer Sterneküche bis Maultaschen mit Kartoffelsalat, von Indisch bis Finnisch. Ein Quotenerfolg ist das ganze wohl auch, nächstes Jahr gibt es eine neue Staffel, dieses Jahr noch zwei Folgen (sonntags um 20:15 Uhr). Die Folgen sind übrigens jeweils über drei Stunden Sendezeit lang. Da schafft es endlich mal ein Spartensender, seine Zeit sinnvoll zu nutzen und nicht ein gutes Format nach 90 Minuten mit irgendeiner Serienwiederholung abzuwürgen.

Bücher

Leonard Mlodinow: Wenn Gott würfelt

Ein gut lesbares Buch, das Geschichte und Grundgedanken der Statistik vermittelt. Hier bekommt man keine Berechnungsmethoden beigebracht, aber erklärt, wie wenig die menschliche Intuition von Statistik versteht und wie wenig statistische Betrachtungsweisen unser Leben beeinflussen – auch da, wo sie es sollten, beispielsweise wenn es um die Beurteilung der Fähigkeiten von Unternehmenschefs geht, werden einzelne Erfolge oder Misserfolge nicht als das gesehen, was sie oft genug sind, nämlich statistische Ausreißer. Stattdessen werden Menschen, die einen Erfolg hatten, große Fähigkeiten zugeschrieben. Umgekehrt werden Bundesligatrainer zu schnell gefeuert, nur weil eine Misserfolgsserie eben auch dann mal zufällig zustandekommt, wenn man langfristig 50% seiner Spiele gewinnt. Lesenswert, wenn man sich für das Thema interessiert, aber kein Lehrbuch.

Michael Grewe: Hunde brauchen klare Grenzen

Tolles Buch des Mit-Gründers des „Canis-Zentrums für Kynologie“ (Hundelehre). Schreibe ich bald einen eigenen Blogeintrag drüber.

Walker Evans: American Photographs

Ein Bildband mit klassischen Aufnahmen, erstmals 1938 veröffentlicht. Walker Evans war einer der Pioniere der modernen Dokumentarfotografie, manche Aufnahmen nehmen viel von William Eggleston vorweg, natürlich noch in schwarzweiß. Evans dokumentiert scheinbar Unwichtiges und Alltägliches, manche seiner Bilder sehen aus wie nebenbei geknipst. Andere Bilder in diesem Band wurden amerikanische Ikonen, und das sieht man ihnen sofort an: Die Bilder weißer Farmerfamilien sind beeindruckend schlicht, klar und ausdrucksstark. Ein schwer verzichtbarer Band, wenn man sich für Dokumentarfotografie interessiert.

Craig Thompson: Weltraumkrümel

Seit „Blankets“ bin ich Fan von Craig Thompson. Und da der Mann nur alle paar Jahre eine Graphic Novel veröffentlicht, musste ich „Weltraumkrümel“ auf jeden Fall haben, auch wenn es sich um ein Jugendbuch handelt. Erzählt wird die Geschichte von Violet, einem etwa 10-jährigen Mädchen, das in der fernen Zukunft mit seinen Eltern in einem Trailerpark im Weltraum lebt. Der gefährliche Job von Violets Vater ist es, den Dung von riesengroßen Weltraumwalen einzusammeln, der dann zu Energie weiterverarbeitet wird. Die Wale marodieren in kleinen Schulen durchs Universum und fressen alles, was ihnen begegnet – zu Beginn Violets Schule, bei größerem Hunger ab auch schon mal ganze Planeten. Dann wird der Vater von einem Wal gefressen, lebt in dessen Bauch aber weiter. Violet macht sich mit zwei neu gewonnenen Freunden, einem kleinen, sprechenden Hühnchen und einem orangen Wesen mit dünnen Armen und Beinchen, auf ihren Vater zu retten.

Die Geschichte dieser Rettung ist toll erzählt, großartig gezeichnet, wenn auch etwas kindgerechter und nicht mehr so expressiv wie in „Habibi“, aber dennoch modern, und vor allem auch sehr schön coloriert. Es ist wirklich erstaunlich, wie auffällig diese Colorierung ist, aber nach der Lektüre wundert einen nicht mehr, dass Dave Stewart für diese Leistung explizit erwähnt wird.

Ein Jugendbuch, an dem auch Erwachsene ihren Spaß haben können: Vor allem das oberschlaue und philiosophisch gebildete Hühnchen Elliot hat die ein oder andere Anspielung parat, die Kindern durchgehen dürfte.

Musik

Tortoise: The Catastrophist

Für mich in den Top 3 der Tortoise-Alben: Millions Now Living Will Never Die, TNT und jetzt eben The Catastrophist. „Millions“ war der große Durchbruch, mit „TNT“ machten Tortoise den Schritt vom teilweise sehr Elegischen mehr hin zum Rhytmischen. Und jetzt mit „The Catastrophist“ öffnen sich Tortoise nach über 20 Jahren Bandgeschichte noch einmal neuen Einflüssen, nehmen Gesang ins Repertoire auf und schreiben mit „Tesseract“ und „At Odds With Logic“ zwei für ihre Verhältnisse fast schon romatische Stücke. Weiterhin eine meiner Lieblingsbands!

Jochen Distelmeyer: Songs From The Bottom Vol. 1

Ich mag die Platte sehr. Vielleicht ist sie mehr eine Fingerübung, eben alles Coverversionen, und weiterhin würde ich mir sehr wünschen, dass Distelmeyer endlich das nächste „richtige“ Soloalbum seit 2009 veröffentlicht. Aber bis dahin hilft mir diese Platte doch, den Trennungsschmerz zu überbrücken. Distelmeyer ist einfach ein großartiger Sänger. Es ist erstaunlich, wie viel Blues er in der Stimme hat, obwohl er scheinbar so schlicht singt. Aber es gelingt ihm immer wieder, so haarscharf neben dem richtigen Ton zu liegen, dass es 100% richtig und eben doch bluesig klingt.

Einige Songs kannte ich nicht, die Distelmeyer recht nah am Original lässt und deren Originalinterpreten ich mir mal zu Gemüte führen könnte: I Read A Lot von Nick Lowe oder On The Avenue von Roddy Frame. Am auffälligsten sind natürlich die vollständig uminterpretierten Toxic, dem Distelmeyer eine ungeahnte Würde einhaucht, und I Could Be The One, das er ätherisch verhallen lässt.

Schöne Platte!

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