Medien im März 2016

Film/DVD/Serie

American Crime, Season 2

Ganz, ganz großartiges Fernsehen, das etwas hat, das vielen anderen Serien fehlt: Relevanz. Gesellschaftliche Relevanz. Zeitgeschichtliche Relevanz. Menschliche Relevanz. Ich kann American Crime wirklich nicht hoch genug loben!

Die zugrunde liegende Handlung hatte ich im Januar schon angerissen: Ein männlicher Teenager wird angeblich von seinen Mitschülern einer elitären Privatschule vergewaltigt. Die Serie verhandelt die sich darum rankenden gesellschaftlichen Themen: Von der Akzeptanz von Homosexualität über die Frage, ob es Vergewaltigungen an Männern überhaupt geben kann bis hin zu Rassismus, der schon die erste Staffel prägte, und zu Gewalt an Schulen, auch Waffengewalt.

Ihren größten Moment hat die Serie, als einer spätere Folge mit echten Interviews mit Lehrern aus Columbine beginnt, oder mit einer Mutter, deren Sohn sich umbrachte, weil er wegen seiner Homosexualität an der Schule gemobbt wurde. Auf ihren Vorschlag, dass er die Schule wechseln könne, antwortete er ihr: „Es ist nirgendwo okay, schwul zu sein.“ Dieser plötzliche Einbruch der echten Welt in die Fiktion ist nicht so weit her geholt, wie er das in manch anderer Serie wäre. Er liegt eigentlich sogar sehr nahe.

Und er macht noch einmal deutlich, wie herausragend die Schauspieler in American Crime sind. Denn man kann sich erst nach den Einblendungen halbwegs sicher sein, dass es sich hier um echte Menschen in echten Interviews handelt. An der Darstellung merkt man es nicht. Man möchte fast keinen der Schauspieler für seine Leistung hervorheben, lediglich Lili Taylor als Mutter, Connor Jessup als vergewaltigter Teenager und Joey Pollari als Kapitän des Basketballteams und einer der Verdächtigen haben sich ein sechstes Sternchen verdient, alle anderen Darsteller kommen eh locker auf fünf.

Angeblich ist es fraglich, ob es eine dritte Staffel von American Crime geben wird. Also könnte die Serie das Schicksal von „Boss“ teilen und nach der zweiten, großartigen, inhaltlich deprimierenden Staffel abgesetzt werden. Ich hoffe aber noch.

Baskets, Season 1

Ich wollte Baskets wirklich so gerne mögen. Aber ich finde die Folgen einfach langweilig, ihnen fehlt Handlung, ihnen fehlt auch dramaturgische Struktur, mal ein Höhepunkt, mal eine ruhige Phase. Die echten Lacher sind zu selten, um die Serie zu tragen, die Handlung eben auch. Am Ende bleibt mir da nicht genug.

Borgen, Staffel 2

Habe ich am langen Osterwochenende weggeguckt. Borgen ist tatsächlich das dänische West Wing, auch von der Machart her: topmodern ist das nämlich nicht, auch wenn die zweite Staffel Borgen von 2011 ist. Die Folgen bleiben sehr im Episodischen. Folgenübergreifende Handlungen gibt es zwar auch, aber sie betreffen nicht das Kernthema der Serie, sondern eigentlich ausschließlich das Privatleben der Figuren: Beziehungen, Liebesgeschichten, Familiäres. Das war bei Liebling Kreuzberg vor 30 Jahren auch nicht anders.

Die Stories, die in den Episoden erzählt werden, sind allerdings so packend, die einzelnen Folgen so mitreißend erzählt, dass man Borgen diesen Makel problemlos verzeiht. Obwohl es keine Cliffhanger gibt, nicht mal am Ende des ersten Teils der einzigen Doppelfolge, wollte ich die nächste Folge immer sofort sehen, einfach weil sie wieder vergleichbar gute Unterhaltung versprach.

Ich freue mich auf Staffel 3, auch wenn es schon die letzte ist, die von Borgen gedreht wurde.

Prisoners

Der Film war 2013 völlig an mir vorbei gegangen, ich hatte noch nie von ihm gehört, bevor er an Ostern im Fernsehen lief. Die Story gefiel mir gut, bis auf das Ende.

Es wäre grundsätzlich eine klassische, etwas ausgelutschte Selbstjustizgeschichte, vermischt mit einem Spritzerchen Gruselthriller – wenn hier nicht der eine Vater der vermissten Kinder, gespielt von Hugh Jackman, der das Recht in die eigene Hand nehmen möchte, so ein ausgemachter Unsympath wäre. Vielleicht auch durch seine verzweifelte Lage dazu gemacht wird. Und wenn das Objekt seiner vermeintlichen Gerechtigkeit nicht möglicherweise unschuldig, jedenfalls aber selbst hilfsbedürftig wäre. So ist man hin und her gerissen zwischen Mitgefühl mit einem Vater, der seine entführte Tochter finden möchte, und einem Grenzsadisten, der in seiner Verzweiflungn zu weit geht.

Bis 15 Minuten vor dem Ende ist das toll gemacht, mit großer Spannung. Doch dann kommt eben dieses Ende, und es ergibt sich eine Auflösung, die leider schon in zu vielen Derrick-Episoden verwendet wurde. Und die letzten 60 Sekunden sind dann noch mal unglaubwürdiger. Das Ende kann den guten Film nicht ganz verhunzen, lässt einen aber erst mal enttäuscht zurück. Wenn man vorgewarnt ist, lohnen sich die guten, satten 2 1/4 Stunden davor trotzdem.

Bücher

Jean-Philippe Toussaint: Fußball

Ein dünnes Bändchen, auch noch groß gedruckt, in dem der belgische Autor, der hierzulande nicht so berühmt ist wie in seiner Heimat, von seine Hinwendung zum Fußball und von seiner Liebe zum Spiel als Fan berichtet. Aufgehängt ist das Buch an den letzten Fußball-Weltmeisterschaften, anhand derer Toussaint seine Erlebnisse beschreibt, die er teilweise vor Ort, teilweise zuhause vor der Glotze erfährt.

Da gibt es schöne Passagen, beispielweise seine Erlebnisse in Japan. Da gibt es eine herausragende Passage, die auch in allen Rezensionen hervorgehoben wird, wie er eine WM in seinem Haus auf Korsika eigentlich ignorieren möchte, um an einem Buch zu arbeiten, dann aber doch die Nerven verliert, sich ein Online-Abo besorgt, nachts auf dem Laptop Fußball guckt, bis bei einem Unwetter erst das Internet, dann komplett der Strom ausfällt und er am Ende mit einem batteriebetriebenen Transistorradio da sitzt. Das ist eine sehr, sehr schöne Schilderung echten Fanseins, in der ich mich auch schriftstellerisch hohem Niveau voll wiedergefunden habe. Alleine für dieses Kapitel lohnt sich das Buch schon.

Ltoussainteider gibt es aber auch Stellen, die trotz des ohnehin geringen Umfangs des Buchs, gestreckt wirken: Passagen über eine nicht besuchte WM, die nichts mit Fußball zu tun haben.

Als echter Fußballfan lohnt sich „Fußball“, man muss aber für die paar Seiten die verlangten 17,90 € auch wirklich ausgeben wollen und darf nicht auf Masse, dafür auf punktuell große Klasse hoffen.

Sehr schönes Cover übrigens!

Marc-Antoine Mathieu: 3 Sekunden

Eine Graphic Novel, die sich nur schwer erklären lässt. Man folgt als Leser quasi dem Weg eines Lichtstrahls. Jedes Bild ist so ein bisschen weiter in die beobachtete Szenerie reingezoomt. Einen besonderen Dreh bekommt das ganze dadurch, dass jeder Zoom irgendwann auf einer spiegelnden Oberfläche landet und dann weiter in die Reflexion eintaucht, dann in die Reflexion in der Reflexion und so weiter. So kommt der Lichtstrahl aus jeweils verschiedenen Blickwinkeln an mehreren Szenen vorbei, die durch die hohe Geschwindigkeit des Lichtstrahls Standbilder sind, und sich erst dann ein ganz kleines bisschen weiter bewegt haben, wenn sie der Lichtstrahl evtl. nach zehntausenden von Kilometern noch einmal passiert. Wie gesagt: schwer zu erklären.

Einen erzählerischen Dreh bekommt das Buch dadurch, dass alle Szenen zusammen die Geschichte eines Verbrechens erzählen, das sich erst nach und nach enthüllt, dessen Zusammenhänge und Hintergünde erst im Verlauf des Buchs klar werden.

Vielleicht ist das alles auch etwas überkonstruiert, aber es ist mit viel Liebe und zeichnerischem Können gemacht. Ein Buch, das man mehrmals lesen muss, um es voll zu verstehen.

(Danke für’s Ausleihen, Dirk!)

Randall Munroe: Der Dinge-Erklärer

Meinen Lesern muss ich zu diesem Buch wahrscheinlich nicht viel erzählen: Randall Munroe erklärt komplizierte Dinge ausschließlich mit den 1.000 meistbenutzten Wörtern der englischen Sprache. In der deutschen Ausgabe gibt es eine lesenwerte Erläuterung der Übersetzer. Nimmt man die 1.000 häufigsten deutschen Wörter? Ist es dann noch eine Übersetzung, wenn doch ein Wort wie „power“ mal als Energie, dann als Strom, dann als Macht übersetzt werden muss,  die aber nicht unbedingt alle unter den 1.000 gebräuchlichsten deutsche Wörtern sind?

Auch sehr witzig ist, dass „nine“ als einzige Zahl zwischen ein und zehn nicht zu den 1.000 häufigsten englischen Wörtern gehört. „Neun“ wäre im Deutschen erlaubt gewesen, die Übersetzer haben sich aber entschieden, darauf zu verzichten, um Munroes Umschreibungen als Running Gag zu retten. Ich habe mich gefragt, ob evtl. das Benfordsche Gesetz für diese Seltsamkeit verantwortlich ist?

Am Ende gibt es im Dinge-Erklärer Gegenstände, bei denen das Konzept nicht unbedingt trägt, die durch die Beschränkung eher schwerer zu verstehen sind. Andere Dinge gewinnen großen Witz, bspw. die Beschreibung eines Baums mit darin wohnendem „Baum-Springer“.

Aber natürlich lohnt sich ein Munroe-Buch am Ende immer!

Musik

Brian Fallon: Painkillers

Solo-CD des Frontmanns von The Gaslight Anthem. Leider offenbart die Platte, dass es Fallon ist, der dafür verantwortlich ist, dass The Gaslight Anthem über die Jahre immer seichter wurden. Painkillers ist Mainstream-Radio-Mucke. Gut zum Autofahren, aber auch nicht zu mehr.

Moodymann: DJ-Kicks

Neue DJ-Kicks kaufe ich ja blind, so auch diese, und ich bin wieder nicht enttäuscht worden. Moodymann ist ein House-DJ, der hier entspannte Mucke verschiedener Stilrichtungen zusammenmischt: viel Soul, ein bisschen Hip-Hop, ein bisschen House, Trip-Hop und Genreübergreifendes. Niveauvoll und entspannt.

AnnenMayKanterei: Alles Nix Konkretes

Ich wurde stutzig, als ich die CD in den Computer legte, um sie zu rippen, und mir die CDDB als Genre anzeigte: „Blues“. Das könnte natürlich ein Scherz gewesen sein, aber ich befürchte, dass das Zielpublikum von AnnenMayKantereit das ernst meint. Für BWL-Erstsemester ist das Blues. Und für Menschen, deren größtes Problem im Leben es ist, im neuen WG-Zimmer die Umzugskisten noch nicht ausgepackt zu haben, auch.

Ich bin auf AnnenMayKantereit hereingefallen. In ihren YouTube-Videos ist unglaublich beeindruckend, wie diese Stimme aus diesem schmalen Jünglein herauskommt. Singen kann der. Aber komponieren nicht, und seine Kollegen leider auch nicht. Das bleibt völlig beliebig, belanglos, unoriginell. Drei, vier gute Textzeilen auf der kompletten CD reißen es auch nicht raus.

Schon wieder verkauft. Don’t believe the hype.

Medien im Februar 2016

Film/DVD/Serie/TV

Inland Empire

Ich weiß nicht, ob ich eine DVD schon mal so früh ausgemacht habe. Ich konnte das Kunstwerk, als das viele Rezensenten den Film beschreiben, nicht erkennen. Für mich war das eine studentische Abschlussarbeit, mit billiger Kamera teilweise unscharf gefilmt und (wenigstens in der deutschen Synchronisierung) mit unterirdischen, völlig übertrieben dramatischen schauspielerischen Leistungen. Wahrscheinlich bin ich ein Ignorant und habe keine Ahnung von Kunst, aber nach 15 Minuten konnte ich die Grütze nicht mehr ertragen und habe lieber ein uninteressantes Fußballspiel geguckt.

Kitchen Impossible

Eine sehr unterhaltsame neue Kochsendung auf Vox mit nur einer Schwäche. Das Konzept: Tim Mälzer tritt in jeder Sendung gegen einen anderen Koch an. Die Kontrahenten stellen sich gegenseitig je zwei Aufgaben: Der andere fährt irgendwohin in der Welt, bekommt ein (evtl. mehrgängiges) Gericht serviert, das er essen darf und anschließend vor Ort nachkochen muss – aber ohne das Rezept, nur aufgrund der eigenen Analyse des Gerichts und seinem Können als Koch. Also muss man erst mal die Zutaten erkennen, dann die Zutaten finden und einkaufen und sie anschließend so zubereiten, dass die Jury möglichst wenige Unterschiede zum Original erkennt. Die Jury besteht jeweils aus Gästen und Freunden des Orginalkochs des Gerichts.

Das ist wirklich ein sehr schönes Format, das mir nur ab und an zu sehr ausbreitet, dass Köche mächtig fluchen können. Das wirkt manchmal überzogen. Die nachzukochenden Gerichte variieren von französischer Sterneküche bis Maultaschen mit Kartoffelsalat, von Indisch bis Finnisch. Ein Quotenerfolg ist das ganze wohl auch, nächstes Jahr gibt es eine neue Staffel, dieses Jahr noch zwei Folgen (sonntags um 20:15 Uhr). Die Folgen sind übrigens jeweils über drei Stunden Sendezeit lang. Da schafft es endlich mal ein Spartensender, seine Zeit sinnvoll zu nutzen und nicht ein gutes Format nach 90 Minuten mit irgendeiner Serienwiederholung abzuwürgen.

Bücher

Leonard Mlodinow: Wenn Gott würfelt

Ein gut lesbares Buch, das Geschichte und Grundgedanken der Statistik vermittelt. Hier bekommt man keine Berechnungsmethoden beigebracht, aber erklärt, wie wenig die menschliche Intuition von Statistik versteht und wie wenig statistische Betrachtungsweisen unser Leben beeinflussen – auch da, wo sie es sollten, beispielsweise wenn es um die Beurteilung der Fähigkeiten von Unternehmenschefs geht, werden einzelne Erfolge oder Misserfolge nicht als das gesehen, was sie oft genug sind, nämlich statistische Ausreißer. Stattdessen werden Menschen, die einen Erfolg hatten, große Fähigkeiten zugeschrieben. Umgekehrt werden Bundesligatrainer zu schnell gefeuert, nur weil eine Misserfolgsserie eben auch dann mal zufällig zustandekommt, wenn man langfristig 50% seiner Spiele gewinnt. Lesenswert, wenn man sich für das Thema interessiert, aber kein Lehrbuch.

Michael Grewe: Hunde brauchen klare Grenzen

Tolles Buch des Mit-Gründers des „Canis-Zentrums für Kynologie“ (Hundelehre). Schreibe ich bald einen eigenen Blogeintrag drüber.

Walker Evans: American Photographs

Ein Bildband mit klassischen Aufnahmen, erstmals 1938 veröffentlicht. Walker Evans war einer der Pioniere der modernen Dokumentarfotografie, manche Aufnahmen nehmen viel von William Eggleston vorweg, natürlich noch in schwarzweiß. Evans dokumentiert scheinbar Unwichtiges und Alltägliches, manche seiner Bilder sehen aus wie nebenbei geknipst. Andere Bilder in diesem Band wurden amerikanische Ikonen, und das sieht man ihnen sofort an: Die Bilder weißer Farmerfamilien sind beeindruckend schlicht, klar und ausdrucksstark. Ein schwer verzichtbarer Band, wenn man sich für Dokumentarfotografie interessiert.

Craig Thompson: Weltraumkrümel

Seit „Blankets“ bin ich Fan von Craig Thompson. Und da der Mann nur alle paar Jahre eine Graphic Novel veröffentlicht, musste ich „Weltraumkrümel“ auf jeden Fall haben, auch wenn es sich um ein Jugendbuch handelt. Erzählt wird die Geschichte von Violet, einem etwa 10-jährigen Mädchen, das in der fernen Zukunft mit seinen Eltern in einem Trailerpark im Weltraum lebt. Der gefährliche Job von Violets Vater ist es, den Dung von riesengroßen Weltraumwalen einzusammeln, der dann zu Energie weiterverarbeitet wird. Die Wale marodieren in kleinen Schulen durchs Universum und fressen alles, was ihnen begegnet – zu Beginn Violets Schule, bei größerem Hunger ab auch schon mal ganze Planeten. Dann wird der Vater von einem Wal gefressen, lebt in dessen Bauch aber weiter. Violet macht sich mit zwei neu gewonnenen Freunden, einem kleinen, sprechenden Hühnchen und einem orangen Wesen mit dünnen Armen und Beinchen, auf ihren Vater zu retten.

Die Geschichte dieser Rettung ist toll erzählt, großartig gezeichnet, wenn auch etwas kindgerechter und nicht mehr so expressiv wie in „Habibi“, aber dennoch modern, und vor allem auch sehr schön coloriert. Es ist wirklich erstaunlich, wie auffällig diese Colorierung ist, aber nach der Lektüre wundert einen nicht mehr, dass Dave Stewart für diese Leistung explizit erwähnt wird.

Ein Jugendbuch, an dem auch Erwachsene ihren Spaß haben können: Vor allem das oberschlaue und philiosophisch gebildete Hühnchen Elliot hat die ein oder andere Anspielung parat, die Kindern durchgehen dürfte.

Musik

Tortoise: The Catastrophist

Für mich in den Top 3 der Tortoise-Alben: Millions Now Living Will Never Die, TNT und jetzt eben The Catastrophist. „Millions“ war der große Durchbruch, mit „TNT“ machten Tortoise den Schritt vom teilweise sehr Elegischen mehr hin zum Rhytmischen. Und jetzt mit „The Catastrophist“ öffnen sich Tortoise nach über 20 Jahren Bandgeschichte noch einmal neuen Einflüssen, nehmen Gesang ins Repertoire auf und schreiben mit „Tesseract“ und „At Odds With Logic“ zwei für ihre Verhältnisse fast schon romatische Stücke. Weiterhin eine meiner Lieblingsbands!

Jochen Distelmeyer: Songs From The Bottom Vol. 1

Ich mag die Platte sehr. Vielleicht ist sie mehr eine Fingerübung, eben alles Coverversionen, und weiterhin würde ich mir sehr wünschen, dass Distelmeyer endlich das nächste „richtige“ Soloalbum seit 2009 veröffentlicht. Aber bis dahin hilft mir diese Platte doch, den Trennungsschmerz zu überbrücken. Distelmeyer ist einfach ein großartiger Sänger. Es ist erstaunlich, wie viel Blues er in der Stimme hat, obwohl er scheinbar so schlicht singt. Aber es gelingt ihm immer wieder, so haarscharf neben dem richtigen Ton zu liegen, dass es 100% richtig und eben doch bluesig klingt.

Einige Songs kannte ich nicht, die Distelmeyer recht nah am Original lässt und deren Originalinterpreten ich mir mal zu Gemüte führen könnte: I Read A Lot von Nick Lowe oder On The Avenue von Roddy Frame. Am auffälligsten sind natürlich die vollständig uminterpretierten Toxic, dem Distelmeyer eine ungeahnte Würde einhaucht, und I Could Be The One, das er ätherisch verhallen lässt.

Schöne Platte!

Medien im Januar 2016

Film/DVD

You’re the worst, Season 1

Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen, haben einen One-Night-Stand, zu dessen Beginn beide betonen, dass es eben nur genau das bleiben soll: Schneller, unverbindlicher Spaß, keinesfalls eine Beziehung. Natürlich verlieben sie sich dann nolens volens ineinander. Die Serie fing schön pubertär an, will dann aber die Kurve zur romantischen Komödie kriegen, verliert dabei die Spur und ihre bis dahin klar erkennbare Tonlage. Irgendwann ist es dann eine ganz normale Comedy-Serie, und gegen Ende wurde es sogar recht klischeehaft (Treffen der ein Leben lang belogenen Eltern mit einem Ausbruch von Ehrlichkeit, dass man den anderen ja gerade so liebt, wie er ist, unvollkommen nämlich). War eine Staffel lang unterhaltsam, ich sehe aber keinen Grund für eine Fortsetzung. (Staffel 2 lief Ende 2015, Staffel 3 ist vom Sender gebucht.)

Ash vs. Evil Dead, Season 1

Eine ungewöhnliche Splatter-Comedy-Serie: Ash Williams ist ein alternder Geisterjäger, der im Kampf gegen das Böse bereits eine Hand verloren hat, die er wahlweise mit einer normalen Prothese oder mit einer Kettensäge ersetzt. Als es zu einem erneuten Ausbruch von Gestalten aus der Unterwelt kommt, macht Ash sich mit den Geisterjäger-Newbies Pablo und Kelly daran, die Pforten der Hölle wieder zu schließen. Dabei müssen zahlreiche Menschen und teilweise recht originelle Kreaturen sterben. Wichtig ist immer eins: Dass Blut fließt, und zwar kübelweise. Hier wird wirklich gesplattert, was das Zeug hält, wofür schon Sam Raimi (Evil Dead) als einer der Serienschöpfer bürgt. Dabei nimmt sich die Serie aber nie ernst, so dass am Ende eine ziemlich unterhaltsame Mischung entsteht. Leider ist die übergreifende Story nicht besonders tragfähig, so dass die Serie doch ziemlich im epsiodenhaften bleibt. Und auf Dauer ist auch ein wöchentliches Gorefest wie ein tägliches Schnitzel etwas ermüdend. Ich werde aber bei der schon bestätigten 2. Staffel dabei bleiben. Good, bloody fun.

Die Brücke, Staffel 1

Ich habe mir die schwedisch-dänische Originalserie angesehen, nicht das amerikanische Remake mit Diane Kruger, und es hat sich gelohnt. Letztlich ist Die Brücke ein klassischer Krimi: Ermittlerduo sucht Serienmörder. Das ist aber zum einen einfach handwerklich sehr gut gemacht. Und zum anderen ist das Ermitterlduo interessant und originell, hier sind nämlich mal klassische Geschlechterklischees vertauscht. Es ist Martin, der Mann, der einfühlsam und menschlich ist, während Saga, die Frau, Asperger hat, auch wenn das nie explizit gesagt wird, und die deshalb rein auf die Sache fokussiert ist und für die zwischenmenschlichen Seiten der Welt keinerlei Draht hat. Das führt zu ulkigen Situationen und spielt schönerweise in der dramatischen Schlussszene eine entscheidende Rolle für die Handlung, wenn eine Verhaltensweise, die Saga über alle Folgen hinweg mühsam von Martin beigebracht bekommen hat, plötzlich über Leben und Tod entscheidet.

Lost in translation ist verständlicher- aber auch bedauerlicherweise ein Aspekt, der in der Originalsprache bestimmt wichtiger ist: Martin ist Däne, Saga ist Schwedin. Da die erste Leiche auf der Öresundbrücke exakt auf der Landesgrenze gefunden wird, sind Ermittler aus beiden Ländern zuständig. Federführend ist die schwedische Kriminalpolizei, so dass Martin sich oft in Malmö befindet. Die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern und die nuschelige Aussprache von Martin, die wohl für das Dänische typisch ist, aber nicht für Schwedisch, wird öfter thematisiert.

Ich habe mich unterm Strich sehr gut unterhalten und bin gespannt dabei geblieben, nur eine größere Wende der Handlung kurz vor Schluss fand ich etwas gewollt.

P.S.: Ach, und ein sehr toller Song, der unter dem Vorspann liegt, auch wenn ich lange gebraucht habe, um zu merken, dass da Englisch gesungen wird.

American Crime, Season 2 (bislang)

Die zweite Staffel einer meiner Topserien des letzten Jahres, die vielleicht ein bisschen unterging. In Staffel 2 sind viele Darsteller aus Staffel 1 (Felicity Huffman, Timothy Hutton, Regina King, Elvis Nolasco) wieder dabei – aber in völlig anderen Rollen in einer völlig anderen Geschichte. Das wirkt zunächst unwirklich, fast wie eine alternative Wirklichkeit.

Es geht um eine möglicherweise nur behauptete, möglicherweise wirkliche Vergewaltigung – und zwar die eines jungen, männlichen Studenten durch seine Kommilitonen auf einer Party. Jedenfalls wurde der junge Mann auf der Party in völlig intoxiniertem Zustand mit heruntergelassenen Hosen fotografiert und in sozialen Medien bloßgestellt. Seine Mutter treibt die Vergewaltigungsvorwürfe, er selbst würde lieber alles vergessen.  Die Schule versucht mit den Vorwürfen umzugehen und doch einen Skandal zu vermeiden.

Das ist wieder großartig gespielt (herausragend: Lili Taylor als Mutter des Opfers) und bleibt in jeder Situation weit weg von allen Klischees, besser noch: die Klischees, besonders auch rassistische, sind den Figuren sehr bewusst und sie wissen, dass sie sie vermeiden sollten. Das ist großes Fernsehen, das ernste Themen glaubhaft verhandelt.

Trainer!

Sehr gute Dokumentation von Aljoscha Pause über das Geschäft von Fußballtrainern im Profibereich. Man erfährt nicht wahnsinnig viel Neues, aber man bekommt durch die Intensität und zweistündige Dauer des Films einen viel besseren Eindruck von seiner Härte. Pause hat namhafte Vertreter der Branche vor die Kamera gebracht: Es kommentieren Größen wie Jürgen Klopp, Armin Veh oder Mirko Slomka. Ein Jahr lang begleitet hat der Film Frank Schmidt (immer noch Trainer von Heidenheim), Stephan Schmidt (damals Trainer von Paderborn, heute Schalke U16) und André Schubert (damals bei St. Pauli). Zwei der drei Trainer werden während der Dreharbeiten entlassen, Frank Schmidt hat eine Ewigkeitsgarantie von seinem Präsidenten bekommen. Der Film stellt eindringlich dar, wie fordern und auszehrend es ist, jeden Tag in der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen, jeden Spieltag beurteilt zu werden und bei einer Niederlagenserie entlassen werden zu können. Er macht den Wandel des Trainerberufs deutlich, der in den letzten 20 Jahren stattgefunden hat, von Motivatoren hin zu Taktikern. Und er gibt einfach einen sehr guten Einblick in den Alltag des Geschäfts. Das alles ist handwerklich sehr gut gemacht und lohnt unbedingt, gesehen zu werden!

Whiplash

Ich mochte das Trommeln. Ich mochte nicht die völlig eindimensionale Dramaturgie, die vom ersten Moments an ausgelutscht und völlig vorhersehbar ist: junges Talent wird von sadistischem Ausbilder am Ende zu Spitzenleistung und Anerkennung gepeitscht. Man merkt dem Film an, dass er auf einem Kurzfilm beruht. Für 18 Minuten mag die unterkomplexe Story vielleicht noch genügt haben, für 107 Minuten tut sie es definitiv nicht. Enttäuschend.

Und dass sowas letztes Jahr als „Best Motion Picture of the Year“ und vor allem als „Best Writing, Adapted Screenplay“ für Oscars nominiert war, wären zwei weitere Gründe, die Veranstaltung zu boykottieren.

Bücher

James Lee Burke: Regengötter

Das Leben in Texas ist ein langes, ruhiges Töten. Ich bin kein Krimi-Experte, aber dieser hat mir gefallen. Geschildert wird die Jagd von Sheriff Hackberry Holland nach dem Mörder von neun Frauen und Mädchen. Die wurden hinter einer Kirche mit einer Maschinenpistole niedergemäht und mit einem Bulldozer verscharrt. Ob sie auch Zwangsprostiuierte oder „nur“ Drogenkuriere waren, ist für die Handlung nicht wichtig, wie überhaupt die großen Dinge in diesem Krimi recht nebensächlich sind. Es sterben viele Menschen, aber das sind nicht die dramaturgischen Höhepunkte der Geschichte. Wer sterben muss, stirbt. Hauptsächlich geht es um die Konfrontation von Sheriff Holland und Jack „Preacher“ Collins, dem Mörder der neun. Die Hauptfiguren begegnen sich nur zwei Mal im Roman persönlich, aber doch trägt ihre Auseinandersetzung die Geschichte auf den meisten Seiten. Hier wird keine Detektivgeschichte erzählt, sondern der Clash von zwei Biographien und zwei Lebenseinstellungen: Holland ist der Ex-Säufer, Ex-Hurenbock und Ex-Kriegsgefangene, der nun dem Bösen den Garaus machen will. Collins ist der kaltblütige Mörder, der sein Handeln esoterisch verquast, um sich nicht der jugendlichen Entstehensgeschichte seiner kaputten Persönlichkeit stellen zu müssen. Das ist zwar manchmal etwas klischeehaft, aber immer unprätentiös und flüssig geschrieben. Kein direkter Pageturner, aber ein Buch, bei dem man sich keine Seite langweilt und nicht merkt, wie es am Ende über 600 geworden sind (allerdings etwas frech groß gedruckt). Und am Ende hat man das Gefühl, ein bisschen was über das Leben gelernt zu haben.

Joachim Gies: Abgetankt

Ein schöner Fotoband, nach den Regeln der Düsseldorfer Schule hergestellt: Thematisch eng eingegrenzte Motive, jedes in seiner Gesamtheit und formatfüllend im immergleichen Licht aufgenommen. Nur die Perspektive variiert hier von Bild zu Bild. Joachim Gies hat stillgelegte Tankstellen in Ruhrgebiet, Sauerland, Bergischem Land und Rheinland fotografiert. Die Fotos hat er in der Dämmerung gemacht, die Beleuchtung der Ex-Tanken ist eingeschaltet.

Originell, teilweise witzig, interessant, fotografisch gut.

Ein paar Bildbeispiele findet man auf Gies‘ Website, außerdem kann man den Band dort auch bestellen: www.abgetankt.de. Im Buchhandel kann man das Werk leider nicht kaufen, weil es im Selbstverlag erschienen ist.

Christoph Buckstegen und Christoph Biermann: Flutlichter

Guter Bildband mit Fotos der Umgebung von Stadien, in deren Flutlicht getaucht. Die Flutlichter, die Masten und die Stadien selbst werden sorgsam ausgespart und eben gerade nicht gezeigt. Das ist im Ergebnis viel mehr eine Milieu- als eine Sportstudie, sie zeigt die Umgebung von Stadien, die Anmarschwege, die Wohngebiete. Die Fotos sind durch das Kunstlicht und die Schatten fast unwirklich ausgeleuchtet und haben eine sehr spezielle Ästhetik, leicht verwischte Schatten von Ästen liegen auf Häuserwänden. Nur etwas für echte Fans, die aber werden den Band zu schätzen wissen.

Musik

David Bowie : Blackstar

Blackstar ist tatsächlich das schon oft besungene Meisterwerk. Eine der ganz wenigen Platten, deren Harmonien, deren manchmal fast schon garbareksche Saxophonpassagen ich nicht unbedingt liebe, und die sich mir doch ins Hirn schweißen und die ich bewundere. Ganz groß!

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen!

Irgendwas fehlt mir an dieser Platte der Gentlemen. Sie will mir nicht so schnell ins Ohr wie die alten von Superpunk und die ersten beiden der Gentlemen. Vielleicht muss ich ihr noch ein paar Runden auf dem Plattenteller geben. Lieblingsstück und -refrain bisher: „You are great but people are shit“.

Battles: EP C / B EP

Ich bin erst spät auf Battles gestoßen, was ich als großer Tortoise-Fan sehr bereut habe. Umso schöner ist es, diese großartige Postrock-Band jetzt nach und nach entdecken zu können. Die Doppel-CD enthält das Frühwerk von Battles, zwei EPs von 2004. Battles sind hier noch näher an Tortoise als auf den aktuelleren Platten, hier ist alles noch etwas verhallter und verdubbter. Aber schon zeigt sich die Kraft des Schlagzeugspiels, das den Sound von Battles prägt. Etwas für echte Postrock-Freunde.

 

Beim Saturn in Bergisch Gladbach gab es eine 3-für-2-Aktion, bei der ich ein Trio von Billig-CDs eingekauft habe.

Bob Marley: Gold 1967-1972

Der frühe Marley, der auf dem Weg zum Reggae hier teilweise noch nicht mal beim Rocksteady vorbei gekommen war, sondern noch ganz nah am Ska ist. Teilweise ist aber auch schon der „klassische“ Marley zu hören. Schöne Doppel-CD!

Led Zeppelin: BBC Sessions

Macht mir Lust, mal wieder Dread Zeppelin zu hören.

Mark Ronson: Uptown Special

Hatte ich mir viel von versprochen und gedacht, für 5,99 € kann man keinen Fehler machen. Kann man doch. Das ist mir alles viel zu poppig und dabei oft zu flach. Leider ein Fehlkauf.

Medien im Dezember 2015

Diese Medien habe ich im Dezember 2015 konsumiert:

Musik

Franz Ferdinand: Late Night Tales

Ich mag Franz Ferdinand ja immer noch, auch und gerade ihre letzte Platte wieder. Und die „Late Night Tales“-Reihe mag ich auch, nachdem ich sie irgendwann vor zwei, drei Jahren als Ersatz für die immer mehr Richtung Techno driftenden DJ-KICKS entdeckt hatte. Konnte also nicht viel schief gehen, ist auch nicht. Die totale Erleuchtung bleibt aus, aber man versteht nach dem Hören ein bisschen besser, wo Franz Ferdinand her kommen. Und unterhaltsam und abwechslungsreich ist die Zusammenstellung allemal.

G. Love & Special Sauce: Love Saves The Day

G. Love ist einer der Musiker, denen ich einfach nicht untreu werden kann. Seit 1997 (also nach der „Yeah, it’s that easy“) frage ich mich bei jeder neuen Platte, ob ich die jetzt wirklich brauche? Und dann kaufe ich sie doch wieder, finde sie mittelmäßig und bin etwas enttäuscht. Und dann geht es wieder von vorne los. Vielleicht ist es ungerecht, immer wieder auf ein neues I-76, ein neues Shooting Hoops (sehr schön, wie die Kids selbstverständlich auf dem Offbeat klatschen) oder auch ein neues Kiss And Tell zu hoffen. Aber irgendwann kommt so ein Song vielleicht noch mal.

Film/DVD

A World Beyond

Ich hatte irgendwie keinen Kinderfilm erwartet. Wahrscheinlich mein Fehler.

A Girl Walks Home Alone At Night

Ich war erstaunt, dass sogar die Liebste einen Vampirfilm gucken wollte, obwohl sie sonst eher auf Filme mit Explosionen steht. Oder Minions. Oder Elben. Und jedenfalls in Farbe. Und ohne Vampire. Doch auch sie war am Ende glücklich. Aber trotzdem ich offene Enden mag, war mir dieses zu offen. Eigentlich war es weniger offen als unvermittelt. Der Film fing doch gerade erst richtig an?

Shine A Light

Ich hatte gedacht, dass es mehr Dokumentation als Konzertfilm ist. Mein Fehler.

5 Zimmer Küche Sarg

Mein Film-Highlight des Monats! So etabliert das Mockumentary-Format inzwischen ist, war es hier einfach sehr lustig umgesetzt: The Office trifft Kleine Morde unter Freunden. Ich lachte sehr.

Serie

Making A Murderer

Natürlich. Muss ich hier wohl niemandem mehr etwas zu erzählen. In drei Tagen weggebingt. (Ist es noch bingen, wenn auch nur eine Nacht dazwischen liegt?)

Fargo, Season 2

Vielleicht die perfekte Fernsehserie. Was soll da noch besser werden? Schauspieler nicht, Story nicht, Soundtrack nicht (alleine die Intro-Sequenz zur letzten Episode mit Black Sabbath (Achtung, kleinere Spoiler)), Stilistik nicht (die Splitscreens mit leicht verschobener Perspektive, manchmal auch Zeit). Ich will Staffel 3! Jetzt!

The Leftovers, Season 2

Fand ich sehr gut, aber nicht so überragend wie die erste Staffel. Was mir immer noch extrem gut gefällt, ist die unvergleichliche Erzählweise, die ich fast lyrisch nennen möchte: Es geht kaum um die Handlung, sondern nur um die Figuren und ihre Gefühle. Alles, was an Handlung geschieht, bietet nur Anstöße für menschliches Verhalten, ist für sich genommen aber ziemlich egal. Gefiel mir.

The League, Season 7

Irgendwie eine kleine „guilty pleasure“. Einfach nur albern, pubertär und grotesk, aber das auf einem seit Jahren bewährten Niveau.

Transparent, Season 2

Die erste Staffel habe ich geliebt und am Ende ein paar Tränchen verdrückt. Diese hatte zu viele Bälle in der Luft, wollte außer jedem einzelnen Buchstaben von LGBTI dann auch noch nebenbei den Holocaust mitnehmen. Trotzdem lohnend, warm und menschlich, lustig und ernst zugleich. Und für das schöne Ende waren die Rückblenden ins Berlin von 1933 dann doch noch fast sinnvoll. (Zusätzlich: Ein Wiedersehen mit Jason Mantzoukas alias „Rafi“ aus The League in artverwandeter Rolle!)

The Walking Dead, Season 6.1

Vielleicht die bisher schlechteste (Halb)staffel der Walking Dead – und nicht nur wegen dem Desaster rund um Glenn, das hoffentlich dazu geführt hat, dass bei den Schreibern etwas gesiebt wurde. Das wirkte alle zu oberflächlich, nutzte billige erzählerische Tricks und brachte die Figuren nicht nach vorne, mit Ausnahme von Morgan, aber wenn man schon eine Bottle Episode drehen muss, dann wenigstens eine über eine Figur.

Bücher

Andy Weir: Der Marsianer

Gute Grundprämisse: Einen realistischen Science-Fiction-Roman schreiben. Leider gab es da sonst nichts, insbesondere keine Figuren, die irgendwelche menschlichen Eigenschaften hatten, die nicht für die Story gebraucht wurden. Und dass auf dem Mars ständig was kaputt geht, glaube ich ja sogar, aber es ermüdete über die vielen hundert Seiten dann doch wie ein Zauberer, der während derselben Show sieben Mal ein Kaninchen aus dem Hut zieht.

Daniel Suarez: Daemon

Hatte ich von einem sehr geschätzten Kollegen empfohlen bekommen, gefiel mir aber gar nicht. Suarez hat eine Profession aus derselben Grundprämisse wie Andy Weir gemacht: wirklichkeitsnahe Science Fiction zu schreiben. Leider hapert es beim Schreiben. Auch hier handeln Pappfiguren statt Menschen, und den Trick, in spannenden Situationen an einen anderen Schauplatz zu schneiden, bevor man die Situation auflöst, lernt man wahrscheinlich schon im Grundkurs „Kreatives Schreiben“. Leider hat Suarez die Aufbauseminare nicht mehr besucht. Und das Ende der Geschichte ist dann dermaßen überdreht und unglaubwürdig, dass dagegen jeder Mission-Impossible-Film eine Dokumentation über den erstaunlich hohen Anteil von Schreibtischarbeit im Agentenmilieu ist.

Iss meine Agfa Click, Instagram!

Das erste Foto, das ich je schoss, ist verschollen. Es muss einen Papagei gezeigt haben; jedenfalls behauptet das jenes kleine Inhaltsverzeichnis, das ich als Grundschüler in meiner besten, krakeligen Handschrift auf die letzte Seite des einfachen Einsteckalbums schrieb, in dem ich die Abzüge immer noch bewahre.

Ich habe keine Ahnung, wo dieses erste Foto abgeblieben ist. Die anderen 10 Bilder des Films sind aber erhalten. Das zweite Bild zeigt zwei Enten einer wohl ausstellungswürdigen Art.

Enten

Auch die anderen Fotos zeigen, bis auf eines, Tiere. Ich nahm nämlich an einem Ausflug teil, den meine Mutter, eine Grundschullehrerin, mit ihrer Klasse in den Kölner Zoo unternahm.

Über die fotografische Qualität der Bilder kann man sich natürlich unterhalten, auch wenn sie heutzutage in keinem Instagram-Wettbewerb negativ auffallen würden. Was die Fotos aber besonders macht, das ist, dass sie mit einer MIttelformatskamera aufgenommen wurden. Zugegeben, die ebenso gültige Bezeichnung „Rollfilm“ (120er) für dasselbe Format klingt schon etwas weniger spektakulär. Aber Mittelformat bleibt Mittelformat, und das war auch um 1980 schon weitgehend vom Kleinbild verdrängt worden.

Umso tragischer, dass ich die Negative nicht mehr besitze, sondern nur noch Abzüge im Format 9×9 cm, also fast unvergrößert. Mich würde sehr interessieren, was man aus den Negativen heute noch herausholen könnte, zumal einzelne Bilder durchaus einen naiven Charme haben, den ich mir auch in 50×50 cm an meiner Wohnzimmerwand vorstellen könnte.

Elefant

Warum aber überhaupt Mittelformat? Ich hatte damals noch keine eigene Kamera, die bekam ich wohl erst im mittleren Teenager-Alter, sondern verwendete Geräte meiner Eltern. Und das simpelste und robusteste, das meine Eltern zur Verfügung hatten, war die wiederum erste Kamera meiner Mutter: eine Agfa Click II.

Agfa Click II

Dieses wundervoll einfache Gerät hat neben dem Auslöser genau einen Hebel, mit dem man zwischen drei Einstellungen wählen kann: Fokus 4 m bis unendlich bei sonnigem Wetter, dasselbe für bewölkt, und ein sozusagen wetterunabhängiger Fokusbereich von 2,5 bis 4 m.

Einstellung von Entfernung und Blende

Das mechanische System ist genial einfach: Der Hebel bewegt ohne irgendeine Übersetzung unterschiedliche Blenden hinter der vorderen Objektiv-Linse. Die Blende für sonniges Wetter ist etwas kleiner als die für Bewölkung, und sie hat außerdem noch einen Blaufilter aus gelbem Glas. Für die sogenannte „Portraiteinstellung“ mit kürzerem Fokus wird einfach eine Zusatzlinse in den Lichtweg geschoben.

Blaufilter für Aufnahmen bei Sonne

Der Auslöser ist ein einfacher Hebel, mit dem man den Verschluss in einer Bewegung zunächst spannt und dann auslöst.

Objektiv

Und diese Agfa Click II, mit der ich dunnemals im Kölner Zoo unterwegs war, schluckt nun eben 120er-Rollfilm, den sie quadratisch belichtet, sodass 12 Fotos auf einen Film gehen.

Filmfach

Jenes Schätzchen (und sogar noch ein anderes mit einem ausfahrenden Faltenbalg-Objektiv, dazu vielleicht später mal) holten meine Eltern an Weihnachten wie selbstverständlich aus dem Keller, als meine Freundin und ich stolz ihre neue Holga vorführten und von den Vorzügen des professionellen Mittelformats schwärmten. Heute ist es tatsächlich so, dass man mit der Abgabe eines Diafilms im Mittelformat selbst in Fachgeschäften Eindruck machen kann, wenigstens in Bensberg. Damals war das ein Film, der wegen seiner geringen Bilderzahl auf dem absteigenden Ast war.

Ich habe mir die Agfa Click II meiner Mutter ausgeliehen und werde demnächst mal ein paar Fotos schießen. Ich bin gespannt, welche Qualität man aus der doch schon recht mitgenommenen Linse herausholen kann. Vor allem aber bin ich gespannt, welchen vielleicht speziellen Charme die mit ihr gemachten Fotos haben werden.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Die Unfreiheit der Anderen

Look who’s talking! Unfreiheit ist eben lieber nur die Unfreiheit der Anderen. Und Überwachung erst dann lästig, wenn man sich mal auf der falschen Seite der Linse wiederfindet.

Oder wie ist es zu erklären, dass sich ausgerechnet Familie Blair, unter deren Regentschaft Großbritannien zur vielleicht bestüberwachten Noch-Demokratie der Welt wurde, beschwert, dass ihre bescheidene Hütte und die Polizisten davor von Google fotografiert wurden?

„Street View“ bietet eine einfache Möglichkeit, Fotos zu melden. Unter den möglichen Begründungen finden sich Bedenken wegen der Privatsphäre, aber auch die Meldung „unangemessener Inhalte“. Beschwerdeführer in Großbritannien ist auch Ex-Premier Tony Blair. Er und seine als resolut bekannte Ehefrau Cherie beklagten sich, dass ihr Heim am Connaught Square in Londons Stadtteil Westminster klar zu erkennen sei. Auf den Bildern sind sogar zwei Polizisten zu sehen (siehe Fotostrecke oben).

Oder sollte ich es noch schlimmer finden, dass ein ach so journalistisches Medium wie Spiegel Online dieses Musterbeispiel von Bigotterie nicht bemerkt? Ach nee, sorry, ist ja bekannt, dass die auf dem Bigotterie-Auge blind sind.

Brauchbares Frankenface

Sehr lustige iPhone-Applikation von Freunden aus Kalk:

Wir haben den feucht-grauen Kölner Winter genutzt um mal wieder eigene Ideen zu verwirklichen: mit unserer iPhone Anwendung Frankenface kannst Du Fotos von Freunden, Verwandten etc. machen und die Portraits werden in drei Teile zerlegt die man dann untereinander Mischen kann. Am besten Du guckst Dir einfach das Video an.

Erhältlich im App Store seit dem 05.03.2009:
http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewSoftware?id=306718459&mt=8

Das ist unsere erste App, über ehrliches Feedback würden wir uns sehr freuen!

Viele Grüße,
Tilman + Chris
Büro für Brauchbarkeit