Wie disruptiv ist myTaxi eigentlich?

Eins vorweg: Ich mag myTaxi, auch wenn die Android-App bei mir nicht gut funktioniert hat. Ich mag myTaxi, weil da Menschen, die aus meiner Branche und meiner Welt stammen , auf eine Idee gekommen sind, die erfolgreich ist, die technischen Charme hat und die elegant aussieht. Ich mag myTaxi, weil die was vom Twittern verstehen und auch über diesen Kanal einen direkten Kundenkontakt mit persönlicher Ansprache pflegen.

Und dennoch wundere ich mich, warum in jedem Bericht über die myTaxi-App der Kulturkampf ausgerufen wird. Kein Artikel kommt ohne den Hinweis darauf aus, dass die Software die altgedienten Taxi-Zentralen überflüssig mache. Und tatsächlich fühlt sich mindestens der Berliner Taxiruf so bedroht, dass von seiner IP aus scheinbar neutrale Kommentare zu Blogposts abgegeben werden, die myTaxi erwähnen.

Gemessen an der Aufmerksamkeit, die myTaxi bekommt (und auch von mir bekam), muss ich aber feststellen, dass die Technologie erstaunlich wenig disruptiv ist.

Dass ich bei myTaxi die Anfahrt des gebuchten Wagens verfolgen kann, ist jedenfalls wohl kaum das Killerfeature, als das es immer verkauft wird, zumal die Berliner Taxizentralen einem auch eine SMS schicken, wenn der bestellte Wagen nur noch ein paar Minuten entfernt ist. Dass ich den Fahrer bewerten kann, ist da schon interessanter, aber zurzeit bestimmt auch noch nicht der Hauptgrund, die App zu nutzen.

Der Erfolg der Technologie lässt sich aus meiner Sicht durch drei wesentliche Faktoren erklären:

  1. Die Kunden nutzen myTaxi, weil es cool ist, weil es zeitgemäß ist und weil es einfach funktioniert. (Man möge mich in den Kommentaren informieren, wenn es bessere Gründe gibt!)
  2. Die Taxifahrer nutzen die App, weil sie von myTaxi das bessere wirtschaftliche Angebot bekommen: Praktisch keine Investitionskosten (ein Smartphone hat schließlich fast jeder) und kein Risiko. Die klassischen Zentralen verlangen, dass Taxifahrer eine monatliche Gebühr zahlen, um Fahrten vermittelt zu bekommen; diese Kosten muss der Fahrer erst einmal reinholen. myTaxi kassiert ausschließlich pro Fahrt.
  3. myTaxi ist in der publizierten Öffentlichkeit momentan konkurrenzlos, obwohl man im App Store durchaus Alternativen findet.

Zwar kann es sein, dass Taxi-Software wie myTaxi demnächst Callcenter ablöst. Aber letztlich nehme ich in jedem Fall ein Telefon in die Hand und bestelle mir, über eine Zentrale vermittelt, ein Taxi. Nichts anderes ist myTaxi doch: Eine digitale Taxizentrale, keine Peer-to-peer-Applikation, als die es immer wirkt. Also quasi das Napster der Taxi-Apps. Und wenn ich erst mal via Siri mit myTaxi sprechen kann, wird der Unterschied zum Callcenter des Taxirufs ohnehin fast verschwunden sein.

Der Erfolg von myTaxi ist aus meiner Sicht also fragil. Wenn zwischen den Taxi-Apps nennenswerte Konkurrenz aufkommt, wenn der Hype um den Pionier myTaxi abflaut und wenn die Taxizentralen ihren Fahrern vergleichbar faire Abrechnungsmodelle pro Fahrt anbieten, dann sehe ich ein offenes Rennen.

Deinfussballclub hat fertig

Deinfussballclub (DFC), das vorgebliche Fanmitbestimmungsprojekt bei Fortuna Köln unter der Schirmherrschaft von Sönke Wortmann, wird zum 12. Januar 2012 eingestellt. Am Ende dieses Beitrags findet ihr die Mail, die mich und die anderen Mitglieder vor zwei Stunden erreichte.

Zunächst muss ich die Betreiber loben, weil sie endlich das tun, was viele Mitglieder so wie ich seit langem fordern: Die längst als Werbelügen enttarnten Versprechungen von Mitbestimmung und Transparenz einzustellen und den Mitgliedern zu sagen, was sie wirklich für ihr Geld bekommen: Live-Streams von den Fortuna-Spielen (in sehr schwankender Qualität), sechsminütige Spielzusammenfassungen als Video (ohne Kommentar) und alle ein, zwei Wochen Chats mit Spielern oder dem Trainer, dazu noch zwei Freikarten für Heimspiele im Südstadion.

Das war’s, und genau das soll jetzt eben verkauft werden – für 40 € pro Jahr. Das ist dieselbe Summe, für die man bislang von Sönke Wortmann zusätzlich versprochen bekam, einen echten Fußballverein managen zu können.

Dieses, ihr eigenes Versprechen wird von den Betreibern in ihrer Mail schwer gedisst: Wirtschaftliche Nachteile hätten sich ergeben, weil manche Spieler und Sponsoren vor der Mitbestimmung Angst gehabt hätten und nicht zur Fortuna gekommen seien. Dazu kann ich nur sagen: Man hätte das mit der Transparenz und Mitbestimmung einfach mal ausprobieren müssen. Denn die Betreiber hatten von Anfang an Angst vor der eigenen Courage: Sobald ein Sponsor oder Spieler angesichts der Mitbestimmung auch nur eine Augenbraue hochzog, entschuldigten sie sich für ihre verrückte Idee, den Fortunafans ein Mitspracherecht eingeräumt zu haben.

Noch weniger wurde versucht, vielleicht die zum Konzept passenden Sponsoren zu finden: Unternehmen, deren Wesen die Transparenz ist oder denen es gut zu Gesicht gestanden hätte, mit Transparenz zu werben. Es muss ja nicht gleich Google sein, aber ein Beispiel wäre der Internetriese.

Nachgerade infam ist sogar die Behauptung der DFC-Macher, dass „durch diese versprochene Transparenz eine Erwartungshaltung bei den Mitgliedern entstanden ist, die auch vor den persönlichen Belangen von Spielern und Trainern nicht halt gemacht hat“. Zum einen habe ich in drei Jahren DFC niemals davon gehört, dass ein DFC-Mitglied sich um „persönliche Belange“ von Spielern oder dem Trainer geschert hätte. Wovon man allerdings sehr wohl hörte, das waren sehr persönliche Auseinandersetzungen gerade der ältest eingesessenen Fortuna-Fans mit dem damaligen Trainer Matthias Mink, die noch im Frühjahr in einer hässlichen, weil völlig unbewiesenen und zudem vereinsschädigenden, öffentlichen Kampagne von DFC-Chef Dirk Daniel Stoeveken gipfelten, der den eigenen Fans Rassismus unterstellte.

Infam ist der Vorwurf aber vor allem deswegen, weil gerade der persönliche Umgang von Fans mit Mannschaft und Umfeld zu einem definierenden Element beim SC Fortuna Köln gehört. Ein Element, das die DFC-Macher aber nie verstanden hatten. Dirk Daniel Stoeveken gab sich als glatter, durchaus smarter, jedenfalls immer lächelnder/grinsender Businessmann ohne persönliche Angriffsfläche. Sein Adlatus und Pressesprecher Burkhard Mathiak, der Zeuge von Lens, hatte mit den Fortuna-Anhängern von Anfang an ein Problem. Von ihm stammt der Spruch: „Für den Aufstieg brauchen wir keine Fans“ – der sich sogar als richtig herausstellte. Denn obwohl die Mannschaft unter Matthias Mink in der letzten Saison das Stadion fast leer spielte, gelang der Regionalliga-Aufstieg am grünen Tisch durch den Verzicht von Germania Windeck.

Die spannende Frage jetzt, nach dem Ende der DFC-Lüge, ist, wer in Zukunft eigentlich die 40 € für die angebotenen Restleistungen bekommt? Bislang hatte der SC Fortuna Köln eV einen Anteil von 30 € bekommen, 10 € verblieben bei der DFC GmbH. Ob das so bleibt? (EDIT: Laut einer Aussage von Dirk Daniel Stoeveken bleibt die Aufteilung der Gelder unverändert.)

Jedenfalls unverändert bleiben die Anteile an der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft mbH, an der die Deinfussballclub GmbH 49% hält. Und ebenfalls unverändert bleibt vermutlich das Engagement von Michael Schwetje, dem heimlichen Mäzen der ersten Herrenmannschaft des SC Fortuna. Im offiziellen Fortuna-Forum fiel schon das böse Wort vom „RB Cologne“, das angesichts der Initialen von Herrn Schwetje wahrscheinlich eher „MS Fortuna“ heißen sollte.

Fortuna Köln ist nun wieder ein ganz normaler, deutscher Fußballverein, der sich wie viele andere von einem Geldgeber bezahlen lässt, mit dessen  Geld Spieler aus aller Herren Länder zusammenkauft, um so den nächsten Aufstieg zu schaffen. Das einzige Problem ist, dass der örtliche Mäzenatenkonkurrent vermutlich um eine Null vor dem Komma schwerer ist als Michael Schwetje: Viktoria Köln schickt sich gerade an, den Durchmarsch durch die NRW-Liga zu schaffen (5 Spiele, 5 Siege), nachdem man sich erst im letzten Jahr die Verbandsliga-Lizenz vom FC Junkersdorf gekauft hatte. Auf dieses Projekt mit der hinreichenden Verachtung zu schauen, ist für den Fortuna-Fan jetzt jedenfalls ein bisschen schwerer geworden.

Die Abschiedsmail von DFC:

fortuna-koeln.de wird ab 2012 die Plattform für alle Fortuna-Fans

In den letzten Wochen und Monaten haben wir mit den Mitgliedern von deinfussballclub.de sowohl im Online-Forum, als auch direkt im Stadion viele und teilweise sehr kontroverse Diskussionen geführt.

Häufig ging es dabei um die Transparenz, die wir zum Start des Projektes versprochen hatten, aber nicht immer gewährleisten konnten. Mit steigenden sportlichen Anforderungen und einer verstärkten öffentlichen Wahrnehmung würde es auch in Zukunft sehr schwer, der aufgrund unserer Versprechungen durchaus berechtigten Erwartungshaltung unserer Mitglieder zu entsprechen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Abstimmungen in dem ein oder anderen Fall dazu geführt haben, dass Spieler, oder auch etwaige Partner und Sponsoren das Konstrukt „deinfussballclub.de/Fortuna Köln“ mit Skepsis betrachtet haben, oder sogar wirtschaftliche Nachteile entstanden sind.

Es hat sich gezeigt, dass absolute Transparenz in einem Fußballverein leider zu Wettbewerbsnachteilen, insbesondere bei Vertragsverhandlungen, führen kann und auch führt. Hinzu kommt die Tatsache, dass durch diese versprochene Transparenz eine Erwartungshaltung bei den Mitgliedern entstanden ist, die auch vor den persönlichen Belangen von Spielern und Trainern nicht halt gemacht hat.

Es ist davon auszugehen, dass das Procedere der Abstimmungen auch in den nächsten Jahren immer wieder dazu geführt hätte, dass wir auf Spieler oder auch Partner verzichten müssten, was der sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der Fortuna schaden könnte.

Wir sind nach langem Abwägen daher zu der Erkenntnis gelangt, dass das Konzept der „Mitbestimmung und Transparenz“ im ambitionierten Fußball nicht so funktioniert, wie wir uns dies noch im Jahr 2008 vorgestellt haben.

Wir werden deshalb mit dem Ende des laufenden Vertragsjahres (12. Januar 2012) das Projekt „deinfussballclub.de“ in der bisherigen Form beenden und die Domain auf www.fortuna-koeln.de umleiten.

Wir werden aber weiterhin bestrebt sein, unseren Mitgliedern – dann unter www.fortuna-koeln.de – ein attraktives, kostenpflichtiges und natürlich auch ein kostenfreies Angebot zu bieten.

Wir behalten die wesentlichen Features von deinfussballclub.de bei, wie die Liveübertragung der Fortuna-Spiele, den Liveticker und natürlich auch die Chats mit den Spielern.

Unser Ziel ist es, für 39,95 € weiterhin einen absoluten Premiumservice zu bieten, den es so im deutschen Fußball nicht gibt.

Hier einige der Features im Überblick:

  • Live-Übertragung aller Fortuna-Spiele
  • Live-Ticker von allen Spielen
  • Chats mit Spielern, Trainern und Verantwortlichen
  • Umfangreiche Community mit Diskussionsforen, Fotoupload, usw.
  • Ausführliche Informationen rund um Fortuna Köln
  • Aktuelle Statistiken, Tabellen
  • 2 Freikarten pro Saison

Wir werden so in Zukunft alle Kräfte bündeln, um unser Ziel – die Rückkehr in den Profifußball – baldmöglichst zu erreichen und Fortuna Köln wieder dahin zu bringen, wo sie hingehört.

Faceborg

Facebook stellt sein Privacy-Modell um, schafft regionale Netzwerke ab und gibt seinen Nutzern genauere Kontrolle darüber, mit wem sie einzelne Inhalte teilen wollen. Schön und gut. Ein echter Kracher ist aber der erste Satz des offenen Briefs, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zur Kommunikation dieser Maßnahmen an seine Nutzer schreibt:

It has been a great year for making the world more open and connected.

Über „connected“ kann man ja noch streiten. Aber „open“? Schreibt das wirklich der Kopf eines Dienstes, der alles daran setzt, zum zentralen Knoten der Internet-Kommunikation zwischen Menschen zu werden?

Meine Kollegen, Geschäftspartner und Freunde sind in drei sozialen Netzwerken unterwegs: Twitter, Xing und Facebook. Und in keinem Netzwerk ist der ihm innewohnende Drang, das Netzwerk als Ersatz von Email zu nutzen, so groß wie auf Facebook. Manchmal ist das ja sehr praktisch: Man kann Menschen eine Nachricht zukommen lassen, deren Mailadresse man nicht hat. Aber meine beste Freundin würde mir nie eine Email schreiben, obwohl sie sie besitzt, sondern immer nur eine Facebook-Nachricht. Und ich weiß, dass sie eine Email vermutlich erst nach Tagen lesen würde, eine Facebook-Mail oder eine Nachricht auf ihrer „Wall“ dagegen nach wenigen Stunden.

Facebook öffnet die Welt nicht, Facebook assimiliert sie. Facebook ersetzt sogar seit Jahrzehnten bestehende und funktionierende Kommunikationsmittel wie Email und IM durch einen blauen Bastard aus dem jeweiligen Dienst und der Facebook-Website.

Der einzige Wert, den Facebook initial spendierte, waren Profile und Verknüpfungen zwischen ihnen. Ich habe gerade keine Zeit mehr, danach zu googlen oder die W3C-Site zu durchwühlen: Aber wo ist der offene Webstandard, der es mir ermöglicht, ein Profil anzulegen und mit dem Besitzer einer anderen Emailadresse eine soziale, nach Freigaben abstufbare Beziehung einzugehen? Arbeitet da schon irgendwer dran?

Ich kann mir nur wünschen, dass es Facebook und auch Xing und Twitter so gehen wird, wie AOL, CompuServe, BTXplus und anderen geschlossenen Webdiensten, die hinweggefegt wurden, als Nutzer entdeckten, dass man sie nicht braucht, um miteinander zu kommunzieren und Inhalte abzurufen. Ich hoffe, dass Facebook gerade nur die zweite Welle von Netznutzern abgreift, die sich ebenso wie diejenigen der ersten Welle mit mehr Wissen von Facebook emanzipieren und das Netz als die freie Welt begreifen werden, die es sein kann.

Jeden Tag eine gute Tat

Hin und wieder bin ich echt geplättet, wie gut das alles Internet funktioniert. Zum Beispiel Social Commerce: Da klickt man ein paar Sternchen an, bewertet einen Händler, und bedenkt manchmal gar nicht mehr, welche Wirkung dieser läppsche Mausklick tatsächlich hat.

Schon vor längerer Zeit, als ich mal bei einem Ebay-Händler ein Handy-Zubehörteil gekauft hatte, das entgegen der Beschreibung doch nicht auf mein Gerät passte, konnte ich einen langen und unerquicklichen Mail-Disput darüber, ob ich nun beim Händler oder beim Hersteller reklamieren müsse, schlagartig damit beenden, dass ich mit einer negativen Bewertung der Transaktion drohte. Nur Minuten später hatte ich das zähneknirschende Angebot in der Inbox, die Scheiße dann halt in Gottes Namen bitte zurückzuschicken.

Letzte Woche nun hatte ich mir eine digitale Kompaktkamera bei einem Amazon-Händler bestellt, nennen wir ihn mal xy-discounter. Die über 300 Bewertungen des Händlers waren fast ausnahmslos positiv, im Schnitt 4,8 von 5 Sternen. Als das Paket bei mir ankam, wunderte mich, dass auch ein separates Stromkabel enthalten war. Nach dem Öffnen der Kameraverpackung wurde klar, warum: Die Kamera war englische Ware, so dass das inliegende Kabel für das Akkuladegerät nicht in eine deutsche Steckdose gepasst hätte.

So weit, so gut – allerdings lag dem Gerät auch nur eine englischsprachige Bedienungsanleitung bei. Das ist für mich persönlich kein Killer-Problem, mein Englisch ist gut genug. Aber zum einen mag auch ich technische und ohnehin nicht sehr leserfreundlich geschriebene Texte lieber auf deutsch; zum anderen kenne ich persönlich Menschen, die mit englischen Anleitungen einfach gar nichts anfangen könnten; und zu guter Letzt gehört so eine Tatsache natürlich vom Händler explizit ausgewiesen. Hätte xy-discounter vorab auf die englische Anleitung hingewiesen wäre, hätte nämlich auch ich lieber das einige Euro teurere Angebot von Photo Porst gewählt.

Ich entschloss mich dennoch, die Kamera nicht zurückzuschicken, bewertete den Händler aber nur mit 3 von 5 Sternen, was ich im Bewertungstext ausführlich begründete.

Einige Stunden später, ich war im Büro, klingelte mein Telefon:

Ich so: <Firmenname> in Köln, mein Name ist <SurfGuard>, guten Tag!

Händler so: Hier ist <Schmitzkatz> von xy-discounter, hallo!

Ich: Hallo! (Woher hat der meine Telefonnummer? Kann nur bei Xing recherchiert sein.)

Händler, im Hintergrund Kinderstimmen: Sie haben bei uns über Amazon eine Kamera gekauft und den Kauf nur neutral bewertet. Darf ich fragen, warum?

Ich: Ja, klar. Wie ich geschrieben hatte, lag nur eine englische Anleitung bei.

Händler: Ach, echt? Das war mir nicht klar.

Ich: Naja, immerhin war Ihnen klar, dass es sich um englische Ware handelt, sonst hätten Sie ja nicht extra ein deutsches Stromkabel beigelegt.

Händler: Ja, stimmt, dann hätte ich das wohl besser im Angebotstext erwähnen sollen.

Ich: Ja, genau.

Händler: Können wir denn bei der Bewertung was machen?

Ich: Naja, also auf vier statt drei Sterne würde ich mich hochhandeln lassen. Ich weiß aber gar nicht, ob ich das nachträglich noch ändern kann?

Händler: Ich dachte wir könnten uns vielleicht einigen?

Ich: Einigen?

Händler: Ja, dass Sie die Bewertung zurücknehmen…

Ich: (Was soll denn daran eine Einigung sein?) Wieso zurücknehmen? Nee, das kommt nicht in Frage. Die Bewertungen sollen ja ein Anreiz für Sie sein, es beim nächsten Mal besser zu machen. Ändern Sie doch einfach den Beschreibungstext, dann ist schon gut, Sie bekommen nur noch positive Bewertungen und meine zwei fehlenden Sternchen fallen nicht mehr ins Gewicht.

Händler, hörbar sauer: Ja, gut, ich hab verstanden. Auf Wiederhören.

Erfreulicherweise hat er tatsächlich verstanden: Nur kurz darauf war sein Beschreibungstext bei dieser Kamera ergänzt um den Satz “ Deutsche Beschreibung nicht umbedingt enthalten!“. Geht doch.

Gehen Sie zurück auf Los und ziehen Sie 4 Cent ein

Da war ich dann wohl zu Recht verwirrt über Amazons Erstattungsmails. Heute habe ich diese Nachricht im digitalen Postkasten:

Guten Tag,

aller Anfang ist schwer: seit dem 6. März 2009 bietet Amazon.de seinen Kunden eine Vorbesteller-Preisgarantie an. Wenn Sie einen Artikel aus den Bereichen *DVDs, Video, Musik, Software und Videogames* bei uns vorbestellen, erhalten Sie ihn zu dem günstigsten Preis zwischen Ihrer Bestellaufgabe und dem Veröffentlichungsdatum.

Und in unserer Freude darüber, Ihnen diesen Service anbieten zu können, haben wir Ihnen im Überschwang nun auch bezüglich längst ausgelieferter Produkte, die Sie seinerzeit zum günstigsten Preis erhalten haben, eine Benachrichtigung geschickt:
Sie haben von uns irrtümlich eine E-Mail über die Preisreduzierung eines oder mehrerer vorbestellter Artikel erhalten sowie die damit verbundenen Erstattungen der Differenzbeträge. Wir bitten Sie um Entschuldigung für die Verwirrung – den zuviel erstatteten Differenzbetrag  dürfen Sie selbstverständlich behalten.

Unter diesen Umständen bin ich natürlich bereit, die Sache zu vergessen. Wie hau ich jetzt bloß die gewonnen 4 Cent auf den Kopp?

Geschenktes Gäulchen

Geschenktem Gaul schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul. Obwohl es sich hier eher um ein Gäulchen handelt, gewissermaßen das Füllen unter den Schenk-Gäulen: Amazon besteht darauf, mir 4 Cent (!) gutzuschreiben, und ich weiß nicht so genau, warum.

Am 31.01.  hatte mir Amazon die neue Morrissey geliefert, also vor anderthalb Monaten.

Vorgestern bekam ich eine Mail:

Guten Tag,

seit Ihrer Bestellung hat sich der Preis des/der folgenden Artikel(s) verringert:
Years of Refusal
Sie erhalten den/die Artikel von uns zu dem seit Datum Ihrer Bestellung günstigsten Preis bei Amazon.de.
Preis bei Bestellung:                     EUR 14,99
Preis bei Versand:                        EUR 14,99
Günstigster Preis bis Erscheinungsdatum:  EUR 14,95
Zu erstattender Betrag:                   EUR 0,04

Heute kommt dann noch mal eine Aufschlüsselung:

Die Erstattung bezieht sich auf folgende(n) Artikel :
Artikel : Years of Refusal
Grund der Erstattung : Pre-order price protection

Und so setzt sich die Erstattung zusammen:
Artikel Erstattung : 0,03 €
Artikel erstattete Mehrwertsteuer : 0,01 €

Pre-order price protection„?

If your order enters the shipping process before the release date and the price is lowered on the release date, we will automatically refund your credit card for the difference between the price you were charged and the release-date price.

Aha. Verstehe ich zwar immer noch nur so halb, weil der Artikel mir genau zu dem Preis geliefert wurde, zu dem ich ihn auch bestellt habe, aber zwischendurch hat’s mal eine 4-Cent-Preissenkung gegeben, die Amazon mir jetzt gutschreibt?

Naja, nicht doof nachfragen. Ist auf jeden Fall nett gemeint. Aber wenn ich den Strom berechne, den ich für das Lesen der Mails zahle, könnt’s fast schon wieder ein Verlustgeschäft für mich sein.