Apple TV: Intuition und Gewöhnung sind nicht dasselbe

Ich besitze seit zwei Wochen ein Apple TV 4. Und mal wieder mache ich die Erfahrung, dass die regelmäßig so hoch gelobte Intuitivität der Apple-Benutzeroberflächen ein reiner Mythos ist. Stattdessen handelt es sich um schlichte Gewöhnung an frei aus der Luft gegriffene Benutzungsmetaphern.

Drei Beispiele:

Wie schaltet man Apple TV aus?
an-aus-icon
Es gibt jedenfalls keinen An/Aus-Knopf, wie man ihn von zahllosen Geräten kennt (s. links). Stattdessen muss man lange den Home-Button drücken (s. Abbildung unten), mit dem man bei normaler Benutzung zum Homescreen kommt. Es erscheint dann eine Lightbox mit der Möglichkeit, Apple TV in den Ruhezustand zu versetzen. Ich habe das erst nach einem Blick in die Bedienungsanleitung rausgefunden.

Wie löscht man eine App?
Um eine einmal installierte App wieder zu löschen, muss man die App zunächst per Long Click fokussieren, wie zum Verschieben. Das kennt man immerhin schon von Apple-Telefonen und Tablets. Anschließend muss man nicht etwa die Menü-Taste drücken, um ein Zusatzmenü mit Optionen aufzurufen, wie ich es vermutet hatte. Sondern man muss den Play/Pause-Button drücken! Das wird zwar klein unten auf dem Bildschirm eingeblendet, ist aber dennoch weit von irgendeiner Intuition entfernt.

Wie navigiere ich zurück? Und wie rufe ich das App-Menü auf?
Um auf den letzten Bildschirm zurück zu navigieren, muss man auf der Fernbedienung die Menü-Taste drücken. Immerhin ist das die Taste links oben, also tatsächlich noch halbwegs natürlich. Aber auf der Taste steht „Menu“, und ich habe zum einen gezögert, ob ich das jetzt tatsächlich tun soll? Zum anderen macht die Taste in vielen Zuständen einer App einfach nicht das, was drauf steht, nämlich ein Menü aufzurufen. Stattdessen bringt sie mich eben einen Screen zurück. Ins Menü komme ich dagegen, indem ich auf dem Touchpad der Fernbedienung von oben nach unten wische – meistens jedenfalls.

Mir scheint insgesamt der löbliche Wille zur Vereinfachung weit über’s Ziel hinaus geschossen zu sein. Man muss ja nicht gleich eine Fernbedienung mit tausend Knöpfen gestalten. Aber das Doppelbelegen von Knöpfen führt zu einer Modalität, die nicht sinnvoll ist: Buttons führen in einem Zustand der App oder der Benutzung eine bestimmte Funktion aus, in einem anderen Modus aber dann wieder eine andere. Das ist einfach nur verwirrend. Gewöhnen tut man sich auch an den größten Usability-Dreck. Aber nur bei Apple nennt man diese Gewöhnung Intuition.

 

Fernbedienung von Apple TV 4
Fernbedienung von Apple TV 4

Videoformate, mal praktisch erklärt

Wer weiß denn schon, dass ein (nicht-HDTV) 16:9-TV-Bild die gleiche Zeilen und Spaltenzahl wie ein normales PAL-Bild hat und nur über eine mitgesendete Header-Information dem Anzeigegerät befohlen wird, das entsprechend vertikal gestreckte 16:9-Bild wieder zu stauchen? Also ich nicht! Kann aber zu diversen Verwicklungen führen, wenn man standardmäßig einen 16:9-Viewport im Windows MediaCenter anzeigen möchte.

Zum Glück war in der Agenturküche genug Süßkram verfügbar, um das Thema erschöpfend zu exemplifizieren.

4:3-Bild in einem 16:9-Viewport:

Videoformate, praktisch erklärt

Falsch auf 4:3 (mit schwarzen Balken) skaliertes 16:9-Bild in einem 16:9-Viewport:

Videoformate, praktisch erklärt

4:3-Bild mit Testkreis in einem 16:9-Viewport:

Videoformate, praktisch erklärt

Falsch auf 4:3 vertikal gestrechtes 16:9-Bild in einem 16:9-Viewport:

Videoformate, praktisch erklärt

Flug-Illuminaten

Air Berlin hat sein ehemals lächerliches Online-Check-In-Fenster inzwischen erweitert: Man kann jetzt einen Tag vor Abreise einchecken.

Bei Lufthansa geht das nicht. Ich fliege morgen, um 09:45 Uhr, konnte aber gerade um 09:47 Uhr noch nicht einchecken – weil das erst 23 Stunden vor Abflug geht. 23 Stunden??? Was ist denn das für eine Zeit? Ist das ein psychologisch gesetzter Zeitpunkt: 24h vorher würde einen gleichzeitigen Ansturm aller Passagiere desselben Flugs auslösen; 23h vorher ist aber so willkürlich, dass sich die Check-Inner auf einen größeren Zeitraum verteilen? Wollten die einfach nur gerne ’ne Primzahl haben? Oder sind das am Ende alles Illuminaten? (Ich fliege um 09:45, Quersumme: 18. Und die einzige Ziffer neben den Buchstaben in meinem Buchungscode ist die 5. Das macht zusammen: 23…. Uaaaa!)