Des Widerspenstigen Zähmung: Erziehung eines erwachsenen Dackels

Wenn wir mehr über den Dackel gewusst hätten, bevor er zu uns kam, hätten wir uns das Ganze möglicherweise überlegt. Und möglicherweise wäre es dann auch schon deswegen nicht so vergleichsweise gut gelaufen, wie es am Ende gelaufen ist. Denn das erste was das Tierchen ganz zwanglos zu spüren bekam, als es hier ankam, war: Hier bestimmen wir.

Diwi

In seinem alten Zuhause war das anders gewesen. „Diwi“ (Di*eser Wi*nzling) ist ein Kaninchendackel, der im Oktober 2013 im Alter von drei Jahren zu uns kam, zunächst als Pflegehund. Sein Frauchen, eine ältere Dame, war erkrankt, und sie hatte meine Liebste, die sie nur als Kundin aus deren Geschäft kannte, gefragt, ob sie mal für eine Weile auf den Hund aufpassen könnte, während sie im Krankenhaus war. Während der ersten Woche hatte eine andere Bekannte aufgepasst, und die gab den Hund entnervt bei uns ab.

Mein erstes Bild vom Dackel: Meine Liebste trägt ihn auf dem Arm die Treppen runter.

Was wir zu dem Zeitpunkt wussten:

  • Das Tier ist irgendwie schwierig. Seine Besitzerin kam nicht gut mit ihm klar und vermutete, das läge daran, dass er ein Rüde ist, während sie vorher immer Hündinnen gehabt hatte.

Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten:

  • Der Dackel hatte, seit er mit ein paar Wochen vom Züchter gekommen war, nie sozialen Kontakt zu Artgenossen gehabt, auch nicht während der wichtigen Prägephase zwischen ½ und 1 Jahr. Alle anderen Hunde waren für ihn eine Gefahr.
  • Der Dackel hatte während seines Lebens keinen positiven Kontakt zu Menschen gehabt. Besucher der Dame wurden verbellt und gebissen, deshalb wurde er dann weggesperrt.
  • Der Dackel war nie frei gelaufen.
  • Sein Frauchen konnte ihm am Ende in der Wohnung sein Halsband nicht mehr abnehmen, weil er sie dann biss. Er schleifte zuhause die Leine hinter sich her.
  • Wenn Frauchen auf’s Sofa ging, sprang er auf ihren Schoß. Sie durfte dann erst wieder aufstehen, wenn er es erlaubte, anderfalls biss er sie.
  • Er jagte in ihrer Wohnung von Fenster zu Fenster und verbellte jeden Vogel, der draußen vorbei flog. Den ganzen Tag.
  • Nachts sperrte sie ihn unter die Spüle, wo sie ihm ein Lager eingerichtet hatte. Die Spülentür verriegelte sie.

Kurzum: Sein Frauchen führte ihn nicht, aber einer muss ja, also übernahm der Dackel selbst die Führungsrolle, war damit aber komplett überfordert und reagierte mit Bissigkeit.

So gesehen war das, was die Liebste machte, das erste deutliche Zeichen für ihn: Der Dackel merkt natürlich, dass er fremd ist, alles riecht nach uns, er ist seit einer Woche von seinem Frauchen getrennt – und dann nimmt ihn die neue fremde Frau erst mal ungefragt auf den Arm. Da war schon klar, wer Herr und wer Hund ist. Hätte die Liebste sich das getraut, wenn sie alles gewusst hätte? Vermutlich nicht.

Aber auch ohne das umfassende Hintergrundwissen implementierten wir sofort ein paar Regeln, um die Dominanzverhältnisse ständig deutlich zu machen:

  • Sofa und Sessel waren tabu.
  • Ungefragt auf den Schoß klettern sowieso.
  • Betteln am Tisch wurde vollständig ignoriert.
  • Vor dem Gassigehen werden Geschirr und Leine angelegt und nachher wieder ausgezogen. (Das war für uns damals gar keine bewusste Regel, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wie wir aber erfuhren, siehe oben, war es für den Hund eine große Umstellung, der er auch immer zu entgehen versuchte. Aber wir blieben beharrlich.)
  • Wenn sein Essen fertig war, musste der Hund die Küche erst mal verlassen, dann wurde der Napf dort auf den Boden gestellt, und erst nach ausdrücklicher Erlaubnis durfte er hingehen.

Die härtesten Kämpfe gab es anfangs um’s nächtliche Gassigehen. Der Hund ist eine Schlafmütze: Nach dem Abendessen geht er gegen 20 Uhr ins Körbchen und würde dort bis mindestens 10 Uhr am nächsten Morgen bleiben. Wir wollten aber, weil wir sein Durchhaltevermögen nicht kannten, dass er so zwischen 23 und 24 Uhr noch einmal kurz vor der Tür das Bein hebt – also setzten wir es durch. Der Hund kannte die Übung nicht (siehe „Lager unter der Spüle“) und wollte sie nicht. Also blieb er liegen. Und ich rief. Und er blieb liegen. Und ich lockte ihn mit Leckerchen. Aber der Hund ist schlau und erkannte die Scheinheiligkeit in meiner Stimme. Also redete ich streng mit ihm, bis er irgendwann, gaaaanz, gaaanz langsam zu mir geschlichen kam. Dann versuchte ich ihn auf den Arm zu nehmen – und hatte zwei Eckzähne im Handrücken. (Zum Glück ist das Tierchen sehr klein, so dass sein Biss nur weh tut, aber nicht ernsthaft verletzt.) Also alles wieder von vorne, bis es irgendwann gelang.

Nach ein paar Monaten, spätestens zur WM 2014, hatten wir diese Übung, die auch viel mit Dominanz zu tun hatte, dann endlich so intus, dass der Hund sich in sein Schicksal ergab und einfach mitkam.

In der Zwischenzeit war sein Frauchen leider gestorben und wir hatten ihn fest zu uns genommen.

Seit Anfang 2014 waren wir außerdem in einer Hundschule mit ihm. Diese erste Schule verließen wir zwar nach einiger Zeit, weil wir keine Fortschritte erkannten, aber die Trainerin kannte ihn von früher, konnte uns viel über sein altes Wesen und Verhalten erzählen und betonte immer wieder, was für einen anderen Hund alleine der Halterwechsel aus ihm gemacht hätte.

Wir aber waren mit einigen Dingen noch sehr unzufrieden, insbesondere seinem Verhalten beim Spazierengehen. Da zog er wie wahnsinnig an der Leine und verkläffte alle Hunde. An Freilauf war gar nicht zu denken.

Die Liebste entdeckte dann die freundliche und coole Hundeschule Rotter. Christoph Rotter hat die dreijährige „Canis“-Ausbildung nach Erik Zimen absolviert, einem der anerkanntesten Wolfs- und Hundforscher Deutschlands. Das Training in einer solchen Hundeschule hat also den Anspruch, sich fundiert an der Natur und dem Wesen des Hundes zu orientieren. Und das war sofort spürbar.

Nach den Kennenlernterminen gehörte es eigentlich zu den ersten Maßnahmen von Christoph, dass wir Diwi im Gruppentraining im Wald mit einer Meute anderer Hundeschüler ableinen sollten. Wir hatten das noch nie getan. Christoph: „Ach, schaun wir mal, was passiert!“ Okay, abgeleint. Christoph: „Jeder Hund hat so seine Wohlfühldistanz. Wenn er die überschreitet, bleibt er stehen und schaut sich um. Bei Diwi denke ich, dass die Distanz groß ist, vielleicht so 30 Meter.“ Diwi läuft. „Okay, jetzt ist er bei 30 m. Na, dann sind es vielleicht eher 50 m. Jetzt ist er bei 50. Jetzt bei 70. Okay, ich glaube, jetzt ist er weg.“ Sprint hinter dem Hund her und ihn wieder eingefangen.

Das war zwar einerseits eine Fehleinschätzung, aber andererseits eine entspannte Herangehensweise an das Training. Kann eben auch mal was schief gehen. Und danach haute Diwi in der Gruppe auch nicht mehr ab.

Wir lernten von Christoph den Rückruf des Hundes („Löst meist schon 80% aller Probleme.“) und vor allem das artgerechte und für das Tier verständliche Bestrafen. Die Bestrafungslektionen waren zwei meiner eindringlichsten Erlebnisse.

Beim ersten Mal wollten wir dem Hund abgewöhnen, hinter Fahrradfahrern, Joggern & Co herzusprinten. Also stellten wir eine solche Situation, der Hund sprintete hinter der Radfahrerin her, ich rief ihn einmal zurück, er ignorierte das, ich rannte hinterher, die eingeweihte Radfahrerin hielt an, der Hund auch – und ich stürmte wortlos (!) auf ihn zu, stampfte vor ihm auf den Boden, peitschte mit der Leine neben ihm auf den Boden und trieb ihn so vor mir her, bis der Hund sich flach auf den Boden drückte. Dann ließ ich ihn in Ruhe und stellte mich in drei Meter Entfernung ohne Blickkontakt hin – und sofort wollte der Hund zu mir kommen. Ich wieder kurz stampfend auf ihn zu, dann wieder Abstand. Das alles so lange, bis der Hund verstanden hatte, dass er nicht zu mir kommen durfte. Nach einer Minute wurde die Situation aufgelöst, der Hund durfte kommen und war sofort maximal anhänglich.

Ich fand das sehr beeindruckend, denn der Hund hatte haargenau verstanden, was ich ihm sagen wollte. Er hatte insbesondere auch verstanden, dass er keine grundsätzliche Angst vor mir haben muss, sondern dass es bei Wohlverhalten auch gleich wieder gut ist.

Das Fahrradjagen war nach dieser einen Aktion vorbei. (Ein paar Mal musste ich die Maßnahme noch wiederholen, wenn er Krähen auf dem Feld aufscheuchte.)

Ein anderes Erlebnis war es, dem Hund abzugewöhnen, beim Spazierengehen an der Leine zu ziehen: Einfach nur dem Hund kurz und kräftig ins Fell vor der Schwanzwurzel gegriffen und ohne Blickkontakt weitergegangen. Hund schreckt herum, knurrt ein bisschen. Nach dem zweiten Mal war die Sache verstanden.

Beide Strafen waren einfach so zugeschnitten, dass der Hund sofort verstand, was gemeint war.

Übrigens ist die Erziehung von Hunden bei Christoph nicht generell gewaltfrei. Wenn der Hund nach einem schnappt, dann darf er (aber nur sofort und ohne Zögern!) das bekommen, was Christoph „eine dynamische Antwort“ nennt, also beispielsweise eine Ohrfeige. Ich weiß, dass das manche Hundebesitzer nicht gerne sehen, aber ich denke, dass es hundegerecht ist, jedenfalls verstehen die Hunde die Antwort sofort. Und man wird in keiner Weise dazu angehalten, seinen Hund zu prügeln.

Manchmal reicht es auch bereits, den Hund zu berühren, also bspw. mit der Hand ganz leicht zu schieben. Es ist erstaunlich, was für eine Verstärkung des Kommandos das sein kann.

Generell lehrt Christoph, nicht viel mit den Hunden zu reden. Kommandos werden verbal gegeben und dann nonverbal durchgesetzt. Wenn der Hund nicht bleibt, wo er bleiben soll, geht man wortlos zu ihm, packt ihn am Halsband, führt ihn an die Stelle, an der er bleiben soll und geht weg. Alles ohne große Kontaktaufnahme, vor allem ohne jegliches Reden, auch ohne Wiederholung des Kommandos.

Nach ungefähr 20 Schulstunden hatte das Tierchen das Wichtigste gelernt. Was wir ihm dann noch in einer Einzelstunde und anschließend selbstständigem Üben des Gelernten austreiben konnten, das waren seine Scheinangriffe auf andere Hunde, wenn er frei lief.

Jetzt haben wir einen kleinen Dackel, der uns als Führungspersonen vollständig akzeptiert hat und der bald gemerkt hat, dass er sich bei uns entspannen kann. Er kuschelt jetzt auf dem Sofa mit uns und respektiert, wenn wir ihn runterschicken – so wie wir respektieren, wenn er mal nicht angefasst werden will. Er bleibt ein Hund mit einer Vergangenheit. Aber wir haben gelernt, auch stressige Situationen durch Ruhe und Bestimmtheit zu entspannen oder die Situation aufzulösen. Als der Hund sich bspw. an Weihnachten, auf der Rückreise von der Familienfeier, nicht anschnallen lassen wollte, obwohl wir das immer machen, und er mich sogar anknurrte, nahm ich ihn einfach an die Leine, ging einmal auf die andere Straßenseite mit ihm, wieder zurück – und für ihn war die Situation wieder auf Anfang gestellt und er konnte sich auf einmal so verhalten, wie er sich sonst immer verhält, geduldig und kooperativ.

Vielleicht konnte ich dem ein oder anderen, der auf der Suche nach Hilfe bei der Hundeerziehung ist, ein paar Hinweise geben. Insbesondere Hundeschulen mit Canis-Ausbildung kann ich nur empfehlen, auch wenn es bestimmt noch auf den konkreten Trainer ankommt.

Diwi im Sprint

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Fortuna Köln – Viktoria Köln 4-2 (1-2)

„Viktoria, du Ausgeburt eines Finanzdienstleisters, hör die Stimme des kommenden Meisters!“ (Bitte jetzt auf den folgenden Play-Button klicken. Ich sagte: Jetzt!)

Was war das bitte für ein Spiel? Im Nachhinein könnte man fast vermuten, dass die ruhmreiche Fortuna aus Zollstock der Höhenberger Steuerberatungstruppe mit der gekauften Lizenz zeigen wollte, dass sie nur eine Halbzeit braucht, um klar zu machen, wer die Nummer zwei im Kölner Fußball ist. Wie die Rotweißen in den ersten 30 Minuten auftraten, war mir jedenfalls nur so erklärbar: Den Fusionierten mal ein paar Tore Vorsprung zu lassen, um dann mit Handycap um so triumphaler zu siegen.

Im Ernst: Dieses Derby stand einerseits auf Messers Schneide, hätte gut auch für Viktoria ausgehen können, zeigte andererseits aber überdeutlich den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften. Und der besteht aus einem Wort: Herz. Wie die Fortuna nach der verkackten ersten halben Stunde zurückkam, vor allem in der zweiten Halbzeit, wie sie Viktoria den Schneid abkaufte und in die eigene Hälfte zurückdrängte, wie sie auf einmal ihr Spiel spielte und dann zielstrebig Tore schoss – das war genauso bemerkenswert wie das komplette Zerbröseln des Höhenberger Spiels, dem das winzige bisschen Zusammenhalt verloren ging, das ihre sehr guten Einzelspieler vorher zu so etwas ähnlichem wie einer Mannschaft gemacht hatte. Und ich glaube, ich übertreibe nicht.

Uwe Koschinat hatte dieser Startelf das Vertrauen geschenkt: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Laux, Kwame – Hörnig, Zinke – Kraus, Andersen, Kessel – Aydogmus. Andersen also hinter den Spitzen, Thomas Kraus rannte sich seine Lunge vor allem in der rechten Hälfte des Spielfelds aus dem Leib, Aydogmus wieder von Anfang an.

Und wie schon erwähnt, ging zu Beginn nichts, aber auch gar nichts. Der Spielaufbau der Fortuna bestand ausschließlich aus langen Bällen in die Spitze, die dort allerdings prompt verloren gingen. Zwar konnte man den Gegner so halbwegs erfolgreich vom eigenen Tor hinhalten, andererseits entstanden beide Gegentore zum Zwischenstand von 0-2 aus Kontern, so dass man sich fragen durfte, ob man nach langen Bällen nicht wenigstens hinten sicher stehen kann? Besonders das 0-2 war ein Offenbarungseid: Ein steiler Flachpass genau in die Mitte des Spielfelds, wo Candan die dreispurige Autobahn hinunterpreschte, die beide Fortuna-Innenverteidiger ihm zwischen sich frei gelassen hatten. Das sah wirklich schlecht aus.

Im Anschluss aber begann die Fortuna endlich, den Druck aufzubauen, den man in einem Derby machen muss, bei einem Rückstand sowieso. Das 1-2 fiel nach einem gut geschlagenen Freistoß, den Aydogmus auf den kurzen Pfosten nickte und den der Höhenberger Torwart nur noch ins eigene Netz abfälschen konnte. Kurz darauf hätte Aydogmus sogar fast den Ausgleich geschossen, doch seine Direktabnahme strich am Lattenkreuz vorbei.

Auch körperlich nutzten die rotweißen Spieler nach dem 0-2 endlich den nicht gerade kleinen Spielraum aus, den ihnen Schiedsrichter Thorben Siewer ließ. Diese Ansetzung war durchaus mutig vom Verband, denn Siewer hat zwar Erfahrung in der 3. Liga, aber viele heißere Spiele als dieses Kölner Derby gibt es in der Regionalliga wohl nicht. Unterm Strich machte er seine Sache aber nicht schlecht, insbesondere fand er eine Linie, die einem Derby angemessen ist: Durchaus großzügig in der Zweikampfbewertung, aber dann doch mit konsequenten und unaufgeregten Pfiffen, wenn er die Grenze überschritten sah. Dass er das ein oder andere Mal Aktionen laufen ließ, die auch in England wohl immer gepfiffen würden, trug jedenfalls zum Erlebniswert der Partie bei. Mindestens zwei klare Fehlentscheidungen leistete der Schiedsrichter sich aber doch, beide zugunsten der Fortuna: Vor dem 4-2 riss Andersen seinen Gegenspieler an der Außenlinie mit beiden Händen um. Und ein Foul, das Siewer kurz vor Schluss für Viktoria pfiff, passierte eindeutig innerhalb des Fortuna-Strafraums.

Trotzdem konnte wohl kein Viktorianer behaupten, er sei um einen Punkt geprellt worden zu sein, denn die Unterlegenheit in der zweiten Hälfte war zu eindeutig. Aus der Pause kam nämlich eine völlig andere Fortuna, die sich in der gegnerischen Hälfte festsetzte, auf einmal auch spielerisch glänzte, sich auf den Außenbahnen immer wieder durchkombinierte und zu Chancen kam.

Und doch hätte Silvio Pagano das Spiel vielleicht schon entscheiden können, als er, nur Sekunden vor dem 2-2, einen steil geschlagenen Ball erlief, aber völlig freistehend nicht an Poggenborg vorbei bringen konnte.

Das machte Tobias Steffen (für den verletzten Laux eingewechselt) kurz darauf besser, nachdem Aydogmus ihn angespielt hatte, lief er, so schlicht wie erfolgreich, an der Strafraumgrenze einfach zwischen zwei Verteidigern hindurch und versenkte sicher im langen Eck.

Auch das 3-2 durch Käptn Flottmann fiel seltsam unspektakulär: Bei einer Ecke von der linken Seite stand Flottmann völlig unbewacht im gegnerischen Strafraum, der Ball fiel ihm quasi auf den Kopf, er musste nicht einmal springen oder eine aktive Kopfbewegung machen, und doch segelte der Ball in Zeitlupe ins Toreck.

Vom 4-2 hatte ich schon berichtet, dass ihm ein Foul von Andersen voraus ging, der mich heute insgesamt nicht überzeugte. Viel zu oft waren seine Aktionen hektisch, obwohl doch gerade er die Technik hat, die ihm die nötige Zeit für einen gezielteren Ball geben sollte. Den ermogelten Ball spielte er jedenfalls den rechten Flügel hinunter auf Steffen, der dann quer durch den Strafraum zu Aydogmus passte, der gewohnt sicher zu seinem 11. Saisontor vollstreckte.

Unterm Strich war es ein unfassbar geiles Derby, natürlich gerade wegen des schlimmen Rückstands und weil unser Rheinseitenwechsler Aydogmus die Tore erzielte, die Pagano und Nottbeck auf der anderen Seite verwehrt blieben.

Aufgrund der mehr erzielten Tore ist die Fortuna bei gleicher Punktzahl und Tordifferenz jetzt Spitzenreiter der Regionalliga West, hat aber noch ein Spiel weniger als Lotte absolviert. Schon am kommenden Wochenende, wenn Lotte spielfrei hat, könnte sie beim Tabellenletzten in Wiedenbrück die Tabelle noch eindrucksvoller gestalten. Aber gerade das sind ja oft die schwersten Spiele. (Phrasenschwein, bitte übernehmen Sie! Nachtrag: Und gerade lese ich, dass Wiedenbrück heute sein erstes Saisonspiel gewonnen hat, sogar bei Schalke II. Die Warnung kommt rechtzeitig für Fortuna.)

Und viel wichtiger: Auch im letzten Jahr waren wir Wintermeister, bevor Lotte dann noch unaufhaltsam vorbeizog. Aber bislang ist diese Saison wirklich sehr, sehr viel versprechend, gerade weil die Siege der Fortuna nicht mit großer Leichtigkeit zustande kommen, sondern sie ihr Glück wieder und wieder zwingt.

Derbysieger! Spitzenreiter! Hey! Hey!

Fortuna Köln – KFC Uerdingen 2-0 (0-0)

Da muss man nicht drum herum reden: Dieser Sieg war so wichtig wie unverdient. Zwei Liga-Niederlagen zum Auftakt bei (wegen des Pokals) einem Spiel weniger als mancher Konkurrent: Da hätte sich die Fortuna die Tabelle vielleicht ein Weilchen von unten ansehen müssen. So aber musste Neuling Uerdingen Lehrgeld zahlen, obwohl es die bessere Mannschaft gewesen war, wie hinterher beide Trainer konstatierten.

Uwe Koschinat hatte zwei Spieler aufgeboten, die erst in dieser Saison zur Mannschaft gestoßen sind: Frederic Brill in der Abwehr und Florian Hörnig im defensiven Mittelfeld. Der Rest bildete sich aus dem weitgehend gehaltenen Stamm der letzten Spielzeit: Poggenborg – Sievers, Brill, Laux, Fink – Hörnig, Zinke – Yilmaz, Kessel, Kraus – Kialka.

Auflaufen der Mannschaften

Ozan Yilmaz spielte eine offensivere Rolle als letzte Saison, hauptsächlich auf dem rechten Flügel, aber alle Offensivspieler waren sehr beweglich. Kialka hielt sich hauptsächlich in der Sturmmitte auf, die 10er-Position war aber oft etwas verwaist: Dann klaffte zwischen Zinke und Hörnig und den fast auf einer Linie stehenden Angreifern ein großes Loch. Der Ball ging dann fast zwangsläufig auf den Flügel, aber das ganze Spiel über kam keine einzige gute Flanke in den Strafraum. Das beschreibt schon den einen Teil der Misere dieses Spiels. Der andere Teil war, dass Defensive oft große Probleme hatte, den Ball zum Mitspieler zu bringen. Und das lag nicht nur an den von Uerdingen oft gut zugestellten Passwege, sondern immer wieder auch an fast lächerlichen Stockfehlern.

Die Uerdinger dagegen spielten einen gepflegten Ball, insbesondere ging es nach Ballgewinnen flott, zielstrebig und jederzeit gefährlich nach vorne. Der Abschluss geriet dann aber, zum Glück für Köln, immer wieder zu schlecht. Einmal in der ersten Hälfte hätte es unbedingt rappeln müssen, aber Poggenborg konnte dem angehenden Schützen nach einem Querpass gerade noch vor die Füße hechten, so dass der zu hoch zielte und aus seiner 100%-Position nur die Latte traf.

Die Wende zugunsten der Fortuna kam dann mit der Einwechslung von Ercan Aydogmus. Im Gegensatz zu dem zuvor maximal unglücklich agierenden Kialka warf Aydogmus seine ganze Wucht und Kraft in die letzten 20 Spielminuten. Das 1-0 hätte er eigentlich schon selbst machen müssen, aber der Ball rutschte ihm über den Fuß, glücklicherweise zu Thomas Kraus, der keine Mühe mehr hatte, einzumurmeln.

Auch die Tafel findet den Spielstand zweifelhaft

Das zweite Tor in der Schlussminute aber bereitete Aydogmus traumhaft vor, als er drei Abwehrspieler austanzte, kurz wartete und überlegt auf den kurzen Pfosten passte, wo Batarilo seine zweite Einsatzminute nutzte, um den Ball trocken aus kürzester Distanz unters Tordach zu nageln.

Ich habe die ersten beiden Spiele nicht gesehen, kann mir also noch kein rechtes Bild machen. Mein spontaner Eindruck war, dass insbesondere Nottbeck dem Team doch fehlt, auch wenn das keine Überraschung ist, schließlich waren er letzte Saison oft unter den besten und der unbestrittene Kopf des Spiels. Es wird sich zeigen, wer seine Rolle übernehmen kann oder ob seine Leistung anders kompensiert werden kann. Ein paar Prozent mehr müssen es jedenfalls noch werden, aber die Saison hat ja erst begonnen.

Uerdinger Kurve

Fortuna Köln - KFC Uerdingen

Nach dem Schlusspfiff

Bergisch Gladbach 09: Verpfiffen auf Geheiß des Verbandspräsidenten?

Mir liegen Verschwörungstheorien eigentlich nicht so nahe. Aber man kann schon mal ins Grübeln kommen, wenn Folgendes passiert.

Bei der Auslosung des „Bitburger-Pokal“ genannten Mittelrhein-Pokals vor ein paar Monaten sagte Hermann Korfmacher, der Präsident des WFLV, auf offener Bühne, dass viele angeblich lieber Schwarz-Weiß Essen als den SV Bergisch Gladbach 09 in der Lostrommel gesehen hätten. Das ist für einen Verbandspräsidenten natürlich eine skandalöse Aussage, die auch nicht von ungefähr kam, sondern damals schon im Zusammenhang mit der Kritik gesehen werden musste, die der Bergisch Gladbacher Trainer Dietmar Schacht (ja, der „Didi“ Schacht) zuvor an der Auf- und Abstiegsregelung des Verbands geübt hatte.

 

Und dann passiert gestern im Erstrundenspiel von Bergisch Gladbach bei Viktoria Köln das: In der Verlängerung spielt der Kölner Torwart den Ball außerhalb des Strafraums absichtlich mit der Hand und verhindert so eine große Torchance für Bergisch Gladbach. Viktoria hat schon drei Mal ausgewechselt. Was macht der Schiedsrichter? Er zeigt Gelb.

Im Elfmeterschießen hält dann derselbe Torwart, der nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte, zwei Elfmeter und sichert seiner Mannschaft das Weiterkommen.

Alle zu sehen in diesem Video beim Stadtanzeiger: http://www.ksta.de/videos/15189544,15189544.html?bclid=21368536001&bcpid=14540354001&bctid=1899182102001

Da kann man schon mal auf die Idee kommen, dass auch ein junger  Schiedsrichter weiß, was sein Verbandsoberster erwartet.

Fortuna Köln – 1. FC Kaiserslautern II 3-4 (2-1)

Sieben Tore, vier Führungswechsel, das entscheidende Tor erst kurz vor Schluss: Als neutraler Fan konnte man seinen Spaß haben. Und irgendwie ist man auch als Fortuna-Fan in dieser Regionalligasaison ein bisschen neutral, denn es geht schließlich um nichts. Eigentlich hatte ich vorgehabt, schon etwa vor dem Abpfiff zu gehen, um mehr vom CL-Spiel der Bayern gegen Basel mitzubekommen. Ich blieb aber bis zum Schlusspfiff im Südstadion, obwohl beide Halbzeiten (von Bundesligaschiri Markus Wingenbach) mit je fünf Minuten Verspätung angepfiffen wurden. Das spricht für den Unterhaltungswert des Spiels.

Südstadion

Sportlich aber bekam die Fortuna ihre Grenzen gestern mehr als deutlich aufgezeigt, das Ergebnis schmeichelte der Heimmannschaft – obwohl die eine Minute vor dem 3-4 selbst die Monsterchance zur Führung gehabt hatte.

Fortuna-Trainer Uwe Koschinat hatte gewechselt: Marco Gietzen ersetzte Aushilfslinksverteidiger Michael Lejan. Fabian Montabell rückte wieder in den Sturm, Christian Pospischil ging für ihn als Achter ins Mittelfeld, Maurice Kühn musste dort etwas überraschend weichen, der zuletzt gute Spiele gemacht hatte: Paucken – Yilmaz, Laux, Schäfer, Gietzen – Pospischil, Nottbeck – Pagano, Dahmani, Moritz – Montabell.

Auflaufen der Mannschaften

Das Spiel begann katastrophal. Ozan Yilmaz muss schon seit einigen Partien hinten rechts aushelfen. Und gestern fragte man sich einmal mehr, was Daniel Bartsch eigentlich ausgefressen haben muss, dass Uwe Koschinat statt seiner lieber einen offensiven Mittelfeldspieler aufstellt? Yilmaz wurde von den Lauterern in der Anfangsphase aber sowas von rund gespielt. Das war einfach zu schnell für ihn, er stand falsch, ermöglichte dem Gegner mehrere gute Gelegenheiten, und der nutzte zum Glück nur eine, in der 4. Minute, um ein Tor zu erzielen. Dabei sah allerdings auch noch die Kölner Innenverteidigung schlecht aus, als der Ball von links nach rechts gepasst wurde, dann zurück in die Mitte und der Torschütze dort sekundenlang Zeit hatte, den Ball sogar noch anzunehmen, bevor er ihn ins leere Tor schob.

In der Folge dominierte Lautern das Spiel eindeutig. Die Fortuna kam mit dem Forechecking des Gegners gar nicht zurecht, verlor regelmäßig schon im Spielaufbau die Bälle, und wenn man sie mal behauptete, dann spielte man unpräzise Pässe. Der Betze hätte schon mindestens ein Tor höher führen müssen, als er in der 35. Minute beschloss, der Fortuna die Führung zu schenken: Zunächst köpfte ein Abwehrspieler bei einer Strafraumszene genau auf den Kopf von Steffen Moritz, dessen Ball der Keeper angeblich erst hinter der Linie erwischte. Nur Sekunden später spritzte der emsige Fabian Montabell in einen völlig verbaselten Rückpass und netzte staubtrocken zur Führung ein. Die kam wirklich völlig überraschend, lediglich Christian Pospischil hatte bis dahin mit wuchtigen Fernschüssen für Gefahr gesorgt.

Jubel über das 2-1

Pause

Nach der Pause sorgte sich dann Marco Gietzen beflissen darum, dass die Lauterer nicht zu lange zurückliegen mussten: Erst sprang er am Ball vorbei, Sekunden später aber nicht am Gegner, den erwischte er sauber von hinten in den Kniekehlen. Berechtigter Elfmeter, Ausgleich.

Wiederum nur Minuten später die nächste alberne Situation: Ein Abschlag von Paucken fällt hinter der Mittellinie an den Gegner, der spielt einen einfachen, hohen Ball auf den durchstartenden Wooten, Mitja Schäfer schaltet viel zu spät und Wooten trifft, alleine gegen Paucken, sicher zur erneuten Lauterer Führung. So einfach darf man es dem Gegner wirklich nicht machen, dass der nach einem Kölner Abschlag auf einmal 40 Meter freies Spielfeld vor sich hat.

Immerhin zeigte die Fortuna jetzt eine Reaktion, spielte mit Wut, Willen und Können gegen die Niederlage an. Angriff auf Angriff rollte gegen das Lauterer Tor, bis sich schließlich Christian Pospischil für seine gute Leistung belohnte und einen traumhaften Angriff sicher abschloss, bei dem sich die Fortuna aus einem Einwurf mit Kurzpässen bis vor das Tor kombinierte.

Die Schlussphase hatte dann alles: Zunächst gelang es Silvio Pagano, einen Abpraller über das fast schon leere Tor zu schießen. Gerade ihm! Gerade ihm muss man es allerdings auch verzeihen, mal eine Chance nicht zu verwerten, der in den letzten Spielen so regelmäßig getroffen hatte. Pagano kniete gefühlt noch von seinem Fehlschuss enttäuscht vor dem Lauterer Tor, als die Pfälzer auf der anderen Seite ein Tor machten, das nicht hätte zählen dürfen, weil Ozan Yilmaz‘ Befreiungsschlag vom Gegner mit den Stollen voraus geblockt wurde.

Es war eine klare Fehlentscheidung von Markus Wingenbach, hier weiterlaufen zu lassen, allerdings hatte Lautern den Sieg unter dem Strich deutlich verdient, denn sie hatten das Spiel bis auf 15 Minuten rund um das 3-3 jederzeit im Griff, waren nach vorne enorm torgefährlich und auch die zweikampfstärkere Mannschaft.

Die Torgefahr der Lauterer wurde auch begünstigt vom teilweise hanebüchenen Abwehrverhalten der Fortuna, das Trainer Koschinat nach dem Spiel im DFC-Interview anprangerte. So kann man gegen eine spielstarke Amateurmannschaft einfach nichts holen.

Erwiesen sollte nach diesem Spiel aber sein: Yilmaz ist kein Außenverteidiger, Pospischil ist inzwischen eine echte Verstärkung für das Team, Fabian Montabell kann noch treffen, Mitja Schäfer kann auch mal einen schlechten Tag haben, und die Fortuna kann ihre Tore erspielen, nicht nur körperlich erzwingen.

Am Samstag geht es gegen Schalke II.

"Unsere Fortuna-Herzen bluten! Was ist mit euren?"

Fortuna Köln - 1. FC Kaiserslautern II

Bleibt alles anders

Liebe Telekom-Vertriebsgesellschaft,

wenn ihr mir am Telefon sagt, dass es mit den angebotenen Zusatzleistungen (Festnetz-Flatrate, SMS-Flatrate) „dann bei 39,90 € pro Monat bleibt„, dann erwarte ich einfach, nicht komplett verarscht zu werden. Ich zahle jetzt nämlich 29,95 €/Monat.

Zum Glück könnt ihr eure Rufnummern ja nicht mehr unterdrücken, so dass sich meine Freunde vom Verbraucherschutz vermutlich schon jetzt die Hände reiben.