Neues Suchmenü in Firefox: Sind modale Interfaces wirklich immer schlecht?

Firefox hat sein Suchfeld entmodalisiert, wenn das ein Wort ist. „Modale“ Interfaces gelten als etwas, das man im Interfacedesign vermeiden sollte. Aber gilt das wirklich unter allen Umständen?

Was ist ein modales Interface? Jef Raskin schreibt viel Lesenswertes darüber in seinem bahnbrechenden Buch „The Humane Interface“ (hier zitiert aus der Wikipedia):

An human-machine interface is modal with respect to a given gesture when (1) the current state of the interface is not the user’s locus of attention and (2) the interface will execute one among several different responses to the gesture, depending on the system’s current state

Also: Eine Schnittstelle ist nach Raskin „modal“, wenn sie unterschiedlich reagiert, obwohl der Nutzer dasselbe macht, und wenn der Grund für die unterschiedliche Reaktion dem Nutzer nicht besonders präsent ist. Du denkst, die Kiste müsste jetzt wieder das Gleiche machen wie vorher. Aber der Modus der Kiste hat gewechselt, also macht sie jetzt etwas anderes. Das nervt normalerweise.

Das alte Suchfeld von Firefox war modal. Abhängig davon, welche Suchmaschine/Website der Nutzer ausgewählt hatte, wurde die Eingabe immer an diese Suchmaschine/Website weitergeleitet. Und man konnte schon mal vergessen, welche Suchmaschine man gerade ausgewählt hatte, auch wenn das Icon immer sichtbar war.

Firefox-searchbar-alt

Das neue Suchfeld ist nicht mehr modal. Es tut immer dasselbe, nämlich (ohne weiteres Interaktion) in der vom Nutzer festlegbaren Standardsuchmaschine zu suchen und ihm bei jeder Suche auch die Wahl zu bieten, eine andere Suchmaschine zu nutzen.

firefox-searchbar-neu

Aus meiner Sicht ist das aber eine klare Verschlechterung. Ich suche zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Suchmaschinen. Mal schreibe ich einen englischen Text und brauche brauche 20 mal hintereinander Leo. Danach klappere ich eine Liste von Musikempfehlungen ab und will jede Band auf YouTube probehören. Schlussendlich recherchiere ich Fernsehserien und will mir deren IMDB-Bewertungen ansehen.

Ich denke, dass dieses Verhalten typisch ist: Man sucht man nicht immer in derselben Suchmaschine, sondern jetzt hier, gleich dort. Mit dem neuen Firefox-Suchfeld muss man nun aber, wenn man nicht im Standard sucht, immer wieder die Suchmaschine auswählen. Wenn ich DuckDuckGo als Standard eingestellt habe und den englischen Text schreibe, kann ich nach dem Eingeben des Suchbegriffs nicht einfach Return klicken, sondern muss mit der Maus auf das kleine Feld mit dem Leo-Icon navigieren. Jedes Mal.

Step aside, Jef Raskin, aber ich will mein modales Suchfeld zurück!

Für die Sozialisierung Sozialer Medien

Es ging eine Welle der Empörung durch’s Web, als Twitter erklärte, dass es sich vorbehält, die Nutzung seiner API einzuschränken, wenn und für wen es ihm gefällt. Für eine unterstützenswerte Alternative zu Twitter wird nun verschiedentlich app.net gehalten, weil sich der Betreiber als Plattformanbieter versteht und nicht als Dienstanbieter.

Doch letztlich greift auch das zu kurz. Denn es ist meiner Ansicht nach klar: Die Infrastruktur zur Vermittlung von Diensten gehört, pathetisch gesprochen, in die Hände des Volkes.

Eine Analogie: Twitter verhält sich wie ein privater Anbieter von kostenlosen Straßen, der selbst auch ein Auto herstellt. Irgendwann hat er keinen Bock mehr auf die ganzen Volkswagen und Opel auf seinen Straßen, also schränkt er die Nutzung auf 100 VW und 50 Opel pro Stunde ein, damit mehr Menschen seine eigenen Autos kaufen. Außerdem verlangt er, dass die Radios aller Autos auf seinen Straßen die von ihm ausgestrahlten Werbesendungen wiedergeben.

App.net ist im Gegensatz dazu ein privater Straßenanbieter, der verspricht, niemals selbst ein Auto herzustellen. Das freut die Autohersteller, die sich auf diese Zusage aber nicht verlassen können. App.net verlangt im Gegensatz zu Twitter eine Gebühr für die Nutzung seiner Straßen. Diese Gebühr kann sich in Zukunft erhöhen, das Modell kann sich ändern, oder App.net schließt die Straße komplett, spätestens wenn das Unternehmen pleite geht.

In der echten Welt machen wir es anders: Unsere Straßen gehören allen, sie können von allen genutzt werden und sind aus Steuermitteln bezahlt. (Im Ausland werden Straßen teilweise für bestimmte Zeiträume an private Anbieter vermietet, die dann Nutzungsgebühren erheben dürfen. Sie müssen aber dafür sorgen, dass die Straße erhalten bleibt und können sie nicht einfach schließen. Und ginge so ein Maut-Unternehmen pleite, bliebe die Straße dennoch erhalten und fiele dann eben zurück an den Staat, also an die Gesellschaft.)

Ich plädiere dafür, dass wir mit der Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten genauso umgehen wie mit Straßen und wie mit der Vermittlung von Informationen im Internet generell: Die Infrastruktur sollte allen gehören. Und alles, was es dazu meiner Ansicht nach braucht, ist ein Konsens der Nutzer zur Einführung einer Social Markup Language (SML). Die Infrastruktur gibt es nämlich schon: Sie heißt Internet, und sie gehört uns allen.

Wie ist die Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten im Moment organisiert? Verschiedene Anbieter bauen zentrale Server auf. Die Nutzer bauen zu jedem dieser zentralen Server Verbindungen auf, um Nachrichten zu senden oder zu empfangen.

Zentrale Serverstruktur zur Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten
Zentrale Serverstruktur zur Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten

Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre es, wenn die Nutzer sozialer Netzwerke nicht mehr auf zentrale Server angewiesen wären, sondern wenn sie selbst Server aufbauen könnten, mit denen sie beispielsweise Twitter-, Facebook- oder G+-Nachrichten vermitteln.

Dezentrale Serverstruktur zur Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten
Dezentrale Serverstruktur zur Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten

Aber natürlich wäre das nur der halbe Weg (und würde von Twitter und Co vermutlich nicht unterstützt werden). Gäbe es nämlich eine Social Markup Language, mit der Social-Media-Aktivitäten einheitlich beschrieben werden könnten, dann könnte jeder Nutzer prinzipiell einen eigenen Social-Media-Server betreiben, der diese Sprache spricht und auf dem beliebige Dienste laufen könnten, möglicherweise auch selbstgeschriebene. Und alle diese Dienste könnten die Aktivitäten des Nutzers aggregiert und in einer einheitlichen Sprache formuliert an den Server jedes anderen Nutzers vermitteln, der darauf zugreifen möchte und ggf. zugelassen wird.

Dezentrale Serverstruktur mit einheitlicher Sprache zur Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten
Dezentrale Serverstruktur mit einheitlicher Sprache zur Vermittlung von Social-Media-Aktivitäten

Natürlich muss der SM-Server jedes Nutzers nicht ein eigenes Blech sein, sondern jeder Webprovider könnte Endnutzern diesen Service anbieten, wie es heute mit HTTP- oder Mailservern geschieht.

Zusätzlich benötigt es dann nur noch eine einheitliche Art und Weise, diese Social-Media-Server und die möglicherweise verschiedenen Nutzer darauf zu adressieren. Mein Wissen über Protokolle reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob dazu bestehende Email-Adressen verwendet werden könnten. Extrem praktisch wäre das jedenfalls.

Insgesamt würden Social-Media-Aktivitäten so dem Betrieb privater Anbieter entzogen, vielmehr würde der Austausch von Social-Media-Nachrichten den gleichen Status erhalten wie der Austausch von Emails, der auch nicht an einzelne Anbieter gebunden ist, sondern dezentral auf Servern läuft, die jeder Webmaster leicht aufsetzen kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich bei diesem Vorschlag entscheidende Aspekte übersehen habe. Beispielsweise weiß ich nicht, ob eine dezentrale Struktur nicht deutlich mehr Traffic verursachen würde als eine zentrale Struktur, und ob so nicht die Last auf dem SM-Server oder auf den Leitungen ungebührlich hoch werden könnte.  Ich bitte herzlich um Kommentare!

Warum Bloggen glücklich macht

Die Lied ist bekannt aus uralten Zeiten, und es wurde schon immer von Leuten gesungen, die sich mit dem Internet nicht auskennen: Surfen macht einsam, heißt es darin vereinfacht. Wer sich vor die Kiste hänge, könne nicht am echten Leben teilnehmen, also ab auf den Spielplatz, in die Großraumdisko oder zu Speed-Dating-Events! Jedenfalls raus in die wahre Welt!

Das war zum einen immer schon falsch, ich bin ein lebendes Gegenbeispiel: Ich bin Patenonkel eines Kindes, dessen Eltern ich ohne das Internet nicht kennen würde. Die Silvesterfeste der letzten Jahre habe ich mit Freunden aus Ostdeutschland verbracht, die ich ohne Amazon (!) nicht hätte.  Und ich habe schon von Menschen mit Gläsern nach mir werfen lassen, die besser Buchstaben in einem Chatraum geblieben wären.

Gestern nun stolperte ich in meiner Gelegenheitslektüre „Psychologie Heute“ über einen Artikel, der konstatiert, dass inzwischen auch die psychologische (oder ist es soziologische?) Forschung anerkennt, dass das Internet keine negativen Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen hat – sondern positive! (Der Originalartikel von Patti Valkenburg und Jochen Peter: „Social Consequences of the Internet for Adolescents“ (PDF))

Konkret postuliert der Artikel diese Kausalkette: Online Communication –> Online Self-Disclosure –> Quality Relationships –> Well-being. Man könnte verkürzt auch sagen: Bloggen (oder facebooken) macht glücklich, weil es nämlich dafür sorgt, dass andere mehr von einem erfahren.

Eine Kritik muss ich an dem Text aber trotzdem üben, denn ich vermute einen gerne genommenen Anfängerfehler. Zitat:

However, these positive results are only found for adolescents who use the Internet predominantly to maintain existing friendships. When they use it primarily to form new contacts and talk with strangers, the positive effects do not hold.

Letztlich steht da: Nur, wer schon Freunde hat, wenn er das Internet betritt, wird vom Internet in der Pflege dieser Freundschaften unterstützt. Wer dagegen arm an Freundschaften ist und sich im Internet plötzlich auf Kontaktjagd begibt, der wird auch dort nicht erfolgreich sein.

Für mich ist offensichtlich, dass die Untersuchungen, früher wie heute, die herausfinden wollten, ob das Internet einsam macht oder nicht, nie eine Kausalität beobachtet haben – sondern nur eine Korrelation. Nicht das Internet hat früher dafür gesorgt, dass Menschen vor dem Bildschirm vereinsamen, wenn man diese Pauschalisierung überhaupt als gegeben akzeptiert. Nein, vielmehr hat das früher weniger als heute soziale Internet Menschen angezogen, die an Sozialkontakten nicht so interessiert waren wie andere. Jetzt dagegen, wo das Internet auch sozial hoch aktiven Menschen konkrete Plattformen bietet, ihr Wesen auszuleben, strömen auch sie ins Internet.

Jetzt ist eigentlich nur noch die Frage offen, wer den Herren Schünemann und Pfeiffer diese Studie zumailt?

Faceborg

Facebook stellt sein Privacy-Modell um, schafft regionale Netzwerke ab und gibt seinen Nutzern genauere Kontrolle darüber, mit wem sie einzelne Inhalte teilen wollen. Schön und gut. Ein echter Kracher ist aber der erste Satz des offenen Briefs, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zur Kommunikation dieser Maßnahmen an seine Nutzer schreibt:

It has been a great year for making the world more open and connected.

Über „connected“ kann man ja noch streiten. Aber „open“? Schreibt das wirklich der Kopf eines Dienstes, der alles daran setzt, zum zentralen Knoten der Internet-Kommunikation zwischen Menschen zu werden?

Meine Kollegen, Geschäftspartner und Freunde sind in drei sozialen Netzwerken unterwegs: Twitter, Xing und Facebook. Und in keinem Netzwerk ist der ihm innewohnende Drang, das Netzwerk als Ersatz von Email zu nutzen, so groß wie auf Facebook. Manchmal ist das ja sehr praktisch: Man kann Menschen eine Nachricht zukommen lassen, deren Mailadresse man nicht hat. Aber meine beste Freundin würde mir nie eine Email schreiben, obwohl sie sie besitzt, sondern immer nur eine Facebook-Nachricht. Und ich weiß, dass sie eine Email vermutlich erst nach Tagen lesen würde, eine Facebook-Mail oder eine Nachricht auf ihrer „Wall“ dagegen nach wenigen Stunden.

Facebook öffnet die Welt nicht, Facebook assimiliert sie. Facebook ersetzt sogar seit Jahrzehnten bestehende und funktionierende Kommunikationsmittel wie Email und IM durch einen blauen Bastard aus dem jeweiligen Dienst und der Facebook-Website.

Der einzige Wert, den Facebook initial spendierte, waren Profile und Verknüpfungen zwischen ihnen. Ich habe gerade keine Zeit mehr, danach zu googlen oder die W3C-Site zu durchwühlen: Aber wo ist der offene Webstandard, der es mir ermöglicht, ein Profil anzulegen und mit dem Besitzer einer anderen Emailadresse eine soziale, nach Freigaben abstufbare Beziehung einzugehen? Arbeitet da schon irgendwer dran?

Ich kann mir nur wünschen, dass es Facebook und auch Xing und Twitter so gehen wird, wie AOL, CompuServe, BTXplus und anderen geschlossenen Webdiensten, die hinweggefegt wurden, als Nutzer entdeckten, dass man sie nicht braucht, um miteinander zu kommunzieren und Inhalte abzurufen. Ich hoffe, dass Facebook gerade nur die zweite Welle von Netznutzern abgreift, die sich ebenso wie diejenigen der ersten Welle mit mehr Wissen von Facebook emanzipieren und das Netz als die freie Welt begreifen werden, die es sein kann.

Kurz reingeklickt: Vodafone "Update" für Android

Einer der Vorwürfe gegen die Vodafone-Kampagne war ja, dass da außer großen Worten und einer Image/Testomonial-Kampagne nicht viel ist, womit sich Vodafone tatsächlich als Partner der aktiven Netzbewohner empfehlen würde. Nico Lumma erwähnte in einem Kommentar hier im Blog die „Update-Applikation“, die Vodafone kostenlos für Android- und Blackberry-Nutzer zur Verfügung stellt.

Mal abgesehen davon, dass das im Rahmen einer viele Millionen schweren Kampagne ein ziemlich kleiner Anfang ist und aktuelle Vodafone-Blogpost zeigen, dass der Weg noch sehr weit ist, wenn Vodafone ihn tatsächlich gehen will – mal abgesehen davon ist eine solche kostenlose Applikation tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung. Also mal kurz reingeschaut.

Screenshot: Vodafone

„Update“ ist eine 1,2 MB schwere Android-Applikation (Das ist nicht wenig, aber leider ganz okay, zum Vergleich: Twidroid: 1,0 MB), mit denen der Nutzer seinen Twitter-, Facebook- und Myspace-Account auslesen und schreiben kann. (Anmerkung: Da ich keinen lebenden MySpace-Account habe, konnte ich diesen Kanal nicht testen.) Meines Wissens gibt es keine andere Android-Applikation, wenigstens keine populäre, mit der man mehrere Social-Web-Dienste auslesen kann. Lediglich die Applikation von ping.fm bietet diesen Service noch, allerdings nur um den Preis eines ping.fm- Registrierung. (Man möge mich bitte korrigieren, wenn ich hier eine gute App übersehen habe!) Die Grundidee von „Update“ ist also so schlicht wie sinnvoll.

Die Registrierung der Accounts ist einfach, nach Eingabe der Account-Credentials muss der Nutzer noch auf der jeweiligen Website quittieren, dass „Update“ tatsächlich Zugriff erhalten soll.

Anschließend liest „Update“ dann den Status der verschiedenen Dienste aus und stellt ihn in chronologischer Reihenfolge dar. Optional kann man jeden Dienst einzeln aktivieren oder deaktivieren, sich also beispielsweise nur seine Tweets oder nur die Facebook- und MySpace-Nachrichten anzeigen lassen oder eben alle zusammen.

Hier zeigt sich aber schnell eines der ersten Probleme, das wahrscheinlich viele Mitglieder der neuen Zielgruppe betrifft, der von Voadofone so genannten „Generation Upload“: Viele Twitterer mit Facebook-Account lassen ihre Tweets von einer App in ihren Facebook-Stream einlesen. In der Zeitleiste von „Update“ stehen in meinem Fall also dutzendweise doppelte Nachrichten direkt untereinander, nämlich die von ein und demselben Menschen, ausgelesen aus seinem Twitter- und Facebook-Feed. Das ist zwar zum einen der Tatsache geschuldet, dass sowohl Facebook als auch Twitter proprietäre Systeme sind und die Nutzer ihre Nachrichten deshalb tatsächlich verdoppeln müssen, um sie in beiden Kanälen anzeigen zu lassen. Aber eine mindestens wünschenswerte Option wäre, dass „Update“ mir textidentische Nachrichten nur einmal anzeigt.

Die Implementation des Android-Interfaces ist Vodafone leider nicht gut gelungen:

  • Die Bedienelemente sind für die Bedienung mit dem Daumen auf dem Touchscreen zu klein geraten.
  • Vor allem aber gibt es kein Aktivierungs-Feedback: Wenn ich einen Button klicke oder einen Tweet anwähle, müsste mir ein kurzes Highlighting anzeigen, dass ich die Funktion tatsächlich aktiviert habe. Ohne geht gar nicht.

Auch funktional lässt „Update“ in mancher Hinsicht zu wünschen übrig:

  • Es gibt keine Möglichkeit, das Profil eines Freundes/Verfolgten anzusteuern, weder innerhalb des Clients noch über eine Verlinkung auf die Website des jeweiligen Dienstes.
  • Um auf eine Nachricht zu antworten, muss ich sie mir erst auf einem eigenen Bildschirm anzeigen lassen, was schon für sich genommen kein besonders sinnvolles Feature ist. Es gibt aber keine Möglichkeit, direkt aus der Timeline heraus „antworten“ zu wählen.
  • Selbst um einen Link aufzurufen, muss ich mir erst die Nachricht, in der dieser Link vorkommt, einzeln anzeigen lassen. Albern.
  • Man sieht nicht die Antworten anderer Nutzer auf die eigenen Facebook-Einträge, dabei sind doch gerade diese zugeordneten Diskussionen ein Vorteil von Facebook gegenüber Twitter.
  • Es gibt keine Möglichkeit, Bilder zu Facebook hochzuladen. Zwar bietet „Update“ eine funktionierende Twitpic-Einbindung, und ich kann den Twitpic-Link dann auch in eine Facebook-Message einbinden, aber das ist natürlich nicht dasselbe: Private Fotos stelle ich für meine Freunde bei Facebook ein, würde sie aber nie twitpicen oder öffentlich sichtbar flickern. (Kleine Anmerkung: Wirklich gut wäre die Twitpic-Einbindung auch erst dann, wenn sie nicht nur das Foto zu Twitpic hochladen würde, sondern auch den Nachrichtentext, wie Twidroid das zum Beispiel tut. Auf diese Weise steht dann bei Twitpic nicht nur das nackte Foto.)
  • Es gibt keine Möglichkeit, „Update“ im Hintergrund laufen und sich über Aktualisierungen seiner Freunde automatisch informieren zu lassen. (Ich persönlich würde eine solche Option zwar nicht aktivieren, aber gerade für Nur-Facebook-Nutzer und andere Social-Web-Einsteiger ist sie durchaus sinnvoll, und viele Twitter-Clients bieten sie an.)

Einen echten Pluspunkt verdient allerdings die in den Client integrierte Twitter-Suche!

Unterm Strich würde ich dennoch sagen: Okaye Applikation, die etwas zu unausgereift ist. Ich werde beim bisherigen Stand weiterhin Twidroid und die Facebook-Website benutzen. Ich lasse „Update“ aber mal installiert und warte auf Aktualisierungen.

Deutlich schlechter sieht die Beurteilung jedoch aus, wenn ich die Applikation gegen Anspruch halte, den Vodafone mit seiner Kampagne für sich selbst geschaffen hat: Partner der aktiven Netzbewohner zu sein, etwas „mit und für die Web-2.0-Welt“ tun zu wollen. Dann würde ich als allererstes erwarten, dass „Update“ als Open Source veröffentlicht oder wenigstens die  API offengelegt wird, über die Entwickler die Applikation um weitere Dienste erweitern könnten.

Noch wünschenswerter und mehr im Sinne der Kampagne wäre es aber, wenn ein Gigant wie Vodafone seine Macht nicht nur nutzen würde, um mal ein halbgares Applikatiönchen basteln zu lassen, sondern wenn er sich zum Beispiel darum kümmern würde, das Thema Microblogging auf gewissermaßen „politischer“ Ebene voranzubringen. Warum stellt Vodafone nicht etwa einen Mitarbeiter ab, der sich darum kümmert, die OpenMicroBlogging-Spezifikation voran zu bringen, um Microblogging endlich aus einem Stand herauszubringen, den Email bereits Anfang der 90er überwand: von einem Balkan aus AOL-Mail, CompuServe-Mail, Mailboxen etc. hin zu einem System freier Server, die über ein einheitliches Protokoll miteinander kommunizieren können. Von mir aus könnte Vodafone auch Laconica mal bis zur Version 1.0 bringen, natürlich alles offen und transparent.

Das wären aus meiner Sicht Beispiele für echte Zeichen, dass Vodafone sich als ehrlicher Partner der Netzbewohner verstünde: Wenn es die Community befähigen würde, selbst Dinge zu tun (und als Access-Provider anschließend sogar davon profitieren würde).

Aber das wäre wahrscheinlich zu viel verlangt von einem Konzern, der gerade noch das Bloggen lernt.

Die zweite Balkanisierung des Webs

Es ist schon faszinierend, wie sich Geschichte wiederholt. Die Mailboxzeiten hab ich persönlich ja auch nicht mehr mitgemacht. Als ich ins Internet einstieg, so rund um das Jahr des Herrn 1994, gab es schon Email. Aber es gab auch noch CompuServe und BTX und AOL. Jeder dieser Dienste hatte nicht nur seinen eigenen Client, sondern auch sein eigenes Adressierungssystem. BTX-plus-Dienste erreicht man über den proprietären Client der Telekom mit *dienstname#. CompuServe-Nutzer konnten sich untereinander Nachrichten schicken, indem sie ihre Nutzerkennungen, die übrigens nicht emailadressierungskonforme Kommata enthielten, wie Telefonnummern verwendeten.

All die digitale Kleinstaaterei wurde irgendwann hinweggefegt von Web und Email mitsamt ihren einheitlichen Adressierungen. Aber man muss sich mal klar machen, dass es keineswegs selbstverständlich war, eine elektronische Nachricht von CompuServe zu BTX plus zu schicken.

Umso erstaunlicher ist es, dass all das wiederkommt: Facebook, XING, Twitter und alle anderen sozialen Netzwerke haben ihre geschlossenen Benachrichtigungssysteme. Warum kann ich keinen Tweet an einen Facebooknutzer adressieren? Warum können Identica-Nutzer keine Kontakte mit XING-Nutzern knüpfen?

15 Jahre, nachdem sich Web und Email im großen Stil durchzusetzen begann, balkanisiert das Internet zum zweiten Mal. Das hat natürlich nicht nur mit der Selbstvergessenheit und mit kommerziellen Interessen der Dienst-Betreiber zu tun, sondern auch damit, dass eine zweite Welle von Nutzern ins Web strömt. Ich war zum Beispiel frappiert zu sehen, wie mein Kreis von Düsseldorfer Freunden und Bekannten sich (Achtung, Wortspiel folgt) geschlossen bei Facebook versammeln. Menschen, die ihre Email bestenfalls mal an Feiertagen lesen, beantworten binnen weniger Stunden Posts auf ihrer Facebook-Wall.

Es scheint, wenn man sich irgendwo nicht gut auskennt, dieses sehr starke Bedürfnis zu geben, zuhause zu sein. Wenn dieses Zuhause einen Namen hat: Umso besser. Es ist nur so fürchterlich anstrengend, dass wir all die Qualitäten, die das Web zu dem gemacht haben, was es ist, jetzt wieder neu erfinden, wenigstens aber neu werden durchsetzen müssen.

nicht via, aber inspiriert von Björn Grau und Lifehacker